Botox

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Botulinumtoxin Typ A in der Urologie

Botulinumtoxin besser bekannt unter der Kurzbezeichnung Botox ist vielen als Mittel zur Glättung von Falten bekannt. Botulinumtoxin wird aber schon seit Jahren therapeutisch eingesetzt. Anfangs wurde es zur Behandlung von schweren und schmerzhaften Spastiken bei Kinder und jungen Erwachsenen in die Extremitäten gespritzt. Später wurde es in so genannten „off-label-Gebrauch“ auch in der Urologie zur Therapie einer überaktiven Blase eingesetzt. Seit Anfang 2013 ist nun das Medikament Botulinumtoxin Typ A zu diesem Zweck zugelassen.

 

Doch was ist Botox eigentlich?

Botox ist ein hoch wirkendes Nervengift was aus dem Bakterium Clostridium botulinum erzeugt wird. In der Medizin wird Botulinumtoxin stark verdünnt eingesetzt. Botulinumtoxin wird vom Körper langsam abgebaut so dass bei nachlassender Wirkung die Behandlung mehrfach wiederholt werden kann.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin hemmt die Ausschüttung von Acetylcholin, dadurch wird die Signalübertragung blockiert und die Muskeln mehr oder weniger gelähmt. Acetylcholin ist der Botenstoff den die Muskelfasern zum bewegen brauchen. Da Botulinumtoxin zusätzlich sensorischen Nervenenden hemmend, wirkt es auf die Blasenmuskulatur auch beruhigend.
Die Folgen sind Beseitigung des ständigen Harndrangs, Erhöhung der Blasenkapazität und Senkung des Blasendrucks. Auch wenn Botulinumtoxin hoch giftig ist, wirkt es nicht sofort. Nach 7 – 10 Tage beginnt die Wirkung und nach ca. 14 Tage hat das Botulinumtoxin die maximale Wirkung. Die Wirkung hält in der Regel 6 – 9 Monate, teils auch 12 Monate.

Wer kommt für die Therapie mit Botulinumtoxin infrage?

Vorweg, Botulinumtoxin sollte erst dann zur Anwendung kommen wenn die Medikamentöse Therapie nur unzureichend wirkt, oder sie nicht vertragen wird.
Zielgruppe für die Behandlung mit Botilinumtoxin sind Patienten mit idiopathisch überaktiver Blase mit den Symptomen Dranginkontinenz, imperativer Harndrang und häufiges Wasserlassen. Eine weitere Zielgruppe sind Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie z.B. Bandscheibenvorfällen, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder auch Querschnittlähmungen. Auch Patienten mit zu hohen Blasendrücke infolge einer überaktiven Harnblase gehören dazu. Hier besteht die Gefahr des Harnrückfluss( Reflux)zur Niere, was zu einer chronischen Nierenfunktionsstörung führen kann.
Des Weiteren zählen Männer mit einer gutartigen Prostatavergrößerung zur Zielgruppe.

Was ist vor der Behandlung zu beachten?

Vor der Behandlung muss eine ausführliche urologische Untersuchung samt Blasenspiegelung und Urinkontrolle zum Ausschluss eines Harnwegsinfektes durchgeführt worden sein. Ein bestehender Harnwegsinfekt muss zunächst medikamentös behandelt werden.
Wie bei jeden Eingriff müssen Blutverdünnende Medikamente eine Woche vor dem Eingriff für insgesamt drei Wochen abgesetzt werden.
Es darf vor der geplanten Botox Behandlung keine weitere Anwendung von Botulinumtoxin innerhalb von 3 Monaten an einem anderen Körperteil erfolgt sein.
Bei schwangeren Frauen und während der Stillzeit darf die Behandlung nicht erfolgen.
Wie wird das Botulinumtoxin in die Blase gespritzt?

Die Behandlung erfolgt meist stationär mit einem Aufenthalt von 2 – 3 Tagen, teils wird sie aber auch schon ambulant gemacht. In Narkose oder einer Spinalanästhesie wird endoskopisch bei einer Blasenspiegelung mit einer dünnen Nadel an mehreren Stellen eine kleine Menge Botulinumtoxin in die verstärkte Harnblasenmuskulatur eingespritzt. Diese Prozedur dauert nur wenige Minuten. Nach der Injektion wird meist ein Katheter für 1 – 2 Tage angelegt bis der Urin wieder klar ist. Vor der Entlassung wird per Ultraschal der Restharngehalt gemessen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Mögliche Nebenwirkungen beinhalten Restharnbildung (unvollständige Entleerung der Harnblase) und sehr selten vorübergehende Harnsperre. Daher sollte nach dem Eingriff regelmäßig mittels Ultraschalluntersuchung der Restharngehalt ermittelt werden. Bei Harnsperre oder sehr hohem Restharn kann es erforderlich werden, die Harnblase vorübergehend mittels Blasenkatheter oder Einmalkathetern( ISK) zu entleeren.
Sehr selten können Schluckstörungen oder allgemeine Muskelschwäche auftreten.

Botulinumtoxin bei der gutartigen Prostatavergrößerung ( BPS)

Botulinumtoxin kann auch bei ausgewählten Patienten mit Beschwerden infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt werden. Dabei wird das Botulinumtoxin nicht in die Blase, sondern direkt in die Prostata gespritzt.
Das Einspritzen ist unkompliziert und geschieht in der Regel ambulant und in örtlicher Betäubung.
Das Botulinumtoxin wird ultraschallgestützt vom Damm aus (transperineal), durch die Harnröhre (transurethral) oder durch den Mastdarm (transrektal), direkt in die Vorsteherdrüse gespritzt. Dort löst es ein Zellsterben ( Apoptose) aus und das Prostatavolumen nimmt ab.
Die Wirkung hält auch hier wie bei der Injektion in die Blase bis zu 1 Jahr an und muss dann wiederholt werden. Nebenwirkungen sind hier nicht bekannt.

Fazit

Die Anwendung beim BPS ist viel versprechend. Als minimal invasives (wenig eingreifendes) Verfahren könnte es künftig helfen, eine Operation aufzuschieben oder gar zu vermeiden.

 

- Anzeige -

Besucher: Sie sind nicht allein!

Heute 394

Gestern 2021

Woche 10367

Insgesamt 5110620

Aktuell sind 130 Gäste und ein Mitglied online

Der Verein

Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. ist ein gemeinsames Anliegen vieler Menschen. Der Verein versteht sich als ein offenes Angebot. Unsere Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Den Verein bewegt, was auch seine Mitglieder antreibt: Wir möchten aktiv zur Verbesserung der krankheitsbedingten Lebensumstände beitragen.

 

Impressum        Kontakt

Stuhlinkontinenz

Öffentlichkeitsarbeit