Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Hier geht es um alle Themen aus dem Bereich Pflege. Pflege bei kranken, behinderten und inkontinenten Menschen, Alten- und Krankenpflege, Pflegeversicherung, Hautschutz- und Hautpflege bei Inkontinenz usw.

Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Beitragvon Matti » 06.02.2010 19:59

Mit dem Tabuthema Gewalt in der häuslichen Pflege beschäftigt sich eine Dokumentation des ZDF, im Rahmen der Sendung 37°, unter dem Titel "Darüber spricht man nicht".

Ein fast halbstündiges Video der Sendung kann über diesen Link direkt online angeschaut werden.

http://www.veoh.com/browse/videos/categ ... 47rmmWJMbR


Ein alltägliches, zentrales Thema unserer Gesellschaft. Ich würde mich freuen, wenn hier im Forum eine Diskussion zu diesem Thema entstehen würde.

Gruss

Matti
Kennen Sie unsere Homepage? Auf Inkontinenz Selbsthilfe e.V. finden Sie weiterführende Informationen, zu allen hier diskutierten Themen.

Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. befolgt den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
BildKontrollieren Sie dies hier

Werbung

Bild
Benutzeravatar
Matti
Site Admin - Vereinsvorstand
Site Admin - Vereinsvorstand
 
Beiträge: 1971
Registriert: 25.04.2005 16:39
Wohnort: Grünberg

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dorkumentation

Beitragvon Struppi » 06.02.2010 21:21

Hallo Matti,

diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit schon einmal auf Phoenix gesehen und fand ihn beim damaligen Betrachten schon höchst interessant, hier im Forum eine Diskussion daraus zu machen finde ich eine gute Idee.

Meine ersten Eindrücke waren folgende:

Ist es Gier oder ein „entschädigt-wollen-sein“ für die geleistete Pflege? Was treibt diese völlig überforderten Menschen dazu, sich diesen Situationen auszusetzen? Ist es gar Desinformation oder gar Desintresse, sich mit den Möglichkeiten der ambulanten Pflege auseinander zu setzen? Pflegegeld muss auch für die Pflege ausgegeben werden. Zu oft wird die reine Geldleistung als ein nettes Zubrot zur Rente betrachtet anstatt einen professionellen Pflegedienst mit ins Boot zu holen.

Wie kann man von einer dementen, an Morbus Alzeimer erkrankten Frau Dankbarkeit erwarten oder diese mit einem Kreuzworträtsel traktieren, welches zu lösen sie schon lange nicht mehr in der Lage ist – und jeder Altenpfleger wird mir hier beipflichten: Die Abbauprozesse bei dieser Erkrankung lassen sich nicht aufhalten oder rückgängig machen, auch vermeintliches Gedächtnistraining nutzt nichts sondern fördert nur die Frustration auf beiden Seiten, Pfleger wie Gepflegtem. Bei Frontallappen-Demenz (z.B. Morbus Pick) ist die Situation noch extremer.

Ab wann sprechen wir von Gewalt? Die Definitionen sind breit gefächert und es entstehen viele Grauzonen und Grauabstufungen. Wie schnell übertrage ich als ungeübte Kraft meine Wertvorstellungen, meine Lebensführung auf den zu Pflegenden? Warum muss nur an einem Tag in der Woche geduscht werden – oder an jedem Tag, nur weil ich es so mache? Beginnt die Gewalt dort, wo ich meinen Willen aufdoktriniere obwohl es vermeintlich zum Schutz des Gepflegten ist?

Die ambulante Pflege bietet gute und ausreichende Möglichkeiten der Betreuung, zumindest aber der Entlastung Pflegender Angehöriger – sofern das Pflegegeld in Kombinationsleistung beantragt wird und nicht in der eigenen Tasche versackt. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Pflegende (Angehörige) häufig bis zur Selbstaufgabe verausgaben (und damit Gewalt provozieren) anstatt frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Gruß

Hannes
Benutzeravatar
Struppi
Sternchen-Jäger
 
Beiträge: 250
Registriert: 06.03.2007 20:02
Wohnort: Kiel

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dorkumentation

Beitragvon Matti » 07.02.2010 00:39

Hallo Hannes,

einen sehr guten Überlick über die Ursachen, welche zur Überforderung, mit all ihren Konsequenzen, führen, bietet auch dieser Artikel:

http://www.magazin-fuer-pflege.de/webco ... r-1/i.html

Ich denke, die Hauptmotive liegen in der moralische Verantwortung, welche sich viele Angehörige verpflichtet fühlen.
Daneben spielt mit Sicherheit der gesellschaftliche Druck eine Rolle. Das dies natürlich keine guten Voraussetzungen sind ist selbstredend.

Ich denke, sehr, sehr häufig sind die Möglichkeiten der Entlastung den Angehörigen gar nicht bekannt. Beispielsweise Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege.

Gruss

Matti
Benutzeravatar
Matti
Site Admin - Vereinsvorstand
Site Admin - Vereinsvorstand
 
Beiträge: 1971
Registriert: 25.04.2005 16:39
Wohnort: Grünberg

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Beitragvon Jens schriever » 07.02.2010 13:29

Hallo

Mich hat der Beitrag sehr zum nachdenken bewegt. Es wurde sehr gut dargestellt, was für eine Belastung der Pflegende Angehörige hat. Leider wird dieses Thema zu wenig behandelt.
Struppi, deine Fragen sind sehr interessant. Ich denke, es ist eine Mischung aus Desinformation und den gesellschaftlichen Druck und falsche Emotionen. Die Gesellschaft ist der Meinung, dass die Pflege selbstverständlich ist, und wenn man ein Pflegeteam nimmt, den Pflegenden abschiebt. Auch dass loslassen ist so eine Sache „ was sind das für Leute, wie geht es ihm, machen sie das richtig?“ Und was ist mit der moralische Verantwortung?
Ich denke das Pflegegeld spielt da ein untergeordnete Rolle. Erst wenn sie am Ende sind, suchen sie nach Hilfe. Hier kann nur eine breite Aufklärung Abhilfe schaffen. Der Beitrag von Matti: Wenn Pflege überfordert! Bringt es voll auf den Punkt.
Ich hoffe, dieses Thema wird öfter in den Medien behandelt, denn Überforderung hilft keinen.



Gruß Jens
Benutzeravatar
Jens schriever
Site Admin - Vereinsvorstand
Site Admin - Vereinsvorstand
 
Beiträge: 464
Registriert: 27.04.2005 13:53
Wohnort: Uelzen

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Beitragvon Struppi » 13.02.2010 04:07

Hallo,

seit ein paar Tagen kaue ich gedanklich immer wieder auf diesem Beitrag rum und möchte deshalb - schon, damit dieser interessante als auch brisante Thread nicht "einschläft" - mal folgende Frage in den Raum werfen: Wer hat bereits Gewalt (oder als solche empfundene) in der Pflege (egal, ob stationär oder ambulant) erlebt, und wie hat sich dieses Erleben auf eure Grundhaltung zur Pflege ausgewirkt?

Dabei sollte es unerheblich sein, ob ihr Gepflegte oder Pflegende seid.

Gruß

Hannes
Benutzeravatar
Struppi
Sternchen-Jäger
 
Beiträge: 250
Registriert: 06.03.2007 20:02
Wohnort: Kiel

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Beitragvon Blinki » 14.02.2010 08:54

hallo struppi.

wann fängt gewalt in der pflege an?
egal ob körperliche , seelische

Ich hatte eine zeitlang einen pflegedienst und hatte nur probleme damit .
habe gesagt das ich beim wechseln der inko-versorgung schmerzen habe, da sie mich nicht richtig gedreht hat.
kein gespräch nur abarbeiten der pflege.

Antwort
das habe ich so gelernt. stellen sie sich so nicht an.
dazu habe ich keine zeit

mein glück war das meine exfrau selber ausgebildete krankenschwester ist und ich so jemanden an meine seite hatte der es anders wuste.

habe dann den pd gewechselt und es wurde auf meine wünsche und belange eingegangen.

auch meine exfrau konnte mir nicht helfen da sie mit der situation völlig überfordert war das der eigene mann nun hilfe benötigt.
ich mache meine exfrau keinen vorwurf doch ist es auch eine form der gewalt in der pflege jemanden mit missachtung links liegen zu lassen. ( alles in Bezug auf der pflege )

gegenüber den pflege diensten bin ich doch sehr misstrauisch geworden. möchte aber nicht alle über einen kamm scherren.

ich habe nun das glück das ich eine partnerin gefunden habe die mich in allen lebenslagen unterstützt und auch weisswas wichtig ist in einer beziehung zwischen den pflegenden und den zu pflegenden.
Zwei Dinge bedenke
WOHER
WOHIN
Dann hat dein Leben den rechten Sinn
Benutzeravatar
Blinki
Vereinsmitglied
 
Beiträge: 58
Registriert: 09.11.2006 16:44
Wohnort: Bremen

Re: Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

Beitragvon arinu » 11.06.2010 08:46

Ein Problem sehe ich einfach überhaupt in der Überforderung des Pflegepersonals mit Patienten oder dem Job an sich. Wie im letzten Beitrag von blinki auch rauskommt, kommen oft nicht nur Angehörige, sondern auch eigentlich "professionelle" Pfleger mit dem Job nicht zurecht und gehen dann nicht auf den Patienten ein oder behandeln ihn schlecht. Ich weiß nicht, was sich genau ändern muss, um dieses Problem zu bekämpfen, bessere Ausbildung und Bezahlung für Fachkräfte wäre vielleicht ein Weg. Ich mach mir auch schon Gedanken über eine private Pflegeversicherung, obwohl ich noch recht jung bin, aber es kommt im Krankheitsfall dann einfach eine große emotionale und finanzielle Belastung auf die Angehörigen zu und da möchte ich etwas zur Seite gelegt haben.
arinu
Starter
Starter
 
Beiträge: 4
Registriert: 09.06.2010 11:25
spamschutz: ja


Zurück zu Pflege, Pflegeversicherung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast