von Struppi » 06.02.2010 21:21
Hallo Matti,
diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit schon einmal auf Phoenix gesehen und fand ihn beim damaligen Betrachten schon höchst interessant, hier im Forum eine Diskussion daraus zu machen finde ich eine gute Idee.
Meine ersten Eindrücke waren folgende:
Ist es Gier oder ein „entschädigt-wollen-sein“ für die geleistete Pflege? Was treibt diese völlig überforderten Menschen dazu, sich diesen Situationen auszusetzen? Ist es gar Desinformation oder gar Desintresse, sich mit den Möglichkeiten der ambulanten Pflege auseinander zu setzen? Pflegegeld muss auch für die Pflege ausgegeben werden. Zu oft wird die reine Geldleistung als ein nettes Zubrot zur Rente betrachtet anstatt einen professionellen Pflegedienst mit ins Boot zu holen.
Wie kann man von einer dementen, an Morbus Alzeimer erkrankten Frau Dankbarkeit erwarten oder diese mit einem Kreuzworträtsel traktieren, welches zu lösen sie schon lange nicht mehr in der Lage ist – und jeder Altenpfleger wird mir hier beipflichten: Die Abbauprozesse bei dieser Erkrankung lassen sich nicht aufhalten oder rückgängig machen, auch vermeintliches Gedächtnistraining nutzt nichts sondern fördert nur die Frustration auf beiden Seiten, Pfleger wie Gepflegtem. Bei Frontallappen-Demenz (z.B. Morbus Pick) ist die Situation noch extremer.
Ab wann sprechen wir von Gewalt? Die Definitionen sind breit gefächert und es entstehen viele Grauzonen und Grauabstufungen. Wie schnell übertrage ich als ungeübte Kraft meine Wertvorstellungen, meine Lebensführung auf den zu Pflegenden? Warum muss nur an einem Tag in der Woche geduscht werden – oder an jedem Tag, nur weil ich es so mache? Beginnt die Gewalt dort, wo ich meinen Willen aufdoktriniere obwohl es vermeintlich zum Schutz des Gepflegten ist?
Die ambulante Pflege bietet gute und ausreichende Möglichkeiten der Betreuung, zumindest aber der Entlastung Pflegender Angehöriger – sofern das Pflegegeld in Kombinationsleistung beantragt wird und nicht in der eigenen Tasche versackt. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Pflegende (Angehörige) häufig bis zur Selbstaufgabe verausgaben (und damit Gewalt provozieren) anstatt frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Gruß
Hannes