Inkontinenz Selbsthilfe e.V.
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Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht Eckhard Petersmann, 64 Jahre - Harnblasenkrebs

Guten Tag allerseits,

also ich hatte meine erste Begegnung mit meinem Problem im Herbst 2001 im Alter von 58 Jahren. Plötzlich hatte ich permanenten Harndrang, welcher sich ganz besonders des Nachts sehr unangenehm auswirkte. Fünf-sechsmal Aufstehen war Usus. Ich dachte anfangs, ich hätte mir die Blase erkältet und nahm die diversen Hausmittelchen ein in der Hoffnung: "Das wird schon wieder." Es wurde aber nicht wieder. Als ich anfing, Blut zu pinkeln, ging ich natürlich sofort zum Urologen. Ich liebe nämlich meinen Körper, vor allem, weil ich nur diesen einen habe.

Der Urologe diagnostizierte eine Blasenentzündung am Blasenhals und verschrieb mir einige Tabletten. Diese Tabletten schlugen sofort an, innerhalb eines einzigen Vormittages war ich den furchtbaren Harndrang los.

Als ich dann ziemlich genau zwei Jahre später wieder den Harndrang erleben durfte, ging ich wiederum zum Urologen, um mir diese Wundertabletten verschreiben zu lassen.

Der - neue - Urologe untersuchte mich sehr gründlich, nicht nur mit Ultraschall...... Ergebnis : Weit fortgeschrittener Harnblasenkrebs im Stadium pT3aG3N1, also wirklich schon sehr weit fortgeschritten. Zwei Wochen später war ich meine Blase und die umliegenden Teile los und bin seither inko

Fazit : Man sollte wirklich früh genug zu einem guten Urologen gehen!! ( Am Besten zu D.C. Schacht in Hagen-Hohenlimburg, Möllerstrasse )

Meine Inkontinenz habe ich mittlerweile tagsüber im Griff, aber nachts bin ich völlig inko. Hieran wird sich auch nichts mehr ändern. Außer der nächtlichen Inko unterliege ich keinerlei Einschränkungen, sieht man einmal von der nicht mehr vorhandenen Möglichkeit eines Samstagnachmittagschläfchens auf der Couch ab. Sobald ich nämlich einschlafe, laufe ich aus......

Eckhard Petersmann 
im August 2007

 

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Erfahrungsbericht Birgit Wilhelm, 44 Jahre - Multiple Sklerose - Harninkontinenz

Im Februar 2005 wurde nach jahrelanger Odyssee bei mir eine Multiple Sklerose diagnostiziert. Kurz darauf begann ich beim Husten, Niesen und Treppe steigen Urin zu verlieren und habe meine Gynäkologin um Rat gefragt, da ich 1996 eine Hysterektomie und 2001 beidseitige Eierstockentfernung hatte. Hier habe ich einen Zusammenhang vermutet. Die Ärztin diagnostizierte eine leichte Blasensenkung, die die Beschwerden auslösen könnte, aber sie schickte mich trotzdem zum Urologen. Im Rahmen der Unterleibsoperationen hatte ich schon mal eine Blasenspiegelung, die nicht schlimm war.

Es folgte eine gründliche Beratung und Untersuchung mittels Ultraschall beim sehr netten und kompetenten Urologen und zur weiteren Abklärung schlug er mir eine Blasenspiegelung vor. Der Gang zur Frauenärztin ist ja auch nicht immer angenehm, aber ein notwendiges Übel und der Gang zum Urologen hat mich deshalb keine besondere Überwindung gekostet. Ich bin mit meiner Urologischen Praxis sehr zufrieden! 

Die Diagnose lautete Blasenentleerungstörung die ich seitdem mit dem Medikament Ubretid gut im Griff habe.

In der Partnerschaft gibt es keine Probleme damit.

 

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Erfahrungsbericht Jens Schriever, 44 Jahre - Multiple Sklerose - Harn- und Stuhlinkontinent

Mein Inkontinenz Bericht

1995 bekam ich plötzlich starken Harndrang. Ich ging darauf hin zu einem Urologen. Der fragte mich nach früheren Krankheiten, OP’s, seit wann ich die Probleme habe, wie sie sich äußern und was für Medikamente ich nehme. Nach der Anamnese erfolgte eine körperliche Untersuchung die nicht weiter schlimm war und auch nicht wehtat. Der Urin wurde auf Bakterien untersucht, Blutuntersuchung, Ultraschalluntersuchung, abtasten der Prostata und eine Harnflussmessung wurden ebenfalls gemacht. Nach der Anamnese und der Untersuchung erhielt ich die Diagnose Dranginkontinenz. Medikamente wurden verordnet und für die akute Zeit Inkontinenz Slips. Da ich zuviel Restharn habe, sollte ich mich katheterisieren. Die Medikamente haben nicht so angeschlagen wie sie sollten. Es wurden weitere Untersuchungen veranlasst. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel der Harnwege und Blase wurden gemacht. Auch diese ist nicht schmerzhaft. Da die Untersuchung ohne Befund war, wurde ein neuer Termin zur Blasenspiegelung vereinbart. Die Blasenspiegelung ist etwas schmerzhaft und unangenehm, aber auch auszuhalten. Außer einer geringen Enge des Blasenhalses, der nicht für die Inkontinenz verantwortlich ist, wurde nichts gefunden. Mein Urologe wollte mich danach ins Krankenhaus schicken, zur weiteren Diagnostik. Da außer der Inkontinenz noch weitere Symptome, wie zu hoher Restharn und unsicherer Gang vorhanden waren, was auf MS deuten könnte, habe ich den Urologen aus Angst vor dieser Diagnose gewechselt. Wieder begann alles von vorne und auch dieser wollte mich zur Diagnose ins Krankenhaus schicken. Ich habe das mit ausreden wie: neue Arbeit, Urlaubszeit oder andere Gründe, immer wieder verschoben.

Es folgte ein Ausprobieren verschiedener Medikamente und weitere Blasenspiegelungen, bis mein Urologe mich dazu gebracht hat ins Krankenhaus zu gehen. Ich machte dann einen 2-tägigen ambulanten Termin im AKH Harburg, Abteilung Urologie, zur Diagnostik aus. Dort wurde festgestellt, dass die Inkontinenz neurologisch bedingt ist. Bis zu diesen Termin sind fast 10 Jahre verstrichen, und die Inkontinenz hat sich so verändert, dass ich den Harn erst spürte als er in der Harnröhre war. Dazu sind noch eine Stuhlinkontinenz und ein Restharngehalt von 350ml gekommen. Es wurde mir dann ein Bauchdeckenkatheter gelegt, den ich noch heute habe. Ich bekam einen Termin zur stationären Diagnostik in der Neurologie, wo ich 14 Tage umfangreich untersucht wurde. Nach 14 Tagen stand die Diagnose MS fest. Seit dem hat sich vieles verändert, und ich kann mich heute über meine Dummheit, nicht vorher ins Krankenhaus zu gehen, nur ärgern. Mittlerweile habe ich gelernt, mit der Diagnose MS und der Inkontinenz( Harn/ Stuhl) umzugehen. Ich kann nur jedem raten nicht lange den Besuch beim Urologen heraus zu schieben, und wenn nötig auch weitere Diagnostik machen zu lassen.

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Erfahrungsbericht Anonym (der Redaktion bekannt), - Belastungsinkontinenz , TVT-Operation

Rückblickend schaue ich auf fast 5 Jahre Inkontinenz bei Belastung, wie Husten, Lachen, Heben usw.

Zuerst habe ich es ignoriert. Dann merkte ich, daß es doch immer häufiger passierte. Ich musste mir diverse Vorlagen kaufen. Mein Leidensdruck wurde immer größer. Meine Vorsorge immer gut „gerüstet“ zu sein, wenn ich Termine und Unternehmungen außer Haus hatte, war schon bald perfekt. Bis dahin dachte ich immer noch, das hätte mit dem „zunehmenden Alter“ zu tun und ich müsste nun damit leben. Fragen beim Frauenarzt hatten das auch so bestätigt. Das waren so ca. die ersten 2-3 Jahre.

Schließlich war der Punkt erreicht, da „normale“ Vor/Einlagen nicht mehr ausreichten und ich mich nach optimaler Versorgung umsehen musste. Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich überhaupt keine Ahnung von den wirklichen Vorgängen hatte. Meine Angst es könnte ein „Malheur“ passieren wuchs enorm.

Gleichzeitig wuchs mein Schamgefühl, denn mit etwas Pech hätte ich jederzeit sichtbar für mein Umfeld, mein Problem zur Schau getragen.

Die Scham und die Angst davor stieg ins unermessliche. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mit meinem Partner zum ersten Mal ein offenes Gespräch führte und auf Verständnis bzw. mehr noch, nämlich auf ganz „normalen“ Umgang mit der Inkontinenz traf. Etwa zeitgleich sah ich im TV einen Beitrag über Operationsmethoden bei Belastungsinkontinenz.

Das widerum hat mich im Internet „googeln“ lassen und ich stieß auf unsere Inkontinenz-Selbsthilfe. Jetzt schon wesentlich mutiger geworden, stellte ich all meine Fragen.

Mit den erhaltenen Antworten und den Mutmachwünschen im Gepäck machte ich einen Termin beim Frauenarzt, erzählte von den Möglichkeiten, habe auch keinen Zweifel daran gelassen, dass hier endlich ernsthaft untersucht werden müsse und erhielt eine Überweisung an das örtliche Krankenhaus und den Gyn/Urologen für dieser Art OP’s.

Insgesamt waren bis dahin 5 Jahre mit Heimlichkeit, Scham und Angst vergangen.

Meine TVT-OP fand im Juni 2006 statt.

Alles ist ohne Komplikationen verlaufen.
Im Vorgespräch hatte ich vorsorglich darauf hingewiesen, daß ich keinen Katheter für die anschließenden Tage haben möchte, um das Infektionsrisiko weitestgehend auszuschalten. Restharnkontrolle geht auch per Ultraschall. Auch wusste ich, daß dieser Eingriff einen Krankenhausaufenthalt, in der Regel, von ca. 2 Tagen benötigt. Außerdem hatte ich mich für eine örtliche Betäubung entschieden.

Das alles hatte ich am Donnerstag beim Vorgespräch geklärt, bin Freitag um 7.00 Uhr nüchtern ins Krankenhaus und Samstag morgen um 11.00 Uhr wieder entlassen worden. Das Ergebnis war sofort merkbar und bis auf ein Gefühl wie Muskelkater im Unterbauch war alles bestens.

Heute 10.12.2007, über 1 ½ Jahre nach der Operation fand eine weitere ärztliche Kontrolle statt und zeigte beste Ergebnisse. Husten, Lachen usw. ist nun nicht mehr verbunden mit „gekreuzten Beinen“ oder anderen spezifischen Körperhaltungen. Keine Angst vor unkontrollierten Abläufen. Meine Scham ist gänzlich vorbei und ich möchte ganz einfach auf diesem Wege Hilfe leisten. Mein Appell an alle betroffenen Frauen, seid mutig, geht zum Arzt, notfalls zu einem Zweiten, aber lasst Euch helfen.

 

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Erfahrungsbericht Elisabeth Weber, 45 Jahre - Harninkontinenz - TVT-Operation - Blasenschrittmacher

Vielleicht findet sich in dieser Geschichte so mancher wieder - oder sie macht anderen Mut sich nicht zu schnell abspeisen zu lassen:

Leider habe ich eine Menge Erkrankungen und Operationen im orthopädischen und neurologischen Bereich.
Als mein Sohn 6 Jahre (heute 24) alt war hatte ich eine Nierenentzündung und kam zum ersten Mal zu einem Urologen.
Der stellte fest, dass meine Harnröhre viel zu eng war. In einer ambulanten OP wurde die dann erweitert.

Ca. 2 Jahre nach der Geburt meines letzten Kindes (heute 18) bekam ich die Gebärmutter entfernt und gleichzeitig die Blase gehoben.

Nun ja, in diesem ganzen folgenden OP-Theater (in den letzten 7 Jahren 9 OP´s) habe ich meine beginnende Inkontinenz lieber nicht bemerkt!

Aber dann bin ich notgedrungen doch zum Urologen gegangen. Dieser tolle Arzt hat mich fast ein dreiviertel Jahr auf Blasenentzündung behandelt! Durch Zufall, bei einer Kontrolluntersuchung beim Gynäkologen, stellte sich ´raus – ich hatte gar keine Entzündung!

Als ich wieder mal im KH lag, bat ich um eine Untersuchung bei Urologen. Dort wurde ich wirklich gründlich untersucht.
Der Oberarzt stellte eine Urge-Blase fest. Und meinte, er müsse mich beim Prof. vorstellen.
Natürlich dauerte es als Kassenpatient etwas länger bis ich diesen Termin bekam. Obwohl er meine Krankenakte vor sich hatte, fragte er noch mal nach meinem Alter!
Dann meinte er, mit 41 Jahren wäre ich für diese Diagnose zu jung, sie könne nicht stimmen. Er wollte noch mal alle Untersuchungen wiederholen.
Auf meine Frage warum, sagte er, er hätte die Untersuchung gerne von Dr. XY, der sei Spezialist. Aber genau dieser Doktor hatte mich ja untersucht.
Aber es war seine ganze Art, irgendwie kam ich mir blöd vor!

Dann bin ich zu einem anderen Urologen bei uns gegangen. Der hat mir dann nach einigem Zögern wenigstens mal die Vorlagen aufgeschrieben. Außerdem wurde mit diversen Medikamenten experimentiert. Aber ausser Nebenwirkungen haben die nichts gebracht.

Einer Freundin zu liebe, bin ich in die SHG „Kammerpöttche“ am Heilig-Geist-Krankenhaus gegangen. Der leitende Arzt hat mir sofort angeboten mich erneut zu untersuchen. Er hat einiges über die Urge-Blase geschrieben.
Also bin ich dahin in die Sprechstunde. Heilig-Geist ist ein Inkontinenz-Zentrum. Dort wurde also bereichsübergreifend untersucht. Der Urologe, die Gynäkolgogin, der Arzt für Inneres und der Orthopäde.
Dabei wurde festgestellt, das eine Blasenlähmung wahrscheinlicher ist, begleitet von einer Streßinkontinenz.

Mein Urologe meinte aber, sein Prof. hätte tolle Ergebnisse bei Inkontinenz und ich sollte mich ihm mal vorstellen.
Nun, man greift nach jedem Strohhalm – ich also dorthin.

Und wieder wurde alle Untersuchungen gemacht – die müssen glauben, dem Patienten macht das Spass! – darauf hat der Professor mir versprochen: Ich mache Sie trocken!

Leider habe ich mich darauf eingelassen. Er hat mir ein TVT-Band eingesetzt. Die Stressinkontinenz war dann weg. Aber das eigentliche Problem natürlich nicht.

Mein Urologe meinte, ich bräuche Geduld, der Erfolg könnte bis zu 6 Monaten auf sich warten lassen.
Mittlerweile bin ich aber, ganz klein mit Hut, wieder zum Heilig-Geist gegangen.

Dort wurde dann ein Test mit einem extrernen Schrittmacher gemacht. Dieser war sehr erfolgreich!
Also wollten wir den Schrittmacher einsetzen.

Nach vielen Schreiben und Telefonaten bekam ich von der BEK aber keine Kostenzusage.
Mit viel Initiative vom Heilig-Geist wurde ein Kontakt zu Prof. Pannek hergestellt.
Der hat mir in der Uni-Klinik Herne das Implantat eingesetzt. Nach verschiedenen Einstellungen bin ich jetzt ca. 70-80 % trocken.

Prof. Pannek hat sich sogar mit einem Oberarzt in Köln in Verbindung gesetzt, um mir einen kürzeren Weg zur Weiterbehandlung zu ermöglichen.

Es war ein langer mühsamer Weg - aber es hat sich gelohnt.

Liebe Grüße aus dem Rheinland

Elisabeth

 

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Erfahrungsbericht Matthias Zeisberger, 34 Jahre - Blasenschrittmacher

Vorab möchte ich sagen, dass ich mich bewusst dafür entschieden habe, die Kliniken auch namentlich zu nennen. In meinem Bericht werden die Leser Vorgänge finden, welche haarsträubend sind. Soll sich jeder sein eigenes Bild machen.

Im Jahr 2001 erzählte mir meine damalige Urologin von einer Therapie, welche sie auf einem Urologenkongreß kennen gelernt hatte. Die Rede war vom Blasenschrittmacher.

Die Therapieoption klang verlockend. Leider gab es zu diesem Zeitpunkt nicht allzu viele Kliniken, welche diese Implantation vornahmen. Die am nächsten gelegene Klinik wäre die Werner Wickert Klinik in Bad Wildungen gewesen. Dies scheiterte allerdings an der nicht erfolgten Kostenzusage meiner Krankenkasse.

Ich war damals noch voll berufstätig. Deshalb bedurfte es immer ein wenig Terminplanung mit meinem Arbeitgeber. Ich entschied mich für eine Vorstellung in der Uni Klinik Mainz, bei Herrn Dr. Hampel.

Dort angekommen wurden umfangreiche Tests durchgeführt, unter anderem eine Blasendruckmessung. Aufgrund der Ergebnisse hielt man mich für einen „Kandidaten“ für eine Teststimulation. Wir vereinbarten einen Termin in einigen Wochen. Nach erfolgreichem Test sollte direkt der Stimulator eingebaut werden. Kurz vor dem eigentlichen Termin erhielt ich einen Anruf, daß der Termin noch einmal verschoben werden musste. Gut, kann passieren.

Am neu vereinbarten Termin erschien ich pünktlich in der Uni Mainz. Dort angekommen, hatte nicht wirklich jemand für mich Zeit. Ob man den Test durchführen könne, war ungewiss, ein Zimmer hatte man auch nicht für mich. Mainz ist über 100 Kilometer von meinem Zuhause entfernt. Zudem war mein Arbeitgeber darüber informiert, daß ich für die nächsten Wochen ausfallen würde.

In einem Arztgespräch, der Name des Arztes ist mir leider entfallen, wurde noch einmal alles hinterfragt. Es stünde noch gar nicht fest, ob ich überhaupt für eine Teststimulation in Frage kommen würde. Ich bin nicht unbedingt ein „bequemer“ Patient und so habe ich meinem Unmut auch verkündet. Man hat mich daraufhin von 10 Uhr morgens bis ca. 18 Uhr auf dem Stationsflur sitzen lassen. Als ich dann meine Heimreise ankündigte, wenn nicht in kürzester Zeit ein Arzt für mich Zeit hätte und ein Zimmer für mich frei wäre, kam etwas Bewegung in die Sache.

Man hätte kein Zimmer, aber nach einer Nacht im Arztzimmer könne ich morgen ein „richtiges“ Zimmer beziehen und man würde die Teststimulation durchführen.

Ich wurde also gegen 19 Uhr in meine „Notunterkunft“ gebracht. Das Zimmer hatte weder eine Telefon noch eine Notklingel. Nach den ganzen Strapazen schlief ich recht schnell ein. Gegen 2 Uhr Nachts wunderte ich mich, daß die Nachtschwester noch nicht einmal in meinem „Zimmer“ gewesen war. Ich setze mich also in meinen Rolli und fuhr den Gang der Station entlang. Mir kam eine Nachtschwester entgegen, welche mich anschaute wie einen Geist. Es stellte sich heraus, dass die Nachtschwester über meine Anwesenheit auf der Station überhaupt nicht informiert worden war. Ich möchte einmal betonen, dass ich Rollstuhlfahrer bin und eine hohe Pflegestufe habe.

Nun gut, die Nacht war rum. Schon sehr früh am Morgen kam ein Arzt auf mein „Notzimmer“. Dieser setzte sich neben mein Bett und beschrieb mir, was man alles mit mir vorhabe. Ich habe mir das ca. 10 Minuten angehört. Danach bat der Arzt um meine Unterschrift für die Einwilligung. Ich habe mich bei dem Arzt für die sehr ausführliche Aufklärung bedankt und ihm die Unterschrift verweigert. Auf die Frage des Arztes warum ich meine Einwilligung verweigern würde, habe ich ihm gesagt, dass er sich wohl in der Tür geirrt habe. Die Operation, welche er mir erklärt habe, würde auf mein Krankheitsbild nicht zutreffen. Der Arzt sah mich an, genauso wie die Nachtschwester in der Nacht zuvor, als sei ich ein Geist. Mit dem einzigen Unterschied, das er doch sehr blass wirkte. Er verließ daraufhin stammelnd das Zimmer. Nach einer halben Stunde kam er zurück und entschuldigte sich nach allen Regeln. Naja gut, dass ihm dies nicht während der Narkose passiert ist.

Man hat mich tagelang warten lassen, bis dann endlich der Tag gekommen war, an dem die Teststimulation durchgeführt werden sollte. Wie vor jeder Narkose sollte ich den Abend vorher weder etwas essen noch trinken. Am nächsten Morgen bekam ich schon früh mein OP-Hemdchen an. Danach sah ich erst einmal für viele Stunden niemanden mehr. Gegen 16 Uhr hat man mich in den OP geschoben. Ich habe noch nie in einem Krankenhaus so viele Mediziner gesehen, welche den Ausdruck eines Geistes hatten. Auch im OP wusste niemand, was man dort mit mir anfangen sollte. Nachdem ich eine Stunde auf einer kalten, harten Liege im OP-Vorraum verbracht hatte, teilte man mir mit, dass gar kein Anästesist mehr da wäre.

Ich wurde also unverrichteter Dinge wieder auf mein Zimmer geschoben. Nur auf drängen hat man mir dann noch etwas zu essen besorgt.

Der nächste Tag verlief ähnlich. Wieder musste ich bis 16 Uhr nüchtern bleiben und wieder wurde ich in den OP geschoben. Auch diesmal hatte man keinen Narkosearzt. Man entschied sich kurzerhand, dass man dies auch ohne Narkose machen könne, eine örtliche Betäubung würde auch ausreichen.

Bei der Teststimulation werden ca. 8 Nadeln nahe an die Sakralnerven plaziert. Diese werden unter Strom gesetzt, um die richtige Position zu finden. Es kam, wie es kommen musste, nach einer halben Stunde bin ich auf dem OP-Tisch kollabiert. Man hat daraufhin die OP abgebrochen und mich eine Stunde lang mit einem Gebläse ( ? ) aufgewärmt.

Die bis dahin angebrachten Nadeln sollten für eine Teststimulation ausreichen. In den nächsten Tagen wurde getestet. Das Ergebnis: Es sprach alles für den Einbau eines Blasenschrittmachers.

Nach dieser erfolgreichen Teststimulation wollte allerdings niemand mehr etwas davon wissen, dass man mir zugesagt hatte, direkt im Anschluss die Implantation durchzuführen.

Ich wurde also wieder nach Hause entlassen, ein Termin sechs Wochen später wurde vereinbart. An diesem Termin sollte dann die Operation erfolgen. Auch dieser Termin wurde sehr kurzfristig zweimal verschoben. Mein Arbeitgeber hat sich gefreut wie ein Schneekönig ( nein, nicht wie ein Geist ).

Ein gutes viertel Jahr später rückte ich wieder in Mainz ein. Das gleiche Theater wie beim ersten Besuch, wieder hatte man, trotz Termin, kein Zimmer mehr für mich frei. Es hat sich dann, nach Stunden, doch noch ein Zimmer gefunden.

Am nächsten Tag erklärte man mir, dass man erneut eine Teststimulation durchführen müsse ( wolle? ). Nach einiger Diskussion stimmte ich zu, schließlich war die endgültige Implantation nicht ganz ohne. Sollte sich herausstellen, dass die erneute Teststimulation erfolgreich wäre, sollte ich direkt im Zuge des stationären Aufenthalts den Blasenschrittmacher erhalten.

Der Test wurde durchgeführt, diesmal mit Narkose. Bei der Narkose habe ich mich übergeben, es folgte das Absaugen der Lunge.

Wieder wurde einige Tage getestet. Wieder erfolgreich. Von der anschließenden OP wollte aber auch diesmal keiner etwas wissen.

Ich wurde also wieder nach Hause geschickt, mit einem Termin in sechs Wochen.

Richtig, auch dieser wurde noch zweimal verschoben.

Am Vorabend meiner Abreise zur Klink erhielt ich gegen 20 Uhr einen Anruf aus der Klinik. Man müsse den Eingriff absagen. Absagen, nicht verschieben! Man können den Schrittmacher nicht bekommen und dies auf nicht absehbare Zeit. “ Bums, fertig!“

Verärgerung und Verzweiflung wechselten sich an diesem Abend ab. Mein Arbeitgeber hatte auch die Faxen dicke.

Ein paar Tage später habe ich meine Urologin Zuhause aufgesucht. Dies war völlig schockiert und wieder sah ich einen „Geist“ vor mir. Sie hatte dann alle Hebel in Bewegung gesetzt. Wie ich einführend schon erklärt hatte, gab es im Jahr 2001 nicht viele Kliniken, welche eine solche Operation durchführten.

Meine Urologin nahm Kontakt mit der Uniklinik in Kiel auf. Dort erklärte man sich bereit, die Operation durchzuführen. Kiel ist ca. 700 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Im Vorfeld wurde vereinbart, dass alle Unterlagen von Mainz nach Kiel geschickt werden sollten, damit keine weitere Teststimulation durchgeführt werden müsse.

In Kiel angekommen, wollte man davon nichts mehr wissen. Man müsse eigene Tests durchführen. Auch hier wurde mir zugesagt, dass man nach erfolgreichem Test gleich operieren würde. Test durchgeführt, Test erfolgreich. Von einer sofortigen OP wollte allerdings auch dort keiner mehr etwas wissen.

Also wieder nach Hause. Ein neuer Termin für eine Operation wurde vereinbart.

Nach einigen Wochen bin ich also erneut nach Kiel gefahren. Statt der Operation wollte man einen erneuten Test durchführen. Es folgte ein „emotionaler Ausbruch“ von mir, den man wahrscheinlich noch in Dänemark gehört hat.

Nach einem abendlichen Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Jünnemann einigten wir uns auf einen erneuten Test mit der festen Zusagen, danach zu operieren. Diese Zusage wurde eingehalten.

In einer über dreistündigen Operation baute man mir den Blasenschrittmacher ein. Im Vorfeld wurde ausführlich besprochen, an welcher Stelle der Stimulator implantiert werden sollte. Daran fühlte man sich allerdings wohl nicht gebunden. Ergebnis: Der Stimulator saß viel zu tief auf meiner rechten Gesäßhälfte. Er drückte schon nach wenigen Tagen.

Im Anschluss der Operation wurde mir eine AHB in der Klinik Wildetal in Bad Wildungen genehmigt. Dort angekommen, hatte ich in den ersten Tagen fast 41 Grad Fieber, zudem „suppte“ die Naht der Wunde. Die Ärzte in Wildetal wollten die AHB schon abrechen und mich wieder stationär aufnehmen lassen. Nach einigen Tagen besserte sich allerdings mein Zustand.

An dieser Stelle möchte ich die Klink Wildetal und die Ärzte einmal ausdrücklich loben. Äußerst kompetent, sehr menschlich, immer Zeit, für alle Fragen offen. Allerdings war eine Reha nach einer Blasenschrittmacher-Operation dort wohl noch nicht durchgeführt worden. Man bemühte sich aber dennoch ausgezeichnet.

Ein paar Wochen nach der Reha platze mir die Narbe am Gesäß auf. Heraus lief eine Flüssigkeit, welche ich nicht näher beschreiben möchte.

Mein Weg führte mich zunächst zu meiner Urologin. Die eröffnete mir allerdings, dass dies in einem Krankenhaus angeschaut werden müsse, welches sich mit Blasenschrittmachern auskenne. Sollte ich also wieder nach Kiel? Oder gar wieder nach Mainz?

Es wurde nach Möglichkeiten und Lösungen gesucht und mit der Uni in Mannheim eine Klinik gefunden.

Dort wurde ich erstmals kompetent empfangen und behandelt. Man erklärte mir, dass sich der Stimulator gedreht und entzündet hätte. Man schlug mir vor, dass man den Stimulator von meinem Gesäß in den rechten Bauchraum verlagern wolle. Dem stimmte ich zu.

Nach einigen Wochen hatte ich allerdings ein Erlebnis der besonderen Art. In unserem großen städtischen Kaufhaus löste ich alle Diebstahlwarnanlagen aus. Ihr glaubt gar nicht, wie viele versteckte Alarmanlagen es in einem solchen Kaufhaus gibt. Schuld an der Auslösung war allerdings nicht ein Kauf auf „englische Art“ sondern mein Blasenschrittmacher.

Ich suchte nach diesem Erlebnis wieder die Ambulanz der Uni Mannheim auf. Dort stellte man fest, dass sich der Stimulator erneut gedreht hatte. Wir vereinbarten einen Termin zu erneuten Korrektur.

Dazu sollte es aber, so wie geplant, nicht kommen. Zwei Wochen nach dem Ambulanzbesuch schauten ein paar „Fäden“ aus der Narbe, hinter welcher der Stimulator war, aus meinem Bauch heraus. Die Fäden stellten sich als Kabel heraus, in der Nacht war die Narbe aufgeplatzt.

Einige Stunden später war ich wieder in Mannheim, es handelt sich schließlich um einen Notfall. Dort stelle sich heraus, dass die ganze „Bauchtasche“ entzündet war. Durch den Eiter war das Gerät unbrauchbar geworden, weil man es nicht mehr desinfizieren konnte.

Der Blasenschrittmacher wurde also wieder ausgebaut.

Trotz meiner persönlichen Erlebnisse lehne ich diese Therapieoption nicht ab. Ich kenne eine Reihe von Menschen, welche sehr gute Erfahrungen mit dem Blasenschrittmacher gemacht haben. Ich habe mich allerdings gegen einen erneuten Versuch entschieden, vielleicht ist dies nachvollziehbar.

Als Therapieoptionen wurde mir ein Stoma oder eine Pouchblase angeboten. Ich konnte mich damals nicht entscheiden und kann es bis heute nicht. Ich führe den Selbstkatheterismus durch und nutze zudem harnaufsaugende Hilfsmittel. Dies ist für mich im Moment eine gute Möglichkeit.

 

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Erfahrungsbericht Horst Bigalk, 70 Jahre - künstlichen Sphinkter AMS 800

Gern schildere ich hier meine Erfahrung mit dem künstlichen Sphinkter AMS 800. Vorab aber meine Vorgeschichte:

Im März 2002 wurde mir aufgrund eines bösartigen Tumors die Prostata total entfernt. Seitdem war ich relativ stark inkontinent. Trotz zweimaliger Reha mit intensiver Beckenboden-Gymnastik und weiterer Übungen zu Hause stellte sich kein Erfolg ein. Ich besuchte mehrere Urologen und das Kontinenzzentrum in Villingen-Schwenningen. Es wurden alle denkbaren urologischen Untersuchungen gemacht. Die eigentliche Ursache der Inkontinenz habe ich allerdings bis heute nicht erfahren. Man gab mir Tabletten wie Yentreve, Lyrinel, Miktonorm etc. Den größten Erfolg hatte ich mit Yentreve. Mein Vorlagenbedarf schrumpfte von 5-6 am Tag bis auf 1-2 Stck. Die Nebenwirkungen waren allerdings bei mir so stark, daß ich die Pillen wieder absetzte. Mir wurde übel und ich bekam starke Verstopfungen. Obwohl mir die Urologen wiederholt zu dem künstlichen Sphinkter rieten, nahm ich permanent Abstand davon mit der Begründung, so einen „Fremdkörper“ lasse ich mir nicht implantieren. Es muß doch auch irgendwie anders zu beheben sein. Aber es gab keine andere Möglichkeit. So habe ich mich nach über fünfjähriger Leidenszeit doch dazu entschlossen, mir den „Fremdkörper“ einbauen zu lassen. Ermutigt dazu wurde ich auch von drei Betroffenen, die schon länger mit dem Implantat leben und beste Erfahrungen gemacht haben. Heute, mit 14-tägiger Erfahrung, bedaure ich es, daß ich den Schritt nicht schon früher getan habe.

Nun, zu der OP.

Nach eingehenden urologischen Voruntersuchungen erfolgt die Implantation. Ich habe einen kleinen Schnitt im linken Unterbauch und einen Schnitt im Hodensack. Durch diese Schnitte wird das System eingeführt. Der Reservoir-Ballon, gefüllt mit einer physiologischen Kochsalzlösung, liegt im linken Unterbauch und die Pumpe im Hodensack. Das Schlauchsystem wird im linken Leistenkanal verlegt. Der Eingriff dauerte ca. 45 Minuten. Die Verweildauer in der Klinik waren 10 Tage. Nach drei Tagen wäre ich imstande gewesen, nach Hause zu gehen. Um aber jegliche Infektionen und Abstoßungsprozesse auszuschließen, wird mit Antibiotika gegengesteuert. Deshalb die längere Verweildauer. Danach muß sich das Implantat acht Wochen im Körper richtig positionieren und verwachsen, bis dann ambulant die Aktivierung erfolgt. Bei der Aktivierung drückt der Arzt kräftig auf die Pumpe und bringt somit die Flüssigkeit zum Laufen. Nach kräftigem Wassertrinken füllte sich natürlich die Blase, und ich bekam Harndrang. Der Arzt zeigte mir dann, wie ich die Pumpe zu bedienen hätte. Ich mußte weiterhin trinken und nach erneutem Harndrang die Pumpe dann selbst betätigen. Man wollte natürlich sehen, ob ich das Handling beherrsche. Es klappte alles vorzüglich. Und heute wird das alles schon zur Routine. Wichtig ist, ich bin trocken.

Ich hoffe, daß dieser Glückszustand sehr lange anhält.

Euch allen alles Gute und eine „trockene“ Zeit.

 

Autoren: Redaktionsteam der Inkontinenz Selbsthilfe e.V. (bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen)
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