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Harninkontinenz - Inkontinenzformen

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Harninkontinenz, dass heißt unwillkürlicher Urinverlust, ist eine häufige Erkrankung, unter der in Deutschland etwa sechs bis acht Millionen Frauen und Männer leiden. Blasenfunktionsstörungen, Entleerungsstörungen und Harninkontinenz, treten in jedem Alter auf, wobei mit zunehmendem Alter die Harninkontinenz zunimmt. Ursächlich für die Harninkontinenz sind ganz unterschiedliche Faktoren, welche auch in Kombination auftreten können.

Daneben ist eine ungestörte Speicherung und Entleerung des Urins und eine intakte Funktion zentraler und peripherer Nervenstrukturen erforderlich. Deshalb kommt es häufig bei neurologischen Erkrankungen, wie z.B. Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose, zu einer gestörten Blasenfunktion, welche eine Harninkontinenz begünstigen.

Die Hemmschwelle, um sich sachkundige Hilfe oder Rat einzuholen und sich an Ärzte, Angehörige oder Selbsthilfegruppen zu wenden, ist seit vielen Jahren unverändert hoch. Gerade einmal die Hälfte der Betroffenen macht davon Gebrauch.

In einer im Jahr 2006 durch die WHC veröffentlichten Studie unter 2004 Frauen wurden diese Angaben bestätigt.

  • Nur 45 % der betroffenen Frauen kontaktieren einen Arzt.
  • Von den Betroffenen mit starkem Leidensdruck suchen 60 % einen Arzt auf.
  • Die Mehrzahl der Frauen bewältigt das Problem allein: 60% der an Harninkontinenz leidenden Frauen geben an, gut alleine zurecht zu kommen –sie informieren sich selbst.
  • 22 % aller Betroffenen scheuen sich, zum Arzt zu gehen, oder haben Zweifel, dass es wirksame Therapien gibt.

Dabei sind Diagnostik und Therapie so weit fortgeschritten, dass sich die verschiedenen Formen der Harninkontinenz in den allermeisten Fällen heilen oder zumindest lindern lassen. Leider wissen dies noch zu Wenige. Dies ist für uns Anlass genug, über dieses tabuisierte Leiden zu informieren.

Wir möchten betroffene Frauen und Männer ermutigen, ihr Leiden anzusprechen und sich darüber zu informieren, wo und wie sie Hilfe finden können. Der Inkontinenz Selbsthilfe e.V. richtet sich aber auch an Angehörige und Pflegende, denn gut informierte Angehörige können zum Einen die Erkrankung besser nachvollziehen und zum Anderen ihre eigenen Ängste, Sorgen und Nöte verarbeiten.

Die unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz:

Harninkontinenz ist nicht gleich Harninkontinenz, entscheidend sind die Ursachen, welche zum ungewollten Urinverlust führen.

International wird die Harninkontinenz in acht Formen unterschieden und eingeteilt:

Belastungs- (Stress-) Inkontinenz:

Auf Grund einer Schließmuskelschwäche kommt es bei Druckerhöhung im Bauchraum zu unwillkürlichem Urinabgang.
Druckerhöhungen entstehen bei körperlicher Belastung wie zum Beispiel: Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Bauchpresse.

 Ausführliche Informationen über: Ursachen, Diagnostik und Behandlung der Belastungsinkontinenz

Motorische Drang-(Urge-)Inkontinenz:

In Folge unkontrollierbarer Detrusorkontraktionen (Blasenwandmuskulatur, deren Kontraktion zur Harnentleerung führt) mit intravesikaler Drucksteigerung (Steigerung des Blaseninnendrucks) kommt es zu einem nicht mehr unterdrückbaren Harndrang (imperativem Harndrang), welcher zu unkontrolliertem Harnverlust führt.

Sensorische Drang-(Urge-)Inkontinenz:

Hier geht ebenfalls unter imperativem Harndrang, unwillkürlich Urin ab, wobei primär keine Detrusorkontraktionen nachweisbar sind. Sie können aber im weiteren Verlauf sekundär auftreten. Ursachen sind meist Blasenerkrankungen, wie z.B. Harnwegsentzündungen

 Ausführliche Informationen über: Ursachen, Diagnostik und Behandlung der Dranginkontinenz

Obstruktive Überlauf-Inkontinenz:

Es kommt zu einem unwillkürlichen Harnabgang bei voller Blase. Ursache ist eine Blasenauslass-Verengung (Obstruktion). Dies tritt z.B. in Folge von Prostatavergrößerungen oder Harnröhrenverengungen sehr häufig auf. Blasensteine oder im schlimmsten Fall Tumore, können ebenfalls verantwortlich sein.

Funktionelle Überlauf-Inkontinenz:

Analog der obstruktiven Überlauf-Inkontinenz geht bei voller Blase unwillkürlich Urin ab. Die Ursache ist hier aber eine Detrusorschwäche (Insuffizienz). Dies bedeutet, dass die Blase nicht genügend Druck aufbaut um den Urin zu entleeren. Die Blase läuft über, ähnlich einer vollen Regentonne.

 Ausführliche Informationen über: Ursachen, Diagnostik und Behandlung der Überlauf-Inkontinenz

Supraspinale Reflex-Inkontinenz:

Es geht unwillkürlich Urin ab, da der Betroffene auf Grund von Hirnleistungsstörungen die Kontrolle über den Miktionsreflex verloren oder nicht erworben hat. Ursachen können angeborene oder erworbene Behinderungen (auch geistige) sein, aber auch Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder ein Schlaganfall.

Spinale Reflex-Inkontinenz:

Es kommt zu unkontrollierten, reflektorischen Detrusorkontraktionen, die der Betroffene nicht als Harndrang empfindet. Ursachen sind Erkrankungen oder Verletzungen des Rückenmarks. Diese können durch Bandscheibenvorfälle, Querschnittlähmungen aber auch Krankheiten bzw. Behinderungen wie Multiple Sklerose oder Spina bifida verursacht werden.

 Ausführliche Informationen über: Ursachen, Diagnostik und Behandlung der Reflex-Inkontinenz

Extraurethrale Inkontinenz:

Unwillkürlicher Harnabgang aus pathologischen Gängen, sogenannten Urinfisteln. Diese können angeboren sein oder später erworben werden. Sie treten meist in Folge von Operationen oder sehr schweren Geburten auf.

 Ausführliche Informationen über: Ursachen, Diagnostik und Behandlung der extraurethralen Inkontinenz

 

Aus den dargestellten Inkontinenzformen, lässt sich ersehen, dass Inkontinenz eben nicht einfach Inkontinenz ist. Deshalb ist eine gründliche Anamnese und Diagnostik so wichtig. Nur so kann eine individuelle und erfolgsversprechende Behandlung bzw. Therapie eingeleitet werden. Erster Ansprechpartner für alle Inkontinenzformen ist der Urologe. Eine begleitende Behandlung durch andere Fachrichtungen wie z.B. Gynäkologe, Neurologe, Internist oder Geriater ist sinnvoll.

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Letzte Aktualisierung: 27.01.2008