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Inkontinenz und Behinderung

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Noch bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren Komplikationen aufgrund neurologischer Blasenfunktionsstörungen ein hohes, lebensbedrohliches und lebensverkürzendes, Risiko.

Die Funktion der Blase (das Speichern und Ausscheiden des Urins) wird von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Die komplexe Steuerung der Blasenkontrolle setzt ein intaktes Zusammenspiel des zentralen Nervensystems (ZNS) voraus. Die Nervenzellen senden und empfangen Signale.

Kommt es aufgrund von Verletzungen, Schädigungen oder Krankheiten in diesem Zusammenspiel zu Störungen, können die Signale nicht ins Gehirn oder ins Nervenzentrum gelangen.

Ist die Verbindung zwischen der Blase und dem Nervensystem, welches die Blase steuert, unterbrochen, spricht man von einer neurogenen Blasenstörung
 
Das Ausmaß der Blasenfunktionsstörung hängt davon ab, wo sich die Schädigung im Nervensystem befindet. Weiterhin spielt es eine Rolle, ob eine vollständige oder teilweise Schädigung vorliegt. Es hängt also davon ab, ob alle Nervenleitungen unterbrochen sind oder ob einige noch funktionieren. Es kann sowohl zu Störungen der Blasenentleerung als auch zu unwillkürlichem Harnverlust kommen.
 
Je nachdem wo die Schädigung liegt und welches Ausmaß sie hat, können die folgenden Blasenfunktionsstörungen auftreten: 

  • zerebral enthemmte Blase 
  • obere Blasenlähmung oder Reflexblase 
  • untere Blasenlähmung oder atone Blase 

Einige Erkrankungen sind häufig, manche fast immer mit einer Blasen- und/oder Stuhlinkontinenz verbunden. Darunter beispielsweise die Spina bifida.

Trotz verbesserter Therapien stellt die Inkontinenz im Zusammenhang mit neurogenen Störungen noch immer ein medizinisches Risiko dar. Deshalb ist eine engmaschige urologische Betreuung der Betroffenen wichtig.

Neben Harnwegsinfekten und Hautproblemen stellt vor allem die Refluxgefahr (Rückfluss) und eine damit verbundene Nierenschädigung, auf Dauer ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.

Der intermittierende Selbstkatheterismus ( Harnentleerung mittels eines Einmalkatheters ) hat ebenso wie ein gutes Darmmanagement ( gut eingestellte Darmentleerung ) einen enormen Fortschritt gebracht. Der intermittierende Selbstkatheterismus, kurz ISK, bietet eine einfache und sichere Methode zum Schutz des Harntraktes. Die Blase wird vollständig entleert. Dadurch reduziert sich das Risiko von Harnweginfektionen. Zudem wird der unfreiwillige Harnabgang reduziert bzw. sogar vermieden.

Eine gut eingestellte Darmentleerung kann Stuhlinkontinenz mindern, teilweise sogar verhindern. Daneben wird die Gefahr von Obstipation ( Verstopfung ) reduziert. Eine gute Möglichkeit zur gezielten Darmentleerung bietet die Irrigation. Die Irrigation ist eine Spülung des Darms, mit deren Hilfe man Einfluss auf seine Ausscheidungen gewinnt. Dadurch können sich die Zeiten der Stuhlentleerung reduzieren und vor allem regulieren. Zudem kann häufig auf den Einsatz von Laxantien ( Abführmittel ) verzichtet oder diese zumindest reduziert werden.

 

Quellen :

Das Darmmanagement von Patienten mit Querschnittlähmung Haas, U. Hans Huber Verlag 2005

Leitlinien urologische Betreuung Querschnittgelähmter, Urologe A 1998, 37; 221-228, Springer-Verlag 1998

Der intermittierende Katheterismus bei neurogener Blasenfunktionsstörung, Stöhrer, Sauerwein, Urologe B, 2001 41;354-368, Springer-Verlag 2001

Neurogene Blasenfunktionsstörung, Stöhrer, Madersbacher, Palmtag, Springer-Verlag Berlin 1996

 

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