Inkontinenz Selbsthilfe e.V. Helfen, Informieren und Fördern | | | | | | | | | | |
| | |
| | | | | Sexualität der querschnitt-gelähmten Frau Wie querschnittgelähmte Frauen die Lustfähigkeit ihres Körpers erforschen können und was es dabei zu beachten gibt |
|
| | | | | |
| | | | | | | | | | | Körperliche Untersuchungen in der Neurologie | | | | Die körperliche Untersuchung in der Neurologie Die körperliche Untersuchung in der Neurologie ist zeitaufwendig und kompliziert. Sie erfordert von dem Untersucher einiges Geschick und vom Patienten Geduld und aktive Mitarbeit. - Hirnnervenfunktion. Es gibt zwölf Hirnnerven. Die Funktion eines jeden einzelnen Hirnnerven kann in einer neurologischen Untersuchung geprüft werden. Da dies sehr aufwändig ist, werden Hirnnerven meist nur "orientierend" untersucht. Das heißt, man macht eine unvollständige Untersuchung unter der Annahme, das wahrscheinlich alles in Ordnung ist. Wenn man aber eine Hirnnervenstörung vermutet, muss man im Zweifelsfall jede einzelne Funktion genau prüfen. Die ersten beiden Hirnnerven sind der Nervus olfactorius für den Geruchssinn und der Nervus opticus für den Sehsinn. Das Riechen wird mit Riechstoffen geprüft (Kaffeemehl tut es zur Not) und das Gesichtsfeld mittels der sogenannten Fingerperimetrie. Die Hirnnerven III, IV und VI steuern die Bewegungen der Augen ("Schauen sie bitte auf meinen Finger"). Der fünte Hirnnerv ist der Nervus trigeminus: Er versorgt sensibel das Gesicht und motorisch die Kaumuskulatur. Der Nervus facialis ist der siebte Hirnnerv, er versorgt motorisch die mimische Muskulatur. Der achte Hirnnerv ist für Gehör- und Gleichgewichtsorgan zuständig. Hier kommt der Stimmgabeltest zur Anwendung. Den Gleichgewichtsinn prüft man sinnvollerweise nur, wenn er gestört ist. Die Patienten haben dann einen Schwindel. Zu diesem Zweck gibt es spezielle Manöver, mit deren Hilfe man einen Schwindel provoziert. Dies muß man den Patienten genau erklären und darauf hinweisen, dass es sehr unangenehm ist, die Untersuchung durchzuführen. Der neunte Hirnnerv ist der Nervus glossopharyngeus. Der hilft, wie der Name schon sagt beim Schlucken und vermittelt auch den Geschmack im hinteren Zungendrittel (dort schmeckt man bitter). Der zehnte Hirnnerv ist der Nervus vagus, er vermittelt die vegetative parasympathische Innervation der inneren Organe. Er macht außerdem das Gespür an der Ohrmuschel und hebt das Gaumensegel. Der elfte Hirnnerv steuert einen Teil der Nackenmuskulatur und der zwölfte Hirnnerv (Nervus hypoglossus) bewegt die Zunge.
- Motorik. Die Motorik wird in verschiedenen Aspekten geprüft. Zunächst einmal kann man mit zahllosen Manövern die Kraft einer jeden Muskelgruppe und teilweise auch die von vielen einzelnen Muskeln prüfen. Hier soll jetzt nur das Prinzip erläutert werden. Die Bewegung der Hand wird durch drei verschiedene Nerven ermöglich: Nervus radialis, Nervus ulnaris und Nervus medianus. Der Ausfall eines der drei Nerven führt zu charakteristischen Veränderungen: Störungen der Sensibilität, Beinträchtigung der Kraft, langfristig eine Verschmächtigung der Muskulatur (Atrophie) und Abschwächung der jeweiligen Reflexe. Im Falle des Nervus medianus (etwa durch eine Verletzung im Bereich des Ellenbogens), kann die Funktion des Nerven beeinträchtigt werden. Da der Medianus die Beugemuskulatur für Daumen, Zeige- und Mittelfinger versorgt, wird die Hand des Patienten beim Faustschluss keine volle Kraft entwickeln können. Das Öffnen des Drehverschlusses einer Flasche mit der betreffenden Hand ist nicht möglich. Die Muskulatur des Daumenballens wird mit der Zeit zurückgebildet.
- Reflexe: Bei einer neurologischen Untersuchung können etwa zehn sogenannte Muskeldehnungsreflexe geprüft werden. An dieser Stelle soll zur Erläuterung nur ein einziger dieser Reflexe kurz erklärt werden. Allgemein bekannt ist der sogenannte Patellarsehnenreflex: Man schlägt mit einem Reflexhammer leicht auf die Sehne, die unterhalb der Kniescheibe zur vorderen Seite des Schienbeins führt. Vorausgesetzt, das zu untersuchende Bein ist so gelagert, dass der Unterschenkel frei schwingen kann (am einfachsten zu erreichen durch übereinander geschlagene Beine) wird die Auslösung des Reflexes dazu führen, das das Bein im Knie gestreckt wird: Der Unterschenkel schwingt nach vorne (das ist die Reflexantwort). Das Prinzip ist dabei, dass durch den Schlag auf die Sehne der dazu gehörige Muskel (Musculus quadriceps femoris) kurz gedehnt wird. Die den Muskel versorgenden Nerven treten im Bereich der Lendenwirbelsäule (L3,4) aus dem Rückenmarkskanal. Über einen Reflexbogen wird die Reflexantwort eingeleitet. Wenn nun aufgrund einer Gewebsveränderung im Bereich der Nervenaustrittsstellen der Lendenwirbelkörper drei oder vier Teile der Bandscheiben auf die Nervenwurzeln drücken, so hat dies außer den Schmerzen eine Funktionseinschränkung zur Folge: der Muskel wird nicht mehr richtig innerviert und führt somit zu einer Schwäche der Streckung des Beines, außerdem wird die Reflexantwort beeinträchtigt: Der Reflex ist abgeschwächt im Seitenvergleich mit dem gesunden "Bein". Der abgeschwächte Reflex zeigt die sogenannte "periphere" Lähmung an. Der Ort der Läsion sitzt nicht im Zentralnervensystem (Gehirn oder Rückenmark), sondern im peripheren Nervensystem, hier im Bereich der Nervenwurzel.
- Sensibilität: Es gibt vier verschiedene sensible Qualitäten: Tast- und Berührungsempfinden, Druckempfinden, Lage der Extremitäten sowie Schmerz- und Temperaturempfinden. Die Oberfläche des menschlichen Körpers kann bezogen auf die Sensibilität in verschiedene Areale aufgeteilt werden. Dabei sieht diese Aufteilung der Oberfläche des Körpers in sensible Areale jeweils anders aus, wenn eine Nervenwurzel oder ein Nerv im weiteren Verlauf geschädigt ist. Bei einer Schädigung des Nervus medianus erleidet man ein Taubheitsgefühl im Bereich der Innenhand zwischen Daumen und Zeigefinger (Medianusversorgungsgebiet). Wenn die Bandscheibe zwischen den dritten und vierten Lendenwirbelkörper auf die jeweilige Nervenwurzel drückt, erleidet man ein Taubheitsgefühl, das von der Außenseite des Oberschenkels auf die Innenseite des Unterschenkels zieht (Versorgungsgebiet der Wurzel L3,4).
- Koordination: Störungen der Koordination von Bewegungen können verschiedene Ursachen haben. Bei einer Funktionsstörung des Kleinhirns kann es zu einer sogenannten Ataxie kommen. Eine solche Bewegungsstörung verursacht einen über das Ziel hinausschießenden Bewegungsablauf. Man prüft dies zum Beispiel mittels Zeigeversuch (mit geschlossenen Augen den Zeigefinger in großem Bogen auf die Nasenspitze aufsetzen). Auch bei Sensibilitätsstörungen kommt es zum Fehlen des Bewegungsablaufes. Alkoholismus und Diabetes sind häufige Ursachen einer sensiblen Neuropathie bei der es zu Störungen der peripheren Nervenfunktion bevorzugt in in den unteren Extremitäten mit Taubheitsgefühl kommt. Da die Patienten den Boden nicht richtig spüren, gehen sie unsicher und breitbasig (Seemannsgang).
- Muskeltonus: Manche Erkrankungen (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson) machen typische Veränderungen der Tonisierung der Muskulatur. Normalerweise lassen sich Gliedmaßen passiv ohne Widerstand bewegen, wenn die Patienten sich entspannen. Menschen mit einer Multiplen Sklerose zeigen häufig eine spastische Gangstörung (das gehen sieht staksig und ungelenk aus) und man kann den erhöhten Muskeltonus in den Beinen spüren, indem man das entspannte Bein des Patienten im Knie beugt und streckt. Dabei spürt man eine plötzliche Widerstandserhöhung bei der Bewegung, die nachlässt, wenn man die Kraftwirkung zurücknimmt. Ähnliches gilt für den sogenannten Rigor der Muskulatur bei der Parkinsonkrankheit.
- Pyramidenbahnzeichen: Die Pyramidenbahn besteht aus einem Bündel von Nervenzellfortsätzen, die von Scheitelhirn bis zu den ersten Umschaltstellen im Rückenmark ununterbrochen durchlaufen. Diese Zellen sind so etwas wie ein Schrittmacher der willkürlichen Bewegungen. Der Name Pyramidenbahn stammt von einer Struktur im Hirnstamm (der pyramis), durch die die Pyramidenbahn hindurchläuft. Wenn dieses Nervenbündel an irgendeiner Stelle unterbrochen wird kommt es zu einem typischen Funktionsausfall: einer (Kraftminderung mit Muskeltonuserhöhung). Die Ursache kann völlig unterschiedlich sein: Eine Verletzung der Wirbelsäule und des Rückenmarkes, eine Durchblutungstsörung im Hirnstamm, eine Hirnblutung im Bereich der sog. Kapsel oder ein Tumor in der Großhirnrinde an der passenden Stelle. Neben der Lähmung und der Muskeltonuserhöhung finden sich dann häufig sogenannte Pyramidenbahnzeichen. Man meint damit in erster Linie das Abspreizen der großen Zehe beim Bestreichen der Fußsohle an ihrem Außenrand (Babinski-Reflex).
Zusammenfassend kann gesagt werden, das die Untersuchungsmethoden, die hier kurz vorgestellt wurden und von denen nur eine unvollständige Auswahl gegeben werden konnte für das Erkennen neurologischer Erkrankungen unersetzlich sind. Kein technisches Verfahren kann an die Stelle von aufmerksamer Beobachtung, einfühlsamen Gespräch und der vielen verschiedenen Manöver und Prüfungen treten. Das Ziel aller dieser Maßnahmen ist eine Diagnose und damit die Bestimmung, welche neurologische Erkrankung vorliegt. | | | | Stand der Information: 07.07.2007 | | | | | © 2005-2007 Inkontinenz Selbsthilfe e.V. |
|
|
|
|
| |