Die kleinen Helferlein Auch für querschnittgelähmte Frauen mit vermeintlich fehlender Sensibilität im Genitalbereich lohnt es sich zu erforschen, ob nicht doch noch etwas an Restsensibilität vorhanden ist – viele spüren bald mehr, als sie gedacht haben. Zum Selbsttest eignen sich in erster Linie Vibratoren, Dildos und Vaginalkugeln. Vibratoren wurden schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts als medizinische Instrumente zur Behandlung weiblicher Wehwehchen wie Migräne verwendet und angepriesen. Es gibt diverse Ausführungen hinsichtlich Farbe, Länge, Dicke und Steifheit. Als Materialien werden unter anderem Latex, Plastik, Silikon, Holz oder Metall verwendet. Der Antrieb erfolgt bei den Vibratoren mit Netz- oder Batteriebetrieb, Dildos haben kein „Eigenleben“. Wer die Vielfalt liebt oder noch nicht weiß, was gefällt, und nicht zu viel Geld ausgeben möchte, kann sich auch einen „Grundvibrator“ mit verschiedenen Aufsätzen zulegen. Der Vibrator sollte den richtigen Durchmesser haben, damit er bei einer querschnittgelähmten Frau keine Spastik beim Einführen auslöst. Woher aber weiß Frau, welcher Durchmesser der richtige ist? Tipp: Wenn Sie sich in der Gemüseabteilung umsehen, werden Sie gewisse Formähnlichkeiten feststellen. Kaufen Sie sich einfach eine Salatgurke und dazu unbedingt eine Packung Kondome. Zu Hause können Sie nun in Ruhe mit Hilfe eines Schälmessers den Durchmesser verkleinern. Bitte ziehen Sie beim Ausprobieren aber unbedingt ein Kondom über den „Dummy“, um das Risiko einer Schleimhautreizung oder -entzündung auszuschließen. Wenn Sie die adäquate Größe herausgefunden haben, messen Sie einfach Ihren „idealen“ Durchmesser. Vaginalkugeln können ebenfalls in die Scheide eingeführt werden (eventuell Gleitmittel verwenden). Die (üblicherweise) zwei Kugeln bestehen aus Kunststoff oder Metall, sind mit einem Bändchen verbunden und haben ein Rückholband. Im Inneren befindet sich wiederum jeweils eine Kugel, welche bei Bewegung vibriert. Es werden auch Kugeln mit batteriebetriebener Vibration angeboten. Der Durchmesser der Kugeln liegt meist bei 3 - 3,5 cm. Die Kugeln dienen zum einen der Stimulation, zum anderen können sie die Beckenbodenmuskulatur aktivieren. Einige querschnittgelähmte Frauen berichten, dass sie durch die Stimulation der Kugeln eine Verbesserung der Sensibilität verspüren. Der ganze Körper ist eine erogene Zone Erogene Zonen gibt es am ganzen Körper. Bei querschnittgelähmten Frauen ist das Empfindungsvermögen in den erogenen Zonen der nicht betroffenen Bereiche häufig gesteigert. Einige Frauen berichten, dass diese Zonen „trainiert“ werden können. Viele genießen eine Kopfmassage oder die Berührung und das Spiel mit den Haaren. Das Gesicht, die Nase und die Ohren sind sehr empfindungsreiche Zonen. Auch am Hals, an den Achselhöhlen, Teilen des Rückens, den Füßen und den Brüsten kann die Empfindsamkeit besonders intensiv sein. Vielleicht finden sich ja Restsensibilitäten, die bisher gar nicht aufgefallen sind, oder Sie entdecken ganz andere Bereiche am Körper, die Sie ungemein stimulieren. Aphrodisiaka und die zweite Pubertät Abgesehen von Leidenschaft und Lust sollte man es auch einfach genießen können, sich nahe zu sein und Spaß zu haben. Wer mag, kann mit so genannten Aphrodisiaka nachhelfen. Solche Stimulanzien wirken zum einen entspannend (manchmal beeinflussen sie sogar die Spastik positiv) und können darüber hinaus die Bereitschaft zum Sex fördern. Zum anderen regen sie die Durchblutung der Bauchorgane an und geben mit hochkonzentrierten Eiweißen oder Vitaminen Kraft. Essbare Aphrodisiaka sind zum Beispiel Eier, Sellerie, Spargel, Melonen oder Pfirsiche. Gewürze, denen eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird, sind: Anis, Bohnenkraut, Muskat, Petersilie, Pfeffer, Nelken oder Zimt. Auch der Ginsengwurzel wird eine entsprechende Wirkung zugeschrieben. Ätherische Öle, die aphrodisierend wirken können, sind beispielsweise Jasmin, Patschuli, Rose, Rosmarin, Sandelholz oder Ylang Ylang. Achten Sie darauf, dass Sie naturreine und nicht naturidentische Öle verwenden, denn letztere sind synthetisch hergestellt. Sie können die Öle in ein Basisöl tropfen, zu einer neutralen Creme geben, ins Badewasser mischen oder eine Duftlampe damit füllen. Die Wirkung ist sehr intensiv, daher reichen wenige Tropfen. Vor kurzem erzählte mir eine Frau im Rollstuhl von den lustvollen Erforschungen ihres Körpers und beendete ihren Bericht mit den Sätzen: „Jetzt ist mein Sexualleben vollkommen, ich spüre intensiver als früher und habe erogene Zonen entdeckt, die vorher nicht da waren. Dieses Neuentdecken war für mich wie eine zweite Pubertät“. Ich wünsche vielen Frauen, dass es ihnen genauso geht und hoffe, ein wenig Hilfestellung gegeben zu haben. Christiane Fürll |