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Selbstkatheterismus - Inkontinenzhilfsmittel

Der Intermittierende Selbstkatheterismus (ISK)

Indikation:

Indikationen für den intermittierenden Selbstkatheterismus sind z.B. neurogene Blasenentleerungsstörungen infolge von neurologischen Krankheiten oder Verletzungen bzw. Schädigungen der Nerven und/oder des Gehirns, wie diese z.B. bei Multiple Sklerose, Schlaganfall, Spina bifida und infolge eines Diabetes oder einer Querschnittslähmung vorkommen. Weitere Indikationen sind Ersatzblasen ( POUCH ), Blasenüberaktivität in Kombination mit medikamentöser Behandlung ( Botulinim-Toxin ) oder auch Abflussbehinderung, z.B. bei gutartigen Prostataerkrankungen. Auch bei chronischen Harnverhalt, Schädel- oder Hirnverletzungen und psychogenen Erkrankungen findet der intermittierende Katheterismus seine Anwendung.

Kontraindikation:

Kontraindikationen für den intermittierenden Katheterismus sind vor allem Schädigungen bzw. Verletzungen der Harnröhre sowie der Blaseninnenwand, so z.B. eine Harnröhrenstriktur oder ein Harnröhenriss.

Voraussetzung zum ISK:

Um den intermittierenden Selbstkatheterismus durchführen zu können, sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Die Motivation, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit sind Grundvoraussetzungen.

Eine ausreichende Feinmotorik des Armes und der Hand erleichtert das Katheterisieren. Allerdings bietet der Fachhandel eine ganze Reihe von Hilfsmittel, welche ein evtl. vorhandenes Defizit der Arm- und Handfunktion ausgleichen. Zudem kann das Katheterisieren auch durch eine Fremdperson durchgeführt werden.

Linktipp: Ausführliche Beschreibung der ISK Hilfen für Frauen, Tetraplegiker, Paraplegiker und Rollstuhlfahrer. (externer Link Manfred Sauer GmbH)

Frequenz:

Die Frequenzen für die Katheterisierungsintervalle werden nach Absprache mit dem behandelnden Arzt festgelegt. In der Regel sollte 4-6-mal am Tag katheterisiert werden.

Dabei orientiert sich der Betroffene am natürlichen Entleerungsintervall der Blase.

Das erste Katherisieren erfolgt meist morgens nach dem Aufstehen, das letzte vor bzw. nach dem Zubettgehen.

Der behandelnde Arzt muss im Vorfeld geklärt haben, ob es sich um eine spastische oder eine schlaffe Lähmung der Blase handelt. Sollte eine schlaffe Blase vorliegen, kann die Blasenkapazität weit über dem Doppelten der normalen Blasenkapazität liegen. Dies kann zur Folge haben, dass die Katheterisierungsfrequenz erhöht werden muss. Es wird allgemein empfohlen, dass ein Blasenvolumen von 500 ml nicht überschritten wird.

Ziel:

Oberstes Ziel des Selbstkatheterismus ist neben der Harnentleerung vor allem der Schutz des oberen Harntraktes (Nieren).

Kontrolluntersuchung und Untersuchungsintervalle

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt regelmäßige Kontrolluntersuchungen. 

Bei den empfohlenen Untersuchungen handelt es sich um:

  • Harnkontrolle alle 2 Monate
  • Ultraschalluntersuchung der Harnorgane alle 6 Monate
  • klinische Untersuchung alle 12 Monate
  • bei neurologisch bedingten Erkrankungen eine Urodynamik in Intervallen von 6-12 Monaten.

Ein Kathetertagebuch kann unterstützend sein.

Unterschiedliche Katheter-Systeme

Auf dem Markt befinden sich Einmalkatheter mit und ohne integriertem Auffangbeutel. Dabei sind individuelle Vorlieben, aber auch örtliche Voraussetzungen, für die Wahl des verwendeten Hilfsmittels entscheidend. Eine Kombination findet häufig Anwendung.

Der intermittierende Selbstkatheterismus fördert somit Mobilität und Unabhängigkeit, was entscheidend zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.

Grundsätzlich befinden sich zwei unterschiedliche Katheterarten auf dem Markt:

  • Katheter, welche mit einem sterilen Gleitmittel eingesetzt werden
  • Beschichtete bzw. hydrophile Katheter

Katheter mit sterilem Gleitmittel:

Die Gleitmittel können auf wasserlöslicher oder auf Paraffin- (Rohöl-) Basis bestehen. Spezielle Gleitmittel enthalten zusätzlich einen desinfizierenden Wirkstoff (Chlor-Hexidin), der zur Keimreduzierung in der vorderen Harnröhre beiträgt. Moderne Systeme haben ihr Gleitmittel bereits in der Verpackung oder im Set gebrauchsfertig zur Verfügung.

Katheter mit hydrophiler Beschichtung:

Die Aktivierung der Gleitschicht erfolgt durch die Zugabe von Wasser. Viele Systeme stellen bereits im Set das notwendige Wasser in steriler Form zur Verfügung. Bei unsterilem Wasser besteht eine Erhöhung der Gefahr von Infekten, weil eine zusätzliche desinfizierende Wirkung bei diesen Systemen nicht verfügbar ist.

Gerade die angebotenen Komplettsysteme erleichtern aber eine einfache und sichere Anwendung, erhöhen Unabhängigkeit und lassen vorhandene Örtlichkeiten in den Hintergrund treten.

Zudem haben moderne Systeme ein angepasstes Feuchtigkeitsmilieu, welches der Harnschleimhaut entspricht. Dadurch erzeugen  hydrophile Katheter besonders wenig Reibungswiderstand in der Harnröhre und können problemlos, ohne Verletzungsrisiko, wieder entfernt werden.

Katheter werden in unterschiedlichen Größen angeboten, der Durchmesser wird in Charrière (CH) gemessen, wobei ein CH einen 1/3 mm misst.

Eine Anpassung sollte durch den Arzt oder eine medizinische Fachkraft erfolgen.

Die Farbe des Konnektors ist je nach Größe des Katheters unterschiedlich.

 

Kinder und Jugendliche verwenden zumeist Katheter der Größen 6-10 CH, Frauen 10-14 CH und Männer 12-18 CH.

Aufgrund der unterschiedlichen Anatomie finden unterschiedliche Katheterlängen ihre Anwendung.

Frauenkatheter sind zwischen 7 und 20 cm lang (lange Zeit gab es einen Mindeststandart von 15 cm), Kinder katheterisieren mit 20-30 cm langen Kathetern, Männerkatheter sind meist 40 cm lang.

Dabei haben sich zwei Katheterspitzen durchgesetzt. Die Nelaton Spitze, welche vorne grade und abgerundet ist und die Tiemann Spitze, welche der Anatomie des Mannes durch eine leicht gebogene Spitze gerecht wird.

Grundsätze zum Katheterisieren:

  • Hände gründlich waschen
  • Ablagefläche für das Material desinfizieren
  • gründliche Intimpflege
  • darauf achten, dass die Katheter steril sind und die Verpackung nicht beschädigt ist
  • Katheter niemals mit der Hand berühren
  • Desinfizieren der Harnröhrenöffnung, wobei drauf geachtet werden sollte, dass die Kompresse nur an einer Ecke angefasst werden sollte
  • niemals einen Katheter ein zweites Mal benutzen, wenn man beim Einführen die Harnröhrenöffnung verfehlt hat.
  • niemals Katheter mit Gewalt einführen
  • Katheter nicht zu weit in die Blase schieben; sobald Urin fließt, den Katheter noch 1-2 cm vorschieben und danach in der Stellung belassen. Wenn der Urinfluß aufhört, Katheter Stück für Stück langsam zurückziehen, um eine vollständige Entleerung zu gewährleisten.

Mögliche Komplikationen

Durch unsachgemäße Handhabung, z.B. Kontamination der Katheterspitze, durch abrutschen der Spitze oder anfassen des Katheters kann es zu Harnwegsinfektionen kommen. 
Harnröhrenverletzungen passieren  durch unvorsichtiges Einführen des Katheters.
Via Falsa Syndrom ( der Katheter durchstößt die Harnröhre und dringt ins Weichteilgewebe ein ).
Unvollständige Entleerung der Blase durch zu frühes Herausziehen des Katheters.

Fazit

Der Einsatz von Einmalkathetern kann zu erhebliche Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Auch die geringe Komplikationsrate gegenüber Dauerableitungen und die gesteigerte Unabhängigkeit sprechen eindeutig für den intermittierenden Selbstkatheterismus.

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