Hilfsmittelausschreibungen
Wettbewerb ist schön und gut – aber nicht, wenn darunter Patienten leiden. Genau das aber steht zu befürchten, wenn nur noch die Krankenkassen entscheiden, welche Leistungserbringer Betroffene zu nutzen haben.
Immer mehr Menschen, die auf Rollstuhl, Inkontinenzartikel oder Beatmungsgerät angewiesen sind, klagen über unpassende Produkte und schlechten Service. Grund dafür ist die Gesundheitsreform mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG), das gesetzlichen Krankenkassen erlaubt, die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln öffentlich auszuschreiben und an einen günstigen und exklusiven Vertragspartner zu vergeben. Gesetzlich Krankenversicherten bleibt dann keine Wahl mehr. Entweder sie akzeptieren die Versorgung durch den vorgeschriebenen Vertragspartner der Kasse oder sie müssen gegebenenfalls die Hilfsmittelversorgung komplett aus eigener Tasche bezahlen bzw. eine wirtschaftliche Aufzahlung leisten. Bei den bereits durchgeführten Ausschreibungen war der Preis in der Regel das entscheidende Kriterium für den Zuschlag. Die Qualität scheint dabei eine nachlässige Rolle zu spielen wie verschiedene Fälle von Fehlversorgungen zeigen.
Neben der schlechteren Qualität und dem fehlenden Service klagen Patienten auch darüber, dass sie ihren gewohnten Ansprechpartner in ihrer "Haus-Apotheke" um die Ecke verloren haben. Der Wegfall der wohnortnahen Versorgung führt auch für kleinere Sanitätshäuser und Apotheken zu einer ungewissen Zukunft. Was als Stärkung des Wettbewerbs gedacht war, kann zum Gegenteil führen: einer Konzentration weniger Anbieter, die den Preiskampf bei Ausschreibungen für sich entscheiden.
Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. setzt sich für Ihre Rechte und Interessen ein.
Im Aktionsbündnis „meine Wahl!" haben sich jetzt bundesweit Menschen mit Behinderungen, Selbsthilfevereinigungen, Hilfsmittelhersteller und Versorgungspartner (Sanitätshäuser, Homecare-Unternehmen) zusammen geschlossen, um das Recht auf freie Wahl des Versorgungspartners im Hilfsmittelbereich zu erhalten und eine bedarfsgerechte, qualitätsgesicherte, dem Stand der Technik entsprechende Versorgung mit Hilfsmitteln sicherzustellen.
Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. beteiligt sich am Aktionsbündnis und setzt sich aktiv für Ihre Rechte und Interessen ein.
Wir haben uns beispielsweise an Podiumsdiskussionen in Düsseldorf, Hamburg und München beteiligt.
Die Internetseite des Aktionsbündnis "meine Wahl" erreichen Sie hier
Schwarzbuch Medizinische Hilfsmittelversorgung
Das Aktionsbündnis "meine Wahl!" stellte auf der internationalen Fachmesse REHACARE in Düsseldorf das "Schwarzbuch Medizinische Hilfsmittelversorgung" vor. In dem Schwarzbuch werden anhand realer Fälle die Folgen der Ausschreibungspraxis der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgearbeitet und daraus resultierende Qualitätsdefizite in der Hilfsmittelversorgung belegt.
Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (BVKM) hat eine "Argumentationshilfe im Falle von unzureichender Versorgung mit Inkontinenzhilfen" veröffentlicht. Mit enthalten sind ein Musterantrag und ein Musterwiderspruch gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.
Das Dokument findest Sie hier: www.bvkm.de/dokumente/pdf/Argumentations...kontinenzartikel.pdf








