Weibliche Harninkontinenz

Inkontinenz aus dem Tabu holen – Lebensqualität sichern, Behandlung stärken!

Die Harninkontinenz der Frau kann in jedem Lebensalter auftreten. Die Prävalenz liegt zwischen 10 und 40 Prozent. In der Urogynäkologie haben vor allem die Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei körperlicher Belastung, Niesen, Husten) und das Syndrom der überaktiven Blase (Nykturie, Pollakisurie, imperativer Harndrang mit oder ohne Inkontinenz) Bedeutung.

Die Inkontinenz gehört zu den Kernbereichen der Gynäkologie. Etwa 80% der inkontinenten Frauen werden in Deutschland von Gynäkologinnen und Gynäkologen versorgt. Harninkontinenz ist im Alter ein häufiges und belastendes Symptom, trifft aber auch bereits jüngere Frauen.

Ursachen sind unter anderem Veränderungen in der Struktur des Blasenmuskels, Störungen der neurogenen Steuerung sowie alterskorrelierte Veränderungen der Anatomie des unteren Harntraktes. Weitere Auslöser können medikamentöse Nebenwirkungen sein. Eine grobe Unterscheidung zwischen Drang- und Belastungsinkontinenz ist bereits durch eine umfangreiche Anamnese und gezielte Fragestellung möglich. Für weitergehende Stufenuntersuchungen, etwa eine Urodynamik, kann die Patientin dann an einen Urogynäkologen verwiesen werden, der die Differentialdiagnose stellen kann.

Rein statistisch tritt die Belastungsinkontinenz häufiger auf, in der Realität handelt es sich jedoch oft um Mischformen. Ob behandelt wird, hängt vom individuellen Leidensdruck der Patientin ab. Entscheidet sie sich dafür, sollte immer zunächst eine konservative Therapie angeboten werden. Unabhängig vom Inkontinenz-Typ lässt sich die Elektrostimulation kombiniert mit Biofeedback sowie ein Beckenbodentraining einsetzen. Bei Dranginkontinenz stehen zudem verschiedene Anticholinergika als medikamentöse Option zur Verfügung. Welcher Wirkstoff letztlich eingesetzt wird, richtet sich im Wesentlichen nach der Verträglichkeit.

Gleichzeitiges Beckenbodentraining kann die Reduktion der Dosis, langfristig auch das Absetzen des Medikaments unterstützen. Zeichnet sich innerhalb von drei Monaten ein Erfolg ab, sollte über ein weiteres Vierteljahr behandelt werden. Andernfalls kann Patientinnen mit großem Leidensdruck eine Operation angeboten werden. Als Goldstandard hat sich seit etwa fünfzehn Jahren die TVT (Tension-free Vaginal Tape) durchgesetzt, die den früheren Standard, die Kolposuspension nach Burch, abgelöst hat. Der Eingriff wird über die Scheide durchgeführt und erfordert keinen Bauchschnitt. Die 7-Jahres-Ergebnisse sind exzellent, das Risiko in der Hand des Geübten sehr niedrig. Auch hier ist es wichtig, die Patientin an einen routinierten Operateur zu verweisen, der mit dieser Methode hinreichend Erfahrung hat. Etwa zwei Drittel dieser Eingriffe werden von Gynäkologen durchgeführt. Zusammenfassend:

• 6 – 8 Millionen Menschen in Deutschland sind inkontinent
• 75% davon sind Frauen
• bei den über 80 jährigen 30%
• in Pflegeheimen ca. 50 %
• ein Vergleich der Kosten für verschiedene Erkrankungen hat ergeben, dass die Harninkontinenz bei Frauen auf Platz 5 liegt
• Folgeerkrankungen können Depressionen, Hauterkrankungen und soziale Isolation sein.

 

Quelle: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Heinz Kölbl, Mitglied im Programmkomitee zum 60. DGGG-Kongress, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des AKH Wien und der MedUni Wien  (Veröffentlicht auf DGGG e. V.)

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Bild: Fotolia © Adiano

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