- Gastbeitrag -


Auf den ersten Blick scheinen Dauerkatheter eine praktische Lösung. Inkontinenzvorlagen müssen nicht gewechselt werden, der pflegerische Aufwand wird minimiert. Insbesondere bei schwerwiegenden Blasenfunktionsstörungen können Dauerkatheter eine optimale Wahl sein. Zuvor sollten jedoch alle anderen Alternativen wie eine Urinalkondomversorgung oder der intermittierende Katheterismus ausgeschöpft sein. Und das aus gutem Grund: Dauerkatheter bergen das Risiko von aufsteigenden Infektionen, welches jedoch durch strenge Hygiene-Maßnahmen reduziert werden kann. Dazu zählt auch der regelmäßige Wechsel von Urinbeuteln. Wie diese Intervalle genau aussehen, das erfahren Sie hier.

 

Das erwartet Sie:


1. Auf den Beutel kommt es an!


2. Achtung Harnwegsinfektion: Warum der pünktliche Wechsel so wichtig ist!


3. Wie oft muss der Auffangbeutel eines Harnableitungssystems gewechselt werden?


4. So wird richtig gewechselt - Die Wechselintervalle nach Beutelart


5. Fazit


 

1. Auf den Beutel kommt es an!

Urinbeutel ist nicht gleich Urinbeutel.


Generell: Urinbeutel dienen als Auffangbehälter für Urin. Der Beutel wird an einen Katheter angeschlossen und fängt den Urin aus der Harnblase auf. Noch dazu haben die Beutel oftmals praktische Extras: Urinprobeentnahmestelle, Ablassventil, Konnektor, Rücklaufsperre, Tropfkammer oder Skalierung. Weiterhin gibt es viele Urinbeutel in unterschiedlichen Schlauchlängen.

Einerseits ist die Art des Beutels entscheidend für den Wechselintervall:

Urinbeutel GHC Care Flow UB 2000 Geschlossenes Urindrainagesystem• Steril oder unsteril?
• Beinbeutel oder Bettbeutel?
• Drainagesystem mit Tropfkammer
• Einmalbeutel?

Weitere Faktoren, die den Wechsel beeinflussen:


• Einzelfallentscheidung vom behandelnden Arzt
• Beschaffenheit des Urins
• Auftreten von Komplikationen
• Nutzungsbedingungen & Art des Beutels, Wechselintervalle nach Angaben des Herstellers
• Ein Katheterwechsel bedingt zugleich immer auch den Wechsel des Beutels
• Defekt oder Verunreinigung des Beutels

 

 

Urinbeutel gibt es in verschiedenen Varianten:


Beinbeutel: Geeignet für den mobilen, selbstständigen Patienten. Der Beutel wird am Oder- oder Unterschenkel befestigt und wird diskret unter der Kleidung getragen. Dank Befestigungsbändern und Beinhalterungen – je nach Vorliebe – ist ein sicherer Halt gewährleistet.

Bettbeutel oder Nachtbeutel: Geeignet für die Nacht und/oder für bettlägerige Patienten. Sie verfügen über deutlich höhere Volumina (bis zu 4 Liter) im Gegensatz zu Beinbeuteln und ihre Befestigung erfolgt am Bett mittels Bettbeutelhalterung oder Anhängevorrichtung. Praktisch: Die Halterung (Zwillingshalter oder Kordel) ist oftmals Bestandteil des Bettbeutels oder kann zusätzlich geordert werden.

Drainagesystem mit Tropfkammer: Hierbei handelt es sich um geschlossene Urindrainagesysteme. Sie verfügen über eine Tropfkammer, die sich zwischen dem Zuleitungsschlauch und dem Urinbeutel befindet. So bildet der Katheter und Schlauch ein vom Urinbeutel getrenntes System, um aufsteigende Infektionen zu verhindern.

Bein- und Bettbeutel: das Kombiprodukt. Ein Urinbeutel, der sich bei Tag und auch bei Nacht einsetzen lässt. Die Kapazität liegt zwischen dem des Bein- und Bettbeutels. Je nach Bedarf werden tagsüber Klettbänder verwendet, während nachts Halterungen oder eine Kordel am Bett zur Befestigung dienen.

 

2. Achtung Harnwegsinfektion: Warum der pünktliche Wechsel so wichtig ist!

Mögliche Risiken und Komplikationen


Diese können vielfältig sein. Zu den häufigsten zählen:

  • Katheter-assoziierte Infektionen der Harnwege (Catheter-associated Urinary Tract Infections [CAUTI] oder zu Deutsch: Harnwegsinfekt [HWI]) wie zum Beispiel Urethritis, Prostatitis, Epididymitis, Zystitis, Pyelonephritis, Bakteriämie und Urosepsis
  • Pilzinfektionen
  • Verkrustungen und Verstopfungen des Katheters durch Ablagerungen, die bei der Entfernung des Katheters zu Verletzungen der Harnröhrenschleimhaut und damit zu einer lebensgefährlichen Sepsis führen können (Hagen, et al., 2010)
  • Katheterblockaden: ereignen sich im 1. Jahr statistisch bei jedem 3. dauerkatheterisierten Patienten
  • Risiko einer Bakteriurie: Durch den Anstieg der Nutzungsdauer erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Keimeintrages in die Harnwege. Ursache: der Biofilm, also Ablagerungen des Urins und Bakterien, an den Innenflächen von Katheter und Urinbeutel
  • Urinrückfluss: Keime bilden sich im Schlauch und Urinbeutel. So weit, so normal. Letztere gelangen jedoch durch eine inkorrekte Anwendung in die Blase durch rückfließenden Urin. Manchmal liegt es daran, dass der Urinbeutel zu hoch hängt oder durch unkorrekte Handhabung. Und manchmal liegt es schlichtweg an einem abgeknickten Schlauch.

Gesteigerte Risiken

Die Zahlen sind dramatisch. Ca. die Hälfte aller Patienten mit Katheter erleiden Komplikationen. Je länger ein Katheter liegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit.

Beinahe 30 % der Langzeit-Katheterträger erfahren mehrmalig im Jahr symptomatische, therapiebedürftige HWI. Schlimmer noch: Pflegeheimbewohner mit Dauerkatheter stehen einem drei Mal höheren Risiko von Morbidität, Krankenhausaufenthalten oder einer Gabe von Antibiotika gegenüber (Drinka, 2006).

Ein weiterer Punkt ist, dass die Verbindung des Katheters zum Urinbeutel möglichst nicht getrennt werden soll. Genauer gesagt: die Konnektion des Kathetertrichters mit dem Stufenkonnektor des Beutels. Erst beim erforderlichen Wechsel des Beutels ist er vom Katheter zu trennen (Diskonnektieren).

Auch dabei gilt: auf die Hygiene achten!


1. Die Verbindung mit Desinfektionsmittel einsprühen

2. Konnektion lösen

3. Kathetertrichter noch mal desinfizieren

4. Neuen Urinbeutel anschließen
Das Diskonnektieren beinhaltet das Risiko von Keimeinschleusung, daher ist es nur, wenn notwendig und unter Einhaltung der Hygieneregeln zu erfolgen.

 

3. Wie oft muss der Auffangbeutel eines Harnableitungssystems gewechselt werden?


Mit guter Hygiene und einer sorgfältigen Katheterpflege können Komplikationen weitestgehend umgangen werden. Dazu zählt auch der rechtzeitige und regelmäßige Wechsel der Urinbeutel.


Das Robert Koch Institut äußert sich diesbezüglich:


Die Frage betrifft „die sachgerechte Anwendung eines Medizinproduktes. Darüber haben Hersteller in der Gebrauchsanweisung erschöpfend Auskunft zu geben (§ 3 Nr. 10 MPG; § 2 Abs. 5 MPBetreibV).


Außerdem: „Im Rahmen einer Empfehlung können keine eigenen bzw. von den jeweiligen Herstellerangaben abweichende Empfehlungen erfolgen, da sie materielles Recht nicht ersetzen können.“ (Robert Koch Institut, 2015).

Mit anderen Worten: Befolgen Sie die Herstellerangaben der jeweiligen Urinbeutel!

4. So wird richtig gewechselt - Die Wechselintervalle nach Beutelart


BEI DEN FOLGENDEN ANGABEN DER LIEGEZEITEN HABEN WIR DIE DURCHSCHNITTLICHE LIEGEZEIT DER EINZELNEN BEUTEL SOWIE DIE MAXIMALE LIEGEZEIT IN BEZUG AUF DIE MATERIALFESTIGKEIT ANGEGEBEN. DIE WECHSELINTERVALLE SOLLTEN PATIENTENINDIVIDUELL UND IN ABSTIMMUNG MIT DEM BEHANDELNDEN ARZT FESTGELEGT WERDEN.

Wechselintervalle von Urinbeuteln - Übersicht unterschiedlicher Urinbeutel und entsprechender LiegedauerQuelle: GHC German Health Care GmbH

 

Weitere Informationen: Zu den GHC Bettbeuteln & Beinbeuteln

5. Fazit


• Dauerkatheter sind eine praktische Lösung bei Blasenfunktionsstörungen, erfordern jedoch eine strenge Hygiene – was auch die korrekte Nutzung der Urinbeutels involviert.
• Urinbeutel sind vielfältig in Typen und Verwendungszwecken: darunter Beinbeutel, Bettbeutel und Kombinationsprodukte.
• Regelmäßiger Beutelwechsel ist entscheidend, um Harnwegsinfektionen und Komplikationen zu vermeiden.
• Katheter-assoziierte Infektionen, Verstopfungen und Blockaden sind häufige Risiken bei Dauerkatheterträgern.
• Die Wechselintervalle variieren je nach Beutelart und Herstelleranweisungen.
• Das Robert Koch Institut betont die Einhaltung der Herstellerangaben.
• Für GHC Urinbeutel gelten spezifische Wechselintervalle von 24 Stunden bis zu 14 Tagen - abhängig von der Beutelart und Spezifikationen.

Quellen:
• Drinka, P. J. (2006): Complications of chronic indwelling urinary catheters. J Am Med Dir Assoc, 7(6), 388-392.
• Hagen S., Sinclair L. und Cross S. (2010): Washout policies in long-term indwelling urinary catheterisation in adults. Cochrane Database Systematic Reviews, Issue 3, Article No. CD004012.
• Robert Koch Institut (2015): Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen, Aktualisierte Empfehlung der KRINKO vom Juni 2015, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Praes_Empfehl_HWI_2015.pdf?__blob=publicationFile [abgerufen am 05.10.2023].

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