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Diskriminierung? Einfach unverschämt!!!

27 Jul 2007 14:36 #1 von welute
In der heutigen Kölner Rundschau habe ich folgenden Artikel gefunden:

Windeln waren Grund für Rausschmiss

VON HELGE TOBEN, 26.07.07, 19:52h

BÖNEN / USEDOM. Eine Ferienhaus-Vermieterin auf Usedom hat eine Familie mit einem behinderten 27-jährigen Sohn der Unterkunft verwiesen, als sie erfuhr, dass der junge Mann dauerhaft Windeln benötigt. Die dreiköpfige Familie aus dem westfälischen Bönen (Kreis Unna) verließ daraufhin am Tag nach der Ankunft die Ostseeinsel und fuhr zurück nach Hause. „Das ist diskriminierend. Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte der 58-jährige Vater.
Mangelnde Hygiene?

Die Vermieterin wies die Vorwürfe zurück und verwies auf mangelnde Hygiene durch die geplante Entsorgung der Windeln im Hausmüll. Sie seien Sondermüll und dürften nicht im Hausmüll entsorgt werden. Auch habe sie eine Verunreinigung der Wohnung durch Kot und Urin befürchtet. Bei der Unterkunft handelt es sich um ein kleines Ferienhaus im Garten der Vermieterin. Die Familie hatte einen zweiwöchigen Urlaub geplant.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat ein Eigentümer dann Anspruch auf eine außerordentliche Kündigung, wenn objektiv die Gefahr bestehe, dass eine Wohnung stark verschmutzt werde. „Allein der Umstand, dass eine Person Windeln trägt, reicht aber nicht aus, ein solches Mietverhältnis zu beenden“, sagte die Reiserechtsexpertin Beate Wagner. Die Angst war nach Angaben des Vaters unbegründet, da der Sohn körperlich überhaupt nicht in der Lage sei, sich selbst auszuziehen. Auch trage er neben der Windel zusätzlich zwei Einlagen. Der Vater will sich nun mit einem Rechtsanwalt beraten und die Begebenheit dem Antidiskriminierungsverband in Berlin mitteilen.

Nach Angaben des Vaters war die Familie zunächst freundlich begrüßt worden. Am Abend sei er dann in das Haus der Vermieterin gebeten worden. Dort warf sie ihm nach ihren Angaben vor, ihr bei der telefonischen Buchung nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Zwar sei von einem Rollstuhl die Rede gewesen. Jedoch habe sie nicht gewusst, dass der junge Mann inkontinent und geistig behindert sei. Sie habe daraufhin um Abreise der Familie gebeten. (dpa)

Dazu fehlen selbst mir alle Worte ...

Gruß

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28 Jul 2007 09:38 #2 von matti
Hallo Welute,

ja, daß ist wirklich ein Skandal! Er zieht mittlerweile große Kreise, so berichteten z.B. Spiegel Online oder die dpa bereits über diesen Fall.

Ich empfinde es unterträglich, daß so etwas immer noch geschieht.

Müssen die Frauen demnächst auch angeben wann und wenn sie menstruieren? Schließlich kann man sich von den "Verschmutzungsfolgen" in fast jedem Hotel überzeugen!

Was bedeutet es den im Umkehrschluß? Das inkontinente dreckig und schmutzig sind und ihren Urin und Kot in der ganzen Wohnung verteilen?

Da die bundesdeutsche Presse ebenso wie die regionale Presse über diesen Vorfall berichtet, bleibt zu hoffen, daß dies Ferienhäuschen zumindest für den Rest der Saison leer steht. Wenn der Tourismusverband der betrefffenden Region auch nur ein wenig Anstand besitz, schenkt er der Familie zum Einen einen Gratisurlaub und zum Anderen vermitttelt er die betreffende Unterkunft auf dauer nicht mehr.

Unglaublich, wirklich unglaublich! Eine fortschrittliche Nation sollte ein solch verachtendes Menschenbild keinesfalls tolerieren. Sie tut es in großen Teilen, Gott sei Dank, wohl auch nicht. Unzählige Berichte z.B. in N-Tv. Focus, Spiegel berichten über diesen Fall und die Empörung ist zu recht groß.

Einen interessanten Artikel übder diesen Fall findet man auch hier:

http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps ... 67938.html


Ich würde mich freuen, wenn ein solcher Beitrag, gerade in einem Forum wie unserem, etwas stärker diskutiert werden würde.

Gruß

Matti

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28 Jul 2007 10:28 - 28 Jul 2007 10:41 #3 von Jens Schriever ✝
Hallo Matti, Welute und alle Andere

Ich bin über dieses sehr empört, und hätte nicht gedacht, dass es so eine Diskriminierung hier im Lande noch gebe. Das zeigt wieder, wie wichtig doch Aufklärung über Inkontinenz und Behinderung ist. Das dieser Skandal, mittlerweile große Kreise zieht, finde ich richtig.
Es kann nicht genug darüber berichtet werden. In der heutigen Presse, hat sich die Tourismusgesellschaft von der Vermieterin distanziert, und zu einen Urlaub auf dem behindertengerechten Segelschiff eingeladen. Das ist zumindest der 1. Schritt der Gutmachung, wenn man von Gutmachung überhaupt sprechen kann.
Hier der Link dazu: http://www.n-tv.de/832322.html


Gruß Jens

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28 Jul 2007 10:34 #4 von Fernet
wie tief kann eine Gesellschaft eigentlich noch sinken. Alles was ich diesem eklatanten Vorfall entnehme ist, daß der Vermieter offensichtlich mit der Ansicht auf menschliche "Gebrechen" nicht zurecht kommt und was man nicht sieht, gibts dann eben auch nicht.

Es wäre wohl für den Vermieter einfacher, ein paar nette fröhliche Leute vor dem Haus zu haben, als tagtäglich zu sehen, das es auch Schicksale gibt, die man am besten gar nicht wissen will in unserer "Spaßgesellschaft". Die Befürchtung des Vermieters hinsichtlich einer eventuellen Verschmutzung halte ich einfach für verlogen und vorgeschoben. Vielleicht hat man auch Angst, daß andere Gäste ausbleiben, wenn diese mit "kranken" Menschen konfrontiert werden.

Es wird Zeit, daß "Integration" und Unterstützung in viel mehr Bereichen stattfindet und nicht nur dort, wo es sich politisch gut verkaufen läßt.

In Anbetracht der neuen "Deutschen Armut" und den daraus resultierenden Abläufen in "unseren blühenden Landschaften" hätte ich gedacht, das menschliches Miteinander, Warmherzigkeit und all die längst "verpönten" Werte wieder einen höheren Stellenwert bekommen hätten.

Es ist ein Skandal, das Eltern, die schon sowieso benachteiligt sind, in jeder Hinsicht, sich aber dennoch liebevoll und aufopfernd kümmern (und dieses nicht der Allgemeinheit überlassen), von WIRKLICH "geistig armen Menschen" auch noch schlecht behandelt werden können.

Ich bin gespannt, wo die Unterstützung bleibt, die man doch angeblich jeder Familie zukommen lassen will, die Pflege von Angehörigen selber warnimmt.

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30 Jul 2007 08:27 #5 von welute
Hallo Ihr Lieben,

ja man hat die Familie auf das Schiff eingeladen. Der Fremdenverkehrsverein im Sauerland hat die Familie kostenlos auf eine Woche bei sich eingeladen. So viel ich weiss, ist die Familie jetzt dort.

Müssen wir jetzt alle unsere Behinderungen, die meisten von uns benötigen ja auch Windeln oder Vorlagen, vor der Anmietung eines Feriendomozils angeben??

Es ist das Allerletzte !!!!

Wie vielen mag dies schon passiert sein und haben sich dann verkrochen?

Es ist einfach unverschämt !!!!!!

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30 Jul 2007 10:39 #6 von webbi
Hallo,

der Skandal um die Ferienhausvermieterin auf Usedom hat zu berechtigter Empörung geführt - und gottseidank nicht nur bei solchen Mitbürgern, die selbst Inkontinenzprobleme haben und Windeln entsorgen müssen!

Bei längeren Aufenthalten in Ferienunterkünften oder -hotels habe ich stets den Zimmerservice über mein Leiden informiert und auch immer Verständnis und auch Unterstützung bei der Entsorgung gefunden. Umso schlimmer, dass es Vermieter gibt, die noch dazu in einem solchen extremen Falle der Behinderung eines Gastes so reagieren.

Mir scheint aber, dass Empörung und Solidarität mit der betroffenen Familie nicht ausreichen. In unserem Land gibt es ein Antidiskriminierungsgesetz, das soetwas wie Hausverweis gegen Behinderte ahndet.

Die betroffene Familie - oder kann das auch ein Verein? - sollte unbedingt beim zuständigen Staatsanwalt in Mecklenburg-Vorpommern Strafanzeige stellen. Denn dieses herzlose Verhalten einer "Gastgeberin" schädigt auch das Ansehen einer sehr beliebten, aber leider schon mit monströser Geldmacherei um "Kaiserbäder" belasteten Ferienregion an der Ostsee.

Bestens grüßend
webbi

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30 Jul 2007 11:54 #7 von matti
JA!, Webbi, ein Verein kann die Interessen der Betroffenen vertreten!

Legitimiert wird er durch die Vielzahl der Stimmen, welcher er vertritt!

Mitgliedsanträge für unseren Verein findet man hier:
http://www.inkontinenz-selbsthilfe.com/ ... loads.html

Ansonsten bleibt es ein Wunschtraum.

Gruß

Matti

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13 Aug 2007 18:49 #8 von Joerg66482
Hallo zusammen,

unglaublich und unverschämt reicht nicht. Hätte die Vermietering nicht vielmehr ihren Gästen Windelsäcke anbieten müssen. oder gibt es so etwas auf Usedom nicht? Verständnis und Unterstützung zeigen sollen?

Es ist gut, dass solche Sachen bundesweit in den Medien diskutiert werden. Aber noch wichtiger ist, dass sich Verbände stark machen und Druck ausüben. Und da hat Matti nur zu recht, es zählt jede Stimme.

Deswegen: Der Inkontinenz Selbsthilfe beitreten!

Joerg66482

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14 Aug 2007 07:56 #9 von welute
Hallo Ihr Lieben,

auf der Touristikseite von Usedom, habe ich einen Eintrag hinterlassen, der mittlerweile wieder raus ist. So nach dem Motto, ich wäre ja gerne zu Ihnen gekommen - aber ...

Ausser der Löschung im Gästebuch habe ich folgende E-Mail bekommen:

"Sehr geehrte/r U. Weber,ie
vielen Dank für Ihre mail zum Artikel "Nie wieder Usedom".
Auch wir waren von der Meldung entsetzt und distanzieren uns in aller Form vom Verhalten der Vermieterin. Für die Familie Löffler aus Bönen tut es uns furchtbar leid.

Durch diesen Einzelfall wird unsere Arbeit in ein falsches Licht gestellt.
Die Insel Usedom bietet erdenklich viele und gute Möglichkeiten für einen
barrierefreien Urlaub.

Allein 62 barrierefreie Unterkünfte weist die www.usedom.de aus, Menschen mit Behinderung sind von der Kurtaxezahlung befreit, etc.

Auch unser Unternehmen engagiert sich sozial. Zuletzt haben wir u.a. eine
Versteigerung über ebay durchgeführt. Die Einnahmen wurden gespendet für ein speziell für Rollstuhlfahrer ausgestattetes Segelschiff, das am 5. Mai 2007 getauft wurde. Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise Köhler ließen sich das Spektakel nicht entgehen. Das geräumige Boot wird in den Sommermonaten Mai bis Ende Oktober in der Ostsee kreuzen und behinderten Menschen ein ungewöhnliches Urlaubserlebnis bescheren.
Wir werden die Familie Böner über die Usedom Tourismus GmbH mit einem Segeltörn vom 24.-29 September überraschen und laden die Familie auf die Insel Usedom zu einem persönlichen Kennenlernen ein.

P.S.: Mit der Aussage, "es handele sich um eine private Vermietung - da
könne man nichts machen" , wurde lediglich die Rechtslage beschrieben. Bei Buchung über unsere zentrale Zimmervermittlung wäre dies nicht passiert.
Hätte die Vermieterin uns zwei Tage Zeit gelassen, hätten wir sicherlich
eine alternative Beherbergungseinrichtung gefunden. Aber "hätte" ist zu
spät, darum die oben beschriebene Reaktion.

Mit freundlichen Grüßen von der Insel Usedom
Dietmar Gutsche
Tourismusdirektor
"

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04 Sep 2007 09:12 #10 von matti
Hallo,

ich habe in der letzten Woche zwei Telefonate mit Inkontinenz-Betroffenen geführt. Im laufe der Gespräche kammen wir auch auf das Thema Urlaub.

Der "Usedom-Skandal" hat erhebliche Folgen.

Presse und Medien haben über den Fall ausführlich berichtet. Auch die beiden Anrufer hatten diese Berichte gelesen. Als Folge traten bei beiden erhebliche Zweifel auf, ja Ängste, mit ihrer Inkontinenz weiterhin zu verreisen. Wir müssen uns ja nichts vormachen, ein ganz erheblicher Teil der Betroffenen leidet still und vor allem heftig unter der bestehenden Problematik. Ein solches Erlebnis würde, wie stattgefunden, für viele den Supergau erzeugen.

Mich würde interssieren, ob es hier im Forum einigen ähnlich geht. Ob sich evtl. Ängste verstärkt haben oder gar erst entstanden sind.


Gruß

Matti

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