Nach einem Motorradunfall musste Kevin lernen, mit den Folgen für Blase und Darm umzugehen. Er erzählt, wie medizinische Unterstützung und passende Hilfsmittel ihm halfen, den Alltag Schritt für Schritt neu zu gestalten.
„Ich laufe nicht mehr vor mir selbst davon“
Kevin (28) erzählt, wie er nach einem Unfall mit Blasen- und Darmproblemen seinen Alltag neu organisiert hat
Nach einem Motorradunfall im Alter von 24 Jahren musste Kevin sein Leben neu ordnen. Neben den Folgen für seine Beine waren auch die Nerven betroffen, die Blase und Darm steuern. Der Alltag, den er zuvor kannte, veränderte sich grundlegend. Unsicherheit und Scham machten es ihm zunächst schwer, das Haus zu verlassen und sich mit Freunden zu treffen.
In diesem persönlichen Bericht erzählt Kevin, welche Herausforderungen ihn besonders belastet haben, wie er sich mit medizinischer Unterstützung mit dem intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) vertraut machte und welche Schritte ihm halfen, den Alltag wieder stärker nach den eigenen Wünschen auszurichten.
„Nach dem Unfall hatte ich das Gefühl, mein Leben wäre vorbei. Ich wollte kaum noch aus meinem Zimmer gehen und wusste nicht, wie ich mit den Veränderungen umgehen sollte.“
Inhaltsverzeichnis
Als die Angst den Alltag bestimmte
Ein Abend mit Freunden wurde für Kevin zu einem Wendepunkt. Er hatte sich überreden lassen, mit in einen Club zu gehen. Als er bemerkte, dass seine Vorlage nicht mehr ausreichend schützte, bekam er Panik und fuhr nach Hause. Für ihn war das Erlebnis ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Angst vor einem Zwischenfall sein Leben einengte.
Solche Situationen können belastend sein. Sie bedeuten aber nicht, dass man sich künftig aus dem sozialen Leben zurückziehen muss. Für Kevin begann danach die Suche nach einer Versorgung und Unterstützung, die besser zu seinem Alltag passten.
Der erste Schritt mit dem ISK
In der Klinik erfuhr Kevin vom intermittierenden Selbstkatheterismus, kurz ISK. Dabei wird die Blase bei Bedarf mit einem Katheter entleert. Der Gedanke daran machte ihm zunächst Angst. Mit Unterstützung einer Pflegefachperson lernte er die Anwendung Schritt für Schritt kennen. Die ersten Versuche waren für ihn ungewohnt; mit Übung und Anleitung fühlte sich der Ablauf zunehmend vertrauter an.
Der ISK ist nicht für alle Menschen mit Blasenproblemen geeignet und muss individuell erklärt und erlernt werden. Wie oft katheterisiert wird, hängt von der persönlichen Situation und der medizinischen Empfehlung ab. Lass dir die Anwendung von einer qualifizierten Fachperson zeigen und wende dich bei Fragen oder Beschwerden an dein Behandlungsteam.
Was Kevin aus dieser Erfahrung mitnimmt
- Hilfsmittel können den Alltag unterstützen – sie sind kein Maßstab für persönliche Stärke oder Selbstständigkeit.
- Eine neue Versorgung braucht oft Zeit und Übung. Es ist in Ordnung, Fragen zu stellen und Unterstützung zu benötigen.
- Die passende Lösung ist individuell. Was für eine Person funktioniert, muss nicht für alle geeignet sein.
Den Alltag neu organisieren
Heute plant Kevin seine Versorgung in Verbindung mit den Aktivitäten, die ihm wichtig sind. Vor einem Fußballspiel nutzt er den Ablauf, den er mit seinem Behandlungsteam abgestimmt hat. So kann er sich besser auf das Spiel konzentrieren. Ob und wie lange eine solche Versorgung Sicherheit gibt, ist individuell und lässt sich nicht pauschal für alle versprechen.
Auch der Umgang mit Freunden hat sich verändert. Kevin hat einigen von ihnen von seiner Situation erzählt. Dass er offen darüber sprechen kann, nimmt für ihn einen Teil der Anspannung. Andere Menschen entscheiden sich vielleicht dafür, nur wenigen vertrauten Personen etwas mitzuteilen – auch das ist völlig in Ordnung.
Wenn du selbst betroffen bist, kann es hilfreich sein, gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal verschiedene Hilfsmittel und Versorgungsmöglichkeiten zu besprechen. Nimm dir Zeit, Fragen zu stellen und herauszufinden, was zu deinem Körper und Alltag passt. Eine Veränderung der Versorgung solltest du nicht allein aufgrund eines Erfahrungsberichts vornehmen.
Freundschaften, Partnerschaft und Offenheit
Auch in Beziehungen spielte für Kevin die Angst vor Ablehnung eine Rolle. Er entschied sich, seiner Partnerin von seiner Situation zu erzählen, als zwischen ihnen Vertrauen entstanden war. Ihre Reaktion gab ihm das Gefühl, als ganzer Mensch gesehen zu werden – nicht nur durch seine gesundheitliche Situation definiert zu sein.
Wann und mit wem du über Inkontinenz oder Hilfsmittel sprichst, entscheidest du selbst. Es gibt keinen festen Zeitpunkt und keine Pflicht, persönliche Informationen sofort zu teilen. Wenn du dich dafür entscheidest, kann ein ruhiger Moment helfen. Du kannst zunächst nur erzählen, was für dich im Alltag relevant ist und welche Unterstützung du dir wünschst.
Kevins Botschaft
„Wenn du gerade erst mit einer Diagnose konfrontiert bist, darfst du traurig oder wütend sein. Hol dir Unterstützung, geh zu deinen Beratungsterminen und frag nach den Möglichkeiten, die zu dir passen. Du musst deinen Weg nicht allein finden.“
Kevins Geschichte zeigt einen möglichen Weg – nicht den einzigen. Eine Rückenmarksverletzung und ihre Folgen können bei jedem Menschen anders sein. Beratung durch medizinisches Fachpersonal, spezialisierte Pflegekräfte und Selbsthilfeangebote kann dabei helfen, passende Unterstützung zu finden.
Zum Mitnehmen
Nach einer schweren Verletzung kann es Zeit brauchen, sich an Veränderungen zu gewöhnen und den Alltag neu zu gestalten. Du musst nicht sofort wissen, wie alles weitergeht. Mit individueller Beratung, passender Unterstützung und den eigenen Erfahrungen kannst du Schritt für Schritt herausfinden, was für dich funktioniert.
Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. ISK und andere Versorgungsmöglichkeiten sind nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet. Lass dich zur Anwendung und Häufigkeit von medizinischem Fachpersonal beraten.
Quelle: The Princess Alexandra Hospital NHS Trust: Intermittent Self Catheterisation (ISC) – Informationen zur individuellen Anleitung und Häufigkeit des ISK.