Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen:

Harnwegsinfekte: Ursachen, Symptome, Behandlung und Prävention

Harnwegsinfektionen (HWI) zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und betreffen verschiedene Teile des Harnsystems, wie die Harnröhre, Blase, Harnleiter und Nieren. Die Symptome unterscheiden sich je nach betroffener Region erheblich. Typische Anzeichen für Infektionen der unteren Harnwege sind Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und trüber Urin. Schwerwiegendere Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Rückenschmerzen und Übelkeit deuten auf eine Infektion der oberen Harnwege hin. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um ernsthafte Komplikationen zu vermeiden. In diesem Artikel beleuchten wir die Arten von HWI, ihre Ursachen und Symptome sowie die Bedeutung einer schnellen medizinischen Intervention.

Harnwegsinfekt: Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Infektionen. Sie können die Harnröhre, die Blase, die Harnleiter oder die Nieren betreffen. Typische Beschwerden sind Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, trüber oder auffällig riechender Urin sowie Schmerzen im Unterbauch oder Rücken.

Je nachdem, welcher Abschnitt der Harnwege betroffen ist, können die Beschwerden unterschiedlich stark sein. Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen und Übelkeit können auf eine Beteiligung der Nieren hinweisen und müssen schnell ärztlich abgeklärt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung.
Was sind Harnwegsinfekte?
Harnleiterentzündung (Ureteritis)

Harnwegsinfekte entstehen durch das Eindringen von Mikroorganismen, meist Bakterien, in die Harnwege. Diese Bakterien können Entzündungen in verschiedenen Abschnitten des Harntraktes verursachen.

  • Harnröhre: Harnröhrenentzündung, medizinisch Urethritis
  • Blase: Blasenentzündung, medizinisch Zystitis
  • Harnleiter: Harnleiterentzündung, medizinisch Ureteritis
  • Nieren: Nierenbeckenentzündung, medizinisch Pyelonephritis

Zu den häufigsten Beschwerden zählen Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, trüber oder übel riechender Urin sowie Schmerzen im Unterbauch oder Rücken.

Harnwegsinfekte und ihre Ursachen

Harnwegsinfekte entstehen häufig durch Bakterien, die aus dem Darmbereich in die Harnröhre gelangen. Der häufigste Erreger ist Escherichia coli (E. coli). Das Bakterium kommt natürlicherweise im Darm vor und kann über die Harnröhre in die Blase aufsteigen.

Weitere Faktoren können das Risiko für einen Harnwegsinfekt erhöhen:

  • + 1. Sexuelle Aktivität

    Sexuelle Aktivität kann dazu führen, dass Bakterien in die Harnröhre gelangen. Spermizide und Diaphragmen können das Risiko bei manchen Personen zusätzlich erhöhen.

  • + 2. Hygiene und Toilettengang

    Beim Toilettengang sollte möglichst von vorne nach hinten gewischt werden. Dadurch wird das Risiko verringert, Bakterien aus dem Analbereich in Richtung Harnröhre zu übertragen. Aggressive Intimwaschprodukte können die Haut und Schleimhäute reizen.

  • + 3. Anatomische Unterschiede

    Frauen sind aufgrund anatomischer Unterschiede häufiger von Harnwegsinfekten betroffen:

    • Kürzere Harnröhre: Bakterien haben einen kürzeren Weg bis zur Blase.
    • Nähe von Harnröhre, Vagina und Anus: Die Nähe der Körperöffnungen kann eine Übertragung von Bakterien begünstigen.
  • + 4. Medizinische Eingriffe
    • Katheterisierung: Ein Harnkatheter kann eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen.
    • Chirurgische Eingriffe: Besonders urologische Eingriffe können das Infektionsrisiko vorübergehend erhöhen.
  • + 5. Immunsuppression und chronische Erkrankungen

    Eine verminderte Immunabwehr kann die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Mögliche Faktoren sind:

    • Diabetes: Veränderungen im Immunsystem, in der Blutzuckerregulation und im Harntrakt können das Risiko erhöhen. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag Diabetes und Harnsystem.
    • HIV/AIDS: Eine geschwächte Immunabwehr kann die Infektionsanfälligkeit erhöhen.
    • Medikamente: Immunsuppressiva und bestimmte Krebstherapien können die körpereigene Abwehr beeinflussen.
  • + 6. Hormonschwankungen

    Hormonelle Veränderungen, beispielsweise während der Schwangerschaft oder nach der Menopause, können die Schleimhaut und die natürlichen Abwehrmechanismen der Harnwege beeinflussen.

  • + 7. Nierenerkrankungen

    Chronische Nierenerkrankungen oder strukturelle Veränderungen im Harntrakt können wiederkehrende Infektionen begünstigen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann die Fähigkeit des Körpers, Infektionen abzuwehren, beeinträchtigt sein.

  • + 8. Harnabflussstörungen

    Blockaden oder Verengungen, beispielsweise durch Nierensteine oder eine vergrößerte Prostata, können den Harnfluss behindern. Dadurch verbleibt Urin länger im Harntrakt und Bakterien werden möglicherweise nicht ausreichend ausgespült.

  • + 9. Restharn und Blasenentleerungsstörungen

    Wenn nach dem Wasserlassen Urin in der Blase verbleibt, kann dieser Restharn ein günstiges Umfeld für Bakterien darstellen. Die längere Kontaktzeit mit der Blasenschleimhaut kann das Risiko für eine Infektion erhöhen.

    Blasenentleerungsstörungen können unter anderem durch folgende Faktoren entstehen:

    • Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder Schlaganfälle können die Nervensteuerung der Blase beeinträchtigen.
    • Wirbelsäulen- und Rückenmarksverletzungen: Die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase kann gestört sein.
    • Prostatavergrößerung: Eine vergrößerte Prostata kann die Harnröhre einengen.
    • Diabetes: Eine diabetische Neuropathie kann die Blasenfunktion beeinflussen.
    • Chronische Blasenentzündung oder Vernarbung: Die Blasenwand kann an Elastizität verlieren und die Entleerung erschweren.

    Weitere Informationen finden Sie im Beitrag Restharn.

    Regelmäßige und möglichst vollständige Blasenentleerung sowie die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache können helfen, das Infektionsrisiko zu verringern.

  • + 10. Erbliche Faktoren

    Eine familiäre Häufung von Harnwegsinfekten kann auf eine erhöhte individuelle Anfälligkeit hinweisen. Genetische Faktoren können dabei eine Rolle spielen.

Symptome von Harnwegsinfekten

Harnwegsinfekte können je nach betroffenem Bereich unterschiedliche Beschwerden verursachen. Das Erkennen der Symptome ist wichtig, damit eine Infektion rechtzeitig behandelt werden kann.

Untere Harnwege

Bei Infektionen der Harnröhre oder Blase treten häufig Brennen beim Wasserlassen, Harndrang, häufige Toilettengänge, trüber Urin und Schmerzen im Unterbauch auf.

Obere Harnwege

Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein starkes Krankheitsgefühl können auf eine Beteiligung der Nieren hinweisen.

Bei Fieber, Flanken- oder Rückenschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechen sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

Symptome einer Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Eine Harnröhrenentzündung kann sich durch verschiedene Beschwerden äußern:

  • + Brennen beim Wasserlassen

    Ein brennendes oder stechendes Gefühl beim Wasserlassen entsteht durch die entzündliche Reizung der Harnröhrenschleimhaut. Die Beschwerden können während des gesamten Wasserlassens oder vor allem zu Beginn auftreten.

  • + Ausfluss aus der Harnröhre

    Schleimiger oder eitriger Ausfluss kann auf eine Entzündung hinweisen. Farbe, Konsistenz und Geruch können unterschiedlich sein. Auch sexuell übertragbare Infektionen kommen als Ursache infrage und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis)

Eine Blasenentzündung kann plötzlich beginnen und sich durch typische Beschwerden bemerkbar machen:

  • + Häufiger Harndrang

    Betroffene verspüren häufig einen starken Harndrang, obwohl nur wenig oder gar kein Urin ausgeschieden wird. Der ständige Toilettendrang kann den Alltag erheblich beeinträchtigen.

  • + Brennen beim Wasserlassen

    Das Brennen entsteht durch die Reizung der Blasenschleimhaut. Es kann während oder nach dem Wasserlassen auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

  • + Trüber oder auffällig riechender Urin

    Bakterien, weiße Blutkörperchen und gegebenenfalls Blut können Farbe und Geruch des Urins verändern. Auffälliger Urin allein beweist jedoch noch keine Infektion.

  • + Blut im Urin

    Blut im Urin wird als Hämaturie bezeichnet. Der Urin kann rosa, rot oder braun erscheinen. Blut im Urin sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

  • + Unterbauchschmerzen

    Krampfartige, ziehende oder drückende Schmerzen im Unterbauch können durch eine Entzündung der Blasenwand entstehen.

Symptome einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Eine Nierenbeckenentzündung ist eine ernstere Infektion, die sich von der Blase über die Harnleiter bis zu den Nieren ausbreiten kann.

Fieber und Schüttelfrost

Fieber und Schüttelfrost können auf eine fortgeschrittene oder systemische Infektion hinweisen.

Flanken- und Rückenschmerzen

Schmerzen in der Seite oder im unteren Rücken können auf eine Beteiligung der Nieren hinweisen.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen können bei einer schwereren Infektion auftreten und sollten medizinisch beurteilt werden.

Starkes Krankheitsgefühl

Ausgeprägte Erschöpfung und ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl sind Warnzeichen für eine ernstere Infektion.

Bei Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen.
Symptome einer Harnleiterentzündung (Ureteritis)

Eine Harnleiterentzündung ist selten. Der Harnleiter transportiert den Urin von der Niere zur Blase. Die Beschwerden können denen anderer Harnwegsinfekte ähneln:

  • Schmerzen in der Flanke oder im Unterbauch: Die Schmerzen können ziehend, stechend oder krampfartig sein.
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen: Die entzündete Schleimhaut kann das Wasserlassen unangenehm machen.
  • Häufiger Harndrang: Betroffene müssen möglicherweise häufiger zur Toilette, obwohl nur kleine Mengen ausgeschieden werden.
  • Blutiger oder trüber Urin: Blut, Eiter oder Schleim können die Farbe und Beschaffenheit des Urins verändern.
  • Fieber und allgemeines Unwohlsein: Diese Beschwerden können auf eine fortgeschrittene Infektion hinweisen.
  • Übelkeit und Erbrechen: Besonders bei einer Beteiligung der Nieren ist eine sofortige medizinische Abklärung notwendig.

Weitere allgemeine Symptome

  • Müdigkeit und Schwäche: Besonders bei schwereren Infektionen kann eine ausgeprägte Erschöpfung auftreten.
  • Veränderungen der Urinmenge: Die Urinmenge kann sich verändern. Eine deutlich verringerte Urinausscheidung muss ärztlich abgeklärt werden.
Untere und obere Harnwegsinfektionen unterscheiden

Untere Harnwegsinfektionen

Infektionen der Harnröhre und Blase verursachen häufig Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang, trüben oder auffällig riechenden Urin und Schmerzen im Unterbauch. Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl fehlen bei einer unkomplizierten Blasenentzündung häufig.

Obere Harnwegsinfektionen

Infektionen der Harnleiter und Nieren sind ernst zu nehmen. Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen können auf eine Nierenbeteiligung hinweisen. Eine unbehandelte schwere Infektion kann sich im Körper ausbreiten und zu einer Urosepsis führen.

Je früher ein Harnwegsinfekt erkannt und behandelt wird, desto eher lassen sich Komplikationen vermeiden. Bei deutlichen Beschwerden sollten Sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Harnwegsinfektionen Infografik
Behandlung von Harnwegsinfekten

Die Behandlung hängt davon ab, welcher Abschnitt der Harnwege betroffen ist, wie schwer die Infektion verläuft und ob Risikofaktoren oder Grunderkrankungen bestehen.

  • + 1. Antibiotika

    Antibiotika werden bei bakteriellen Harnwegsinfekten eingesetzt. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt unter anderem vom betroffenen Abschnitt, der Schwere der Infektion, möglichen Resistenzen, Vorerkrankungen und einer Schwangerschaft ab.

    Bei unkomplizierten Infektionen können je nach ärztlicher Einschätzung beispielsweise Nitrofurantoin, Fosfomycin oder andere geeignete Antibiotika eingesetzt werden. Schwerere Infektionen oder Nierenbeckenentzündungen können eine intensivere Behandlung und gegebenenfalls eine intravenöse Antibiotikagabe erfordern.

    Bei wiederkehrenden oder komplizierten Infektionen kann eine Urinkultur mit Antibiogramm durchgeführt werden. Dadurch lässt sich der Erreger genauer bestimmen und die Behandlung gezielter auswählen.

  • + 2. Schmerz- und Begleitbehandlung

    Zur Linderung von Schmerzen können nach ärztlicher Rücksprache geeignete Schmerzmittel eingesetzt werden. Paracetamol oder Ibuprofen sind nicht für alle Menschen geeignet. Vorerkrankungen, andere Medikamente und mögliche Nebenwirkungen müssen berücksichtigt werden.

    Medikamente, die Beschwerden beim Wasserlassen lindern, behandeln nicht automatisch die Ursache der Infektion. Lassen Sie sich deshalb beraten, bevor Sie Arzneimittel einnehmen.

  • + 3. Flüssigkeitszufuhr

    Eine individuell passende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die normale Blasenfunktion. Trinken Sie nicht absichtlich zu wenig. Eine pauschale Trinkmenge von 2–3 Litern pro Tag ist jedoch nicht für alle Menschen geeignet.

    Bei Herz- oder Nierenerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei bestimmten anderen Erkrankungen sollte die Trinkmenge mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden. Cranberry-Produkte können bei manchen Personen zur Vorbeugung wiederkehrender Infekte erwogen werden; sie ersetzen jedoch keine Behandlung einer akuten Infektion.

  • + 4. Probiotika und unterstützende Maßnahmen

    Probiotika können die Darm- oder Scheidenflora unterstützen. Die Studienlage zur Vorbeugung wiederkehrender Harnwegsinfekte ist jedoch nicht für alle Präparate eindeutig.

    Pflanzliche Präparate wie Bärentraubenblätter, Goldrute oder Kapuzinerkresse sollten nicht unkritisch angewendet werden. Sie können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben und ersetzen keine ärztliche Behandlung.

  • + 5. Blasenentleerung und Katheterisierung

    Bei einer Blasenentleerungsstörung kann ein regelmäßiges und vollständiges Entleeren der Blase notwendig sein. In bestimmten Fällen wird eine intermittierende Katheterisierung eingesetzt.

    Die Anwendung muss durch medizinisches Fachpersonal erklärt werden. Ein Katheter sollte nicht eigenständig eingeführt, gespült, verschoben oder gewechselt werden, wenn dafür keine Anleitung vorliegt.

  • + 6. Weitere medizinische Maßnahmen

    Bei postmenopausalen Frauen können lokale Östrogene zur Vorbeugung wiederkehrender Infektionen infrage kommen. Eine solche Behandlung muss ärztlich geprüft werden.

    Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten können je nach Ursache eine Immunprophylaxe, Methenamin, eine antibiotische Prophylaxe oder weitere Maßnahmen besprochen werden. Die Auswahl hängt von der individuellen Situation ab.

    Homöopathische Mittel sind nicht geeignet, eine bakterielle Harnwegsinfektion zuverlässig zu behandeln. Bei wiederkehrenden Infekten sollte die Ursache fachärztlich abgeklärt werden.

  • + 7. Hygiene und Verhalten
    • Beim Toilettengang von vorne nach hinten wischen.
    • Reizende Intimwaschprodukte und aggressive Seifen vermeiden.
    • Die Blase regelmäßig entleeren und den Urin nicht dauerhaft zurückhalten.
    • Nasse Kleidung möglichst rasch wechseln.
    • Nach dem Geschlechtsverkehr zeitnah Wasser lassen.

Eine rechtzeitige und individuell passende Behandlung ist entscheidend, um Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Prävention von Harnwegsinfekten

Vorbeugende Maßnahmen können das Risiko wiederkehrender Harnwegsinfekte verringern. Nicht jede Maßnahme ist für jede Person geeignet. Bei häufigen Infekten sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

1. Medikamentöse Prävention

  • Antibiotische Langzeitprophylaxe: Bei häufig wiederkehrenden Infekten kann nach ärztlicher Prüfung eine niedrig dosierte Antibiotikaprophylaxe infrage kommen. Mögliche Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen müssen berücksichtigt werden.
  • Immunprophylaxe: Bakterienlysate, beispielsweise OM-89 beziehungsweise Uro-Vaxom®, können in bestimmten Fällen zur Vorbeugung wiederkehrender Infekte eingesetzt werden.
  • Vaginale Östrogene: Bei postmenopausalen Frauen können lokale Östrogene die Schleimhaut unterstützen und das Risiko wiederkehrender Infekte möglicherweise senken.
  • Methenamin: Methenamin kann in bestimmten Fällen zur Rezidivprophylaxe eingesetzt werden. Die Behandlung muss ärztlich geprüft werden.

2. Natürliche und pflanzliche Möglichkeiten

  • D-Mannose: D-Mannose kann sich an bestimmte E.-coli-Bakterien binden. Die Wirksamkeit zur Vorbeugung wiederkehrender Infekte ist nicht für alle Personengruppen eindeutig belegt.
  • Cranberry-Produkte: Proanthocyanidine können das Anhaften bestimmter Bakterien an der Blasenwand erschweren. Die Studienlage ist gemischt.
  • Bärentraubenblätter: Bärentraubenblätter sind nicht zur dauerhaften Einnahme geeignet und können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen verursachen.
  • Weitere pflanzliche Präparate: Kürbissamen, Brennnessel, Goldrutenkraut und Schachtelhalm werden in manchen Blasen- und Nierentees verwendet. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung.
  • Probiotika: Milchsäurebakterien können die Darm- und Scheidenflora unterstützen. Der Nutzen zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten ist individuell und wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.
  • Vitamin C, Zink und Selen: Diese Stoffe sind für die allgemeine Körperfunktion wichtig. Eine Einnahme zur gezielten Vermeidung von Harnwegsinfekten sollte nicht ohne fachliche Beratung erfolgen.

3. Allgemeine Maßnahmen

  • Auf eine individuell passende Flüssigkeitszufuhr achten.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr zeitnah die Blase entleeren.
  • Beim Toilettengang von vorne nach hinten wischen.
  • Nasse Kleidung wechseln und Auskühlung vermeiden.
  • Aggressive Intimwaschprodukte und Seifen vermeiden.
  • Lockere und atmungsaktive Kleidung bevorzugen.
  • Bei Blasenentleerungsstörungen den persönlichen Entleerungsplan beachten.

Vergleich ausgewählter Präventionsmöglichkeiten

Präventionsmöglichkeit Medikamentös Natürlich oder pflanzlich
Antibiotische Langzeitprophylaxe ✔
Immunprophylaxe, beispielsweise OM-89 / Uro-Vaxom® ✔
Vaginale Östrogene ✔
Methenamin ✔
D-Mannose ✔
Cranberry-Produkte ✔
Bärentraubenblätter ✔
Goldrute, Brennnessel und Kürbis ✔
Milchsäurebakterien ✔
Vitamin C, Zink und Selen teilweise ✔
Achtung:

Die Eignung und Wirksamkeit einzelner Maßnahmen kann individuell unterschiedlich sein. Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Schwangerschaft, Nierenerkrankungen oder einer Immunschwäche sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wann ist sofortige medizinische Hilfe notwendig?

Wenden Sie sich sofort an eine medizinische Einrichtung, wenn:

  • Fieber oder Schüttelfrost auftreten
  • starke Flanken- oder Rückenschmerzen hinzukommen
  • Übelkeit und Erbrechen auftreten
  • Blut im Urin sichtbar ist
  • kein Urin oder deutlich weniger Urin ausgeschieden wird
  • starke Schmerzen oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl bestehen
  • Sie schwanger sind und Beschwerden eines Harnwegsinfekts haben
  • eine Immunschwäche, eine Nierenerkrankung oder eine relevante Blasenentleerungsstörung bekannt ist
Fieber, Flankenschmerzen, Schüttelfrost, Erbrechen oder ein starkes Krankheitsgefühl können auf eine Nierenbeteiligung hinweisen und müssen rasch medizinisch abgeklärt werden.
FAQ zu Harnwegsinfekten
  • + Was verursacht einen Harnwegsinfekt?

    Die meisten Harnwegsinfekte werden durch Bakterien verursacht. Besonders häufig ist Escherichia coli (E. coli), ein Bakterium aus dem Darm.

  • + Welche Hausmittel helfen gegen einen Harnwegsinfekt?

    Eine individuell passende Trinkmenge, Wärme und Ruhe können Beschwerden möglicherweise lindern. Hausmittel ersetzen jedoch keine medizinische Untersuchung oder eine notwendige Behandlung mit Antibiotika.

  • + Wie lange dauert ein Harnwegsinfekt?

    Bei einer passenden Behandlung können sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage bessern. Unbehandelte oder komplizierte Infektionen können länger anhalten oder sich verschlimmern.

  • + Kann ein Harnwegsinfekt von allein heilen?

    Manche leichten Beschwerden können vorübergehend nachlassen. Trotzdem sollte ein Harnwegsinfekt ärztlich beurteilt werden, insbesondere bei Fieber, Blut im Urin, Schwangerschaft, Männern, Kindern, Immunschwäche oder Nierenerkrankungen.

  • + Sind Harnwegsinfekte ansteckend?

    Gewöhnliche Harnwegsinfekte sind in der Regel nicht von Mensch zu Mensch ansteckend. Eine Harnröhrenentzündung kann jedoch durch eine sexuell übertragbare Infektion verursacht werden. In diesem Fall ist eine gezielte Diagnostik und Behandlung erforderlich.

Erfahrungsberichte von Betroffenen

Die folgenden Erfahrungsberichte sind anonymisiert und geben persönliche Eindrücke wieder. Sie ersetzen keine medizinische Beratung.

  • + Erfahrungsbericht: Maria – 48 Jahre*

    „Ich hatte ständig Blasenentzündungen und das war echt nervig. Es fühlte sich an, als wenn ich eine Infektion nach der anderen hatte. Mein Arzt hat mir dann probiotische Ergänzungen empfohlen. Außerdem hat er mir geraten, nach dem Sex mehr Wasser zu trinken. Seitdem hatte ich keine Infektion mehr. Diese kleinen Änderungen in meinem Alltag haben viel gebracht.“

  • + Erfahrungsbericht: Jens – 58 Jahre*

    „Nach meiner Prostata-Operation habe ich einen Harnwegsinfekt bekommen. Das tat weh und ich fühlte mich sehr schlecht. Mein Arzt hat mir Antibiotika verschrieben und mir erklärt, worauf ich beim Trinken achten soll. Nach einigen Tagen ging es mir besser.“

  • + Erfahrungsbericht: Anna – 28 Jahre*

    „Ich bekam immer wieder Harnwegsinfekte, besonders nach intensiven Trainingseinheiten. Ich achte jetzt darauf, nach dem Training ausreichend zu trinken und nasse Kleidung rasch zu wechseln. Außerdem trage ich atmungsaktive Unterwäsche. Seitdem habe ich weniger Beschwerden.“

  • + Erfahrungsbericht: Lars – 37 Jahre*

    „Nach einem langen Camping-Wochenende hatte ich einen Harnwegsinfekt. Zuerst brannte es leicht beim Wasserlassen, später kamen starke Schmerzen und Fieber hinzu. Ich bin sofort zum Arzt gegangen und wurde behandelt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Warnzeichen ernst zu nehmen.“

* Der Schutz der Privatsphäre ist ein wichtiges Anliegen. Daher wurden die Namen und das Alter der Personen anonymisiert.

Unser Selbsthilfe-Forum bietet viele weitere Erfahrungsberichte und die Möglichkeit zum direkten Austausch mit anderen Betroffenen.

Zusammenfassung

Harnwegsinfekte entstehen meistens durch Bakterien, die über die Harnröhre in die Harnwege gelangen. Häufig betroffen sind die Harnröhre und die Blase. Eine Infektion kann sich jedoch auch auf Harnleiter und Nieren ausbreiten.

Typische Beschwerden sind Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, kleine Urinmengen, trüber oder auffällig riechender Urin sowie Unterbauchschmerzen. Fieber, Schüttelfrost, Flanken- oder Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen können auf eine Nierenbeteiligung hinweisen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika notwendig sein. Eine passende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Blasenentleerung und eine schonende Intimhygiene können die Behandlung und Vorbeugung unterstützen.

Bei wiederkehrenden Infekten, Restharn, einer Blasenentleerungsstörung, Schwangerschaft, Immunschwäche oder einer Nierenerkrankung ist eine individuelle ärztliche Abklärung besonders wichtig.

Harnwegsinfekte sind häufig behandelbar. Nehmen Sie Beschwerden ernst und suchen Sie bei Warnzeichen frühzeitig medizinische Hilfe.

Quellen

S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patientinnen und Patienten.

gesund.bund.de: Blasenentzündung (Zystitis): Behandlung

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung. Bei starken Beschwerden, Fieber, Flanken- oder Rückenschmerzen, Blut im Urin oder einer Verschlechterung des Allgemeinzustands wenden Sie sich bitte sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder eine medizinische Notfallstelle.