Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen:

Selbstkatheterismus (ISK): Ratgeber für Betroffene

Selbstkatheterismus kann anfangs verunsichern. Dieser verständliche Ratgeber erklärt, wie intermittierender Selbstkatheterismus funktioniert, welche Katheter geeignet sind und was Ihnen bei Hygiene, Anwendung und Problemen hilft.

Selbstkatheterismus: Ihr verständlicher Praxisratgeber zum intermittierenden Selbstkatheterismus

Teaser Selbstkatheterismus

Vielleicht wurde Ihnen gerade empfohlen, sich selbst zu katheterisieren. Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie das schaffen können, ob es wehtut oder wie Sie den Selbstkatheterismus in Ihren Alltag integrieren sollen.

Kurzübersucht für Betroffene SelbstkatheterismusDer Gedanke an einen Katheter in der Harnröhre kann zunächst ungewohnt, unangenehm oder beängstigend sein. Viele Betroffene und Anwenderinnen und Anwender empfinden am Anfang Scham, Unsicherheit oder Angst, etwas falsch zu machen. Diese Gefühle sind verständlich.

Der intermittierende Selbstkatheterismus, kurz ISK, ist eine erlernbare Methode zur regelmäßigen Blasenentleerung. Sie kann Menschen mit einer Blasenentleerungsstörung mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Kontrolle im Alltag geben.

Dieser Praxisratgeber richtet sich an Betroffene, Anwenderinnen und Anwender sowie Angehörige. Er erklärt, was Selbstkatheterismus bedeutet, warum er notwendig sein kann, welche Katheterarten es gibt und worauf Sie bei Vorbereitung, Positionierung, Hygiene und Anwendung achten sollten.

Dabei geht es auch um Fragen, die in einer ersten Einweisung häufig zu kurz kommen: Wie finde ich die Harnröhrenöffnung? Was hilft, wenn ich meine Beine nicht selbstständig öffnen kann? Was passiert, wenn der Katheter in die Scheide gelangt? Und wie kann ich mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen umgehen?

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine persönliche Einweisung. Lassen Sie sich den Selbstkatheterismus von einer Ärztin, einem Arzt oder einer geschulten Pflegefachkraft zeigen und üben Sie die Anwendung zunächst unter Anleitung.
Was ist intermittierender Selbstkatheterismus?

Beim intermittierenden Selbstkatheterismus führen Sie in regelmäßigen Abständen einen dünnen Katheter durch die Harnröhre in die Blase ein. Der Urin kann dadurch ablaufen. Anschließend wird der Katheter wieder entfernt.

„Intermittierend“ bedeutet, dass der Katheter nicht dauerhaft in der Blase bleibt. Je nach Blasenfunktion und ärztlicher Empfehlung kann die Anwendung mehrmals täglich notwendig sein.

Was passiert beim ISK?
  • Der Katheter wird vorsichtig eingeführt.
  • Der Urin läuft über den Katheter ab.
  • Die Blase wird nach Anleitung entleert.
  • Der Katheter wird anschließend entfernt.
Was ist das Ziel?
  • die Blase regelmäßig zu entleeren
  • Restharn zu reduzieren
  • eine Überdehnung der Blase zu vermeiden
  • mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen

Wenn Sie den Katheterismus nicht vollständig selbst durchführen können, können angepasste Hilfsmittel oder eine geschulte Hilfsperson einbezogen werden. Unterstützung anzunehmen ist kein persönliches Versagen.

Warum kann Selbstkatheterismus wichtig sein?

Wenn sich die Blase nicht vollständig entleert, bleibt Restharn zurück. Restharn ist Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Er kann unbemerkt vorhanden sein und lässt sich zuverlässig nur durch eine medizinische Kontrolle feststellen.

Eine unvollständige Blasenentleerung kann die Blase belasten und das Risiko für Beschwerden erhöhen. Bei bestimmten Blasenfunktionsstörungen kann außerdem ein zu hoher Druck in der Blase entstehen.

Der intermittierende Selbstkatheterismus kann helfen, die Blase nach einem individuell festgelegten Plan zu entleeren. Ob ISK für Sie geeignet ist und wie häufig die Anwendung erfolgen soll, muss medizinisch beurteilt werden.

Restharn & ISK-Indikation

Restharn bezeichnet die Menge Urin, die nach dem normalen Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. Kann sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren, verbleibt dauerhaft Urin, was Nieren und Harnwege belasten kann.

Orientierungswerte:
  • Unbedenklich: Unter 50 ml gilt meist als normal.
  • Pathologisch (auffällig): Regelmäßige Mengen ab ca. 100 ml gelten als relevanter Restharn.
  • Grund für ISK: Bei anhaltendem Restharn ab ca. 100–150 ml wird oft ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) verordnet, um Blasenentzündungen und Nierenschäden vorzubeugen.
Ziel ist nicht, möglichst schnell zu katheterisieren. Ziel ist eine sichere, möglichst schmerzarme und zu Ihrer Situation passende Blasenentleerung.
Für wen ist Selbstkatheterismus geeignet?

Der intermittierende Selbstkatheterismus kommt für Menschen infrage, deren Blase sich nicht ausreichend, nicht regelmäßig oder nicht sicher von selbst entleert.

  • Mögliche Anzeichen einer Entleerungsstörung: Ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, starkes Pressen beim Wasserlassen, das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase, unwillkürlicher Tröpfelverlust (Überlaufinkontinenz) oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen.
  • Umfassendere Ursachen: Neben neurologischen Erkrankungen (wie Multiple Sklerose oder Querschnittlähmung) können auch eine geschwächte Blasenmuskulatur, eine Fehlsteuerung des Schließmuskels oder mechanische Hindernisse (z. B. eine vergrößerte Prostata oder Harnröhrenverengungen) den ISK erforderlich machen.
  • Voraussetzungen für die Anwendung: Betroffene benötigen ausreichend Beweglichkeit, Handfunktion und das Verständnis für die hygienischen Schritte. Fehlt die eigene Handfunktion, kann die Katheterisierung auch von geschulten Angehörigen oder Pflegekräften übernommen werden.

Mögliche Gründe für ISK

  • neurogene Blasenfunktionsstörungen
  • Restharn oder chronischer Harnverhalt
  • eine zu schwache Blasenmuskulatur
  • eine gestörte Koordination zwischen Blase und Schließmuskel
  • Blasenentleerungsstörungen nach Operationen
  • Blasenfunktionsstörungen nach bestimmten Behandlungen
  • eingeschränkte Blasenentleerung bei neurologischen Erkrankungen

Ob Sie selbst katheterisieren können, hängt nicht nur von Ihrer Kraft ab. Auch Beweglichkeit, Handfunktion, Sehfähigkeit, Sensibilität, Körperhaltung und Ihre persönliche Wohnsituation spielen eine Rolle.

Menschen mit Querschnittlähmung, Spastik oder stark eingeschränkter Beinbeweglichkeit benötigen möglicherweise spezielle Positionierungshilfen oder Unterstützung durch eine geschulte Person. Eine solche Anpassung sollte Teil der individuellen Einweisung sein.

Ursachen von Blasenentleerungsstörungen

Die möglichen Ursachen sind nach einer allgemeinen Einschätzung von häufigeren zu selteneren Ursachen geordnet. Die tatsächliche Häufigkeit hängt unter anderem vom Alter, Geschlecht, den Vorerkrankungen und der individuellen Situation ab. Nicht jede Ursache führt automatisch dazu, dass ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) notwendig ist.

  • Prostatavergrößerung

    Eine vergrößerte Prostata kann die Harnröhre einengen. Der Urin fließt dann möglicherweise langsamer oder die Blase wird nicht vollständig entleert.

  • Bestimmte Medikamente

    Einige Medikamente können die Blasenmuskulatur, die Nervensteuerung oder den Harnabfluss beeinflussen. Wenn Beschwerden nach einer Medikamentenumstellung auftreten, sollten Sie dies ärztlich besprechen. Medikamente sollten Sie nicht eigenständig absetzen.

  • Länger anhaltende Verstopfung

    Ein stark gefüllter Darm kann Druck auf die Blase und die Harnröhre ausüben. Dadurch kann die Blasenentleerung vorübergehend erschwert werden.

  • Verengung der Harnröhre

    Eine verengte Harnröhre kann den Urinabfluss erschweren. Die Blase muss dann stärker arbeiten und kann trotzdem Restharn zurücklassen.

  • Schwache Blasenmuskulatur

    Wenn die Blasenmuskulatur zu schwach ist, kann sie den Urin möglicherweise nicht vollständig herausdrücken. Das kann beispielsweise nach Erkrankungen, Operationen oder im höheren Lebensalter vorkommen.

  • Störungen des Beckenbodens

    Der Beckenboden muss sich bei der Blasenentleerung zur richtigen Zeit entspannen. Ist die Koordination gestört oder der Beckenboden dauerhaft angespannt, kann das Wasserlassen erschwert sein.

  • Diabetes und Nervenschädigungen

    Diabetes kann langfristig Nerven schädigen. Ist die Blase davon betroffen, werden Harndrang und Blasenfüllung möglicherweise weniger deutlich wahrgenommen oder die Blasenmuskulatur wird schwächer.

  • Neurologische Erkrankungen

    Erkrankungen des Nervensystems können die Kommunikation zwischen Gehirn, Nerven und Blase stören. Dazu gehören beispielsweise Multiple Sklerose, Polyneuropathien oder Erkrankungen der Nerven im Beckenbereich.

  • Schlaganfall und Parkinson-Krankheit

    Nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson können Bewegungen, Nerven und die Koordination des Beckenbodens beeinträchtigt sein. Dadurch kann es schwieriger werden, die Blase vollständig zu entleeren.

  • Rückenmarksverletzungen und Querschnittlähmung

    Nach einer Rückenmarksverletzung kann die Verbindung zwischen Gehirn, Nerven und Blase gestört sein. Die Blase lässt sich dann möglicherweise nicht vollständig oder nicht zum richtigen Zeitpunkt entleeren.

  • Senkung von Beckenorganen

    Eine Senkung von Beckenorganen kann die Lage von Blase oder Harnröhre verändern. Dadurch kann der Urin schlechter abfließen oder die Blase nicht vollständig entleert werden.

  • Harnsteine und andere Abflussbehinderungen

    Harnsteine oder andere Hindernisse können den Abfluss des Urins behindern. Die Ursache sollte ärztlich abgeklärt und gezielt behandelt werden.

  • Folgen von Operationen oder Bestrahlungen

    Operationen oder Bestrahlungen im Beckenbereich können vorübergehend oder dauerhaft Nerven, Muskeln oder Gewebe beeinflussen. Dadurch kann sich die Blasenentleerung verändern.

  • Spina bifida und angeborene Veränderungen

    Bei Spina bifida oder anderen angeborenen Veränderungen können Nerven betroffen sein, die die Blasenfunktion steuern. Die Beschwerden können bereits im Kindesalter oder erst später auffallen.

  • Tumorerkrankungen im Beckenbereich

    Tumorerkrankungen im Bereich der Harnwege oder des Beckens können die Harnwege einengen oder Nerven und Muskeln der Blase beeinflussen. Eine ärztliche Abklärung ist in diesem Fall besonders wichtig.

Ob ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) notwendig oder sinnvoll ist, wird immer individuell entschieden. Dabei spielen unter anderem die Ursache, Ihre Beschwerden, die Restharnmenge und die Untersuchungsergebnisse eine Rolle.

Vorteile des intermittierenden Selbstkatheterismus

Wenn ISK medizinisch angezeigt ist und korrekt durchgeführt wird, kann die Methode Ihnen mehr Kontrolle über Ihre Blasenentleerung geben.

Weniger Restharn

Eine geplante Blasenentleerung kann helfen, Restharn zu reduzieren.

Mehr Selbstständigkeit

Sie können Ihre Blasenentleerung stärker an Ihren Tagesablauf anpassen.

Mehr Sicherheit unterwegs

Mit einer guten Vorbereitung kann ISK in Arbeit, Freizeit und Reisen integriert werden.

Individuelle Versorgung

Katheter und Hilfsmittel können an Ihre Anatomie und Ihre Fähigkeiten angepasst werden.

Diskrete Anwendung

Viele Einmalkatheter lassen sich diskret transportieren und verwenden.

Mehr Lebensqualität

Ein verlässlicher Katheterplan kann Sicherheit und Selbstbestimmung fördern.

Welcher Katheter passt zu mir?

Ein geeigneter Katheter muss zu Ihrer Anatomie, Ihrer Harnröhre, Ihrer Blasenfunktion und Ihren Fähigkeiten passen. Die Auswahl sollte gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.

Verschiedene Katheterspitzen für den intermittierenden Selbstkatheterismus

Katheterspitzen

Welche Katheterspitzen gibt es beim Selbstkatheterismus?

Beim Selbstkatheterismus wird ein dünner Schlauch – der Katheter – durch die Harnröhre bis in die Blase eingeführt. Durch den Katheter kann der Urin abfließen. Die Spitze des Katheters ist je nach Modell unterschiedlich geformt. Das hat einen bestimmten Grund: Manche Spitzen sind für eine unkomplizierte Anwendung gedacht, andere können das Einführen bei besonderen anatomischen Bedingungen erleichtern.

  • Nelatonspitze:
    Das ist eine gerade und vorne abgerundete Spitze. Sie wird am häufigsten verwendet und eignet sich, wenn sich der Katheter ohne größere Schwierigkeiten bis zur Blase vorschieben lässt. Seitliche Öffnungen kurz hinter der Spitze ermöglichen den Abfluss des Urins.

  • Tiemannspitze oder Coudé-Spitze:
    Diese Spitze ist leicht gebogen. Die Biegung kann helfen, wenn der Weg durch die Harnröhre nicht ganz gerade verläuft. Das kann vor allem bei Männern mit einer vergrößerten Prostata oder einem nach oben gerichteten Verlauf der Harnröhre eine Rolle spielen. Die Spitze muss in der richtigen Richtung eingeführt werden.

  • Mercier-Spitze:
    Diese Spitze ist ebenfalls gebogen, kann aber eine andere oder stärkere Krümmung haben als eine Tiemannspitze. Sie kommt nur für bestimmte anatomische Situationen infrage. Ob sie geeignet ist, sollte eine medizinische Fachkraft beurteilen.

  • Besonders weich oder flexibel:
    Bei solchen Kathetern gibt die Spitze leichter nach. Das kann angenehmer sein, wenn die Harnröhre empfindlich ist oder schnell gereizt wird. Bei einer engeren Stelle kann ein sehr weicher Katheter aber auch schlechter zu führen sein.

  • Kugel- oder Olivenspitze:
    Diese Spitze ist vorne etwas verdickt und rund. Je nach Anatomie kann die Form den Übergang in die Harnröhre erleichtern. Sie ist jedoch nicht für jede Person geeignet und sollte nicht ohne fachliche Empfehlung ausprobiert werden.

  • Hydrophil beschichteter Katheter:
    Hier ist die Oberfläche des Katheters besonders gleitfähig. Die Beschichtung soll die Reibung beim Einführen verringern und dadurch die Anwendung angenehmer machen. Eine hydrophile Beschichtung ist keine eigene Spitzenform: Ein solcher Katheter kann zum Beispiel eine gerade oder eine gebogene Spitze haben.

Welche Spitze ist die richtige?

Für viele Menschen reicht eine gerade Nelatonspitze aus. Eine gebogene Spitze kann sinnvoll sein, wenn der Katheter immer wieder an derselben Stelle "hängen" bleibt oder sich nur schwer vorschieben lässt. Ein weicher oder beschichteter Katheter kann dagegen helfen, wenn die Harnröhre empfindlich ist oder das Einführen unangenehm wird.

Die passende Katheterspitze hängt von der eigenen Anatomie und den persönlichen Schwierigkeiten beim Katheterisieren ab. Bei Schmerzen, Blutungen oder wiederholtem Widerstand sollte man nicht stärker drücken. Stattdessen sollte eine Ärztin, ein Arzt oder eine entsprechend geschulte Pflegefachkraft prüfen, ob eine andere Katheterform oder eine andere Größe geeignet ist.

Durchmesser und Längen einfach erklärt

Der Durchmesser: Was bedeutet CH oder Fr?

Der Durchmesser eines Katheters wird meist in Charrière (CH) oder French (Fr) angegeben. Beide Begriffe meinen genau dasselbe:

  • 1 CH entspricht etwa 0,33 Millimetern.
  • Ein Katheter mit CH 12 hat einen Außendurchmesser von etwa 4 Millimetern.
  • Ein Katheter mit CH 18 hat einen Außendurchmesser von etwa 6 Millimetern.

Typische Größen liegen im Alltag etwa zwischen 8 CH und 18 CH.

  • Schmaler (z. B. 10–12 CH): Lässt sich meist leichter einführen und schont die Schleimhaut.
  • Breiter (z. B. 14–16 CH): Ist dann wichtig, wenn der Urin dickflüssiger ist, zum Beispiel durch Schleim oder kleine Blutbeimengungen, damit er ohne Verstopfen abfließen kann.

Grundregel: Der Katheter sollte so dünn wie möglich sein, aber so dick, dass der Urin zügig abfließen kann. Die ideale Größe wird bei der medizinischen Einweisung festgelegt.

Die Katheterlänge: Die Anatomie entscheidet

Hier gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern, weil ihre Harnröhren anatomisch unterschiedlich lang sind:

Anatomie der Harnröhre

  • Bei Frauen: Die weibliche Harnröhre ist mit nur etwa 3 bis 5 Zentimetern sehr kurz und verläuft fast gerade.
  • Bei Männern: Die männliche Harnröhre ist mit etwa 20 Zentimetern deutlich länger. Sie verläuft in S-Form durch die Prostata und den Penis.

Daraus ergeben sich unterschiedliche Katheterlängen

Damit der Katheter die Blase sicher erreicht und man ihn am äußeren Ende noch gut greifen kann, sind Katheter immer etwas länger als die reine Harnröhre:

  • Frauenkatheter: Sind meist etwa 15 bis 20 Zentimeter lang. Weil die Harnröhre kurz ist, fließt der Urin oft schon nach wenigen Zentimetern Einführen ab.
  • Männerkatheter: Sind meist etwa 40 Zentimeter lang, um den gesamten Weg durch die männliche Harnröhre bis in die Blase sicher zu überbrücken.
  • Kompaktkatheter: Für unterwegs gibt es für Frauen oft sehr kleine, taschenfertige Katheter (oft nur rund 10–15 cm lang), die genau auf die kurze weibliche Harnröhre abgestimmt sind.
Unterschiedliche Katheter für den Selbstkatheterismus

Frauen benötigen häufig kürzere Katheter, Männer aufgrund der längeren Harnröhre meist längere Katheter. Für Kinder, Jugendliche und Menschen mit besonderen anatomischen Voraussetzungen gibt es angepasste Modelle.

Beschichtung und Auffangsystem

  • Hydrophile Katheter: werden durch Flüssigkeit gleitfähig.
  • Gelbeschichtete Katheter: enthalten ein Gleitmittel oder werden mit Gel verwendet.
  • Katheter mit Urinbeutel: können unterwegs praktisch sein.
  • Katheter mit Konnektor: können an ein geeignetes Auffangsystem angeschlossen werden.
Wechseln Sie Kathetertyp, Kathetergröße oder Gleitmittel nicht eigenständig, wenn Beschwerden auftreten. Lassen Sie sich beraten.
Information zu Produktlösungen

Die Firma Coloplast GmbH hat mit dem Luja™ einen Einmalkatheter mit Micro-hole Zone Technology™ entwickelt. Laut Hersteller verfügt Luja über mehr als 80 Mikro-Augen. Produktmerkmale, Eignung und Anwendung sollten immer individuell mit medizinischem Fachpersonal besprochen werden.

Coloplast Luja Einmalkatheter
Vorbereitung und Hygiene

Eine gute Vorbereitung kann Ihnen Sicherheit geben und die Anwendung erleichtern. Die genauen Hygieneregeln richten sich nach Ihrer persönlichen Einweisung, dem verwendeten Katheter und den Vorgaben Ihres Behandlungsteams.

Vor der Anwendung
  • Wählen Sie einen ruhigen und privaten Ort.
  • Waschen oder desinfizieren Sie Ihre Hände entsprechend Ihrer Schulung.
  • Legen Sie Katheter, Gleitmittel und benötigte Hilfsmittel bereit.
  • Nehmen Sie eine stabile und möglichst entspannte Position ein.
  • Planen Sie ausreichend Zeit ein und vermeiden Sie unnötigen Zeitdruck.
Hilfsmittel vorbereiten
  • Spiegel oder integrierte Spiegelhilfe
  • Beinsperrer oder andere Positionierungshilfe
  • geeignete Sitz- oder Liegeunterlage
  • Beleuchtung für eine gute Sicht
  • Abwurfmöglichkeit für den gebrauchten Einmalkatheter

Gerade zu Beginn kann es hilfreich sein, die einzelnen Schritte zunächst in Ruhe mit einer Pflegefachkraft zu üben. Fragen Sie ausdrücklich nach Hilfsmitteln, wenn Sie Ihre Beine nicht ausreichend spreizen, Ihre Position nicht selbstständig halten oder den Genitalbereich nur schwer einsehen können.

Verwenden Sie nur Hilfsmittel, die Ihnen gezeigt und für Ihre Situation empfohlen wurden. Eine falsche Positionierung kann Schmerzen, Hautdruck oder Verletzungen verursachen.

Verwenden Sie keine Desinfektionsmittel oder Gleitmittel auf eigene Faust. Falsche oder zu häufig verwendete Produkte können die Schleimhaut reizen. Befolgen Sie die Anleitung Ihres Behandlungsteams und die Gebrauchsinformation des Katheters.

Positionierung, Beinsperrer und Spiegel

Nicht alle Menschen können ihre Beine beim Selbstkatheterismus selbstständig öffnen oder in der benötigten Position halten. Das betrifft unter anderem Menschen mit Querschnittlähmung, Spastik, eingeschränkter Hüftbeweglichkeit, Muskelschwäche oder starken Schmerzen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Selbstkatheterismus unmöglich ist. Häufig lässt sich die Körperposition mit geeigneten Hilfsmitteln oder Unterstützung anpassen.

Mögliche Hilfsmittel
  • Beinsperrer oder Beinhochlagerungshilfen
  • Spiegel oder beleuchtete Spiegel
  • Halte- und Positionierungshilfen
  • angepasste Sitzpositionen auf der Toilette
  • rutschfeste Unterlagen und stabile Haltemöglichkeiten
  • Greifhilfen oder verlängerte Handgriffe
Unterstützung durch andere Personen

Wenn Sie einzelne Schritte nicht selbstständig durchführen können, kann eine geschulte Pflegeperson oder eine vertraute Hilfsperson unterstützen.

Lassen Sie sich zeigen, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen können und bei welchen Schritten Unterstützung notwendig ist.

Ein Beinsperrer oder eine andere Positionierungshilfe sollte so eingesetzt werden, dass keine übermäßige Spannung, kein Druck auf Nerven oder Gefäße und keine schmerzhafte Hüftstellung entsteht. Lassen Sie die geeignete Position zunächst von einer Pflegefachkraft, Physiotherapeutin, einem Physiotherapeuten oder einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt überprüfen.

Bei eingeschränkter Beinbeweglichkeit darf die notwendige Position nicht mit Gewalt hergestellt werden. Das passende Hilfsmittel muss zu Ihrem Körper, Ihrer Beweglichkeit und Ihrer Sitz- oder Liegeposition passen.
Die Harnröhrenöffnung finden

Für viele Frauen und Menschen mit Vulva ist es am Anfang schwierig, die Harnröhrenöffnung sicher zu finden. Die Harnröhre ist kurz und liegt in der Regel zwischen Klitoris und Scheideneingang. Ihre genaue Lage kann sich jedoch individuell unterscheiden.

Die Orientierung kann durch eingeschränkte Beweglichkeit, fehlende Sensibilität, Übergewicht, Spastik, Schmerzen, Sehbeeinträchtigungen oder eine ungewohnte Körperposition zusätzlich erschwert werden.

Was kann helfen?
  • ein Handspiegel oder ein beleuchteter Spiegel
  • eine gute und blendfreie Beleuchtung
  • eine stabile, entspannte Sitz- oder Liegeposition
  • eine Positionierungshilfe für die Beine
  • eine erneute praktische Einweisung
  • eine in der Schulung erlernte Handposition
Lernen braucht Zeit

Viele Anwenderinnen benötigen mehrere Übungseinheiten, bis sie die Harnröhrenöffnung zuverlässig finden. Das ist kein Zeichen dafür, dass Sie die Methode nicht erlernen können.

Bitten Sie Ihre Pflegefachkraft, die Anatomie mit einem Spiegel zu erklären und den Ablauf gemeinsam mit Ihnen zu üben.

Führen Sie den Katheter nicht tastend und wiederholt in verschiedene Körperöffnungen ein. Wenn Sie unsicher sind, beenden Sie den Versuch und lassen Sie sich die Orientierung erneut zeigen.

Ein Spiegel ist kein Zeichen mangelnder Selbstständigkeit. Er kann ein sinnvolles Hilfsmittel sein, bis Sie die Harnröhrenöffnung sicher finden oder wenn sich Ihre Beweglichkeit, Sicht oder Körperposition verändert.

Wie funktioniert die Selbstkatheterisierung?

Die folgende Übersicht beschreibt den Ablauf nur allgemein. Eine persönliche Schulung ist unverzichtbar, weil sich Körper, Anatomie, Katheter und Hilfsmittel unterscheiden.

1. Vorbereiten

Material bereitlegen, Hände reinigen und eine sichere Position einnehmen.

2. Orientierung

Bei Bedarf Spiegel, Beleuchtung oder Positionierungshilfe verwenden und die Harnröhrenöffnung nach der erlernten Technik lokalisieren.

3. Einführen

Den Katheter nach der erlernten Technik vorsichtig und ohne Gewalt einführen.

4. Entleeren

Den Urin in die Toilette oder ein geeignetes Auffanggefäß ablaufen lassen.

5. Entfernen

Den Katheter nach der individuellen Anleitung entfernen und entsorgen.

Wenn der Katheter nicht weitergeht, schieben Sie ihn niemals mit Gewalt vor. Brechen Sie den Versuch ab und wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam.
Was passiert bei einem Fehlversuch?

Gerade zu Beginn kann es passieren, dass der Katheter nicht in die Harnröhre, sondern beispielsweise in die Scheide gelangt. Das kann vorkommen und bedeutet nicht, dass Sie versagt haben.

Wenn der Katheter mit einer anderen Körperöffnung oder nicht sterilen Oberflächen in Kontakt gekommen ist, sollte er nicht erneut in die Harnröhre eingeführt werden. Verwenden Sie entsprechend Ihrer Einweisung einen neuen Einmalkatheter.

Wenn kein Urin abläuft
  • Beenden Sie den Versuch, wenn Sie unsicher sind.
  • Schieben Sie den Katheter nicht mit Gewalt weiter.
  • Verwenden Sie einen neuen Katheter, wenn der alte verunreinigt ist.
  • Fragen Sie bei wiederholten Fehlversuchen Ihre Pflegefachkraft.
Wann Hilfe notwendig ist
  • starke oder zunehmende Schmerzen
  • sichtbare Blutungen
  • wiederholtes Scheitern der Anwendung
  • eine volle Blase ohne Urinabfluss
  • Fieber oder deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Ein einzelner Fehlversuch führt nicht automatisch zu einer Infektion. Wiederholte Fehlversuche, Schleimhautverletzungen und das Einführen eines verunreinigten Katheters können das Risiko für Beschwerden jedoch erhöhen.
Selbstkatheterismus im Alltag

Viele Betroffene können trotz Selbstkatheterismus arbeiten, reisen, Sport treiben und ein erfülltes Sozialleben führen. Eine gute Vorbereitung und ein verlässlicher Katheterplan erleichtern den Alltag.

Unterwegs und auf Reisen

Nehmen Sie ausreichend Katheter und Zubehör mit und planen Sie geeignete Toiletten oder Privaträume ein.

Arbeit und Ausbildung

Ein diskreter Aufbewahrungsort und ein planbarer Rhythmus können Sicherheit geben.

Trinken

Trinken Sie nicht eigenständig deutlich weniger. Die passende Trinkmenge sollte medizinisch abgestimmt werden.

Intimität und Sexualität

Scham und die Angst vor Urinverlust können Partnerschaft und Sexualität belasten. Offene Gespräche und eine individuell geplante Blasenentleerung können helfen. Fragen zu Sexualität, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft oder Schmerzen sollten Sie mit einer geeigneten Fachperson besprechen.

Häufige Probleme und mögliche Lösungen
  • Der Katheter lässt sich schwer einführen

    Mögliche Gründe sind Anspannung, eine ungünstige Position, zu wenig Gleitfähigkeit, eine unpassende Katheterspitze oder eine erschwerte Orientierung. Wenden Sie keine Gewalt an und lassen Sie die Versorgung fachlich überprüfen.

  • Die Anwendung ist schmerzhaft

    Starke, anhaltende oder zunehmende Schmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden. Auch Brennen, Blutungen oder wiederkehrende Beschwerden sind Gründe, das Behandlungsteam zu kontaktieren.

  • Es kommt kein Urin

    Prüfen Sie nur die Punkte, die Sie in Ihrer Schulung gelernt haben. Drücken Sie nicht auf den Bauch und führen Sie den Katheter nicht mit Gewalt weiter. Bei einer vollen Blase ohne Urinabfluss benötigen Sie möglicherweise zeitnahe medizinische Hilfe.

  • Ich habe Angst oder fühle mich überfordert

    Bitten Sie um eine erneute Schulung, ein langsameres Lerntempo oder eine andere Position. Viele Unsicherheiten werden kleiner, wenn Sie den Ablauf wiederholt üben und einen klaren Plan für Probleme haben.

Harnwegsinfektionen und andere Komplikationen

Bei Menschen mit intermittierendem Katheterismus können Bakterien im Urin vorkommen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Infektion besteht. Eine Behandlung sollte sich deshalb an Beschwerden und der medizinischen Beurteilung orientieren.

Mögliche Warnzeichen
  • neu auftretendes oder stärkeres Brennen
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Flanken- oder starke Unterbauchschmerzen
  • deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
  • neu auftretende starke Spastik oder Unwohlsein
  • sichtbares Blut im Urin
Weitere mögliche Probleme
  • Verletzungen der Harnröhre
  • wiederkehrende Schmerzen oder Reizungen
  • Blutungen
  • Blasenkrämpfe
  • Probleme durch eine unpassende Kathetergröße
  • eine plötzlich nicht mögliche Blasenentleerung
Bei Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen, starkem Krankheitsgefühl oder einer plötzlich nicht mehr möglichen Blasenentleerung sollten Sie umgehend medizinische Hilfe suchen.
Wiederkehrende Harnwegsinfektionen vermeiden

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen können sehr belastend sein. Bei Menschen mit intermittierendem Katheterismus können jedoch Bakterien im Urin vorkommen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Infektion vorliegt. Entscheidend sind deshalb Beschwerden und die medizinische Beurteilung – nicht allein ein auffälliger Urintest.

Wenn Infektionen wiederholt auftreten, sollte gemeinsam mit dem Behandlungsteam nach möglichen Ursachen gesucht werden. Dazu können die Kathetertechnik, die Kathetergröße, die Häufigkeit der Anwendung, Restharn, Blasendruck, Verstopfung, die Trinkmenge oder eine unpassende Körperposition gehören.

Was Sie selbst beachten können
  • Händehygiene und persönliche Einweisung einhalten.
  • Einmalkatheter entsprechend der Gebrauchsanweisung verwenden.
  • Ein verunreinigtes Produkt nicht erneut verwenden.
  • Den persönlichen Katheterplan einhalten.
  • Eine Überdehnung der Blase vermeiden.
  • Verstopfung und andere Einflussfaktoren ansprechen.
  • Die individuell passende Trinkmenge mit dem Behandlungsteam klären.
Was nicht empfohlen wird
  • Antibiotika ohne ärztliche Verordnung einzunehmen
  • Antibiotika vorsorglich ohne klare Indikation einzusetzen
  • die Trinkmenge stark zu reduzieren
  • den Katheter mit Gewalt einzuführen
  • Gleitmittel oder Desinfektionsmittel eigenständig zu wechseln
  • jede Bakterienbesiedelung ohne Beschwerden zu behandeln

Bei wiederkehrenden Beschwerden

Führen Sie – sofern Ihr Behandlungsteam dies empfiehlt – ein einfaches Symptom- und Kathetertagebuch. Notieren Sie beispielsweise Schmerzen, Brennen, Fieber, Katheterhäufigkeit, Probleme beim Einführen und Besonderheiten beim Urinabfluss.

Besprechen Sie wiederkehrende Infektionen urologisch oder neuro-urologisch. Eine Untersuchung kann klären, ob Restharn, Steine, eine Verletzung, eine falsche Kathetergröße, eine zu geringe Entleerungshäufigkeit oder eine andere Ursache vorliegt.

Bei Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen, starkem Krankheitsgefühl oder einer plötzlich nicht möglichen Blasenentleerung benötigen Sie zeitnah medizinische Hilfe.
Schulung und Unterstützung

Eine gute Einweisung ist der wichtigste Schritt, damit Sie sich beim Selbstkatheterismus sicher fühlen. Sie sollten erfahren, warum Sie katheterisieren, wie häufig die Anwendung erfolgen soll und was bei Problemen zu tun ist.

Ärztliche Betreuung

Ärztinnen und Ärzte klären die Ursache und überprüfen Ihre Blasenfunktion.

Pflegefachkräfte

Pflegefachkräfte zeigen die Technik und üben mit Ihnen den Ablauf.

Homecare-Anbieter

Homecare-Dienste können bei Produktauswahl, Nachbestellung und praktischen Fragen unterstützen.

Fragen für Ihre nächste Schulung

  • Wie oft soll ich mich täglich katheterisieren?
  • Welcher Katheter passt zu meiner Anatomie?
  • Was soll ich bei Schmerzen oder Widerstand tun?
  • Welche Beschwerden muss ich sofort melden?
  • Welche Materialien sollte ich unterwegs dabeihaben?
  • Welche Position eignet sich für mich?
  • Kann ich einen Spiegel, einen Beinsperrer oder eine andere Positionierungshilfe verwenden?
  • Wer hilft mir, wenn ich meine Beine nicht selbstständig öffnen kann?
  • Was kann ich bei wiederkehrenden Infektionen überprüfen lassen?
Versorgung durch Krankenkasse und Leistungserbringer

Für die Versorgung mit Kathetern können ärztliche Verordnung, Krankenkasse, Sanitätshaus oder Homecare-Anbieter beteiligt sein. Welche Produkte übernommen werden und wie die Versorgung organisiert ist, hängt unter anderem von Ihrer medizinischen Verordnung, Ihrem Versicherungsstatus und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Die Auswahl sollte sich an Ihrem individuellen Bedarf orientieren. Dazu können Kathetertyp, Katheterlänge, Durchmesser, Beschichtung, Anzahl pro Tag und zusätzliche Hilfsmittel gehören.

Zu den möglichen zusätzlichen Hilfsmitteln gehören beispielsweise Spiegel, beleuchtete Spiegel, Beinsperrer, Positionierungshilfen, Auffanggefäße oder andere individuell angepasste Produkte. Ob ein bestimmtes Hilfsmittel verordnet und übernommen wird, muss im Einzelfall geprüft werden.

Wenn es Probleme mit der Versorgung gibt

  1. Bitten Sie um eine schriftliche Begründung der Ablehnung oder Einschränkung.
  2. Sprechen Sie mit der verordnenden Arztpraxis über Ihren medizinischen Bedarf.
  3. Dokumentieren Sie Beschwerden, Lieferprobleme und nicht geeignete Produkte.
  4. Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse, den Leistungserbringer oder eine unabhängige Beratungsstelle.
  5. Lassen Sie sich bei rechtlichen Fragen beraten.

In Deutschland regelt unter anderem § 33 SGB V den Anspruch auf Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ob ein konkreter Katheter oder ein bestimmtes Zubehör im Einzelfall übernommen wird, hängt von den persönlichen Voraussetzungen und der jeweiligen Versorgungssituation ab.

Diese Angaben sind allgemeine Informationen und ersetzen keine individuelle sozialrechtliche Beratung.
Anwendungsvideo und praktische Anleitung

Ein Anwendungsvideo kann eine persönliche Schulung ergänzen. Es ersetzt jedoch keine individuelle Einweisung, weil Körperbau, Anatomie, Beweglichkeit und verwendeter Katheter unterschiedlich sind.

Besonders bei Fragen zur Positionierung, zum Finden der Harnröhrenöffnung, zur Verwendung eines Spiegels oder zu einem Beinsperrer sollten Sie sich die Anwendung persönlich zeigen lassen.

Hinweis: Die folgenden Inhalte können Darstellungen des Intimbereichs enthalten. Sie dienen ausschließlich der medizinischen Information und der Wiederholung bereits erlernter Abläufe.

  • Anwendung von SpeediCath® für Frauen

    Anwendung von SpeediCath® für Frauen

  • Anwendung von SpeediCath® für Männer

    Anwendung von SpeediCath® für Männer

  • Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Männer

    Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Männer

  • Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Frauen

    Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Frauen

Wischen Sie, um den Inhalt anzuzeigen

Häufige Fragen zum Selbstkatheterismus
  • Tut Selbstkatheterismus weh?

    Am Anfang kann die Anwendung ungewohnt sein. Starke oder anhaltende Schmerzen sind jedoch kein Zustand, den Sie hinnehmen müssen. Lassen Sie Katheter, Technik und mögliche Ursachen fachlich überprüfen.

  • Wie oft muss ich mich selbst katheterisieren?

    Das ist individuell und hängt unter anderem von Ihrer Blasenkapazität, Trinkmenge, Restharnmenge und ärztlichen Zielsetzung ab. Halten Sie sich an Ihren persönlichen Katheterplan.

  • Was kann helfen, wenn ich die Harnröhrenöffnung nicht finde?

    Ein Spiegel, eine gute Beleuchtung und eine stabile Position können die Orientierung erleichtern. Lassen Sie sich die Anatomie und die Verwendung eines Spiegels von einer Pflegefachkraft zeigen. Wenn Sie unsicher sind, führen Sie den Katheter nicht wiederholt tastend ein, sondern beenden Sie den Versuch und holen Sie sich Unterstützung.

  • Was kann ich tun, wenn ich meine Beine nicht selbstständig öffnen kann?

    Eine Pflegefachkraft kann mit Ihnen eine passende Sitz- oder Liegeposition und geeignete Hilfsmittel wie einen Beinsperrer, eine Positionierungshilfe oder einen Spiegel erproben. Auch eine geschulte Hilfsperson kann einzelne Schritte übernehmen.

    Wichtig ist, dass die Beine nicht mit Gewalt gespreizt werden und keine schmerzhafte oder instabile Position entsteht.

  • Was passiert, wenn der Katheter in die Scheide gelangt?

    Das kann insbesondere am Anfang passieren. Verwenden Sie den Katheter nach Kontakt mit einer anderen Körperöffnung oder einer nicht sterilen Oberfläche nicht erneut in der Harnröhre. Nehmen Sie entsprechend Ihrer Einweisung einen neuen Einmalkatheter.

    Bei wiederholten Fehlversuchen, Schmerzen oder Blutungen sollten Sie Ihre Pflegefachkraft oder Ihre behandelnde Praxis kontaktieren.

  • Was soll ich tun, wenn der Katheter nicht weitergeht?

    Schieben Sie den Katheter niemals mit Gewalt weiter. Beenden Sie den Versuch bei Schmerzen, deutlichem Widerstand oder Blutungen und wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam.

  • Wie kann ich wiederkehrende Harnwegsinfektionen vermeiden?

    Achten Sie auf die in Ihrer Schulung vermittelte Händehygiene, die richtige Anwendung des Einmalkatheters und Ihren persönlichen Katheterplan. Vermeiden Sie Gewalt beim Einführen und lassen Sie Kathetergröße, Position, Trinkmenge und Entleerungshäufigkeit überprüfen, wenn Beschwerden wiederkehren.

    Antibiotika sollten nicht ohne ärztliche Empfehlung eingenommen werden. Bakterien im Urin allein bedeuten nicht automatisch, dass eine behandlungsbedürftige Infektion vorliegt.

  • Kann ich mit ISK reisen und arbeiten?

    In vielen Fällen ja. Nehmen Sie ausreichend Material mit, planen Sie geeignete Toiletten oder Privaträume ein und sprechen Sie bei längeren Reisen mit Ihrem Behandlungsteam über die Vorbereitung.

  • Kann ich den Selbstkatheterismus selbst erlernen?

    Viele Menschen lernen den intermittierenden Selbstkatheterismus mit einer individuellen Schulung. Dabei werden Anatomie, Hygiene, Position, die Verwendung von Spiegel und Beinsperrer, Einführen, Entfernen und der Umgang mit Problemen erklärt und geübt.

  • Wer hilft mir bei Problemen mit meiner Versorgung?

    Ihre urologische oder behandelnde Praxis, Pflegefachkräfte, Homecare-Anbieter und der zuständige Leistungserbringer können Ansprechpartner sein. Bei Problemen mit der Kostenübernahme können Sie sich zusätzlich an Ihre Krankenkasse und eine unabhängige Beratungsstelle wenden.

Zusammengefasst

Der intermittierende Selbstkatheterismus ermöglicht vielen Menschen mit einer Blasenentleerungsstörung, ihre Blase regelmäßig und kontrolliert zu entleeren.

Beim ISK wird ein Katheter vorübergehend durch die Harnröhre in die Blase eingeführt und anschließend wieder entfernt. Die Methode kann Restharn reduzieren und mehr Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen.

Eine persönliche Schulung, der passende Katheter, eine gute Vorbereitung und eine abgestimmte Hygiene sind entscheidend. Schmerzen, Widerstand, Blutungen, Fieber oder eine plötzlich nicht mehr mögliche Blasenentleerung sollten medizinisch abgeklärt werden.

Für viele Frauen und Menschen mit Vulva ist das Finden der Harnröhrenöffnung zunächst eine besondere Herausforderung. Spiegel, gute Beleuchtung, Beinsperrer und andere Positionierungshilfen können die Orientierung erleichtern.

Auch Menschen mit Querschnittlähmung oder eingeschränkter Beinbeweglichkeit können durch angepasste Hilfsmittel und geschulte Unterstützung eine passende Lösung finden. Ein Fehlversuch ist kein persönliches Versagen. Wenn der Katheter verunreinigt wurde, sollte er nicht erneut verwendet werden.

Sie müssen den Selbstkatheterismus nicht sofort perfekt beherrschen. Viele Betroffene benötigen Zeit, Übung und manchmal mehrere Anpassungen, bis der Ablauf sicher in den Alltag passt.

Sie sind mit Fragen, Unsicherheit oder Scham nicht allein. Lassen Sie sich begleiten und sprechen Sie offen an, was Ihnen Schwierigkeiten bereitet.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung. Bei Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen, starken Schmerzen, sichtbarem Blut im Urin oder einer plötzlich nicht möglichen Blasenentleerung wenden Sie sich bitte umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt.

Mögliche Vorteile des ISK gegenüber einem Dauerkatheter

Beim intermittierenden Selbstkatheterismus wird der Katheter nur zur Blasenentleerung eingeführt und anschließend wieder entfernt. Dadurch verbleibt kein Katheter dauerhaft in der Harnröhre oder Blase.

Weniger Infektionen

Weil kein Katheter dauerhaft in der Blase liegt, kann sich das Risiko für katheterbedingte Harnwegsinfektionen im Vergleich zu einem Dauerkatheter verringern.

Weniger Inkrustationen

Ablagerungen, sogenannte Inkrustationen, können sich insbesondere an langfristig liegenden Kathetern bilden. Beim ISK wird der Katheter nach der Anwendung wieder entfernt.

Weniger Verstopfungen

Verstopfungen durch Ablagerungen und daraus entstehende Probleme beim Urinabfluss können möglicherweise reduziert werden.

Weniger Blasensteine

Ein dauerhaft liegender Katheter kann Ablagerungen und die Bildung von Blasensteinen begünstigen. Beim ISK entfällt dieser dauerhaft vorhandene Fremdkörper.

Weniger dauerhafte Reizungen

Ein Dauerkatheter kann die Schleimhaut reizen und Beschwerden wie Schmerzen, Blutungen oder Entzündungen begünstigen. Beim ISK ist die Belastung zeitlich begrenzt.

Weniger Harnröhrenverengungen

Eine langfristige mechanische Reizung durch einen Dauerkatheter kann Harnröhrenverengungen begünstigen. Der ISK kann dieses Risiko unter geeigneten Voraussetzungen reduzieren.

Mehr Bewegungsfreiheit

Ein dauerhaft liegender Schlauch und ein Urinbeutel entfallen in der Regel. Das kann Mobilität und die Teilnahme am sozialen Leben erleichtern.

Mehr Selbstbestimmung

Betroffene können die Blasenentleerung entsprechend dem individuellen Therapieplan selbstständig und zu passenden Zeitpunkten durchführen.

Wichtig: Auch beim intermittierenden Selbstkatheterismus können Komplikationen auftreten, zum Beispiel Harnwegsinfektionen, Schleimhautreizungen oder kleine Verletzungen. Die Methode sollte individuell ärztlich oder pflegerisch beurteilt und fachgerecht eingeübt werden.