Selbstkatheterismus kann anfangs verunsichern. Dieser verständliche Ratgeber erklärt, wie intermittierender Selbstkatheterismus funktioniert, welche Katheter geeignet sind und was Ihnen bei Hygiene, Anwendung und Problemen hilft.
- Selbstkatheterismus: Was Sie erwartet
- Was ist intermittierender Selbstkatheterismus?
- Warum kann ISK wichtig sein?
- Für wen ist Selbstkatheterismus geeignet?
- Ursachen von Blasenentleerungsstörungen
- Vorteile des Selbstkatheterismus
- Welcher Katheter passt zu mir?
- Vorbereitung und Hygiene
- Positionierung, Beinsperrer und Spiegel
- Die Harnröhrenöffnung finden
- Wie funktioniert die Selbstkatheterisierung?
- Was passiert bei einem Fehlversuch?
- Selbstkatheterismus im Alltag
- Häufige Probleme und mögliche Lösungen
- Harnwegsinfektionen und Komplikationen
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen vermeiden
- Schulung und Unterstützung
- Versorgung durch Krankenkasse und Leistungserbringer
- Anwendungsvideo und praktische Anleitung
- Häufige Fragen
- Zusammengefasst

Vielleicht wurde Ihnen gerade empfohlen, sich selbst zu katheterisieren. Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie das schaffen können, ob es wehtut oder wie Sie den Selbstkatheterismus in Ihren Alltag integrieren sollen.
Der Gedanke an einen Katheter in der Harnröhre kann zunächst ungewohnt, unangenehm oder beängstigend sein. Viele Betroffene und Anwenderinnen und Anwender empfinden am Anfang Scham, Unsicherheit oder Angst, etwas falsch zu machen. Diese Gefühle sind verständlich.
Der intermittierende Selbstkatheterismus, kurz ISK, ist eine erlernbare Methode zur regelmäßigen Blasenentleerung. Sie kann Menschen mit einer Blasenentleerungsstörung mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Kontrolle im Alltag geben.
Dieser Praxisratgeber richtet sich an Betroffene, Anwenderinnen und Anwender sowie Angehörige. Er erklärt, was Selbstkatheterismus bedeutet, warum er notwendig sein kann, welche Katheterarten es gibt und worauf Sie bei Vorbereitung, Positionierung, Hygiene und Anwendung achten sollten.
Dabei geht es auch um Fragen, die in einer ersten Einweisung häufig zu kurz kommen: Wie finde ich die Harnröhrenöffnung? Was hilft, wenn ich meine Beine nicht selbstständig öffnen kann? Was passiert, wenn der Katheter in die Scheide gelangt? Und wie kann ich mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen umgehen?
Beim intermittierenden Selbstkatheterismus führen Sie in regelmäßigen Abständen einen dünnen Katheter durch die Harnröhre in die Blase ein. Der Urin kann dadurch ablaufen. Anschließend wird der Katheter wieder entfernt.
„Intermittierend“ bedeutet, dass der Katheter nicht dauerhaft in der Blase bleibt. Je nach Blasenfunktion und ärztlicher Empfehlung kann die Anwendung mehrmals täglich notwendig sein.
- Der Katheter wird vorsichtig eingeführt.
- Der Urin läuft über den Katheter ab.
- Die Blase wird nach Anleitung entleert.
- Der Katheter wird anschließend entfernt.
- die Blase regelmäßig zu entleeren
- Restharn zu reduzieren
- eine Überdehnung der Blase zu vermeiden
- mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen
Wenn Sie den Katheterismus nicht vollständig selbst durchführen können, können angepasste Hilfsmittel oder eine geschulte Hilfsperson einbezogen werden. Unterstützung anzunehmen ist kein persönliches Versagen.
Wenn sich die Blase nicht vollständig entleert, bleibt Restharn zurück. Restharn ist Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Er kann unbemerkt vorhanden sein und lässt sich zuverlässig nur durch eine medizinische Kontrolle feststellen.
Eine unvollständige Blasenentleerung kann die Blase belasten und das Risiko für Beschwerden erhöhen. Bei bestimmten Blasenfunktionsstörungen kann außerdem ein zu hoher Druck in der Blase entstehen.
Der intermittierende Selbstkatheterismus kann helfen, die Blase nach einem individuell festgelegten Plan zu entleeren. Ob ISK für Sie geeignet ist und wie häufig die Anwendung erfolgen soll, muss medizinisch beurteilt werden.
Restharn & ISK-Indikation
Restharn bezeichnet die Menge Urin, die nach dem normalen Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. Kann sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren, verbleibt dauerhaft Urin, was Nieren und Harnwege belasten kann.
- Unbedenklich: Unter 50 ml gilt meist als normal.
- Pathologisch (auffällig): Regelmäßige Mengen ab ca. 100 ml gelten als relevanter Restharn.
- Grund für ISK: Bei anhaltendem Restharn ab ca. 100–150 ml wird oft ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) verordnet, um Blasenentzündungen und Nierenschäden vorzubeugen.
Der intermittierende Selbstkatheterismus kommt für Menschen infrage, deren Blase sich nicht ausreichend, nicht regelmäßig oder nicht sicher von selbst entleert.
- Mögliche Anzeichen einer Entleerungsstörung: Ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, starkes Pressen beim Wasserlassen, das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase, unwillkürlicher Tröpfelverlust (Überlaufinkontinenz) oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen.
- Umfassendere Ursachen: Neben neurologischen Erkrankungen (wie Multiple Sklerose oder Querschnittlähmung) können auch eine geschwächte Blasenmuskulatur, eine Fehlsteuerung des Schließmuskels oder mechanische Hindernisse (z. B. eine vergrößerte Prostata oder Harnröhrenverengungen) den ISK erforderlich machen.
- Voraussetzungen für die Anwendung: Betroffene benötigen ausreichend Beweglichkeit, Handfunktion und das Verständnis für die hygienischen Schritte. Fehlt die eigene Handfunktion, kann die Katheterisierung auch von geschulten Angehörigen oder Pflegekräften übernommen werden.
Mögliche Gründe für ISK
- neurogene Blasenfunktionsstörungen
- Restharn oder chronischer Harnverhalt
- eine zu schwache Blasenmuskulatur
- eine gestörte Koordination zwischen Blase und Schließmuskel
- Blasenentleerungsstörungen nach Operationen
- Blasenfunktionsstörungen nach bestimmten Behandlungen
- eingeschränkte Blasenentleerung bei neurologischen Erkrankungen
Ob Sie selbst katheterisieren können, hängt nicht nur von Ihrer Kraft ab. Auch Beweglichkeit, Handfunktion, Sehfähigkeit, Sensibilität, Körperhaltung und Ihre persönliche Wohnsituation spielen eine Rolle.
Menschen mit Querschnittlähmung, Spastik oder stark eingeschränkter Beinbeweglichkeit benötigen möglicherweise spezielle Positionierungshilfen oder Unterstützung durch eine geschulte Person. Eine solche Anpassung sollte Teil der individuellen Einweisung sein.
Die möglichen Ursachen sind nach einer allgemeinen Einschätzung von häufigeren zu selteneren Ursachen geordnet. Die tatsächliche Häufigkeit hängt unter anderem vom Alter, Geschlecht, den Vorerkrankungen und der individuellen Situation ab. Nicht jede Ursache führt automatisch dazu, dass ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) notwendig ist.
Ob ein intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) notwendig oder sinnvoll ist, wird immer individuell entschieden. Dabei spielen unter anderem die Ursache, Ihre Beschwerden, die Restharnmenge und die Untersuchungsergebnisse eine Rolle.
Wenn ISK medizinisch angezeigt ist und korrekt durchgeführt wird, kann die Methode Ihnen mehr Kontrolle über Ihre Blasenentleerung geben.
Eine geplante Blasenentleerung kann helfen, Restharn zu reduzieren.
Sie können Ihre Blasenentleerung stärker an Ihren Tagesablauf anpassen.
Mit einer guten Vorbereitung kann ISK in Arbeit, Freizeit und Reisen integriert werden.
Katheter und Hilfsmittel können an Ihre Anatomie und Ihre Fähigkeiten angepasst werden.
Viele Einmalkatheter lassen sich diskret transportieren und verwenden.
Ein verlässlicher Katheterplan kann Sicherheit und Selbstbestimmung fördern.
Ein geeigneter Katheter muss zu Ihrer Anatomie, Ihrer Harnröhre, Ihrer Blasenfunktion und Ihren Fähigkeiten passen. Die Auswahl sollte gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.

Katheterspitzen
Welche Katheterspitzen gibt es beim Selbstkatheterismus?
Beim Selbstkatheterismus wird ein dünner Schlauch – der Katheter – durch die Harnröhre bis in die Blase eingeführt. Durch den Katheter kann der Urin abfließen. Die Spitze des Katheters ist je nach Modell unterschiedlich geformt. Das hat einen bestimmten Grund: Manche Spitzen sind für eine unkomplizierte Anwendung gedacht, andere können das Einführen bei besonderen anatomischen Bedingungen erleichtern.
Nelatonspitze:
Das ist eine gerade und vorne abgerundete Spitze. Sie wird am häufigsten verwendet und eignet sich, wenn sich der Katheter ohne größere Schwierigkeiten bis zur Blase vorschieben lässt. Seitliche Öffnungen kurz hinter der Spitze ermöglichen den Abfluss des Urins.Tiemannspitze oder Coudé-Spitze:
Diese Spitze ist leicht gebogen. Die Biegung kann helfen, wenn der Weg durch die Harnröhre nicht ganz gerade verläuft. Das kann vor allem bei Männern mit einer vergrößerten Prostata oder einem nach oben gerichteten Verlauf der Harnröhre eine Rolle spielen. Die Spitze muss in der richtigen Richtung eingeführt werden.Mercier-Spitze:
Diese Spitze ist ebenfalls gebogen, kann aber eine andere oder stärkere Krümmung haben als eine Tiemannspitze. Sie kommt nur für bestimmte anatomische Situationen infrage. Ob sie geeignet ist, sollte eine medizinische Fachkraft beurteilen.Besonders weich oder flexibel:
Bei solchen Kathetern gibt die Spitze leichter nach. Das kann angenehmer sein, wenn die Harnröhre empfindlich ist oder schnell gereizt wird. Bei einer engeren Stelle kann ein sehr weicher Katheter aber auch schlechter zu führen sein.Kugel- oder Olivenspitze:
Diese Spitze ist vorne etwas verdickt und rund. Je nach Anatomie kann die Form den Übergang in die Harnröhre erleichtern. Sie ist jedoch nicht für jede Person geeignet und sollte nicht ohne fachliche Empfehlung ausprobiert werden.Hydrophil beschichteter Katheter:
Hier ist die Oberfläche des Katheters besonders gleitfähig. Die Beschichtung soll die Reibung beim Einführen verringern und dadurch die Anwendung angenehmer machen. Eine hydrophile Beschichtung ist keine eigene Spitzenform: Ein solcher Katheter kann zum Beispiel eine gerade oder eine gebogene Spitze haben.
Welche Spitze ist die richtige?
Für viele Menschen reicht eine gerade Nelatonspitze aus. Eine gebogene Spitze kann sinnvoll sein, wenn der Katheter immer wieder an derselben Stelle "hängen" bleibt oder sich nur schwer vorschieben lässt. Ein weicher oder beschichteter Katheter kann dagegen helfen, wenn die Harnröhre empfindlich ist oder das Einführen unangenehm wird.
Die passende Katheterspitze hängt von der eigenen Anatomie und den persönlichen Schwierigkeiten beim Katheterisieren ab. Bei Schmerzen, Blutungen oder wiederholtem Widerstand sollte man nicht stärker drücken. Stattdessen sollte eine Ärztin, ein Arzt oder eine entsprechend geschulte Pflegefachkraft prüfen, ob eine andere Katheterform oder eine andere Größe geeignet ist.
Durchmesser und Längen einfach erklärt
Der Durchmesser: Was bedeutet CH oder Fr?
Der Durchmesser eines Katheters wird meist in Charrière (CH) oder French (Fr) angegeben. Beide Begriffe meinen genau dasselbe:
- 1 CH entspricht etwa 0,33 Millimetern.
- Ein Katheter mit CH 12 hat einen Außendurchmesser von etwa 4 Millimetern.
- Ein Katheter mit CH 18 hat einen Außendurchmesser von etwa 6 Millimetern.
Typische Größen liegen im Alltag etwa zwischen 8 CH und 18 CH.
- Schmaler (z. B. 10–12 CH): Lässt sich meist leichter einführen und schont die Schleimhaut.
- Breiter (z. B. 14–16 CH): Ist dann wichtig, wenn der Urin dickflüssiger ist, zum Beispiel durch Schleim oder kleine Blutbeimengungen, damit er ohne Verstopfen abfließen kann.
Grundregel: Der Katheter sollte so dünn wie möglich sein, aber so dick, dass der Urin zügig abfließen kann. Die ideale Größe wird bei der medizinischen Einweisung festgelegt.
Die Katheterlänge: Die Anatomie entscheidet
Hier gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern, weil ihre Harnröhren anatomisch unterschiedlich lang sind:
Anatomie der Harnröhre
- Bei Frauen: Die weibliche Harnröhre ist mit nur etwa 3 bis 5 Zentimetern sehr kurz und verläuft fast gerade.
- Bei Männern: Die männliche Harnröhre ist mit etwa 20 Zentimetern deutlich länger. Sie verläuft in S-Form durch die Prostata und den Penis.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Katheterlängen
Damit der Katheter die Blase sicher erreicht und man ihn am äußeren Ende noch gut greifen kann, sind Katheter immer etwas länger als die reine Harnröhre:
- Frauenkatheter: Sind meist etwa 15 bis 20 Zentimeter lang. Weil die Harnröhre kurz ist, fließt der Urin oft schon nach wenigen Zentimetern Einführen ab.
- Männerkatheter: Sind meist etwa 40 Zentimeter lang, um den gesamten Weg durch die männliche Harnröhre bis in die Blase sicher zu überbrücken.
- Kompaktkatheter: Für unterwegs gibt es für Frauen oft sehr kleine, taschenfertige Katheter (oft nur rund 10–15 cm lang), die genau auf die kurze weibliche Harnröhre abgestimmt sind.

Frauen benötigen häufig kürzere Katheter, Männer aufgrund der längeren Harnröhre meist längere Katheter. Für Kinder, Jugendliche und Menschen mit besonderen anatomischen Voraussetzungen gibt es angepasste Modelle.
Beschichtung und Auffangsystem
- Hydrophile Katheter: werden durch Flüssigkeit gleitfähig.
- Gelbeschichtete Katheter: enthalten ein Gleitmittel oder werden mit Gel verwendet.
- Katheter mit Urinbeutel: können unterwegs praktisch sein.
- Katheter mit Konnektor: können an ein geeignetes Auffangsystem angeschlossen werden.
Die Firma Coloplast GmbH hat mit dem Luja™ einen Einmalkatheter mit Micro-hole Zone Technology™ entwickelt. Laut Hersteller verfügt Luja über mehr als 80 Mikro-Augen. Produktmerkmale, Eignung und Anwendung sollten immer individuell mit medizinischem Fachpersonal besprochen werden.

Eine gute Vorbereitung kann Ihnen Sicherheit geben und die Anwendung erleichtern. Die genauen Hygieneregeln richten sich nach Ihrer persönlichen Einweisung, dem verwendeten Katheter und den Vorgaben Ihres Behandlungsteams.
- Wählen Sie einen ruhigen und privaten Ort.
- Waschen oder desinfizieren Sie Ihre Hände entsprechend Ihrer Schulung.
- Legen Sie Katheter, Gleitmittel und benötigte Hilfsmittel bereit.
- Nehmen Sie eine stabile und möglichst entspannte Position ein.
- Planen Sie ausreichend Zeit ein und vermeiden Sie unnötigen Zeitdruck.
- Spiegel oder integrierte Spiegelhilfe
- Beinsperrer oder andere Positionierungshilfe
- geeignete Sitz- oder Liegeunterlage
- Beleuchtung für eine gute Sicht
- Abwurfmöglichkeit für den gebrauchten Einmalkatheter
Gerade zu Beginn kann es hilfreich sein, die einzelnen Schritte zunächst in Ruhe mit einer Pflegefachkraft zu üben. Fragen Sie ausdrücklich nach Hilfsmitteln, wenn Sie Ihre Beine nicht ausreichend spreizen, Ihre Position nicht selbstständig halten oder den Genitalbereich nur schwer einsehen können.
Verwenden Sie keine Desinfektionsmittel oder Gleitmittel auf eigene Faust. Falsche oder zu häufig verwendete Produkte können die Schleimhaut reizen. Befolgen Sie die Anleitung Ihres Behandlungsteams und die Gebrauchsinformation des Katheters.
Nicht alle Menschen können ihre Beine beim Selbstkatheterismus selbstständig öffnen oder in der benötigten Position halten. Das betrifft unter anderem Menschen mit Querschnittlähmung, Spastik, eingeschränkter Hüftbeweglichkeit, Muskelschwäche oder starken Schmerzen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Selbstkatheterismus unmöglich ist. Häufig lässt sich die Körperposition mit geeigneten Hilfsmitteln oder Unterstützung anpassen.
- Beinsperrer oder Beinhochlagerungshilfen
- Spiegel oder beleuchtete Spiegel
- Halte- und Positionierungshilfen
- angepasste Sitzpositionen auf der Toilette
- rutschfeste Unterlagen und stabile Haltemöglichkeiten
- Greifhilfen oder verlängerte Handgriffe
Wenn Sie einzelne Schritte nicht selbstständig durchführen können, kann eine geschulte Pflegeperson oder eine vertraute Hilfsperson unterstützen.
Lassen Sie sich zeigen, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen können und bei welchen Schritten Unterstützung notwendig ist.
Ein Beinsperrer oder eine andere Positionierungshilfe sollte so eingesetzt werden, dass keine übermäßige Spannung, kein Druck auf Nerven oder Gefäße und keine schmerzhafte Hüftstellung entsteht. Lassen Sie die geeignete Position zunächst von einer Pflegefachkraft, Physiotherapeutin, einem Physiotherapeuten oder einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt überprüfen.
Für viele Frauen und Menschen mit Vulva ist es am Anfang schwierig, die Harnröhrenöffnung sicher zu finden. Die Harnröhre ist kurz und liegt in der Regel zwischen Klitoris und Scheideneingang. Ihre genaue Lage kann sich jedoch individuell unterscheiden.
Die Orientierung kann durch eingeschränkte Beweglichkeit, fehlende Sensibilität, Übergewicht, Spastik, Schmerzen, Sehbeeinträchtigungen oder eine ungewohnte Körperposition zusätzlich erschwert werden.
- ein Handspiegel oder ein beleuchteter Spiegel
- eine gute und blendfreie Beleuchtung
- eine stabile, entspannte Sitz- oder Liegeposition
- eine Positionierungshilfe für die Beine
- eine erneute praktische Einweisung
- eine in der Schulung erlernte Handposition
Viele Anwenderinnen benötigen mehrere Übungseinheiten, bis sie die Harnröhrenöffnung zuverlässig finden. Das ist kein Zeichen dafür, dass Sie die Methode nicht erlernen können.
Bitten Sie Ihre Pflegefachkraft, die Anatomie mit einem Spiegel zu erklären und den Ablauf gemeinsam mit Ihnen zu üben.
Ein Spiegel ist kein Zeichen mangelnder Selbstständigkeit. Er kann ein sinnvolles Hilfsmittel sein, bis Sie die Harnröhrenöffnung sicher finden oder wenn sich Ihre Beweglichkeit, Sicht oder Körperposition verändert.
Die folgende Übersicht beschreibt den Ablauf nur allgemein. Eine persönliche Schulung ist unverzichtbar, weil sich Körper, Anatomie, Katheter und Hilfsmittel unterscheiden.
Material bereitlegen, Hände reinigen und eine sichere Position einnehmen.
Bei Bedarf Spiegel, Beleuchtung oder Positionierungshilfe verwenden und die Harnröhrenöffnung nach der erlernten Technik lokalisieren.
Den Katheter nach der erlernten Technik vorsichtig und ohne Gewalt einführen.
Den Urin in die Toilette oder ein geeignetes Auffanggefäß ablaufen lassen.
Den Katheter nach der individuellen Anleitung entfernen und entsorgen.
Gerade zu Beginn kann es passieren, dass der Katheter nicht in die Harnröhre, sondern beispielsweise in die Scheide gelangt. Das kann vorkommen und bedeutet nicht, dass Sie versagt haben.
Wenn der Katheter mit einer anderen Körperöffnung oder nicht sterilen Oberflächen in Kontakt gekommen ist, sollte er nicht erneut in die Harnröhre eingeführt werden. Verwenden Sie entsprechend Ihrer Einweisung einen neuen Einmalkatheter.
- Beenden Sie den Versuch, wenn Sie unsicher sind.
- Schieben Sie den Katheter nicht mit Gewalt weiter.
- Verwenden Sie einen neuen Katheter, wenn der alte verunreinigt ist.
- Fragen Sie bei wiederholten Fehlversuchen Ihre Pflegefachkraft.
- starke oder zunehmende Schmerzen
- sichtbare Blutungen
- wiederholtes Scheitern der Anwendung
- eine volle Blase ohne Urinabfluss
- Fieber oder deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Viele Betroffene können trotz Selbstkatheterismus arbeiten, reisen, Sport treiben und ein erfülltes Sozialleben führen. Eine gute Vorbereitung und ein verlässlicher Katheterplan erleichtern den Alltag.
Nehmen Sie ausreichend Katheter und Zubehör mit und planen Sie geeignete Toiletten oder Privaträume ein.
Ein diskreter Aufbewahrungsort und ein planbarer Rhythmus können Sicherheit geben.
Trinken Sie nicht eigenständig deutlich weniger. Die passende Trinkmenge sollte medizinisch abgestimmt werden.
Intimität und Sexualität
Scham und die Angst vor Urinverlust können Partnerschaft und Sexualität belasten. Offene Gespräche und eine individuell geplante Blasenentleerung können helfen. Fragen zu Sexualität, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft oder Schmerzen sollten Sie mit einer geeigneten Fachperson besprechen.
Bei Menschen mit intermittierendem Katheterismus können Bakterien im Urin vorkommen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Infektion besteht. Eine Behandlung sollte sich deshalb an Beschwerden und der medizinischen Beurteilung orientieren.
- neu auftretendes oder stärkeres Brennen
- Fieber oder Schüttelfrost
- Flanken- oder starke Unterbauchschmerzen
- deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
- neu auftretende starke Spastik oder Unwohlsein
- sichtbares Blut im Urin
- Verletzungen der Harnröhre
- wiederkehrende Schmerzen oder Reizungen
- Blutungen
- Blasenkrämpfe
- Probleme durch eine unpassende Kathetergröße
- eine plötzlich nicht mögliche Blasenentleerung
Wiederkehrende Harnwegsinfektionen können sehr belastend sein. Bei Menschen mit intermittierendem Katheterismus können jedoch Bakterien im Urin vorkommen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Infektion vorliegt. Entscheidend sind deshalb Beschwerden und die medizinische Beurteilung – nicht allein ein auffälliger Urintest.
Wenn Infektionen wiederholt auftreten, sollte gemeinsam mit dem Behandlungsteam nach möglichen Ursachen gesucht werden. Dazu können die Kathetertechnik, die Kathetergröße, die Häufigkeit der Anwendung, Restharn, Blasendruck, Verstopfung, die Trinkmenge oder eine unpassende Körperposition gehören.
- Händehygiene und persönliche Einweisung einhalten.
- Einmalkatheter entsprechend der Gebrauchsanweisung verwenden.
- Ein verunreinigtes Produkt nicht erneut verwenden.
- Den persönlichen Katheterplan einhalten.
- Eine Überdehnung der Blase vermeiden.
- Verstopfung und andere Einflussfaktoren ansprechen.
- Die individuell passende Trinkmenge mit dem Behandlungsteam klären.
- Antibiotika ohne ärztliche Verordnung einzunehmen
- Antibiotika vorsorglich ohne klare Indikation einzusetzen
- die Trinkmenge stark zu reduzieren
- den Katheter mit Gewalt einzuführen
- Gleitmittel oder Desinfektionsmittel eigenständig zu wechseln
- jede Bakterienbesiedelung ohne Beschwerden zu behandeln
Bei wiederkehrenden Beschwerden
Führen Sie – sofern Ihr Behandlungsteam dies empfiehlt – ein einfaches Symptom- und Kathetertagebuch. Notieren Sie beispielsweise Schmerzen, Brennen, Fieber, Katheterhäufigkeit, Probleme beim Einführen und Besonderheiten beim Urinabfluss.
Besprechen Sie wiederkehrende Infektionen urologisch oder neuro-urologisch. Eine Untersuchung kann klären, ob Restharn, Steine, eine Verletzung, eine falsche Kathetergröße, eine zu geringe Entleerungshäufigkeit oder eine andere Ursache vorliegt.
Eine gute Einweisung ist der wichtigste Schritt, damit Sie sich beim Selbstkatheterismus sicher fühlen. Sie sollten erfahren, warum Sie katheterisieren, wie häufig die Anwendung erfolgen soll und was bei Problemen zu tun ist.
Ärztinnen und Ärzte klären die Ursache und überprüfen Ihre Blasenfunktion.
Pflegefachkräfte zeigen die Technik und üben mit Ihnen den Ablauf.
Homecare-Dienste können bei Produktauswahl, Nachbestellung und praktischen Fragen unterstützen.
Fragen für Ihre nächste Schulung
- Wie oft soll ich mich täglich katheterisieren?
- Welcher Katheter passt zu meiner Anatomie?
- Was soll ich bei Schmerzen oder Widerstand tun?
- Welche Beschwerden muss ich sofort melden?
- Welche Materialien sollte ich unterwegs dabeihaben?
- Welche Position eignet sich für mich?
- Kann ich einen Spiegel, einen Beinsperrer oder eine andere Positionierungshilfe verwenden?
- Wer hilft mir, wenn ich meine Beine nicht selbstständig öffnen kann?
- Was kann ich bei wiederkehrenden Infektionen überprüfen lassen?
Für die Versorgung mit Kathetern können ärztliche Verordnung, Krankenkasse, Sanitätshaus oder Homecare-Anbieter beteiligt sein. Welche Produkte übernommen werden und wie die Versorgung organisiert ist, hängt unter anderem von Ihrer medizinischen Verordnung, Ihrem Versicherungsstatus und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.
Die Auswahl sollte sich an Ihrem individuellen Bedarf orientieren. Dazu können Kathetertyp, Katheterlänge, Durchmesser, Beschichtung, Anzahl pro Tag und zusätzliche Hilfsmittel gehören.
Zu den möglichen zusätzlichen Hilfsmitteln gehören beispielsweise Spiegel, beleuchtete Spiegel, Beinsperrer, Positionierungshilfen, Auffanggefäße oder andere individuell angepasste Produkte. Ob ein bestimmtes Hilfsmittel verordnet und übernommen wird, muss im Einzelfall geprüft werden.
Wenn es Probleme mit der Versorgung gibt
- Bitten Sie um eine schriftliche Begründung der Ablehnung oder Einschränkung.
- Sprechen Sie mit der verordnenden Arztpraxis über Ihren medizinischen Bedarf.
- Dokumentieren Sie Beschwerden, Lieferprobleme und nicht geeignete Produkte.
- Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse, den Leistungserbringer oder eine unabhängige Beratungsstelle.
- Lassen Sie sich bei rechtlichen Fragen beraten.
In Deutschland regelt unter anderem § 33 SGB V den Anspruch auf Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ob ein konkreter Katheter oder ein bestimmtes Zubehör im Einzelfall übernommen wird, hängt von den persönlichen Voraussetzungen und der jeweiligen Versorgungssituation ab.
Ein Anwendungsvideo kann eine persönliche Schulung ergänzen. Es ersetzt jedoch keine individuelle Einweisung, weil Körperbau, Anatomie, Beweglichkeit und verwendeter Katheter unterschiedlich sind.
Besonders bei Fragen zur Positionierung, zum Finden der Harnröhrenöffnung, zur Verwendung eines Spiegels oder zu einem Beinsperrer sollten Sie sich die Anwendung persönlich zeigen lassen.
Hinweis: Die folgenden Inhalte können Darstellungen des Intimbereichs enthalten. Sie dienen ausschließlich der medizinischen Information und der Wiederholung bereits erlernter Abläufe.
Der intermittierende Selbstkatheterismus ermöglicht vielen Menschen mit einer Blasenentleerungsstörung, ihre Blase regelmäßig und kontrolliert zu entleeren. Beim ISK wird ein Katheter vorübergehend durch die Harnröhre in die Blase eingeführt und anschließend wieder entfernt. Die Methode kann Restharn reduzieren und mehr Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen. Eine persönliche Schulung, der passende Katheter, eine gute Vorbereitung und eine abgestimmte Hygiene sind entscheidend. Schmerzen, Widerstand, Blutungen, Fieber oder eine plötzlich nicht mehr mögliche Blasenentleerung sollten medizinisch abgeklärt werden. Für viele Frauen und Menschen mit Vulva ist das Finden der Harnröhrenöffnung zunächst eine besondere Herausforderung. Spiegel, gute Beleuchtung, Beinsperrer und andere Positionierungshilfen können die Orientierung erleichtern. Auch Menschen mit Querschnittlähmung oder eingeschränkter Beinbeweglichkeit können durch angepasste Hilfsmittel und geschulte Unterstützung eine passende Lösung finden. Ein Fehlversuch ist kein persönliches Versagen. Wenn der Katheter verunreinigt wurde, sollte er nicht erneut verwendet werden. Sie müssen den Selbstkatheterismus nicht sofort perfekt beherrschen. Viele Betroffene benötigen Zeit, Übung und manchmal mehrere Anpassungen, bis der Ablauf sicher in den Alltag passt. Beim intermittierenden Selbstkatheterismus wird der Katheter nur zur Blasenentleerung eingeführt und anschließend wieder entfernt. Dadurch verbleibt kein Katheter dauerhaft in der Harnröhre oder Blase. Weil kein Katheter dauerhaft in der Blase liegt, kann sich das Risiko für katheterbedingte Harnwegsinfektionen im Vergleich zu einem Dauerkatheter verringern. Ablagerungen, sogenannte Inkrustationen, können sich insbesondere an langfristig liegenden Kathetern bilden. Beim ISK wird der Katheter nach der Anwendung wieder entfernt. Verstopfungen durch Ablagerungen und daraus entstehende Probleme beim Urinabfluss können möglicherweise reduziert werden. Ein dauerhaft liegender Katheter kann Ablagerungen und die Bildung von Blasensteinen begünstigen. Beim ISK entfällt dieser dauerhaft vorhandene Fremdkörper. Ein Dauerkatheter kann die Schleimhaut reizen und Beschwerden wie Schmerzen, Blutungen oder Entzündungen begünstigen. Beim ISK ist die Belastung zeitlich begrenzt. Eine langfristige mechanische Reizung durch einen Dauerkatheter kann Harnröhrenverengungen begünstigen. Der ISK kann dieses Risiko unter geeigneten Voraussetzungen reduzieren. Ein dauerhaft liegender Schlauch und ein Urinbeutel entfallen in der Regel. Das kann Mobilität und die Teilnahme am sozialen Leben erleichtern. Betroffene können die Blasenentleerung entsprechend dem individuellen Therapieplan selbstständig und zu passenden Zeitpunkten durchführen.
Anwendung von SpeediCath® für Frauen
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Anwendung von SpeediCath® für Männer
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Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Männer
Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Männer
Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Frauen
Anwendung von Katheter mit integriertem Beutel für Frauen
Weiterführende Informationen
Mögliche Vorteile des ISK gegenüber einem Dauerkatheter
Weniger Infektionen
Weniger Inkrustationen
Weniger Verstopfungen
Weniger Blasensteine
Weniger dauerhafte Reizungen
Weniger Harnröhrenverengungen
Mehr Bewegungsfreiheit
Mehr Selbstbestimmung