In diesem Lexikon zu Inkontinenz und Entleerungsstörungen finden Sie wichtige urologische Fachbegriffe verständlich erklärt. Erfahren Sie mehr über typische Symptome, Formen der Harn- und Stuhlinkontinenz, diagnostische Verfahren und Untersuchungsmethoden sowie Hilfsmittel, Behandlungen und Operationen. Auch die beteiligten Fachrichtungen werden vorgestellt. So erhalten Sie einen übersichtlichen Einstieg in die medizinischen Begriffe und Zusammenhänge rund um Blasen- und Darmentleerungsstörungen.
Lexikon zu Inkontinenz und Entleerungsstörungen
Fachbegriffe zu Beschwerden, Diagnostik, Untersuchungsmethoden, Instrumenten, Behandlungen und medizinischen Fachrichtungen – übersichtlich geordnet und verständlich erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundbegriffe
Zentrale Bezeichnungen rund um Kontinenz, Blase, Darm und Entleerung.
Unwillkürlicher Verlust von Urin oder Stuhl.
Schwierigkeit, Blase oder Darm vollständig, rechtzeitig oder kontrolliert zu entleeren.
Fähigkeit, Urin oder Stuhl willentlich zurückzuhalten und zu einem passenden Zeitpunkt auszuscheiden.
Unwillkürlicher Verlust von Urin.
Unwillkürlicher Verlust von festem oder flüssigem Stuhl.
Gleichzeitige Harn- und Stuhlinkontinenz.
Störung beim Wasserlassen.
Störung beim Stuhlgang.
Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt.
Muskel- und Bindegewebsschicht, die unter anderem Blase, Darm und Beckenorgane stützt.
Unkoordiniertes Zusammenspiel von Beckenboden- und Schließmuskeln, etwa beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
Entleerungsproblem infolge einer Erkrankung oder Schädigung des Nervensystems.
2. Symptome und Formen
Beschwerden können die Harnblase, das Wasserlassen, den Darm oder den Stuhlgang betreffen.
Harnblase und Wasserlassen
Urinverlust bei körperlicher Belastung, etwa beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben.
Urinverlust in Verbindung mit plötzlich einsetzendem, schwer aufschiebbarem Harndrang.
Drangbeschwerden, häufig begleitet von häufigem und nächtlichem Wasserlassen. Dranginkontinenz kann auftreten, muss aber nicht.
Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
Tröpfelnder oder wiederkehrender Urinverlust bei übervoller Blase und unvollständiger Entleerung.
Unwillkürliche Blasenentleerung, häufig im Zusammenhang mit einer neurologischen Störung.
Urinverlust, weil eine Person die Toilette nicht rechtzeitig erreichen oder benutzen kann, zum Beispiel aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit.
Anhaltender oder nahezu ständiger Urinverlust.
Nächtliches Erwachen, um Wasser zu lassen.
Häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen.
Erhöhte Gesamtmenge des ausgeschiedenen Urins.
Erschwertes, schmerzhaftes oder unangenehmes Wasserlassen.
Unfähigkeit, die Blase ausreichend oder überhaupt zu entleeren.
Verminderte Stärke des Urinstrahls.
Verzögerter Beginn des Wasserlassens trotz Harndrangs.
Unwillkürlicher Urinverlust kurz nach dem Wasserlassen.
Plötzliches, schwer aufschiebbares Bedürfnis, Wasser zu lassen.
Beschwerden durch häufigen oder stark ausgeprägten Harndrang.
Darm und Stuhlgang
Unwillkürlicher Abgang von Stuhl.
Unwillkürlicher Abgang von Darmgasen.
Unbemerkter oder unwillkürlicher geringer Stuhlabgang, häufig nach dem Stuhlgang.
Stuhl kann trotz wahrgenommenen Drangs nicht ausreichend lange zurückgehalten werden.
Stuhl geht ab, ohne dass der Abgang rechtzeitig bemerkt wird.
Flüssiger Stuhl tritt an einer Ansammlung von hartem Stuhl vorbei aus. Die genaue Bezeichnung kann je nach Kontext variieren.
Verstopfung, häufig mit hartem Stuhl sowie erschwerter oder seltener Entleerung.
Bedürfnis, den Darm zu entleeren.
Schmerzhafter oder anhaltender Stuhldrang, oft mit dem Gefühl einer unvollständigen Entleerung.
Gefühl, dass nach dem Stuhlgang noch Stuhl im Enddarm verblieben ist.
Unterstützung des Stuhlgangs durch einen Finger oder durch Druck auf den Damm beziehungsweise die Scheidenhinterwand.
Schwierigkeit, Stuhl trotz ausreichender Füllung des Enddarms auszuscheiden.
3. Diagnostik und Untersuchungsmethoden
Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von Beschwerden und medizinischer Vorgeschichte ab.
Erhebung der Beschwerden, Vorgeschichte, Medikamente, Erkrankungen und Lebensumstände.
Aufzeichnung von Trinkmenge, Toilettengängen, Urinmengen, Harndrang und möglichen Verlusten.
Dokumentation von Stuhlhäufigkeit, Konsistenz, Drang, Verlusten und Entleerungsproblemen.
Standardisierte Fragen zur Erfassung und Einordnung von Symptomen.
Untersuchung von Bauch, Beckenboden, äußeren Genitalien und gegebenenfalls neurologischen Funktionen.
Untersuchung des Urins, zum Beispiel auf Blut, Entzündungszeichen oder Zucker.
Laboruntersuchung zum Nachweis von Bakterien im Urin.
Bestimmung der Urinmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt.
Messung von Harnfluss und Entleerungsverlauf beim Wasserlassen.
Sammelbegriff für Untersuchungen, die Funktion und Druckverhältnisse von Blase und Harnröhre erfassen.
Messung von Druck und Füllungsverhalten der Blase während der Füllung.
Gleichzeitige Messung des Blasendrucks und des Harnflusses während der Entleerung.
Messung des Druckverlaufs in der Harnröhre.
Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln, zum Beispiel des Beckenbodens.
Abschätzung des Urinverlusts durch Wiegen einer Vorlage vor und nach einer festgelegten Zeit oder Aktivität.
Bildgebende Untersuchung, etwa zur Beurteilung von Blase, Restharn oder Beckenorganen.
Spiegelung der Harnblase und Harnröhre mit einem dünnen Instrument.
Untersuchung des Enddarms mit dem Finger, unter anderem zur Beurteilung von Schließmuskel und Beckenboden.
Messung von Druckverhältnissen im Enddarm und Analkanal.
Prüfung, ob ein kleiner Ballon aus dem Enddarm ausgeschieden werden kann.
Röntgen- oder MRT-Untersuchung, die den Entleerungsvorgang des Enddarms sichtbar macht.
Ultraschalluntersuchung des Schließmuskelapparats von innen.
Spiegelung des Dickdarms zur Abklärung möglicher Darmerkrankungen; sie dient nicht allein der Kontinenzmessung.
Beurteilung von Nervenfunktion, Reflexen, Sensibilität und Muskelkraft.
4. Untersuchungsinstrumente und Hilfsmittel
Geräte und Hilfsmittel, die bei Untersuchungen oder im Alltag zum Einsatz kommen können.
Gerät zur Messung des Harnflusses.
Dünner Schlauch zur Ableitung von Urin oder zur Messung bestimmter Blasenfunktionen.
Katheter mit Druckmessfunktion für urodynamische Untersuchungen.
Sensor zur Erfassung von Druckwerten bei Funktionsuntersuchungen.
Gerät zur bildlichen Darstellung innerer Strukturen und gegebenenfalls zur Restharnmessung.
Optisches Instrument zur Untersuchung der Harnröhre und Blase.
Instrument zur Untersuchung des Analkanals beziehungsweise des Enddarms.
Messkatheter zur Erfassung von Druck im Enddarm und Analkanal.
Ultraschallsonde für die Untersuchung des Schließmuskelapparats.
Saugfähiges Hilfsmittel zum Auffangen von Urin oder Stuhl.
In die Scheide eingesetztes Hilfsmittel, das Beckenorgane stützen kann; es ist kein Messinstrument.
5. Operationen und interventionelle Verfahren
Die Wahl eines Verfahrens hängt unter anderem von Ursache, Beschwerden, Begleiterkrankungen und Untersuchungsergebnissen ab.
Harninkontinenz und Blasenentleerungsstörungen
Operatives Einsetzen eines stützenden Bandes unter die Harnröhre, vor allem bei Belastungsinkontinenz.
Operative Anhebung und Stabilisierung von Gewebe neben der Harnröhre und dem Blasenhals.
Implantiertes System, das den Verschluss der Harnröhre unterstützt und zur Entleerung bedient wird.
Einspritzen des Wirkstoffs in die Blasenwand bei bestimmten Formen einer überaktiven Blase.
Elektrische Stimulation bestimmter Nerven zur Beeinflussung von Blasen- oder Darmfunktionen.
Elektrische Stimulation eines Nervs nahe dem Knöchel, die bei bestimmten Drangbeschwerden eingesetzt werden kann.
Operative Vergrößerung der Blase mit einem Darmsegment bei ausgewählten schweren Blasenfunktionsstörungen.
Operative Ableitung des Urins, wenn eine normale Entleerung nicht möglich oder nicht geeignet ist.
Wiederholtes Einführen eines Katheters durch die betroffene Person, um die Blase zu entleeren; kein operatives Verfahren.
Stuhlinkontinenz und Entleerungsstörungen
Operative Rekonstruktion eines geschädigten Afterschließmuskels.
Nervenstimulation, die bei ausgewählten Formen der Stuhlinkontinenz oder Entleerungsstörung erwogen werden kann.
Operative Behandlung eines Vorfalls des Enddarms.
Operativ angelegte Öffnung zur Ausleitung von Darminhalt auf die Bauchdecke.
Alltagssprachliche Bezeichnung für ein Stoma.
Sammelbegriff für Operationen zur Wiederherstellung oder Stabilisierung von Beckenbodenstrukturen.
Operative Behandlung einer krankhaften Verbindung zwischen Darm und einem anderen Organ oder der Haut.
6. Fachrichtungen und Berufsgruppen
Je nach Ursache und Beschwerden können verschiedene Fachrichtungen an Diagnostik und Behandlung beteiligt sein.
Fachgebiet für Erkrankungen der Harnorgane und der männlichen Geschlechtsorgane.
Fachgebiet für Erkrankungen und Funktionen der weiblichen Geschlechtsorgane; behandelt auch bestimmte Beckenboden- und Inkontinenzbeschwerden.
Spezialisierung auf Funktionsstörungen des Beckenbodens und der weiblichen unteren Harnwege.
Fachgebiet für Erkrankungen von Dickdarm, Enddarm und After.
Fachgebiet für Verdauungsorgane; befasst sich unter anderem mit Ursachen von Stuhlveränderungen und Entleerungsproblemen.
Fachgebiet für Erkrankungen des Nervensystems, die Blasen- oder Darmfunktionen beeinflussen können.
Spezialisierung auf Blasen- und Harnwegsstörungen infolge neurologischer Erkrankungen.
Fachgebiet für Gesundheit und Erkrankungen im höheren Lebensalter; berücksichtigt häufig mehrere gleichzeitig bestehende Ursachen.
Kann unter anderem Beckenbodenfunktion, Koordination und Beweglichkeit unterstützen.
Physiotherapeutische Behandlung mit Schwerpunkt auf Beckenbodenwahrnehmung, Muskelkoordination und Entspannung.
Beratung zu Beschwerden, Hilfsmitteln, Alltag und weiteren Anlaufstellen; Qualifikation und Angebot unterscheiden sich.
Einrichtung, in der Diagnostik und Behandlung verschiedener Fachrichtungen gebündelt werden.