Wenn Urin nicht über die Harnröhre, sondern über einen anderen, unnatürlichen Weg austritt, sprechen Fachleute von einer extraurethralen Inkontinenz. Dieser extraurethrale Harnverlust betrifft Frauen wie Männer und führt häufig zu ständiger Feuchtigkeit, ohne dass Betroffene vorher einen klassischen Harndrang spüren. Meist liegt die Ursache in einer Fistelbildung – etwa nach gynäkologischen oder urologischen Operationen, Verletzungen, Bestrahlungen oder schweren Geburtsverläufen. Auf dieser Seite erfahren Sie verständlich und kompakt, wie eine extraurethrale Inkontinenz entsteht, wie Ärztinnen und Ärzte die richtige Diagnose stellen und welche Behandlungswege betroffenen Personen wieder Sicherheit im Alltag geben.
Ständiger Urinverlust kann sehr verunsichern – besonders dann, wenn Sie keinen Harndrang verspüren und nicht wissen, woher die Nässe kommt. Eine mögliche Ursache ist eine extraurethrale Inkontinenz.
Dabei tritt der Urin nicht über die Harnröhre aus, sondern über eine unnatürliche Verbindung, zum Beispiel zwischen der Blase und der Scheide oder der Haut.
Diese Form des Urinverlusts kann nach Operationen, Verletzungen, Bestrahlungen oder komplizierten Geburten entstehen. Auch angeborene Fehlbildungen kommen selten als Ursache infrage. Eine ärztliche Untersuchung kann klären, woher der Urin austritt und welche Behandlung geeignet ist.
Extraurethrale Inkontinenz ist eine körperliche Erkrankung und kein persönliches Versagen. Je früher die Ursache abgeklärt wird, desto eher kann eine passende Behandlung beginnen.
Bei einer extraurethralen Inkontinenz verlässt der Urin den Körper nicht über die Harnröhre, sondern über einen anderen, unnatürlichen Weg. Häufig entsteht dafür eine sogenannte Fistel. Das ist eine kleine Verbindung zwischen der Blase und einem anderen Organ oder der Haut.
Bei Frauen kann sich beispielsweise eine Verbindung zwischen Blase und Scheide bilden. Dann tritt Urin möglicherweise über die Scheide aus. In anderen Fällen gelangt er über eine Öffnung an der Haut nach außen.
Anders als bei einer Belastungs- oder Dranginkontinenz steht dabei nicht unbedingt die Funktion der Blase oder des Schließmuskels im Vordergrund. Typisch kann sein, dass Urin unbemerkt oder dauerhaft austritt – auch ohne vorherigen Harndrang.
Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Betroffene verlieren ständig kleine Mengen Urin, andere bemerken den Urinverlust nur in bestimmten Situationen. Häufig fällt zunächst eine anhaltende Feuchtigkeit auf, deren Ursache unklar ist.
- Urin tritt über die Scheide oder eine Hautöffnung aus.
- Unterwäsche oder Kleidung sind ständig oder regelmäßig feucht.
- Der Urinverlust tritt ohne vorherigen Harndrang auf.
- Es kommt zu dauerhaftem Tröpfeln oder kontinuierlichem Urinfluss.
- Der Urin tritt beim Aufstehen, Gehen oder bei körperlicher Belastung aus.
- Es bestehen Brennen, Schmerzen, häufiger Harndrang oder Fieber.
- Angst vor sichtbarer Nässe oder unangenehmem Geruch
- häufiges Wechseln von Kleidung oder Einlagen
- Scham und Unsicherheit im Kontakt mit anderen
- Vermeidung von Reisen, Sport oder sozialen Aktivitäten
- Rückzug aus Freundschaften oder Partnerschaft
- Belastungen im Berufs- und Privatleben
Wenn Sie solche Veränderungen bemerken, sollten Sie sich medizinische Unterstützung holen – insbesondere, wenn die Beschwerden nach einer Operation, einer Geburt, einer Verletzung oder einer Bestrahlung begonnen haben.
Lassen Sie anhaltenden oder ungewöhnlichen Urinverlust ärztlich untersuchen. Besonders wichtig ist eine zeitnahe Abklärung bei:
- ständigem Urinverlust ohne Harndrang
- Urinabgang über die Scheide oder eine Hautöffnung
- Beschwerden nach einer Operation oder Geburt
- Blut im Urin
- Schmerzen, Fieber oder Brennen beim Wasserlassen
- einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden
Eine extraurethrale Inkontinenz entsteht, wenn sich ein unnatürlicher Weg für den Urin bildet. Häufig handelt es sich um eine Fistel. Sie kann zwischen der Blase und einem anderen Organ oder zwischen der Blase und der Haut entstehen.
Eine Fistel ist eine unnatürliche Verbindung zwischen zwei Körperbereichen. Bei einer vesikovaginalen Fistel besteht beispielsweise eine Verbindung zwischen Blase und Scheide. Bei einer vesikokutanen Fistel gelangt der Urin über eine Verbindung zur Haut nach außen.
Eine Fistel kann als seltene Komplikation nach gynäkologischen, urologischen oder Darmoperationen entstehen. Dazu zählen unter anderem Eingriffe an der Gebärmutter, der Prostata oder dem Darm.
Nach einer langen oder komplizierten Geburt können Verletzungen im Bereich der Blase, der Scheide oder des umliegenden Gewebes auftreten. In seltenen Fällen kann daraus eine Fistel entstehen.
Unfälle oder bestimmte medizinische Eingriffe können den Harntrakt verletzen und dadurch einen unnatürlichen Urinweg verursachen.
Eine Bestrahlung im Beckenbereich kann das Gewebe empfindlicher machen oder langfristig schädigen. Dadurch kann das Risiko für eine Fistel steigen.
Selten besteht eine solche Verbindung bereits seit der Geburt. Auch schwere Entzündungen können das Gewebe der Blase oder anderer Organe schwächen und in seltenen Fällen zur Bildung einer Fistel beitragen.
Nicht immer lässt sich die Ursache sofort feststellen. Das bedeutet nicht, dass Ihre Beschwerden eingebildet sind. Eine gezielte Untersuchung kann dabei helfen, den Austrittsweg des Urins zu erkennen.
Die Untersuchung beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch. Danach entscheidet das medizinische Team, welche weiteren Untersuchungen notwendig sind. Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Person erforderlich.
- Wann hat der Urinverlust begonnen?
- Ist der Urinverlust dauerhaft oder tritt er gelegentlich auf?
- Besteht Harndrang?
- Gab es zuvor eine Operation, Geburt, Verletzung oder Bestrahlung?
- Bestehen Schmerzen, Brennen, Fieber oder Blut im Urin?
Je nach vermuteter Ursache kann eine körperliche, gynäkologische oder urologische Untersuchung sinnvoll sein. Dabei wird vorsichtig geprüft, ob sich eine mögliche Austrittsstelle erkennen lässt und ob Hinweise auf eine Fistel bestehen.
Bei einer Zystoskopie wird ein dünnes Instrument mit einer Kamera durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. So kann die Ärztin oder der Arzt die Harnröhre und die Blase von innen betrachten und nach einer möglichen Fistelöffnung suchen.
Bei einem Farbstofftest wird eine gefärbte Flüssigkeit in die Blase gegeben. Anschließend wird geprüft, ob die Flüssigkeit an einer ungewöhnlichen Stelle austritt.
Je nach Fragestellung können Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden. Sie zeigen die Organe und Gewebestrukturen im Becken.
Eine Fistulografie wird nur in bestimmten Fällen eingesetzt. Dabei wird Kontrastmittel in die vermutete Fistel eingebracht, um ihren Verlauf auf Bildern sichtbar zu machen.
Sie müssen nicht selbst sofort die perfekte Fachrichtung finden. Eine Hausarztpraxis ist für Frauen und Männer eine gute erste Anlaufstelle. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann die Beschwerden zunächst einordnen und Sie bei Bedarf an eine passende Fachpraxis überweisen.
Eine urologische Praxis ist für Frauen und Männer geeignet. Besonders bei unklarem, stärkerem oder zunehmendem Urinverlust kann die Urologie die Ursache untersuchen und weitere Schritte planen.
Für Frauen kann eine gynäkologische Praxis die richtige Anlaufstelle sein. Besonders bei Beschwerden nach einer Geburt oder bei einem möglichen Austritt über die Scheide kann eine gynäkologische Untersuchung sinnvoll sein.
Bei länger bestehenden, komplexen oder stark belastenden Beschwerden kann ein spezialisiertes Zentrum sinnvoll sein. Dort arbeiten häufig verschiedene Fachrichtungen zusammen.
Je nach Ursache können zusätzlich chirurgische, radiologische oder weitere spezialisierte Fachbereiche beteiligt sein.
Die Behandlung richtet sich danach, wo die Fistel liegt, wie groß sie ist, wodurch sie entstanden ist, welche Beschwerden sie verursacht und wie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist. Ziel ist es, den unnatürlichen Urinweg zu verschließen und den Urin wieder über die vorgesehenen Harnwege abzuleiten.
Bei kleinen Fisteln kann in ausgewählten Fällen zunächst eine konservative Behandlung versucht werden. Dazu können beispielsweise die Ableitung des Urins über einen Katheter, die Behandlung einer Infektion und regelmäßige Kontrollen gehören.
Häufig ist eine Operation erforderlich, um die Fistel zu verschließen. Bei einer transvaginalen oder transabdominalen Fistelreparatur wird die Fistel freigelegt und verschlossen. Der Zugangsweg richtet sich nach ihrer Lage und den individuellen Voraussetzungen.
In manchen Fällen wird zusätzlich gesundes Gewebe zwischen die betroffenen Organe gelegt. Dieses Gewebe kann die reparierte Stelle schützen und die Heilung unterstützen.
Bei der Operation wird darauf geachtet, dass der Verschluss möglichst wenig unter Spannung steht. Dadurch kann das Risiko verringert werden, dass sich die Fistel erneut öffnet.
Nach dem Eingriff sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Je nach Operation kann vorübergehend ein Katheter notwendig sein. Das Behandlungsteam erklärt Ihnen, wann Sie körperliche Belastungen wieder aufnehmen dürfen.
Wenn ein Fistelverschluss nicht möglich ist oder wiederholt nicht erfolgreich war, kann in seltenen Fällen eine vorübergehende oder dauerhafte Harnableitung erforderlich sein.
Was ist nach einer Operation wichtig?
Halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Behandlungsteams. Schweres Heben, intensiver Sport oder Geschlechtsverkehr sollten Sie nur nach ärztlicher Rücksprache wieder aufnehmen.
Melden Sie sich, wenn erneut Urin austritt, Schmerzen auftreten oder Sie Fieber bekommen.
Bis zur ärztlichen Abklärung können Sie dokumentieren, wann der Urinverlust auftritt und ob gleichzeitig weitere Beschwerden bestehen. Ein kleines Symptomtagebuch kann beim Arztgespräch hilfreich sein.
- Zeitpunkt und Dauer des Urinverlusts
- mögliche Auslöser
- ob Harndrang vorhanden ist
- Schmerzen oder Brennen
- Fieber oder Blut im Urin
- Beginn nach einer Operation, Geburt, Verletzung oder Bestrahlung
- saugende Einlagen oder andere Hilfsmittel verwenden
- feuchte Kleidung möglichst zeitnah wechseln
- auf eine sanfte Hautpflege achten
- ausreichend trinken, sofern medizinisch nichts anderes empfohlen wurde
- Fragen und Beobachtungen zum Arzttermin mitnehmen
Bei einer extraurethralen Inkontinenz tritt der Urin nicht über die Harnröhre, sondern über einen unnatürlichen Weg aus dem Körper aus. Häufig liegt eine Fistel zwischen der Blase und einem anderen Organ oder der Haut vor.
Typisch können ständiger Urinverlust, anhaltende Feuchtigkeit und Urinabgang ohne vorherigen Harndrang sein. Beschwerden nach einer Operation, Geburt, Verletzung oder Bestrahlung sollten besonders aufmerksam abgeklärt werden.
Die Diagnose kann unter anderem durch ein Gespräch, eine körperliche Untersuchung, eine Zystoskopie, einen Farbstofftest oder bildgebende Verfahren gestellt werden.
Je nach Ursache kommen eine konservative Behandlung, eine Fistelreparatur, eine Gewebeverstärkung oder in seltenen Fällen eine Harnableitung infrage.