Blasenspeicherstörungen treten in der Phase auf, in der die Blase den Harn speichert. Sie können verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben, die mit verstärktem Harndrang oder Harnverlust einhergehen. Insbesondere die Ursachen der überaktiven Blase sind bislang nicht vollständig erforscht
Eine Blasenspeicherstörung kann sich durch häufigen Harndrang, nächtliches Wasserlassen oder ungewollten Urinverlust bemerkbar machen. Die Beschwerden entstehen, wenn die Harnblase den Urin nicht ausreichend speichern kann oder sich bereits während der Füllung unwillkürlich zusammenzieht.
Die Ursachen und Ausprägungen sind unterschiedlich. Eine ärztliche Untersuchung hilft dabei, die Beschwerden einzuordnen und eine passende Behandlung oder Unterstützung zu finden.
Die folgenden Symptome können bei einer Blasenspeicherstörung auftreten:
Häufiges Wasserlassen
Die Toilette muss deutlich häufiger als üblich aufgesucht werden. Als Orientierung gilt häufig mehr als achtmal innerhalb von 24 Stunden. Entscheidend ist jedoch auch, was für die betroffene Person persönlich ungewöhnlich ist.
Nächtliches Wasserlassen
Die Blase weckt die betroffene Person mehrmals während der Nacht. Das wiederholte Aufstehen kann den Schlaf beeinträchtigen und tagsüber zu Müdigkeit führen.
Verstärkter Harndrang
Es tritt häufig ein plötzlicher oder starker Harndrang auf, der nur schwer zu unterdrücken ist. Bis zum Erreichen der Toilette kann es zu ungewolltem Urinverlust kommen.
Harninkontinenz
Es kommt zum unkontrollierten Verlust von Harn. Die Form und der Auslöser der Inkontinenz können unterschiedlich sein und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Blasenspeicherstörungen können sich in unterschiedlichen Formen zeigen. Die folgende Einteilung beschreibt typische Arten von ungewolltem Urinverlust:
Belastungsinkontinenz
Bei körperlicher Belastung steigt der Druck im Bauchraum und auf die Blase. Dadurch kann ungewollt Urin abgehen. Typische Auslöser sind beispielsweise das Heben von Gegenständen, Niesen, Husten oder körperliche Anstrengung.
Dranginkontinenz
Ein plötzlicher und kaum unterdrückbarer Harndrang wird durch unwillkürliche Kontraktionen der Blase begleitet. Dadurch kann es zu einem nicht willentlich kontrollierbaren Harnabgang kommen.
Gemischte Inkontinenz
Bei einer gemischten Inkontinenz treten Merkmale der Belastungsinkontinenz und der Dranginkontinenz gemeinsam auf.
Nächtliche Inkontinenz
Während des Schlafs kommt es wiederholt zu ungewolltem Harnverlust.
Kontinuierliche Inkontinenz
Es kommt zu einem unwillkürlichen und anhaltenden Harnverlust.
Funktionelle Inkontinenz
Aufgrund einer körperlichen, kognitiven oder medikamentenbedingten Einschränkung kann die Toilette nicht rechtzeitig erreicht werden. Dadurch kann es zu einem unkontrollierten Harnabgang kommen.
Inkontinenz bei sexueller Aktivität
Bei oder während sexueller Aktivität kann es zu einem nicht kontrollierbaren Harnabgang kommen.
Situative Inkontinenz
Der Harnverlust tritt in bestimmten Situationen auf, beispielsweise bei heftigem Lachen oder epileptischen Anfällen.
Bei einem Verdacht auf eine Blasenspeicherstörung werden zunächst grundlegende Untersuchungen durchgeführt. Ziel ist es, die Beschwerden einzuordnen, mögliche Ursachen zu erkennen und andere Erkrankungen auszuschließen.
Anamnese
Im ärztlichen Gespräch werden die urologischen Symptome, die medizinische Vorgeschichte, die Familienanamnese, die aktuelle Medikation und die Lebensgewohnheiten erfasst. Auch die Auswirkungen der Beschwerden auf den Alltag und die Lebensqualität werden besprochen.
Harnstatus
Eine Urinprobe wird auf Auffälligkeiten und Hinweise auf Bakterien untersucht. So können unter anderem Harnwegsinfektionen erkannt oder ausgeschlossen werden.
Körperliche Untersuchung
Untersucht werden insbesondere der Unterbauch und der Genitalbereich. Je nach Situation können weitere Untersuchungen erforderlich sein.
Restharnkontrolle
Mithilfe von Ultraschall wird überprüft, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurückbleibt. Gleichzeitig können die Blase und weitere Organe des unteren Harntrakts betrachtet werden.
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich, da viele Blasenspeicherstörungen unabhängig vom eigenen Verhalten entstehen. Bestimmte Maßnahmen können die Blasengesundheit jedoch unterstützen:
Regelmäßige Toilettengänge
Regelmäßige Toilettengänge können helfen, eine Überdehnung der Blase zu vermeiden. Häufig wird empfohlen, etwa 6–8 Mal pro Tag Wasser zu lassen. Die individuelle Häufigkeit hängt jedoch von Trinkmenge, Erkrankungen und persönlicher Blasenfunktion ab. Starker Harndrang sollte nicht dauerhaft unterdrückt werden.
Ausreichend trinken
Regelmäßiges und ausreichendes Trinken unterstützt die normale Blasenfunktion. Übermäßig große Trinkmengen können die Blase belasten. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen sollten Sie die persönliche Trinkmenge mit dem Behandlungsteam besprechen.
Ausgewogene Ernährung
Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Verdauung und kann Verstopfung vorbeugen. Scharfe Gewürze oder andere reizende Lebensmittel können Beschwerden bei manchen Menschen verstärken und sollten bei Bedarf reduziert werden.
Beckenbodenübungen
Regelmäßige, fachlich angeleitete Beckenbodenübungen können die unterstützende Muskulatur kräftigen und die Kontrolle über die Blase verbessern. Die Übungen sollten individuell angepasst werden.
Stressbewältigung
Techniken wie Meditation, Atemübungen oder andere Entspannungsverfahren können helfen, Stress zu reduzieren. Dadurch kann auch eine stressbedingte Anspannung des Beckenbodens abnehmen.
Gesunde Lebensführung
Regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und der Verzicht auf Rauchen können allgemeine Risikofaktoren reduzieren und die Gesundheit des Harntrakts unterstützen.
Eine gute Intimhygiene und regelmäßige ärztliche Untersuchungen können helfen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Viele Blasenspeicherstörungen entstehen jedoch unabhängig davon und lassen sich nicht vollständig verhindern.
Die Bewältigung und Vorbeugung von Blasenspeicherstörungen erfordern häufig einen ganzheitlichen Ansatz. Eine genaue Diagnose, ein individueller Behandlungsplan und passende Maßnahmen im Alltag können dazu beitragen, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Eine ärztliche Untersuchung ist besonders wichtig, wenn:
- die Beschwerden neu auftreten oder deutlich zunehmen
- starker oder plötzlich auftretender Harndrang besteht
- ungewollter Urinverlust wiederholt auftritt
- Fieber, Schüttelfrost oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl hinzukommen
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen auftreten
- Blut im Urin sichtbar ist
- neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle oder Lähmungen hinzukommen
Eine Blasenspeicherstörung kann sich durch häufiges Wasserlassen, nächtlichen Harndrang, verstärkten Harndrang oder Harninkontinenz bemerkbar machen.
Zu den möglichen Formen gehören Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, gemischte Inkontinenz, nächtliche, kontinuierliche, funktionelle und situative Inkontinenz sowie Inkontinenz bei sexueller Aktivität.
Zur Basisdiagnostik gehören ein ärztliches Gespräch, eine Urinuntersuchung, eine körperliche Untersuchung und eine Restharnkontrolle per Ultraschall. Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Regelmäßige Toilettengänge, eine individuell passende Trinkmenge, eine ausgewogene Ernährung, Beckenbodentraining, Stressbewältigung, Bewegung und regelmäßige ärztliche Kontrollen können die Blasengesundheit unterstützen.