Medikamente können Krankheiten behandeln, Schmerzen lindern oder Beschwerden verbessern. Manche Arzneimittel beeinflussen jedoch zusätzlich den Magen-Darm-Trakt. Sie können die Darmbewegung beschleunigen oder verlangsamen. Dadurch können Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder ein aufgeblähter Bauch entstehen. Besonders wichtig ist der Blick auf die eigene Medikamentenliste. Denn nicht immer ist sofort erkennbar, dass ein Arzneimittel die Verdauung beeinflussen kann. Das gilt auch, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.
- Medikamente und Verdauung
- Wie beeinflussen Medikamente den Darm?
- Welche Medikamente können Durchfall fördern?
- Welche Medikamente können Verstopfung fördern?
- Opioide und Morphin
- Chemotherapie und andere Krebsmedikamente
- Woran erkennen Sie einen Zusammenhang?
- Was können Betroffene tun?
- Medikamente nicht eigenständig absetzen
- Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?
- Fazit
Medikamente können Krankheiten behandeln, Schmerzen lindern oder Beschwerden verbessern. Manche Arzneimittel beeinflussen jedoch zusätzlich den Magen-Darm-Trakt. Sie können die Darmbewegung beschleunigen oder verlangsamen. Dadurch können Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder ein aufgeblähter Bauch entstehen.
Besonders hilfreich ist deshalb ein Blick auf die eigene Medikamentenliste. Denn nicht immer ist sofort erkennbar, dass ein Arzneimittel die Verdauung beeinflussen kann. Das gilt auch, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden.
Der Darm transportiert seinen Inhalt mit rhythmischen Muskelbewegungen weiter. Einige Medikamente regen diese Bewegungen an. Andere bremsen sie.
Gelangen Speisen und Flüssigkeit zu schnell durch den Darm, kann der Körper weniger Wasser aufnehmen. Der Stuhl wird weich oder wässrig. Es kann Durchfall entstehen.
Bleibt der Stuhl länger im Darm, entzieht ihm der Körper mehr Flüssigkeit. Der Stuhl wird härter und lässt sich schwieriger ausscheiden. Es kann Verstopfung entstehen.
Ob ein Medikament Beschwerden verursacht, hängt unter anderem vom Wirkstoff, der Dosierung, der Einnahmedauer und der persönlichen Verträglichkeit ab.
Die folgenden Arzneimittel können bei manchen Menschen Durchfall verursachen oder verstärken. Die Beispiele sind nicht vollständig. Entscheidend ist immer der Wirkstoff auf der Packung oder dem Medikationsplan.
Wirken Abführmittel zu stark oder werden sie zu hoch dosiert, können sie Durchfall, Bauchkrämpfe und Flüssigkeitsverlust auslösen.
- Bisacodyl (zum Beispiel Dulcolax)
- Natriumpicosulfat (zum Beispiel Laxoberal)
- Macrogol (zum Beispiel Movicol oder Laxido)
- Lactulose (zum Beispiel Bifiteral)
- Sorbitol
- Magnesiumsalze
Antibiotika können die Zusammensetzung der Darmflora verändern. Dadurch kann während oder nach der Behandlung Durchfall auftreten.
- Amoxicillin (zum Beispiel Infectomox)
- Amoxicillin und Clavulansäure (zum Beispiel Augmentan)
- Doxycyclin (zum Beispiel Doxycyclin AL)
- Clindamycin (zum Beispiel Sobelin)
- Ciprofloxacin (zum Beispiel Ciprobay)
Starker, länger anhaltender oder blutiger Durchfall nach einer Antibiotika-Einnahme sollte ärztlich abgeklärt werden.
Bestimmte Diabetesmedikamente können Durchfall oder andere Verdauungsbeschwerden verursachen.
- Metformin (zum Beispiel Glucophage oder Metformin-ratiopharm)
- Semaglutid (zum Beispiel Ozempic oder Wegovy)
- Liraglutid (zum Beispiel Victoza oder Saxenda)
- Dulaglutid (zum Beispiel Trulicity)
Bei GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid oder Dulaglutid können neben Durchfall auch Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung auftreten. Beschwerden sind häufig zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosissteigerung stärker.
Einige entzündungshemmende Schmerzmittel können den Magen-Darm-Trakt reizen.
- Ibuprofen (zum Beispiel IbuHEXAL oder Dolormin)
- Naproxen (zum Beispiel Aleve oder Naproxen-ratiopharm)
- Diclofenac (zum Beispiel Voltaren oder Diclo-ratiopharm)
- Acetylsalicylsäure (zum Beispiel Aspirin)
Bei starken Magenschmerzen, schwarzem Stuhl oder Blut im Stuhl ist eine schnelle ärztliche Abklärung wichtig.
Auch Medikamente gegen Sodbrennen oder Magensäure können bei manchen Menschen den Stuhl verändern.
- Omeprazol (zum Beispiel Antra oder Omeprazol-ratiopharm)
- Pantoprazol (zum Beispiel Pantozol oder Pantoprazol-ratiopharm)
- Esomeprazol (zum Beispiel Nexium)
- Lansoprazol (zum Beispiel Agopton)
- Famotidin (zum Beispiel Pepcid)
Antidepressiva können je nach Wirkstoff sowohl Durchfall als auch Verstopfung begünstigen.
- Sertralin (zum Beispiel Zoloft)
- Escitalopram (zum Beispiel Cipralex)
- Fluoxetin (zum Beispiel Fluctin)
- Venlafaxin (zum Beispiel Trevilor)
- Amitriptylin (zum Beispiel Saroten)
- Mirtazapin (zum Beispiel Remeron)
Ändern Sie ein Antidepressivum nicht eigenständig und setzen Sie es nicht plötzlich ab.
- einige Cholesterinsenker, zum Beispiel Atorvastatin (zum Beispiel Sortis)
- bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck
- manche Medikamente gegen Gicht
- bestimmte antivirale Medikamente
- einige Krebsmedikamente und Immuntherapien
- Magnesiumpräparate und Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Magnesiumdosierungen
Verstopfung kann ebenfalls eine Nebenwirkung verschiedener Arzneimittel sein. Besonders häufig kommen folgende Medikamentengruppen infrage.
Opioide sind starke Schmerzmittel. Dazu gehören unter anderem:
- Morphin (zum Beispiel MST Continus oder Sevredol)
- Oxycodon (zum Beispiel Oxygesic oder Targin)
- Hydromorphon (zum Beispiel Palladon)
- Fentanyl (zum Beispiel Durogesic)
- Tilidin (zum Beispiel Valoron N)
- Tramadol (zum Beispiel Tramal)
- Codein (zum Beispiel Codicaps)
Opioide können die Darmbewegung verlangsamen. Außerdem kann der Darm dem Stuhl mehr Flüssigkeit entziehen. Dadurch wird der Stuhl härter und die Darmentleerung schwieriger.
Wer regelmäßig ein Opioid einnimmt, sollte frühzeitig mit der behandelnden Praxis über die Vorbeugung von Verstopfung sprechen. Häufig wird zusätzlich ein Abführmittel verordnet.
Diese Medikamente bremsen bestimmte Nervensignale im Körper. Dadurch kann sich die Darmbewegung verlangsamen.
- Oxybutynin gegen Blasenschwäche (zum Beispiel Dridase)
- Trospium gegen Blasenschwäche (zum Beispiel Spasmex)
- Biperiden bei Parkinson-Beschwerden (zum Beispiel Akineton)
- Dimenhydrinat gegen Übelkeit und Schwindel (zum Beispiel Vomex A)
- Butylscopolamin gegen Krämpfe (zum Beispiel Buscopan)
- Amitriptylin als trizyklisches Antidepressivum (zum Beispiel Saroten)
Der Begriff „anticholinerg“ steht nicht immer verständlich auf der Verpackung. Fragen Sie bei Unsicherheit in der Arztpraxis oder Apotheke nach.
Einige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können Verstopfung begünstigen. Dazu gehören beispielsweise:
- Ondansetron (zum Beispiel Zofran)
- Granisetron (zum Beispiel Kevatril)
- Dimenhydrinat (zum Beispiel Vomex A)
Diese Arzneimittel werden auch während einer Chemotherapie eingesetzt. Verstopfung kann dann durch das Medikament gegen Übelkeit, ein Opioid oder mehrere Faktoren gleichzeitig entstehen.
Eisenpräparate können Verstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit oder einen dunklen Stuhl verursachen.
- Eisen(II)-glycin-sulfat (zum Beispiel ferro sanol)
- Eisen(II)-sulfat (zum Beispiel Tardyferon)
- Eisen(II)-fumarat (zum Beispiel Hemferin)
Eisen kann den Stuhl dunkel färben. Schwarzer, teerartiger Stuhl kann jedoch auch auf eine Blutung hinweisen und sollte ärztlich beurteilt werden.
- Verapamil (zum Beispiel Isoptin oder VeraHEXAL)
- manche andere Calciumkanalblocker
- entwässernde Medikamente, wenn sie zu Flüssigkeitsmangel führen
Nicht jedes Medikament aus diesen Gruppen verursacht Verstopfung. Blutdruck- oder Herzmedikamente dürfen deshalb nicht ohne Rücksprache abgesetzt werden.
- trizyklische Antidepressiva
- bestimmte Medikamente gegen Epilepsie
- einige Beruhigungs- und Schlafmittel
- Aluminium- oder calciumhaltige Mittel gegen Sodbrennen
- manche Medikamente gegen Allergien
- bestimmte Medikamente gegen Krämpfe
- manche Chemotherapien
- Loperamid gegen Durchfall (zum Beispiel Imodium akut oder Loperamid-ratiopharm)
Morphin und andere Opioide werden bei starken Schmerzen eingesetzt, zum Beispiel nach Operationen, bei schweren Erkrankungen oder im Rahmen einer Krebsbehandlung. Eine häufige Nebenwirkung ist Verstopfung.
Bei einer regelmäßigen Einnahme wird häufig von Anfang an ein Abführmittel verordnet. Nehmen Sie dieses nach ärztlicher Anweisung ein. Wenn es nicht ausreichend wirkt, informieren Sie das Behandlungsteam.
Eine Chemotherapie kann je nach Wirkstoff Durchfall oder Verstopfung verursachen. Auch Immuntherapien und andere Krebsmedikamente können den Magen-Darm-Trakt beeinflussen.
Während einer Krebsbehandlung werden häufig mehrere Arzneimittel kombiniert. Dazu können das eigentliche Krebsmedikament, Medikamente gegen Übelkeit, Morphin oder andere Opioide, Kortisonpräparate, Abführmittel und Antibiotika gehören.
Deshalb ist nicht immer sofort erkennbar, welches Medikament die Beschwerden auslöst. Führen Sie eine aktuelle Liste aller Medikamente und zeigen Sie sie Ihrem Behandlungsteam.
Ein Zusammenhang mit einem Medikament ist möglich, wenn:
- die Beschwerden kurz nach Beginn der Einnahme auftreten,
- die Dosis verändert wurde,
- ein neues Medikament hinzukam,
- die Beschwerden nach der Einnahme wiederkehren,
- die Beschwerden nach einer Chemotherapie oder einer anderen Behandlung auftreten,
- keine andere naheliegende Ursache erkennbar ist.
Durchfall und Verstopfung können jedoch auch andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Infektionen, Ernährungsumstellungen, Bewegungsmangel, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, Stress oder andere Erkrankungen.
Notieren Sie, welches Medikament Sie wann eingenommen haben und wann die Beschwerden aufgetreten sind. Schreiben Sie außerdem auf, wie lange die Beschwerden anhielten und ob zusätzliche Symptome dazukamen.
Wenn Sie eine medikamentöse Nebenwirkung vermuten, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt, das Behandlungsteam oder eine Apotheke. Dort kann geprüft werden:
- ob das Medikament als Ursache infrage kommt,
- ob die Dosierung angepasst werden sollte,
- ob ein anderes Medikament möglich ist,
- ob Wechselwirkungen bestehen,
- ob ein Abführmittel oder ein anderes Medikament notwendig ist,
- ob eine weitere Untersuchung erforderlich ist.
Bei Durchfall verliert der Körper Flüssigkeit und Salze. Trinken Sie ausreichend, sofern aus medizinischen Gründen nichts dagegenspricht.
Menschen mit bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen sollten vorher ärztlich klären, wie viel sie trinken dürfen. Während einer Krebstherapie sollten Sie Mittel gegen Durchfall nur nach Rücksprache einnehmen.
Bei leichter Verstopfung können – je nach Ursache und persönlicher Situation – Bewegung, ausreichend Flüssigkeit und eine schrittweise ballaststoffreiche Ernährung helfen.
Bei Verstopfung durch Morphin oder andere Opioide reichen diese Maßnahmen allein möglicherweise nicht aus. Häufig wird ein Abführmittel vorbeugend verordnet.
Auch wenn Sie ein Medikament als mögliche Ursache vermuten, sollten Sie es nicht ohne Rücksprache absetzen. Das gilt besonders für:
- Morphin und andere Opioide
- Antidepressiva
- Medikamente gegen Epilepsie
- Kortisonpräparate
- Medikamente gegen Krebs
- Herz- und Blutdruckmedikamente
- regelmäßig eingenommene Medikamente gegen chronische Erkrankungen
Ein plötzliches Absetzen kann dazu führen, dass Schmerzen oder andere Beschwerden zurückkehren oder sich verstärken. Besprechen Sie jede Änderung mit Ihrer behandelnden Ärztin, Ihrem behandelnden Arzt oder einer Apotheke.
Handelsnamen können je nach Land, Hersteller, Dosierung und Darreichungsform unterschiedlich sein. Außerdem gibt es viele Medikamente als Generika mit dem Wirkstoff im Namen, zum Beispiel „Metformin-ratiopharm“ oder „Pantoprazol HEXAL“.
Die genannten Handelsnamen sind deshalb nur Beispiele und keine vollständige Liste. Entscheidend ist immer der Wirkstoff auf der Verpackung oder dem Medikationsplan.
Lassen Sie Durchfall oder Verstopfung ärztlich abklären, wenn die Beschwerden stark sind, wiederkehren oder über mehrere Tage anhalten.
Während einer Chemotherapie oder einer anderen Krebsbehandlung sollten Sie sich bei neuen Verdauungsbeschwerden frühzeitig an Ihr Behandlungsteam wenden.
- starken oder zunehmenden Bauchschmerzen
- Blut im Stuhl
- schwarzem, teerartigem Stuhl
- anhaltendem Erbrechen
- starkem Flüssigkeitsverlust
- Fieber
- einem stark aufgeblähten Bauch
- fehlendem Stuhlgang und gleichzeitig fehlendem Abgang von Winden
- deutlicher Schwäche, Schwindel oder Verwirrtheit
Schwarzer, teerartiger Stuhl kann auf eine Blutung im Verdauungstrakt hindeuten. Eisenpräparate können den Stuhl allerdings ebenfalls dunkel färben. Lassen Sie schwarzen oder teerartigen Stuhl trotzdem ärztlich beurteilen.
Viele Medikamente können die Verdauung beeinflussen. Durchfall kann unter anderem durch Abführmittel, Antibiotika, bestimmte Diabetesmedikamente, einige Antidepressiva, Säureblocker oder Krebsmedikamente entstehen.
Verstopfung wird häufig durch Morphin und andere Opioide, bestimmte Medikamente gegen Übelkeit, Eisenpräparate, anticholinerg wirkende Medikamente, einige Antidepressiva und bestimmte Herz- oder Blutdruckmedikamente begünstigt.
Welche Ursache im Einzelfall vorliegt, lässt sich nicht immer selbst feststellen. Prüfen Sie Ihre Medikamente deshalb nicht eigenständig und setzen Sie sie nicht ohne Rücksprache ab. Eine Ärztin, ein Arzt, das Behandlungsteam oder eine Apotheke kann mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen beurteilen.