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Frage TVT Operation

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1 Woche 1 Tag her #54400 von edea1984
TVT Operation wurde erstellt von edea1984
Hallo

Ich bin weiblich, fast 42 Jahre alt und Mutter von drei Kindern.
Obwohl ich Rückbildungsgymnastik gemacht habe und auch mehr oder weniger regelmäßig Beckenboden Gymnastik, bin ich quasi komplett undicht.

Ich verliere Urin bei den Klassikern wie Niesen, Husten, Lachen, ruckartigen Bewegungen. Zudem neuerdings auch beim Strecken (wenn ich noch im Bett liege), beim Aufstehen, nach dem urinieren... Also es gibt quasi keine Situation, bei der ich keinen Urin verliere.

Daher bin ich zur Urologin. Beckenbodengymnastik über Physio, diverse Untersuchungen. Dann Überweisung in ein Beckenboden Zentrum zwecks eventuellem operativen Eingriffs. Immerhin weiß ich jetzt, das ich an der Kaiserschnittnarbe Zysten habe, der Beckenboden scheint total instabil zu sein, also da gibt es quasi keinen Druck.

Ich habe mich für die TVT Operation entschieden. Beim Gespräch hatte ich ansich keine Fragen, die kamen hinterher. Und bekomme sie vom Arzt nicht beantwortet. Mein Leidensdruck ist aber so groß, das ich die OP definitiv machen lasse.

Ich arbeite als Fleischerei Fachverkäuferin. Ich muss schwer heben, es wird regelmäßig Druck auf den Bauch ausgeübt, ich stehe viel und laufe auch.
Den Beruf werde ich wohl an den Nagel hängen können?!?
Kann ich nach der OP Fahrrad fahren (ich bin nur so mobil)? Wie sieht es mit Gassi gehen aus und Berge laufen (wir wohnen mitten im Pfälzer Wald auf nem Berg)?
Wie lange ist man AU nach der OP?
Wann kann ich wieder Sport machen und was ist anschließend überhaupt erlaubt? Ich bin stark übergewichtig mit ordentlich Bauch und muss halt irgendwas tun 🤷

Ich hoffe, jemand kann mir die Fragen beantworten...

Freundliche Grüße, edea

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  • Matti
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1 Woche 9 Stunden her - 1 Woche 9 Stunden her #54402 von Matti
Matti antwortete auf TVT Operation
Hallo,

als Person mit einem BMI von etwa 40 möchte ich höflich auf einen grundlegenden Aspekt hinweisen. Ein starkes Übergewicht kann durchaus die Hauptursache für deine Beschwerden sein, und dies einfach zu ignorieren, ist so, als würde man ein Pflaster auf einen Beinbruch kleben. Da ich selbst viele Kilos Übergewicht mit mir trage, schreibe ich dies nicht aus Besserwisserei, sondern weil es eines der entscheidenden Kriterien darstellt, gerade bei Frauen.

Ein erhebliches Übergewicht belastet sämtliche Bauchorgane sowie den Beckenboden. Eine Bändchen-Operation kann zwar die Symptome lindern, doch meist hält dieser Effekt nicht lange an, da lediglich die Folgen behandelt werden, nicht jedoch die eigentlichen Ursachen.

Vor einigen Tagen habe ich für unseren Verein an den „Bamberger Gesprächen“ teilgenommen, einer Fachveranstaltung, die sich hauptsächlich an Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal richtet. Dort gab es zahlreiche Vorträge, und einer davon beschäftigte sich speziell mit TVT- und TOT-Bändchen. Das Wichtigste, was ich daraus mitgenommen habe, ist, dass ein erfahrener Chirurg diese Eingriffe durchführen sollte, da dabei viele Fehler passieren können. Ehrlich gesagt war mir das vor dem Vortrag nicht vollständig bewusst.

Ich versuche dies einmal zusammenzufassen:

Bei einer Operation gegen Belastungsinkontinenz wird häufig ein schmales Band unter die Harnröhre gelegt. Es soll die Harnröhre stützen, ohne sie fest einzuschnüren.
Wenn nach der Operation Beschwerden auftreten, ist Ultraschall laut Leitlinie die wichtigste Untersuchung, um mögliche Probleme mit dem Band zu erkennen. Dazu gehören zum Beispiel ein neu auftretender starker Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Urin, der in der Blase zurückbleibt, oder ein unbefriedigendes Operationsergebnis.

Die Lage des Bandes kann dabei eine Rolle spielen: Liegt es zu nah an der Harnröhre oder zu weit oben in Richtung Blase, kann das das Wasserlassen behindern. Ein Abstand von weniger als 2 mm zur Harnröhre wird häufig mit neuem Harndrang und wiederkehrenden Harnwegsinfekten in Verbindung gebracht. Liegt das Band dagegen zu weit von der Harnröhre entfernt, kann die Operation eher nicht ausreichend wirken. Ultraschall kann außerdem helfen, eine Verletzung oder beginnende Durchscheuerung der Harnröhre durch das Band zu erkennen.

Wird eine Behinderung des Wasserlassens durch ein zu eng liegendes Band sehr früh erkannt, kann das Band manchmal gelockert werden. Wird das Problem erst später festgestellt, kann eine weitere Operation nötig sein. Laut Leitlinie trat nach einer Lockerung in 3,3 % der Fälle erneut Belastungsinkontinenz auf; nach dem Durchtrennen des Bandes waren es 61 %.

Empfehlung auf dem Kongress: Bei Problemen beim Wasserlassen nach einer Bandoperation soll per Ultraschall geprüft werden, ob das Band falsch liegt oder sich ein Bluterguss im Bereich hinter dem Schambein oder neben der Blase gebildet hat.

Konkret auf deine Fragen bezogen:
  • Beruf: Daraus folgt nicht automatisch, dass du deinen Beruf aufgeben musst. Eine TVT-OP bedeutet aber meist eine Schonungsphase. Schweres Heben und starker Bauchdruck können dabei eine besondere Rolle spielen. Frag vorab konkret nach einer stufenweisen Rückkehr, leichteren Tätigkeiten oder vorübergehender Anpassung deiner Aufgaben.
  • Fahrrad: Für dich besonders wichtig, weil du darauf angewiesen bist. Wann du wieder fahren darfst, sollte das OP-Team ausdrücklich festlegen – auch wegen der Sitzposition und des Drucks im Becken. Lass dir einen Plan geben, ob und wann kurze, flache Strecken möglich sind.
  • Gassi gehen und Berge: Kurze, ruhige Spaziergänge werden häufig früher wieder möglich als anstrengende Belastung. Steile Wege, längere Bergtouren und einen kräftig ziehenden Hund würde ich nicht einfach als „normales Gehen“ einstufen: lieber erst kurz und flach starten und die Steigungen nach Freigabe steigern.
  • Arbeitsunfähigkeit und Sport: Das hängt unter anderem von der genauen OP-Methode, dem Verlauf und deiner körperlichen Arbeit ab. Bei unkompliziertem Verlauf wird schweres Heben und anstrengender Sport oft für mehrere Wochen eingeschränkt; etwa 4–6 Wochen sind eine grobe Orientierung, keine feste Regel. Bei schwerer körperlicher Arbeit kann die Rückkehr länger dauern oder eine Anpassung nötig sein. Leichte Bewegung ist nicht dasselbe wie Krafttraining, Springen oder schweres Heben.
  • Gewicht und Bewegung: Starkes Übergewicht bedeutet nicht automatisch, dass du nicht operiert werden kannst oder keinen Sport machen darfst. Nach der Freigabe können sanftere, schrittweise gesteigerte Aktivitäten sinnvoll sein. Welche Belastung für dich passt, sollte das Behandlungsteam mit dir abstimmen.

Bitte frag die operierende Ärztin oder den operierenden Arzt – notfalls über die Klinikambulanz – möglichst vor der OP ganz konkret: „Wann darf ich wieder Fahrrad fahren? Wie viel darf ich heben? Wann darf ich bergauf gehen und wieder in meinem Beruf arbeiten?“ Bitte außerdem um klare Anweisungen für den Fall, dass du nach der OP nicht normal Wasser lassen kannst oder Beschwerden bekommst. Falls du trotz Nachfragen keine verständliche Auskunft erhältst, ist eine zweite ärztliche Einschätzung vor der OP eine vernünftige Möglichkeit.

Bitte beachte, dass ich kein Arzt bin und meine Rückmeldung auf Erfahrungsberichten und Vorträgen basieren, die ärztliche Einschätzung aber nicht ersetzen. Ich gebe also keine medizinische Zweitmeinug ab, sondern laienhafte Einschätzung.

Vielleicht ist auch unser Ratgeber für dich interessant:  www.inkontinenz-selbsthilfe.com/tension-free-vaginal-tape-tvt

Gruß
Matti

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  • edea1984
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1 Woche 3 Stunden her #54404 von edea1984
edea1984 antwortete auf TVT Operation
Hallo Matti

Und danke für die ausführliche Antwort! Ich muss Mal schauen, ob ich irgendwie mit dem Arzt in Kontakt treten kann, zur Not schreibe ich ihm wieder eine Mail. 

Ich bin bereits in der Perimenopause, mein Bauch ist noch dicker als zuvor. Ich weiß, das Abnahme das Beste ist, aber es gestaltet sich nicht so easy. Da schaffe ich Mal 5kg, Zack, sind die wieder drauf. Ich habe Schmerzen durch das Übergewicht (BMI knapp 38) und das ist ein Teufelskreis. In beiden Armen nen Tennisellbogen, Fersensporne an beiden Füßen, Arthrose in den Füßen und ein Impingement in der rechten Schulter. Die Rückenschmerzen sind da wirklich das geringere Übel.


Der Arzt bzw das Zentrum hat durchweg sehr gute Bewertungen. Biofeedback vor der OP wollte er nicht, das würde keinen Sinn machen, wenn es schon so schlimm ist. Dass das Bändchen nicht alle Probleme lösen kann, weiß ich. Es nimmt mir aber vielleicht Mal ein wenig Druck. Ich werde weiterhin Beckenbodengymnastik machen müssen und definitiv abnehmen müssen. Das weiß ich Alles.

Beruf: ich hebe regelmäßig 2-15kg. Ich kann die Arbeiten nicht permanent delegieren. Denn auch eine Kundenbestellung kann schnell mal 10kg wiegen. Das Packpapier wiegt fast 13kg, ein Käselaib auch gut 12kg. Und zudem liege ich regelmäßig mit Bauch/Becken auf dem Tresen, also auch Druck auf den OP Bereich bzw die Blase. Für ne Weile, also für die Zeit der AU, kann ich das vermeiden, danach aber nicht mehr 🤷

Gruß, edea

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6 Tage 5 Stunden her #54406 von stephanw
stephanw antwortete auf TVT Operation
Hallo edea,

ich kann ich dir leider keine Infos zum Thema TVT geben, allerdings möchte ich das Thema Übergewicht aufgreifen. Wie Matti schreibt, kann das sogar ursächlich für die Inkontinenz sein, zumindestens dürfte es diese verstärken.

Ich hatte selbst einen BMI von 37, mit allen Folgen wie hohe Cholesterinwerte, Zuckerwerte nah am Prädiabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck (meine Inkontinenzform ist davon allerdings nicht bedingt). Da ich wegen meiner Doppelinkontinenz auch schwer depressiv bin, hab ich es seit der Psychopharmakaeinnahme nicht mehr geschafft, von dem Gewicht runterzukommen. Ich habe mich deswegen zu einer GLP-1 Therapie entschieden und ohne grosse Schwierigkeiten bereits 11kg in etwas über 8 Wochen abgenommen. Ich merke bereits, wie sich mein Allgemeinzustand verbessert (inkl. Psyche). Ich fühle mich wieder attraktiver und kann mich im Spiegel anschauen. Man muss sich die Therapie natürlich leisten können (ca. 170€/Monat), allerdings spare ich auch viel Geld für Lebensmittel. Die Langzeitfolgen von GLP-1 habe ich für mich als irrelevant betrachtet, da mich mein Übergewicht und dessen kardiologischen Folgen ziemlich sicher in ein paar Jahren ins Grab gebracht hätte. Die Spritze vertrage ich gut und habe kaum Nebenwirkungen. 

Gerade bei deinem starken Übergewicht würde ich das durchaus mal für ein paar Wochen versuchen, bevor ich operativ an das TVT Band rangehe, bei dem die Erfolgsaussicht fraglich ist.

Liebe Grüsse
Stephan

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  • edea1984
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4 Stunden 54 Minuten her #54429 von edea1984
edea1984 antwortete auf TVT Operation
Hallo

Ich war heute zur Vorbereitung für die OP am Montag.
Auf meine Fragen habe ich nur bedingt Antwort erhalten. Meine vorab gesendete Mail wurde abgetan mit den Worten, ich könne das ja heute bei der Voruntersuchung nachfragen. Leider war ich nur bei der Assistenzärztin und die konnte mir die Fragen nicht mit Sicherheit beantworten.
Sicher ist, das ich einige Wochen keinen Berg laufen darf, keine anstrengenden Gassirunden und auch kein Fahrrad fahren darf.
Meine AU wird aufgrund dessen wahrscheinlich eher ein wenig länger ausfallen als üblich. Der Standard wäre so zwei Wochen?!?
Sie meinte auch, das ich sehr wahrscheinlich meinen Beruf nicht mehr werde ausüben dürfen. Ich gebe zu schwer und ich liege mehrmals am Tag mit dem Bauch auf der Theke. Und je besser ich mich auch jetzt nach der OP schone, desto besser das Ergebnis.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

Gruß 

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