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Neurogene Blasenfunktionsstörung? Trabekulierung? Druck und Schweregefühl?

30 Apr 2020 20:09 #1 von Lavendel123
Hallo Zusammen ich bin neu hier!

Ich habe eine Frage an alle von einer neurogenen Blase geplagten Mitleidenden: Sind die Blasenprobleme euer Hauptproblem? Habt ihr Beschwerden wie Druck (damit ist kein Druck, wie bei Harndrang gemeint!) und ein Schweregefühl im Unterleib (nicht unbedingt Blase sondern darüber im Unterleib) sowie verkrampfter Unterleib, und unangenehme Gefühle im Unterleib???

Meine Leidensgeschichte bisher:
Ich habe vor 3 Monaten plötzlich von heute auf morgen ein Druck, Schweregefühl teilweise Schmerzen und ein unangenehmes komisches Gefühl im Unterleib bekommen. Daraufhin kamen dann Blasenentleerungsprobleme (verzögerte Miktion, schwacher Strahl, dünner Strahl, unangenehmes Gefühl bei 200 ml Füllung der Blase). Die Symptome gingen nicht weg, sodass ich zum Gynäkologen und Hausarzt ging. Beide fanden Nichts, auch nicht im Urin. Nächsten Tag zum Urologen, der mir ein Antibiotikum verschrieb. Dieses half auch und ich war wieder beschwerdefrei für 2 Wochen. Dann kamen alle Symptome zurück und sind jeden Tag bis heute da :'( Mittlerweile hatte sich herausgestellt, dass die Urinkultur, die damals angelegt wurde, negativ war, ich also doch keine Blasenentzündung hatte.. Seit diesem Zeitraum bis heute habe ich jeden einzelnen Tag einen unerträglichen Druck und ein Schweregefühl (als hätte ich einen schweren Stein im Unterleib) sowie einen angespannten Unterleib und Schmerzen, und ebenfalls unangenehme komische Empfindungen im Unterleib (als wäre dieser einfach krank und wäre nicht mehr Teil meines Körpers) und die besagten Blasenentleerungsprobleme. Ich habe einige Ärzte durch! Was alles gemacht wurde einmal hier:

- Urinkulturen 5x negativ, DipStix 8x negativ 2x fälschlicherweise anscheinend positiv
- MRT Becken 2x o.B.
- transvaginaler Ultraschall 6x o.B.
- Urinsediment, Zytologie o.B.
- Ureaplasmen, Chlamydien, Mykoplasmen Urin o.B.
- Vaginale Abstriche: Kulturen alle negativ inkl. Mykoplasmen/Ureaplasmen, Zytologie unauffällig PAP 1, Chlamydien PCR negativ, Gonokkoken Kultur negativ
- Blutwerte inkl. CRP, Creatinin, CEA, CA125 alle im Normbereich
- Proktoskopie o.B.
- MRT Kopf und Spinal o.B.
- Urodynamik 2x
- Zystoskopie 2x

Bei der Zystoskopie (für die ich betteln musste beim Urologen) kam heraus ich habe eine trabekulierte Blase, sodass auf eine neurogene Blasenfunktionsstörung geschlossen wurde. Die erste Urodynamik schloss mit Hochdrücken von 100 cm H20 auf eine DSD. Naja daraufhin eben die MRTs Kopf und Spinal ohne Befund und Ausschluss einer MS. Ich war sodann in Herne in der Neuro-Urologie. Dort kam jedoch heraus ich hätte eine Zitat: Hypersensitive, noch Normkapazitäre, Detrusorinstabile neuerogene Blase mit phasisch instabilen Detrusorhochdrücken von 28 cm H20 und hypokontraktiler Miktionsphase ohne Nachweis einer DSD im Entleerungsversuch. Ich glaube sie fanden es auch komisch, dass mich diese Missempfindungen im Unterleib mehr gestört haben als die Blasenprobleme. Weiterhin ist eben komisch, dass ich so eine spastische Blase habe aber nie Harndrang und gleichzeitig ist sie zu schwach zu entleeren.

Das Lustige ist nunmal, dass die Blasenentleerungsstörungen so garnicht mein eigentliches Problem ist :-( Ich wünschte es wäre nur das !!! Ich bin wirklich verzweifelt, weil ich jeden Tag mit Druck und Schwere sowie Völlegefühl, Verkrampfung und Schmerzen im Unterleib aufwache und alles da unten sich total komisch anfühlt. Sind das überhaupt Symptome einer neuerogenen Blase? In diesem Forum habe ich nämlich bisher nichts dergleichen gelesen in diesem Zusammenhang.. Auch ein Besuch bei einer Neurologin führte zu der Antwort das wären keine typischen Nervenschmerzen oder -empfindungen die entstehen, sofern man eben ein nervliches Problem hat.

Geht es überhaupt jemandem mit neuerogener Blase so wie mir?

Ich freue mich auf eure Antworten und danke euch schon einmal im Voraus, dass ihr euch das durchlest ! :-)

Lavendel

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30 Apr 2020 23:08 #2 von martinK
Liebe Lavendel

Ich kenne dieses Problem auch, im letzten Monat war es ähnlich wie bei Dir. Mein Unterleib war so verkrampft, dass ich zuweilen das Gefühl hatte, dass er nicht ein Teil von mir war. Mittlerweile geht es wieder besser; ich habe viel Atem- und Entspannungsübungen gemacht und den Bereich zwischen Anus und Blasenschliessmuskel fein massiert. Ich merke insgesamt, dass mir Beckenboden- und Atemübungen guttun. Dabei mache ich beim Beckenboden keine Übungen, welche den Muskel stärken sollen (das ist bei mir kein Problem), sondern Entspannungsübungen.

Wie bei Dir ist meine Blase auch hyperaktiv, und ich vermute, dass dies die Verkrampfung im Beckenboden fördert. Im Gegensatz zu Dir kann ich die Blase aber nicht kontrollieren und bin inkontinent. Ich spüre aber trotz meiner aktiven Blase kaum Harndrang, was ich ebenfalls auf meinen verkrampften Unterleib zurückführe. Kannst Du denn ‚in einem Zug‘ due Blase entleeren, oder ist Dein Strahl wie bei mir abgehakt?

Im Internet bin ich auf das Stanford-Protocol gestossen, welches ein systematische Vorgehensweise mit Beckenbodenschmerzen beschreibt. Vielleicht wäre das ein Versuch wert?

Herzliche Grüsse
Martin

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01 Mai 2020 13:48 #3 von Elkide
Liebe Lavendel,

kann sehr gut mitfühlen, was du im Moment mitmachst.

Meine Diagnose lautet auch: Neurogene Blasenentleerungsstörung mit Detrusor Sphinkter Dyskoordination und Urge-Symptomatik bei funktionell hypersensibler, kleinkapazitärer Blase mit Durchführen eines intermittierenden Selbstkatheterismus. Mischinkontinenz sowie Stuhlinkontinenz mit Durchführen der Irrigation. Hinzu kommt ein chron. Schmerzsyndrom nach drei Bandscheibenvorfällen und zweimaliger Rückenoperationen.

Habe meine Diagnose so ausführlich geschrieben, weil ich Dir zeigen möchte, dass es mir trotzdem inzwischen sehr gut damit geht. Was man braucht ist viel Geduld und Optimismus. Für die Dranginkontinenz bekomme ich alle vier Monate Botox. Für die anderen Probleme helfen mir die Schrittmacher (sakrale Neuromodulation). Für die Schmerzen bekomme ich Opiate und Medikamente gegen Nervenschmerzen sowie Psychopharmaka. Hinzu kommt Krankengymnastik zweimal wöchentlich. Das hört sich vielleicht erstmal nicht so gut an, aber alle meine Ärzte sagen mir, dass es auf die Lebensqualität ankommt und die habe ich durch alle diese Maßnahmen.

Die Krankengymnastik für den Beckenboden macht eine Physiotherapeutin mit einer Zusatzqualifikation speziell für den Beckenboden. Nur mit dieser Zusatzqualifikation darf sie von der Scheide oder dem After aus Übungen unterstützen, damit man überhaupt erstmal den Beckenboden spürt.

Kann Dich nur ermutigen, alles auszuprobieren was Dir evtl. helfen könnte. In der Uro-Neurologie in Herne bist Du auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Von der Klinik habe ich jedenfalls schon viel Gutes gehört.

Wünsche Dir, dass Du bald die für Dich richtige Behandlung findest.

Alles Liebe
Elke

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