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Beinbeutel, Bettbeutel was muss auf das Rezept etc.

24 Apr 2016 20:02 #1 von Angehörige
Guten Abend!

Ich bin ganz neu hier und mit vielen Fragen.

Mein Vater Alter 75 hat nach einer Herzklappenop nur urologische Probleme und wurde von Klinik zu Klinik geschickt, letztendlich ist er jetzt erstmal in der Herzreha nach 7 Wochen Krankenhausmarathon mit Dauerkatheter. Nach der Reha soll er zu seinem Urologen der in dann zur Prostata OP und weiteren Betreuung in eine geeignete Klinik einweisen soll ...

.... alles sehr spannend und alle ziemlich hilflos und keiner sagt einem wo es lang geht.

Freue mich auf einen interessanten Austausch und darüber von Euch lernen zu dürfen.

Nun meine konkreten Fragen:
Ich habe meinem Dad für die Reha Beinbeutel von Coloplast besorgt damit er etwas mobiler am Ergometertraining teilnehmen kann. Das funktioniert auch ganz gut und die Fitness steigt. Da aber weder Klinik noch Reha verschreiben wollten, habe ich erstmal selber gekauft.
Nach der Reha möchte der Hausarzt nun weiterverordnen, aber was genau muss auf das Rezept und was passt zusammen an Bein und Bettbeuteln.

Besser Einmalbeinbeutel und EinmalBettbeutel (also Verwendung 1 Tag aufschreiben) weil ja umgesteckt werden muss.
oder
3 Tage verwendbare Beinbeutel von Coloplast mit EinmalBettbeuteln verwenden.
oder
können 3 Tage verwendbare Beinbeutel von Coloplast mit Bettbeuteln mehrere Tage verwendet werden???

Zur Zeit desinfiziert er immer fleissig Hände und Connectoren, aber sicher bin ich mir nicht das denn die Auswahl und Angaben im Internet finde ich sehr verwirrend. Weder Klinik noch Reha konnten und helfen und nun soll nächste Woche der Hausarzt ein Rezept ausstellen damit er auch im Urlaub mit uns selbst versorgt ist und wir es nicht wieder privat bezahlen müssen.

Wie viel wird verordnet und was ist sinnvoll noch privat zu investieren?
Beinbeutel
Bettbeutel

Also bitte bitte schnelle Hilfe bis zum 2.5. :-)

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24 Apr 2016 22:12 - 24 Apr 2016 22:15 #2 von matti
Hallo,

wenn dein Vater bereits seit sieben Wochen einen transurethrale Dauerkatheter trägt sollte zunächst dies einmal hinterfragt werden.

Es gibt nur sehr wenige Indikationen, die einen so langen Verbleib überhaupt rechtfertigen. Es bedarf immer einer sehr strengen, medizinisch begründeten Indikationsstellung. Die Beschränkung der Liegedauer eines Katheters ist auf das medizinisch notwendige Minimum zu beschränken.

Dies gehört zu den effektivsten und damit wesentlichen Maßnahmen zur Prävention von katheterindizierten, teilweise schwerwiegenden, gesundheitlichen Risiken und deren Folgen. Eine Tragedauer über fünf Tage hinaus stellt in aller Regel einen Behandlungsfehler dar!

Als Beispiele für medizinisch begründete Anwendungen eines Katheters gelten: akuter Harnverhalt, Notwendigkeit der Bilanzierung bei schwer kranken Patienten, Patienten mit urologischen Operationen, Förderung der Wundheilung im Bereich des äußeren Genitale bei Harninkontinenz, mehrstündige Operationen mit hohem Flüssigkeitsumsatz und die palliative Therapie am Lebensende (auf Wunsch des Patienten).

Als Beispiele für unnötige und hochrisikobehaftete Anwendungen eines Katheters gelten dagegen:
die Verordnung nur aufgrund einer Harninkontinenz des Patienten und eine Verlängerung der Katheterliegedauer, z. B. bei Patienten nach chirurgischen Eingriffen oder nach Abschluss der intensivmedizinischen Überwachung/ Bilanzierung. Zur rein pflegerischen Erleichterung stellt die Versorgung schon eine fast strafbare Körperverletzung dar.

Infektionsquellen sind die keimbesiedelte Perianalregion, der Genitalbereich und der Unterbauch (Schamhaare) des Patienten. Mit zunehmender Liegedauer eines transurethralen Katheters nimmt die Keimbesiedelung zu.

Deshalb ist in allen Fällen (es sei den eine Kontraindikation schließt dies ausdrücklich aus) einer längerfristigen (> 5 Tage) Drainage der Harnblase immer der suprapubische Harnblasenkatheter (SBK) vorzuziehen. Dieser durch die Bauchdecke gelegte Katheter hat entscheidende Vorteile gegenüber der Ableitung durch die Harnröhre. Durch die Umgehung der Harnröhre entfällt das Risiko katheterassoziierter Harnröhrenstrikturen und gefürchteter Infektionen. Zudem erhalten sie die problemlose Kontrolle von Spontanmiktion und Restharn.

Zu deiner eigentlichen Frage:

Keiner der vor dir aufgeführten Beutel ist zur Verwendung in Kombination mit einem Dauerkatheter geeignet. Bei der Harnableitung mittels Harnröhrenkatheter (gleiches gilt für die Ableitung über die Bauchdecke) ist immer ein steriles, geschlossenes Ableitungssystem mit Rücklaufsperre zu verwenden.

Das Umstecken des Beutels ist dringend zu vermeiden, es handelt sich um ein geschlossenes Ableitungssystem! Sowohl die Eigeninfektion wie die Kontamination des Umfeldes (Multiresistenzen) steigen sonst überprobortional. Soll beispielsweise ein Nacht- bzw. Bettbeutel angeschlossen werden, sollte dieser immer an bzw. über den Ablauf mit dem bereits angeschlossenen Beutel erfolgen. Dazu gibt es spezielle Konnektoren. Wird der direkt am Katheter befestige Beute über längere Zeit abgeklemmt, und dann wiederverwendet (nach der Nacht) ist die Infektionsgefahr extrem erhöht.

Theoretisch und in nicht wenigen Empfehlungen zu lesen, ist die Nutzdauer des Beutels dem Wechselintervall des Katheters gleich zu setzen. In der Praxis hat sich ein wöchentlichen oder zweiwöchiger Wechsel des Beutels bewährt. Auch dabei ist natürlich auf strengste Sterilität zu achten. Einfach ab und dran ist eine schwere Fehlanwendung.

Sowohl die Klinik, wie auch eine Rehaeinrichtung sind zur Stellung der notwendigen Hilfsmittel verpflichtet. Allerdings beziehen sich gerade Rehaeinrichtungen darauf, dass sie ausschließlich zur Indikation verbundenen Hilfsmittelversorgung verpflichtet sind. Dann besteht aber Anspruch auf Versorgung durch einen verschreibenden Arzt, beispielsweise den Urologen oder Hausarzt.

Alles in allem ist aber dringend die Notwendigkeit der derzeitigen Versorgung zunächst einmal zu hinterfragen!

Gruß

Matti

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25 Apr 2016 23:20 #3 von Angehörige
Hallo Matti!
Vielen Dank für Deine schnelle und ausführliche Anwort.

Also es ist ein Harnverhalt, wird der Katheter gezogen kommt erst etwas und zwar unkontrolliert wenn die Blase bis zum Anschlag gefüllt ist und der Schließmuskel nicht mehr kann.

Aufgefallen ist es erst nachdem zwei Kliniken die Nierenwerte nicht verbessern konnten, da hat dann mal eine Ärztin die Blase geschallt und danach gleich den Katheter gesetzt.

Okay dann kann ich also nur den Termin ohne Termin beim Urologen nach der Reha abwarten und schauen was im Urlaub so angedacht werden kann.

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