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Windel Versorgung über Krankenkasse

16 Okt 2020 20:13 #1 von Chris0706
Hallo zusammen,

ich werde seit ca 1,5 Jahren mit Windeln über einen großhandel versorgt.
Ich beziehe sehr saugstarke Windeln für nachts (Attends Slip 10 regular Plus), für die ich eine Zuzahlung leiste.
Tagsüber bekomme ich zuzahlungsfrei die Kolibri Comslip ultra.
Da ich an einer sehr starken Dranginkontinenz leide, verliere ich große Mengen Urin schwallartig.
Das bringt die "Kassenwindel" regelmäßig zum überlaufen.
Zur eigentlichen frage: habe ich zuzahlungsfrei Anspruch auf höherwertige Windeln, wenn die regulär von der Kasse bezahlten Windeln nicht ausreichen?

Habt ihr ggf eine Produktempfehlung für mich, also eine windel die lange hält und trotzdem halbwegs diskret ist?

Danke euch!

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16 Okt 2020 22:47 - 16 Okt 2020 23:02 #2 von stephanw
Hallo Chris,

grundsätzlich hast Du Anspruch auf eine medizinisch erforderliche, adäquate Hilfsmittelversorgung, ohne wirtschaftliche Aufzahlung. Damit ist auch schon klar, was der Streitpunkt mit Deiner Krankenkasse sein wird: Ist die Versorgung mit saugstärkeren Windeln medizinisch notwendig? Die Krankenkassen argumentieren so: wenn Du sozusagen "überversorgt" bist, ist das Dein Privatvergnügen und da darfst Du dann wirtschaftlich aufzahlen (wie das bei deiner Nachtversorgung der Fall zu sein scheint). Auch mit Hilfe des MDK werden sie versuchen, solche "frechen" Forderungen des Beitragszahlers abzuwehren.

Nun gibt es sicherlich keine exakte Definition, was genau noch angemessen und was überversorgt ist. Ich persönlich bin der Auffassung, dass es keine Überversorgung gibt. Es ist nun mal nicht exakt vorhersehbar, ob eine Inkowindel in einer Situation ausreichen wird oder nicht. Nehmen wir mal als Beispiel den Arbeitsweg mit dem Auto: ob nun ein Stau kommt und Du mit bereits durchnässter Windel solange festgehalten wirst, dass es zum nochmaligen Einnässen kommt und die Windel nicht mehr dicht hält, lässt sich einfach nicht planen. Sowas passiert mir immer wieder einmal und beweist einfach, dass ich mich im Zweifel für das saugstärkere Produkt entscheide. Ich kann nicht mit nasser Hose in der Arbeit ankommen, das wäre ein Desaster (bin Führungskraft in einem Industriekonzern).

Fazit: Im Grundsatz kann man definitiv einen Anspruch ableiten, es ist halt nur fraglich ob Du Deine Wunschversorgung auch durchgesetzt bekommst. Das geht oft nicht ohne Widerspruch- und/oder Gerichtsverfahren. Man liest aber immer wieder, dass die Gerichte durchaus im Sinne der Patienten urteilen. Aussichtslos ist so ein Schritt definitiv nicht.

Ich selbst bin in der komfortablen Situation, dass ich bei der GKV im Kostenerstattungsverfahren bin und über eine Restkostenversicherung bei einer PKV verfüge. D.h. ich nehm das monatliche Arztrezept, bekomme eine Rechnung vom Versorger (in meinem Fall Kiwisto), reiche die bei der GKV ein, ein Teil wird erstattet und den Rest zahlt dann die PKV. Das heisst bei mir konkret, egal wieviele Windeln ich für einen Monat brauche oder welches Produkt genau, ich bekomme von der GKV jeden Monat 21,82€ erstattet. Die Restsumme (meist 200+€/Monat) zahlt dann die PKV. Insofern ist es der GKV auch völlig schnuppe, welche Windel ich in welcher Menge beziehe.

Ich habe selbst eine starke Dranginko, also durchaus vergleichbare Situation:
Ich verwende tagsüber die Tena Slip Maxi (die hält meistens auch zwei Blasenleerungen - in meinem Fall jeweils ca. 250-300ml aus). Durch die stoffartige Oberfläche ist sie recht diskret und im trockenen Zustand sehr dünn (trägt auch unter eine Jogginghose oder Anzughose nicht auf). Sobald ich einnässe versuche ich zu wechseln, weil doch ein Risiko besteht das sie ausläuft (über 600ml wird es kritisch). Quillt ab dem 2. Einnässen stark auf, beim 1. Einnässen merkt man kaum was.

Nachts und wenn ich länger ohne Möglichkeit zum Wechsel unterwegs bin (z.B. Dienstreise, Wanderausflug, Kino mit Popcorn und Cola), verwende ich die BetterDry (mit Folie). Diese ist aber definitiv nicht diskret, raschelt deutlich und quillt stark auf, wenn sie voll wird. Dafür ist sie ein wahres Saugwunder. Für Seitenschläfer (wie mir) auch gut geeignet, da sie sehr hohe Seitenflügel hat. Seit dem ich sie verwende (ca. 2 Jahre) habe ich nur 1-2 ein nasses Bett gehabt, i.d.R. hält sie auch durch selbst wenn ich mal abends beim Saufen war und dadurch sehr stark einnässe. Ganz günstig ist sie nicht (15 Stück für ca. 18 €). Ist das Geld aber absolut wert! Meine Frau ist dankbar, dass ich ihr das Wäschewaschen ersparen kann.

Bzgl. Hautgesundheit kann ich sagen, dass ich nur selten Probleme mit "meinen" Windeln habe. Wenn es doch mal passiert, dass es Rötungen gibt, hilft ein Calendulaöl die Haut zu beruhigen. Aber das passiert ganz selten (seltener als 1 Tag pro Monat)

Hoffe, ich konnte Dir mit meinen Tipps helfen!

Grüße
Stephan
Folgende Benutzer bedankten sich: nikolaus

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17 Okt 2020 13:06 #3 von Chris0706
Hallo Stephan,

vielen Dank für deine ausführliche Nachricht.
Ich werde definitiv mein Glück bei der Krankenkasse versuchen.
Ich hab beruflich bedingt einfach nicht die Möglichkeit so oft zu wechseln (Meetings etc) und das auf der Arbeit etwas daneben geht wäre auch für mich ein Desaster.
Vlt hilft das und mein junges Alter um bei der GKV zu argumentieren...

Ich habe mir die Tena jetzt mal als Muster online bestellt und werde das mal testen.
Die Betterdry kenne ich ehrlich gesagt nicht, aber ggf werde ich die auch mal ausprobieren.

Gruß
Chris
Folgende Benutzer bedankten sich: stephanw

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17 Okt 2020 13:23 #4 von stephanw
Ich drück Dir die Daumen, dass Du Deinen Anspruch durchgesetzt bekommst.

Hinweis zur Betterdry: auf deren Seite kann man ein Musterpaket (mit 2 Stück glaube ich) bestellen, kostet allerdings ein paar €'s. Ist vielleicht besser, als gleich eine ganze Tüte zu Hause zu haben und nachher taugt sie Dir nicht.

Grüße
Stephan

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18 Okt 2020 13:30 #5 von Matthias1965
Hallo Stephan,
ich bin freiwilliges Mitglied bei einer gesetzlichen Krankenkasse und bekomme pro Monat 27 Euro für Inkontinenzartikel.
Auch ich lege grossen Wert auf eine gute Versorgung.
Ich bekomme vom Sanitätshaus pro Monat 1 Karton Tena Maxi Original (72 Stück) und leiste für diesen Karton noch 17 Euro Aufschlag. Diese 72 Stück reichen mir ca. 22 Tage, für den restlichen Zeitraum und für 30 Nächte bestelle ich komplett privat bei div. Onlinehändlern.
Auf meine Anfrage bei der GKV, ob ich nicht alles bei einem Onlinehändler einkaufen kann und ich ihnen monatlich die Rechnung zukommen lasse und sie mir die 27 Euro erstatten (bei professioneller Zahnreinigung so üblich), wurde mir gesagt, das sei lt. Sozialgesetzbuch verboten, Zahlung nur an Leistungserbringer.
Auch haben wir über die Möglichkeit des Kostenerstattungsverfahren gesprochen. Die Mitarbeiterin hat aber dringlichst abgeraten, da ich dann bei ALLEN med. Leistungen eine Privatrechnung erhalte, die i. d. R. wesentlich höher als die gesetzlichen Gebühren sind, also eine Privatversicherung der Restkosten unumgänglich ist.
Nun endlich meine Frage: welche Privatversicherung nimmt einen, wenn schon ein medizinisches Risiko vorliegt und was kostet diese im Monat. Hat es für Dich wirklich Vorteile?
Herzliche Grüße Matthias

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18 Okt 2020 15:54 - 18 Okt 2020 16:09 #6 von stephanw
Hallo Matthias,

ich war im Zeitraum 2005 - 2018 freiwillig in der PKV vollversichert und hab es in 2018 durch eine einmonatige Teilzeit geschafft, unter die Bemessungsgrenze zu kommen und war dann in der GKV pflichtversichert. Meine PKV konnte ich sonderkündigen und meinen Gesundheitsstatus in diverse Zusatzversicherung wie z.B. Zahn, Krankenhaus und besagten Restkostentarif einbringen (d.h. keine neue Gesundheitsprüfung). Jetzt hab ich den Vorteil, das ich bis auf ein paar marginale Einschränkungen im ambulanten Bereich wie ein PKV Patient auftrete, allerdings den Vertrag jederzeit kündigen kann wenn er mir zu teuer würde. Der ambulante Restkostentarif kostet ca. 130 EUR im Monat. Nicht ganz billig, aber als meine Inkontinenz und meine psychischen Probleme in mein Leben kamen war ich froh, schnell Facharzttermine und einen Psychotherapieplatz bekommen zu können (Beispiel: taggleichen MRT Termin bekommen, meine Frau hat als GKV Mitglied beim gleichen Arzt 8 Wochen warten müssen). Und eben mit den Vorteil, das mir die Inkontinenzwindeln komplett erstattet werden. Ich bin sehr froh, dass ich ohne grosse Diskussion mit einem Versorger meiner Wahl den Bedarf selbst bestimmen kann, so brauche ich ca. 8-9 Windeln täglich je nach Tagesverfassung durch ein entsprechend häufigeres Wechselintervall. Ich kann ohne Angst viel trinken (3-4 Liter täglich), ohne das ich rechnen muss ob meine Windeln noch reichen. Und ich sitze selten länger in meinem eigenen Urin, meine Nieren und Haut dankens mir. Sogesehen kostet mich die Versicherung defacto nichts, wenn ich allein die Windelkosten gegenrechne.

Nun zu deiner Situation:
Ohne eine solche Versicherung kann ich nur dringend davon abraten, das Kostenerstattungsverfahren zu wählen. Die GKV erstattet so in etwa bei normalen Arztbesuchen ca 10-20% der Kosten, Psychotherapie ist ein Ausreisser mit ca ca. 80%. D.h., du bleibst auf einem erheblichen Betrag sitzen. Da sind die 30-40 EUR für deine Windeln unter Umständen Peanuts, z.B. wenn Du mal dringend ein MRT brauchst und von den ca. 1000 EUR nur einen Bruchteil wiedersiehst.

Wegen Antrag für einen Restkostentarif:
Das Aufnahmeverfahren bei der PKV läuft wie bei jeder privaten Versicherung mit Gesundheitsprüfung ab, d.h. das vermutlich keiner unserer Forenteilnehmer Chance auf Aufnahme hat, es sei denn er/sie ist vor seiner Erkrankung Mitglied gewesen... :-(

Sogesehen hab ich einfach Schwein gehabt, dass ich meinen Gesundheitsstatus eines 25 jährigen (mein Alter als ich 2005 den PKV Vollversicherungsantrag gestellt hatte), in den Restkostentarif reinretten konnte.

Ich würde dir eher raten, Druck auf die GKV auszuüben, dass dir mehr Windeln ohne wirtschaftliche Aufzahlung geliefert werden. Auswegslos ist das definitiv nicht.

Viele Grüsse!
Stephan

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