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Pants - erhöhte Gefahr für Blasenentzündung?

06 Apr 2018 23:16 #1 von bineric
Hallo zusammen,

nach einer unfallbedingten Wirbelsäulen OP bin ich zwar relativ schmerzfrei und nur noch wenig bewegungseingeschränkt, aber leider immer noch Harn- und ab und zu Stuhlinkontinent. Der Urin läuft fast permanent bzw. 4-5mal pro Stunde entleert sich eine Portion, manchmal, wenn ich es denn mal merke, schaffe ich es den Fluß mit Anstrengung kurz zu unterbrechen. Das ist auch der Grund, weshalb ich keinen Katheter will - vielleicht schaffe ich es ja durch Training Besserung zu erreichen. Ich trage jetzt Pants und wechsle diese auch regelmäßig, habe aber Bedenken ob ich mir durch das ständige feuchte Klima nicht eine Blasenentzündung "züchte" und damit das Problem verstärke. Wenn mal ein unkontrollierter Stuhlabgang passiert merke ich das zumindest tagsüber direkt und wechsle und reinige dann auch sofort - diese Quelle ist also denke ich nicht relevant.
Welche Erfahrungen habt ihr?
Ist die Gefahr einer Harnwegsinfektion höher durch die Verwendung von Pants oder anderen Inkontinenzprodukten?

Danke schon mal

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07 Apr 2018 09:13 #2 von Sydney
Hallo
Leider geht nicht viel aus dem Profil und der Beschreibung hervor. Wenn du männlich bist, wäre Urinalkondom eine Alternative kombiniert mit Vorlagen. Bzw große Vorlagen mit Netzhose. Rede doch Mal mit Pflegedienst oder Spezialisten vom Hilfsmittel Lieferanten. Klingt ja alles nur vorübergehend. Auch ggf. auch über andere Medikamente solltest Du mit dem Arzt reden. Wo bist du behandelt worden?
Was stand in dem Arztbrief?
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07 Apr 2018 09:59 #3 von bineric
Nein, ich bin weiblich, 53 Jahre alt. Unmittelbar nach dem Unfall und der Op konnte ich weder Stuhl noch Urin kontrollieren. Stuhlkontrolle klappt solange er nicht zu weich oder gar flüssig ist meistens ganz gut und wird tendenziell besser. Darum habe ich auch die Hoffnung es auch mit der Harnkontrolle zu schaffen. Da ich vorher aber bereits eine leichte Harninkontinenz (Husten, heben,...) hatte, macht mir mein Arzt da keine großen Hoffnungen und würde mir am liebsten wieder einen Katheter verpassen. Nur habe ich mit dem gar keine Chance den Schließmuskel zu trainieren. Meine Beine habe ich schließlich auch wieder recht gut fit bekommen. Klar muss ich dankbar sein, dass es mir wieder so gut geht wie es mir geht, trotzdem will ich mich nicht mit der ständigen Pieselei abfinden. Ich glaube da ist noch Luft nach oben. Ich habe jetzt seit etwa 4 Wochen keinen Katheter mehr, bislang riecht nichts nach Infekt. Trotzdem habe ich Angst mir eine Blasenentzündung zu holen wenn ich immer im Nassen bin und damit die kleinen Erfolge, die ich bisher habe wieder zu zerstören.

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07 Apr 2018 11:37 #4 von herirein
Hallo Bineric,

wenn Du Blasendruck spürst und der Harnstrahl kurzfristig aufgehalten werden kann, ist durch intensives Beckenbodentraining eine Besserung nicht aussichtslos. Das Problem ist der Verlust der Grundspannung der Blasenmuskulatur, welche durch die Nervenirritation bei der WS-OP hervorgerufen wurde.

Der untere, also der Harnröhrenschließmuskel muss nun trainiert werden, einen Teil der Aufgaben des Blasenschließmuskels mit zu übernehmen. Dabei hilft es der gesamten Beckenbodenmuskulatur ihre Kraft zu erhalten und möglichst noch etwas zu verbessern und speziell den Muskel, der Dir immer schon geholfen hat den Harnstrahl zu unterbrechen weiter aufzutrainieren. Gleiches gilt bei der Defäkation für den Anusschließmuskel. Wichtig dabei ist, besonders den Harnröhrenschließmuskel nicht zu überfordern. Das wird also eine sehr langwierige Maßnahme, wie aus meiner Erklärung schon ersichtlich ist.

Ich selbst bin seit meiner Darmoperation, wegen der Läsion des zuständigen Nervenbündels auch komplett harninkontinent, habe als Mann aber den Vorteil tagsüber den Harn mit Urinalkondomen auffangen zu können. Des Nachts verwende ich auch Pants, welche Morgends vollkommen durchnässt sein können. Deshalb nehme ich zusätzlich noch hochsaugfähige Vorlagen. Das mache ich seit Julie 2017 und verspüre durch mehrmaliges tägliches Training ganz langsam Besserung.

Den größten Fehler den man bei Harninkontinenz machen kann ist weniger zu trinken. Dadurch kommt es zu der Gefahr, dass Bakterien in die Blase aufsteigen, weil sie nicht durch den Harnfluss in ausreichendem Maße ausgeschwemmt werden. - Außerdem ist die Gefahr einer Blasenentzündung durch Selbstkatheterisieren deutlich höher.

Du solltest den eingeschlagenen Weg intensivieren und dabei bestimmte Grundsätze nicht vernachlässigen, vor allem aber Dich in Geduld üben.

Alles Gute und viele Grüße
Heribert

Menschen sind wie Engel mit nur einem Flügel,
um fliegen zu können müssen wir uns umarmen
(Luciano de Crescenzo)
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07 Apr 2018 12:41 #5 von bineric
Den Blasendruck spüre ich leider gar nicht, wohl aber gelegentlich wenn sich ein "Schwall" entleert. Den kann ich dann manchmal ganz kurz unterbrechen, aber nie wirklich bremsen. Es ist leider sehr wechselnd, manchmal habe ich das Gefühl und ich merke es dann auch beim Wechseln, dass es permanent rinnt. Da muss ich dann schnell sein. Seit 2 Wochen ist es aber manchmal ein kleiner Schwall, was für mich ein Zeichen ist, das die Blase zumindest zeitweise für kleine Mengen dichthält. Welche saaugfähigen Vorlagen verwendest du? Da darf doch dann keine Folie dran sein? Wenn ich nachts mal nicht wach werde zum wechslen, ist die Bettauflage sehr nass. Das würde mir vielleicht auch helfen. Trinken muss ich seit meinem 17. Lj (nach mehrfachen Nierenbecken- und Blasenentzündungen) mindestens 3 Liter am Tag, also gespült ist meine Blase bestimmt gut - aber ein Sensibelchen schon auch.

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07 Apr 2018 15:14 #6 von herirein
Es gibt Vorlagen von verschiedenen Firmen auch ohne Durchlaufschutz. Die sind eigendlich für Patienten mit Dauerkatheter vorgesehen, eignen sich aber auch als zusätzlich saugende Vorlagen für die Nacht. Von Senio gibt es die "San Seni V anatomische VLIES Vorlagen - MAXI". Selbstverständlich muss man die Pants dann entsprechend größer nehmen. Wenigstens verhindert man damit das Überlaufen in die Bettwäsche.

Ich merke inzwischen auch des Nachts, wenn sich die Blase gefüllt hat und kann mich dann per Urin-Ente im Bett entleeren. Das Intensive Training des Beckenbodens bringt also schon was. Man muss nur viel Geduld aufbringen. Zu Anfang habe ich auch keinen Blasendruck verspührt. Nervenfasern wachsen wieder nach, wenn auch langsam. Sie müssen nur ständig durch das Beckenbodentraining an ihre Aufgabe erinnert werden.

Es schadet nicht, wenn man ab und zu mal wieder ein paar Verordnungen für einen Physiotherapeuten bekommt, um bei den Übungen nichts falsch zu machen.
Wichtig! Mit solchen Anliegen vom Arzt nicht abwimmeln lassen, sein Budget würde das nicht hergeben. Also, dran bleiben.

Bei entsprechendem Leidensdruck, sind auch die Kassen oder Rentenversicherer bereit erneut eine Reha-Maßnahme zu genehmigen. Man kann sich dort auch telefonisch beraten lassen. - https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/01_kontakt_und_beratung/01_kontakt/01_telefonischer_kontakt_node.html -

Liebe Grüße
Heribert

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08 Apr 2018 14:27 #7 von Johannes1956
Liebe Bineric!

Eines sei einmal festgehalten: ein Katheter durch die Harnröhe ist niemals eine Dauerlösung! Der Harnröhrenkatheter ist nur im Notfall, bei Harnverhalt oder nach einer OP und nur für kurze Zeit zu verwenden.

Es sollte geklärt werden, welche Art von Inkontinenz du hast. Ist es etwa eine Überlaufinkontinenz, bei der du deine Blase nicht spürst und sie dann überläuft, wenn sie voll ist, könntest du intermittierenden Selbstkatheterismus machen.

Ist es ein Problem mit dem Schließmuskel und Beckenboden, wo du durch Training und eventuell auch Elektrostimulation Besserung erzielen kannst, könnte man einen vorübergehenden Bauchdeckenkatheter überlegen, den du verschlossen trägst und über ein Ventil regelmäßig deine Blase entleerst.

Das ist jedenfalls besser als ein transurethralen Katheter und auch besser als Windeln, wenn die Lösung aus ärztlicher Sicht möglich ist.

Alles Gute,

Johannes
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09 Apr 2018 20:10 #8 von bineric
Hallo Johannes,

lieben Dank für deine Tipps. Einen Bauchdeckenkatheter hatte ich 2mal. Beide haben sich bei mir maximal infiziert. Es scheint, mein Körper lehnt sie ab. Der letzte musste im November entfernt werden, dann kam der über die Harnröhre. Als da dann wieder ein Wechsel anstand wollte ich es ohne probieren. Wie soll ich den Schließmuskel effizient trainieren, wenn immer ein Fremdkörper in Blase und Harnröhre ist, war mein Gedanke. Ich fühlte mich auch durch den Katheter bzw. die Ableitung in meiner wieder gewonnenen wackligen Mobilität eingeschränkt - manchmal verliere ich etwas die Richtung und bin dann irgendwo hängen geblieben.
Zur Zeit komme ich mit den Pants ganz gut zurecht. Nachts werde ich den Rat von Heribert aufgreifen und aufpolstern, da bin ich mir seit meinem Erwachen heute morgen ganz sicher :oops:. Gestern hatten mich Freunde zum Griechen eingeladen (das erste Mal in einem Restaurant seit Juni), ich hab mir eine Cola dazu gegönnt und heute morgen war der Supergau im Bett. Gott sei Dank gibt es liebe Menschen, die mir dann aus der Misere helfen.
Trotz solcher Mißgeschicke werde ich es vorerst weiter mit Pants probieren. Kleine Erfolge habe ich schon erzielt, kurz Abzwicken wenn es schon läuft geht ja manchmal, auch wenn noch immer aller Urin in der Hose landet, Stuhlgang merke ich zu 75% rechtzeitig.
Irgendwann hört das ständige Rinnen auf und ich werde einen Harndruck spüren, und mit Sicherheit geht es dann immer noch in die Hose weil ich zu langsam bin ;).
Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich habe in den letzten 10 Monaten schon mehr geschafft als prognostiziert wurde und irgendwann werde ich es spüren wenn ich zur Toilette muß und dann auch schnell genug sein.

Es ist schön, dass ich hier eines meiner Probleme ansprechen darf, das alle Freunde zwar kennen und merken, sich aber mit wenigen Ausnahmen doch sehr schwer tun mit mir darüber zu sprechen.

Das tut gut, vielen Dank.
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