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Outen/ Verwandte, Freunde und Bekannte einweihen

10 Mai 2021 15:27 #1 von Sunnie
Hallo alle miteinander,

ein Thema brennt mir noch unter den Nägeln...

wer von Euch hat sich getraut sich zu outen und wie wurde es aufgenommen?

Ich habe dabei leider auch schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn man nicht mehr so mitmachen kann, ist man raus. Wenn ich mich getraut und erklärt habe, hatte ich das Gefühl, es wurde gar nicht richtig verstanden. Und wenn es doch richtig angekommen ist, wurde ich in Zukunft gar nicht mehr gefragt, ob ich auch dabei sein möchte. Es ist ja nicht jederTag gleich und man kann ja eventuell auch später los oder nachkommen, oder? Deshalb habe ich für mich entschlossen, es für mich zu behalten und (wieder) Ausreden zu erfinden.
Wie geht ihr damit um?

Viele Grüße
Sunnie

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10 Mai 2021 16:27 #2 von Frankfurter
Hallo Sunnie,

darf ich Dich mal fragen...männl. oder weiblich. Dein Alter ca ?

Hast Du NUR schlechte Erfahrungen beim Outen gesammelt.? Bei welchen Gelegenheiten ( ... zusammen weggehen aus Deinem Text entnommen ? In welchem Zusammenhang hast Du Dich geoutet oder musstest Du Dich outen ?

Meine Erfahrungen: Im Gesundheitsbereich wird das einfach zur Kenntnis genommen. In der Familie ...eben auch. Und Fremde hat es nicht zu interessieren welche Unterwäsche ( Stoff, Latex, Windel ) ich anhabe.

Grüsse

Frankfurter

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10 Mai 2021 19:18 #3 von stephanw
Hallo Sunnie,

ich hab mich bisher nur an sehr wenige Menschen offenbart:
- meiner Frau, selbstredend
- meiner siebenjährigen Tochter und habe ihr erklärt warum Papa wieder Windeln trägt
- einem lieben Pärchen aus unserem Freundeskreis auf Anraten meiner Psychotherapeutin (Erlernen eines besseren Selbstbild wegen meiner Inkontinenz)
- meinem Chef im Zusammenhang mit meiner Schwerbehinderung
- und natürlich eine ganze Menge Ärzte

Meine Erfahrung damit war bisher grundsätzlich positiv. Aber es gab bei allen mehr oder weniger einen Grund. Grundlos würde ich es keinem sagen, aber ich rede ja auch sonst nicht über meine Unterwäsche. Wobei ich manchmal schon gerne über meinen Schatten springen würde, aber da ist mir das Risiko viel zu groß.

Viele Grüße
Stephan

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10 Mai 2021 20:24 #4 von matti
Hallo Sunnie,

wenn du dich in einem Umfeld bewegst, welches so auf dich und deine Einschränkungen reagiert und dich ausschließt, hast du das falsche Umfeld. Punkt.

Wenn Du es als Konsequenz verleugnest oder verheimlichst, wirst Du von da an Zweifel haben bzw. dagegen ankämpfen. Das kostet wieder Kraft!

Ich nehme an, wir sprechen immer noch von deiner Erkrankung und nicht davon das du heimlich Kinder frisst. Es gibt nicht eine Begründung für Scham, Rückzug oder Heimlichtuerei.

Ich finde es immer wieder interessant, wie stark die Verwendung eines Hilfsmittel in den Mittelpunkt rückt, Hauptargument für ein Abwägen des Glücks ist.
Dies ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Der Rollstuhlfahrer, der Brillenträger oder der Nutzer eines anderen sichtbaren Hilfsmittels. Eigentlich müsste es ja korrekt der Querschnittgelähmte oder Muskelerkrankte oder der Kurz- bzw. Weitsichtige oder Sehbehinderte heißen. Rollstuhl und Brille sind ja nicht die behindernde Ursachen, sondern Hilfsmittel, welche die Behinderung ausgleichen bzw. erst Teilhabe ermöglichen.

So ist es beim Thema Inkontinenz doch auch. Schon die Einstellung man wäre Windelträger ist falsch. Der Betroffene ist inkontinent. Zum Ausgleich seiner Einschränkung trägt er/ sie ein Hilfsmittel. Das Hilfsmittel bekommt eine ganz andere Bedeutung, weniger negativ. Dies negiert deutlich weniger, sorgt also dafür eine ablehnende Haltung einer Sache gegenüber keinen so dominanten Platz mehr einzuräumen.

Du hast vielfältige Optionen: Irrigation, Analtampon, Stoma, Pouch, aufsaugende bzw. auffangende Hilfsmittel (ordentliche, für den Zweck bestimmt und keine Mullbinden!)…evtl. diverse konservative und operative Optionen.

Kopf in den Sand stecken, ist die schlechteste aller Optionen.

Gruß
Matti
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11 Mai 2021 07:43 - 11 Mai 2021 07:45 #5 von stephanw
Hallo Matti,

ich kann Dir grundsätzlich nur beipflichten und im Kern hast Du völlig recht. Ich finde es toll, wenn Menschen so wie Du über den Dingen stehen können und sich mit ihren Einschränkungen so gut arrangieren können. Für manche Menschen ist das allerdings nicht so einfach bzw. dauert sehr lange, bis einem das gelingt. Ich denke es hängt viel damit zusammen, welches Selbstbild man sich "aufgebaut" hat über den Verlauf des Lebens und wie eine Inkontinenz dieses Selbstbild tangiert. Von daher kann ich Sunnie's Bedenken & Ängste sehr gut nachvollziehen.

Ich nehme einfach mal mich als Beispiel: Mein Selbstbild war "jung, erfolgreich, durchsetzungsstark". Als die Inkontinenz mit all ihrer Konsequenz vor 3 Jahren in mein Leben kam wurde jeder einzelne dieser Punkt "angegriffen". Heute fühle ich mich eher "alt, krank, zerbrechlich". Also so ziemlich das Gegenteil meines damaligen Selbstbilds. Wegen anderer Probleme und auch wegen der Inkontinenz hat sich bei mir eine Depression entwickelt. Das Problem ist, dass viele die Vergangenheit nicht einfach so hinter sich lassen können. Ich beneide jeden, der das kann und einen guten Umgang mit seinem Schicksal schafft. Ich kann mich z.B. heute immer noch nicht im Spiegel ansehen, wenn ich da nur mit Windel bekleidet stehe. Und ich habe das Gefühl, dass ich das auch nicht schaffen werde, mich so zu akzeptieren wie es vermutlich am Besten für mich und meine Psyche wäre.

Ich bin seit Beginn der Inkontinenz in Psychotherapie und das Selbstbild war schon in dutzenden Sitzungen das Hauptthema. Es ist zwar verglichen mit der Anfangszeit etwas besser geworden, ich mache aber nur langsame Fortschritte. Es ist einfach unbeschreiblich schwer, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Klar ist mir bewusst, das eine Windel eigentlich ein super Hilfsmittel ist, welches mir überhaupt ermöglicht am Leben teilzuhaben. Wenn einem dann aber die Dinger in der Arbeit auslaufen und man vor seinen eigenen Mitarbeitern mit nasser Hose da steht, erlebt man mit so einer Vorbelastung ganz schnell wieder einen erheblichen depressiven Schub und man möchte sich am liebsten in das tiefste Loch verkriechen, was sich finden lässt.

Ich bin trotz dessen sehr stolz darauf, was ich bisher im Umgang mit meiner Erkrankung gelernt habe. Ich traue mich immerhin wieder, in den Urlaub zu fahren, einkaufen zu gehen, Freunde zu treffen. Wie heisst es so schön: Zeit heilt alle Wunden. Ich weiß für mich, das es ein langer Weg wird. Und ich schätze mich sehr glücklich, dass ich diesen Weg nicht alleine gehen muss: meine wunderbare Frau unterstützt mich wirklich sehr und ich habe eine tolle Psychotherapeutin, die eine Engelsgeduld mit mir hat.

Das Wichtigste ist meiner Meinung nach (gerade wenn einem die Akzeptanz der Krankheit schwerfällt), sich ein gutes Supportsystem aufzubauen aus Familie/Freunde, Therapeuten und Ärzte. Dann hat man die Chance, sich in die richtige Richtung zu entwickeln.

Viele Grüße
Stephan

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11 Mai 2021 08:06 #6 von Frankfurter
Hallo Stephan

aus Deinem obigen Post nur ein Satz

Wenn einem dann aber die Dinger in der Arbeit auslaufen und man vor seinen eigenen Mitarbeitern mit nasser Hose da steht, erlebt man mit so einer Vorbelastung ganz schnell wieder einen erheblichen depressiven Schub und man möchte sich am liebsten in das tiefste Loch verkriechen, was sich finden lässt.

Ja die Öffentlichkeit und nasse Hose . Da sehe ich doch die Möglichkeit dies zu verhindern. Tausche Dich doch mit anderen "Betroffenen" aus, und finde Möglichkeiten das "Auslaufen" in die Hose zu verhindern.

Ich habe auch lange experimentiert mit allen Möglichen Angeboten bis ich endlich den kleinstmöglichen Auslaufeffekt gefunden habe. Wichtig ist doch: NIE aufgeben. Denn sonst geht die Spirale der Unsicherheit nach unten los. Den Fokus auf Besserung richten und nicht schon morgens auf einen ( eventuellen) Unfall. Was sagt denn Deine Psychologin dazu ( Angst vor der Angst ) ??

Und wenn das Auslaufen nicht zu verhindern war: Einfach sagen was Dein Problem ist. Und ab diesem Zeitpunkt ist es kein Problem mehr für Dich.

Gruss

Frankfurter

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11 Mai 2021 09:08 - 11 Mai 2021 09:10 #7 von stephanw
Hallo Frankfurter,

in 99% des Fälle sind die Hilfsmittel ja zuverlässig und letztlich ist es ja immer eigene Blödheit, wenn dann doch was passiert. Das es eigene Blödheit ist macht die Sache jedoch nicht einfacher, da es der prächtige Nährboden für eine Angststörung ist. Das letzte Mal wo es mir passiert ist war, als ich mit meiner Familie die METRO besuchte und ich meinen Rucksack mit den Wechselsachen zu Hause habe liegen lassen. Da stand ich irgendwann mitten im Laden in einer Pfütze und der Einkauf war vorbei. Oder in einem Meeting in der Arbeit, in der ich eine längere Präsentation gehalten habe und ich vor Antritt der Präsentation der Meinung war, dass die Windel doch noch reichen müsste. Klar kann man sagen "selber schuld", aber wenn sowas passiert ist das für einen depressiven Menschen ein Weltuntergang. Du hast es richtig erkannt, ich habe neben der Depression auch eine Angststörung. Mich hat das letzte Jahr Corona gerettet, da ich seit dem fast nur noch im Home Office arbeite. Für die Angststörung ist das natürlich nicht so optimal, da man ja eigentlich einen normalen Umgang erlernen soll....

Grüße
Stephan

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11 Mai 2021 09:50 - 11 Mai 2021 09:51 #8 von Frankfurter
Hallo Stephan

ich bin schon als Jugendlicher ein "Übersensibelchen" gewesen. Aber das Leben hat mir gezeigt: Entweder geh unter, oder überlebe.

Lerne doch von Deinen "Unfällen". Das dürfte doch nicht so schwer sein, entsprechende Vorsichtsmassnahmen zu treffen.

Mein Physiotherapeut hat mir ein tolles Buch empfohlen: Panikattacken und andere Angststörungen LOSWERDEN von Klaus Bernhardt ISBN 978-3-00-05306-3. Nachdem ich mich in der Vergangenheit mit verschiedenen Eigensteuerungen ( :whistle: ) beschäftigt hatte und Seminare besuchte, ist dieses Buch - auf den neuen Erkenntnissen aufbauend - wirklich sehr gut.

Wie immer im Leben nicht davon träumen sondern mann muss esTUN . Das ist die Abkürzungen von Tag und Nacht.

Grüsse

Frankfurter

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11 Mai 2021 13:31 #9 von Frankfurter
Hallo Stephan

sorry "Nachtrag"

diese nassen Hosen lassen sich zu 100 % vermeiden:

Ich benutze bei solchen von Dir genannten Szenarien die Vorbereitung :

Urinalkondom !!

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit der Firma FIH in 74931 gemacht. Die Urinalkondome kannst Du mit separatem Kleber in breiter Fläche auf dem Penis auftragen. Somit grosse Haltefläche. Entsorgung selbst im Freien möglich :woohoo: . Am Rand einer Rasenfläche mal den Schuh richtig schnüren ....

Dre Chef der Firma ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen ( Sportunfall in jungen Jahren ). Personal sehr kompetent und freundlich.

Probier doch einfach auch mal diese Kondomurinal -Möglichkeit. Denn es kann nur besser werden, als die bereits erlebt: Es geht schon wieder in die Hose:evil:




Gruss

Frankfurter

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11 Mai 2021 13:42 #10 von stephanw
Hi Frankfurter,

Urinalkondome habe ich schon 3 mal ausprobiert. Habe mir Conveen Urinale geholt, mit einem Mehrkammerbeutel. Da stand ich tatsächlich auch mit nasser Hose da. Es gab einen Knick im Schlauch, dadurch Rückstau im Kondom und dann ist es mir mit einem großen Schwall vom Penis gerutscht. Ein anderes mal musste ich mit einem herunterrutschenden Beinbeutel kämpfen, der fast auf der Straße lag. Recht hohe Fehlerquote also und hat mich nicht wirklich überzeugt...

Wegen dem Krankheitsumgang:
Wenn Du mir vor 4 Jahren gesagt hättest, was ich für Probleme mit der Situation habe, hätte ich dich ausgelacht. Wenn man dann allerdings in einer Depression drinnensteckt ist es nicht so einfach, da wieder rauszukommen. Ich will nicht rumjammern - ganz im Gegenteil, ich bin stolz darauf, was ich schon erreicht habe. Das erste halbe Jahre bin ich gar nicht aus dem Haus gegangen, nicht mal zum Einkaufen. Da habe ich mir sukzessive mein Leben zurückerkämpft. Für Außenstehende ist es manchmal unverständlich, warum mir gewisse Dinge schwerfallen. Und um so einen Zwiespalt im persönlichen Gespräch nicht dauernd erleben zu müssen, halte ich den Kreis der "Wissenden" bewußt klein.

Grüße
Stephan

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