Der Gesetzgeber plant Einschnitte, die Ihre individuelle Versorgung mit Hilfsmitteln wie Einmalkathetern und Stoma-Produkten bedrohen. Statt persönlicher Lösungen drohen Einheitsversorgung und weniger Wahlfreiheit – mit Folgen für Lebensqualität und Sicherheit. Setzen Sie jetzt ein Zeichen und unterstützen Sie unsere Petition für eine menschenwürdige, bedarfsgerechte Versorgung!
Was bedeutet es, auf Selbstkatheterismus angewiesen zu sein – oder mit einem Stoma zu leben?
Stell dir vor, du wachst morgens auf, und dein erster Gedanke ist: Habe ich heute genug Katheter dabei? Wird der nächste Katheterwechsel schmerzhaft sein oder zu einer Infektion führen? Oder: Hält mein Stomabeutel heute dicht? Kann ich ohne Angst das Haus verlassen? Für uns – Menschen mit Blasenentleerungsstörungen, die auf Selbstkatheterismus angewiesen sind, oder mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) – sind diese Fragen ständige Begleiter. Die Sorge, ob die Versorgungssicherheit gewährleistet ist oder ob abgezählte Stückzahlen ausreichen, darf nicht unser Alltag bestimmen. Die Unsicherheit, ob die Hilfsmittel funktionieren, ob alles hygienisch bleibt, ob Komplikationen auftreten, bestimmt unseren Alltag und unser Sicherheitsgefühl.
Ob Selbstkatheterismus oder Stoma: Das richtige Hilfsmittel ist keine Frage des Komforts, sondern entscheidend für unsere Gesundheit, Unabhängigkeit und Lebensqualität.
Selbstkatheterismus bedeutet:
Wir müssen mehrmals täglich einen Katheter in die Harnröhre einführen, um die Blase zu entleeren. Jeder Vorgang birgt das Risiko von Infektionen, Schmerzen und sogar Verletzungen der Harnröhre – mit teils gravierenden Folgen. Die richtigen Hilfsmittel sind dabei keine Luxusgüter, sondern Voraussetzung für ein Leben mit Würde, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Mit einem Stoma zu leben heißt:
Wir haben eine chirurgisch geschaffene Öffnung in der Bauchdecke, durch die der Darm oder die Blase nach außen geleitet wird. Ausscheidungen werden in einen Beutel abgeleitet, der rund um die Uhr sicher und dicht halten muss. Schon kleine Undichtigkeiten können zu Hautproblemen, Gerüchen, Angst vor peinlichen Situationen und sozialem Rückzug führen. Die ständige Sorge um Hygiene, Diskretion und Sicherheit begleitet uns überallhin.
Die richtigen Hilfsmittel sind dabei keine Luxusgüter, sondern Voraussetzung für ein Leben mit Würde, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Mit der derzeitigen Versorgung wird genau das sichergestellt:
Unsere Lebensqualität und Selbstständigkeit werden dadurch ermöglicht, dass wir individuell passende Produkte erhalten – und dazu professionelle Beratung und persönliche Betreuung. Es gibt keine Einheitslösung: Nur durch die Kombination aus individueller Produktauswahl, fachkundiger Anleitung und kontinuierlicher Unterstützung können wir sicher, aktiv und selbstbestimmt leben.
Doch genau diese individuelle Versorgung ist jetzt durch die geplante Gesetzesänderung in Gefahr! Was ist das Problem?
Mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (§ 36 SGB V) sollen Festbeträge für Hilfsmittel deutlich ausgeweitet werden. Das bedeutet: Der günstigste Preis steht künftig vor der Versorgungs-Qualität. Im schlimmsten Fall heißt das: Eine kassenfinanzierte Standard-Versorgung für alle – egal, ob sie individuell passt oder nicht. Wer andere Hilfsmittel benötigt, muss dann aus eigener Tasche dazuzahlen.
Aber eine Standard-Versorgung, die für alle passt, gibt es nicht!
Was für eine Person funktioniert, kann für eine andere zu Komplikationen wie Hautproblemen, Undichtigkeiten, Infektionen, Schmerzen oder Wunden führen. Für viele Betroffene bedeutet das eine existenzielle Einschränkung ihrer Menschenrechte, ihrer Grundrechte, ihrer Teilhabe.
Der Gesetzgeber plant Änderungen, die die individuelle Versorgung mit Hilfsmitteln wie Einmalkathetern (ISK) und Stoma-Produkten gefährden.
Statt persönlicher Lösungen drohen Einheitsversorgung und weniger Wahlfreiheit – mit Folgen für Lebensqualität und Sicherheit.
Gemeinsam mit Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. und Inkontinenz Selbsthilfe e.V. setzen wir uns für eine menschenwürdige, bedarfsgerechte Versorgung ein.
Was wir als Betroffene konkret befürchten:
- „Ich fürchte, dass ich durch einen neuen, von der Kasse vorgegebenen Katheter wieder ständig Blasenentzündungen bekomme – so wie damals, als ich nicht das passende Modell hatte.“
- „Was, wenn mein bisheriger Stomabeutel nicht mehr übernommen wird und ich auf ein anderes Modell umsteigen muss, das nicht dicht hält? Die Angst, wieder wochenlang das Haus nicht verlassen zu können oder nachts auszulaufen, ist für mich sehr real.“
- „Der Gedanke, dass ich künftig für das richtige Hilfsmittel selbst zahlen muss, macht mir große Angst. Ich habe Angst, meine Selbstständigkeit zu verlieren.“
Diese Sorgen sind keine Theorie – sie sind aus unserer eigenen Geschichte gewachsen. Wir wissen, wie schnell die Lebensqualität leidet, wenn die individuelle Versorgung nicht mehr gesichert ist.
Wir erleben schon heute einen schleichenden Qualitätsverlust bei Beratung, Anleitung und Nachsorge, der durch Festbeträge noch verschärft wird. Das kennen wir noch aus den Zeiten, als die Qualität der Hilfsmittelversorgung durch Ausschreibungen der Krankenkassen massiv gelitten hat. Eine professionelle, medizinisch notwendige Hilfsmittel-Versorgung benötigt immer Zeit, Fachwissen, wiederholte Anleitung und Erfahrung. Genau diese Leistungen fallen zuerst weg, wenn der finanzielle Rahmen enger wird.
Es geht um ganz alltägliche Dinge:
- Für Menschen mit Selbstkatheterismus: den Alltag bewältigen können, ohne ständig Angst vor Infektionen, Entzündungen oder Verletzungen zu haben – und ohne Sorge, dass eine falsche Versorgung zu Krankenhausaufenthalten oder dauerhaften gesundheitlichen Schäden führt.
- Für Stomaträger*innen: einfach nur in der Öffentlichkeit unterwegs sein, ohne Angst vor peinlichen Situationen, Undichtigkeiten oder sozialem Rückzug.
- Der sichere Weg zur Arbeit
- Familienausflüge ohne ständige Sorgen
- Nächte ohne Angst, in den eigenen Ausscheidungen aufzuwachen
- Urlaube ohne Krisenpläne
Das ist keine theoretische Debatte. Es geht um eine essenzielle medizinische und therapeutische Hilfsmittel-Versorgung, die die Würde, Teilhabe und Selbstbestimmung der Betroffenen sichert.
Unsere Forderungen an die Politik:
- Bedarf statt Billiglogik: Die Hilfsmittelversorgung muss sich am individuellen Bedarf orientieren, nicht am niedrigsten Preis – für alle Betroffenen, egal aufgrund welcher Behinderung.
- Wahlfreiheit statt Zwangswechsel: Betroffene müssen weiterhin, ohne Zuzahlung, das Hilfsmittel erhalten können, das für sie medizinisch und persönlich geeignet ist.
- Beratung statt Versorgungslücke: Anleitung, Schulung und Nachsorge durch ausgebildete Expert*innen müssen Teil einer qualitätsgesicherten Versorgung bleiben.
- Menschenwürde statt Minimalversorgung: Hilfsmittelversorgung in intimen Lebensbereichen darf nicht auf einen möglichst billigen Standard reduziert werden.
- Selbsthilfe und Fachpraxis beteiligen: Betroffene, Angehörige und Fachleute aus der Stoma-, Inkontinenz- und Katheterversorgung müssen verbindlich in die Ausgestaltung von Versorgungsqualität und Preis einbezogen werden.