Vereinsnachrichten

Alternatives Erstattungssystem für eine bessere Inkontinenzversorgung

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Einen neuen Vorschlag zur Verbesserung der Inkontinenzversorgung hat das global führende Hygiene- und Gesundheitsunternehmen Essity im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Berlin vorgestellt, zu der die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. eingeladen war. Der sogenannte Inko-Score ermöglicht Ärzten und Pflegern bei der Ermittlung des Versorgungsbedarfs besser auf die individuelle Situation des Patienten einzugehen.

Essity begrüßt in diesem Zusammenhang das Vorhaben des Bundesgesundheitsministers, künftig auf Ausschreibungen bei Hilfsmitteln verzichten zu wollen.
Etwa sieben bis acht Millionen Deutsche sind von Inkontinenz betroffen – also etwa jeder Zehnte. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher liegen, denn viele Betroffene schämen sich, offen über ihr Problem zu sprechen. „Inkontinenz ist nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu“, sagte Joachim
Dehmel, Commercial Director Deutschland bei Essity. Die Betroffenen trauten sich nicht, über ihr Problem zu sprechen und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Eine unzureichende Inkontinenzversorgung verstärkt die emotionale Belastung zusätzlich und führt mitunter sogar zu Depressionen“, so Joachim Dehmel.

Niedrige Versorgungspauschalen

Durchschnittlich ca. 17 Euro stehen gesetzlich Versicherten derzeit für Inkontinenz-Produkte pro Monat zur Verfügung. „Das ist eindeutig zu wenig, um auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen“, kritisierte Torsten Strauß, Public Affairs Manager bei Essity. Eine individuelle Versorgung sei mit einer solch geringen Pauschale nicht möglich. „Inkontinenzpatienten werden damit in ihrem Recht auf soziale Teilhabe beschnitten“, bringt es Torsten Strauß auf den Punkt. Diese Situation dürfe nicht weiter hingenommen werden. Denn die aktuelle Erstattungssystematik habe dazu geführt, dass sich die Versorgung der Betroffenen verschlechtert. „Deshalb wollen wir weg von der einseitigen Orientierung am günstigsten Preis, hin zu einem differenzierten Versorgungsansatz, der den Patienten in den Mittelpunkt stellt“, erläuterte Torsten Strauß.

Um dieses Ziel zu erreichen, stelle Essity gerne das Wissen aus über 50 Jahren Kontinenzversorgung mit der Marke TENA zur Verfügung.
Abhilfe schaffen soll ein neues Modell. Es wurde von Essity gemeinsam mit Betroffenenvertretern sowie Experten aus Pflege und Politik entwickelt. Ziel ist, die Qualität der Inkontinenzversorgung messbar zu machen. „Dies sei ein erster Schritt, um für die Betroffenen gesellschaftliche Teilhabe und eine soziale Kontinenz erreichen zu können“, erläuterte Torsten Strauß.

So funktioniert der Inko-Score

Der sogenannte Inko-Score ermöglicht dem Arzt, der Pflege oder dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) eine individuelle Ermittlung des Versorgungsbedarfs. Das Kriterium „Versorgungsform“ bildet hierbei die Basis und unterscheidet zwischen der häuslichen und vollstationären Versorgung. Darüber hinaus nutzt der Score die durch den MDK ermittelten Punkte zur Bestimmung des Pflegegrads. Hierzu werden inkontinenzbezogene Kriterien des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) eigens gewichtet und hinzuaddiert. In Einzelfällen, beispielsweise wenn der Pflegegrad noch nicht feststeht oder bei speziellen pädiatrischen Fällen, können über die Härtefallregelung weitere Punkte hinzugefügt werden. Der Wert eines Punktes muss regelmäßig unabhängig und anhand zuvor festgelegter Kriterien ermittelt und dynamisiert werden. Die muss durch ein neutrales Gremium, beispielsweise durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter der Beteiligung der Marktteilnehmer erfolgen.

Experten diskutieren am runden Tisch


Das neue Modell wurde jüngst in Berlin mit hochrangigen Gesundheitspolitikern, Leistungserbringern, Pflegeexperten und Betroffenen, darunter auch dem Vorsitzenden der Inkontinenz Selbsthilfe e.V., an einem runden Tisch diskutiert. Der Vorschlag erfuhr dabei eine breite Zustimmung. „Jeder Patient muss die Versorgung erhalten, die er benötigt, um am sozialen Leben teilhaben zu können“, sagte der Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne, der in der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Berichterstatter für Heil- und Hilfsmittel ist. „Teilhabe heißt für mich, dass der Patient auf Augenhöhe mitreden kann. Nur so kann er entscheiden, was für ihn die richtige Versorgungsqualität ist“, erklärte Heidi Hauer, Patientenvertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und Peer Counseling für Betroffene Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.

Vorteile für das Versorgungssystem

Der Inko-Score hat gleich eine ganze Reihe von Vorteilen für das gesamte Versorgungssystem. „Ärzte, die Pflege und der MDK können den Versorgungsbedarf der Patienten präzise ermitteln“, erläuterte Torsten Strauß. Gleichzeitig würden Krankenkassen bürokratisch entlastet und Hersteller könnten wieder einen fairen Qualitätswettbewerb führen. „Doch am wichtigsten ist, dass Patienten eine individuellere Versorgung erhalten und die Aussicht auf soziale Kontinenz haben“, so Torsten Strauß. Zudem profitiere auch die Solidargemeinschaft von einem Wegfall der Transaktions- und Folgekosten im Zuge einer bürokratischen und dennoch oft mangelhaften Inkontinenzversorgung.

Dramatische Verschlechterung der Versorgung

Die Einführung von Ausschreibungen und Verträgen nach § 127 SGB V hatte im Bereich der saugenden Inkontinenzvorlagen zu einer Verschlechterung der Versorgung mit aufzahlungsfreien Inkontinenzeinlagen und -hosen geführt. Der Gesetzgeber reagierte mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz auf die Versorgungsmängel. „Wir begrüßen in diesem Zusammenhang das Vorhaben des Bundesgesundheitsministers, künftig auf Ausschreibungen bei der Hilfsmittelversorgung verzichten zu wollen“, so Torsten Strauß. „Unser Modell bietet der Politik darüber hinaus einen konkreten Ansatz, weitere Verbesserungen für die Betroffenen umzusetzen.“

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