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komplizierte Inko

10 Jun 2010 23:04 #1 von Achim67
Hallo ersma!

Ich (m43) habe seit einem "guten" Jahr eine vor allem den Harn betreffende Inkontinenz, die, wie hier so oft zu lesen ist, nicht ganz klar erklärt ist. Aufgetreten sind die Beschwerden in einer Phase in der eine Kieferentzündung in einen wochenlangen grippalen Infekt überging, eine Blasenentzündung und der gefundene Bandscheibenvorfall also beide unbemerkt geblieben sein können. "Natürlich" bin ich viel zu spät mit dem Problem zum Arzt, als dass sich ein klarer Bezug hätte herstellen lassen.

Ich konnte zwei Formen von unkontrolliertem Urinabgang feststellen, die eine Form relativ mild bei gefühlt leerer Blase und nach ca. 50ml anhaltbar, aber immer ausgelöst von Triggerreizen wie Kälte oder Vibration (Zapfpistole, Rasierapparat...) und die andere urplötzlich, sehr schmerzhaft mit einer unhaltbaren kompletten Blasenentleerung.

Meine anfängliche Abneigung zum Arzt zu gehen habe ich schließlich aufgegeben, aber so viel Ärger mit Kurpfuschern erlebt, dass mir die Lust grad wieder vergangen ist und ich erstmal wieder etwas Kraft tanken möchte. Ich bin Privatpatient, also jemand, an dem man erstmal so richtig alles ausprobieren kann... zum Beispiel diverse Medikamente gegen Reizblase, die als Wirkung die einnässmenge erhöhten udn sowieso unerhörte Nebenwirkungen zeigten. Nach MRT von Kopf bis Fuß fand sich ein Bandscheibenforfall zwischen 8. und 9. Brustwirbel, der zwar nicht besonders schwer sei, aber doch den Liquorraum aufgezehrt, die Nervenhaut verletzt (Myelonkontakt") und das Rückenmark rein von der Form her auf 2/3 des Durchmessers zusammengedrückt hat. Weil die Beschwerden aber seit einem Jahr unverändert sind und ich keine wesentlichen Schmerzen habe, bin ich mit den Ärzten einig, das nicht operieren zu lassen (das Risiko einer konventionellen OP von vorn an Herz und Lunge vorbei halte ich für viel zu hoch). Außerdem fanden sich oligoklonale Banden in Liquor und serum, davon zusätzliche Banden im Liquor, was auf einen entzündlichen Prozess im ZNS deutet (für eine MS zum Glück zu schwach und auch keine Entzündungsherde) weshalb ich mal annehmen möchte, dass es sich um Stoppliquor handeln könnte und der beschädigte Nerv ohnehin tot ist. Eine psychische Ursache stand zwischenzeitlich auch einmal zur Debatte, nur gingen die Pfuscher von völlig falschen Informationen über mein Leben aus... (man könnte damit einen eigenen Thread unter dem Titel "der psychotische Professor" füllen.. wie in einem schlechten Film) Eine Urodynamik wurde zum Glück zweimal durchgeführt und zwar beide Male unterschiedlich fehlerhaft, so dass sich durch etwas Nachdenken mein Problem gut erklären lies. (auch zum Thema Urodynamik werde ich bestimmt bei passender Gelegenheit noch einen Beitrag schreiben)

Der Stand der Ermittlungen ist, dass ich kein Blasenfüllungssignal empfinde. Bekommt die Blase wenn sie einigermaßen voll ist ein Triggersignal, dann beginnt sie mit der Entleerung, ich kann aber stoppen und habe nun gelernt, dass ich trotz des exakt gleichen Gefühles wie früher bei einer angenehm vollständig entlleerten Blase sofort zum Klo muss um nicht bald den nächsten Unfall zu haben... die Blase ist nämlich dann voll und fühlt sich bloß leer an. Habe ich bei langem gelcihmäßigen Sitzen o.ä. keinerlei Triggerreiz, dann kommt es nach einer gewissen Zeit zum schmerzhaften Totalausfluss... die einzige Sensorik die in der Blase funktioniert ist der Bereich Schließmuskel/Prostata, ich kann den Schmerz zuordnen, er entspricht dem beim Einführen eines Kathters, was bei mir äußerst schwierig ist, weil der Schließmuskel total verkrampft ist (ist so kräftig, dass er einen Urodynamik Katheter zuquetschen kann) ... tagsüber vermeide ich nun Unfälle durch häufigen Toilettengang, Nachts nässe ich große Mengen ein, davon teilweise aufgewacht mit Schmerzen, teilweise unbemerkt...

Besonders rätselhaft finde ich den Triggerzusammenhang, den keiner meiner Ärzte erklären konnte.. es kommt mir vor wie der photische Niesreflex (Niesreiz beim Blick in helles Licht, weil der dann stark bestromte Sehnerv bei manchen Menschen zu nah am Nasennerv liegt und überstrahlt.... ob bei mir durch die Nervenverschiebung beim Bandscheibenvorfall der Parasymphatikus ..oder wie der heißt... zu nah an einen Hautsensornerv gedrückt wurde? ist diese Phänomen irgendwem bekannt?

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11 Jun 2010 00:04 #2 von eckhard11
Hallo und guten Abend, Achim,

der Zusammenhang zwischen einem Bandscheibenvorfall und einer daraus resultierenden Inkontinenz ist schon lange bekannt.
Es ist durchaus möglich, bei Dir sogar wahrscheinlich, dass der Nerv - mal mehr, mal weniger - gequetscht wird und es dadurch zu den unterschiedlichen Entleerungsstörungen kommt.

Ich denke, Dir kann nur ein wirklich versierter Neurologe helfen.
Die Wickert-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen hat einen guten, neurologischen Ruf.

Bis Dir geholfen ist, solltest Du des Nachts ein Kondom-Urinal verwenden.
Dies hilft zwar nicht gegen die Ursache, hält aber das Bett trocken und Du kannst durchschlafen.

Erläuterungen über das Kondom-Urinal findest Du hier :
<!-- l --><a class="postlink-local" href=" www.inkontinenz-selbsthilfe.com/forum/viewtopic.php?f=54&t=713 ">viewtopic.php?f=54&t=713<!-- l -->

Die Verkrampfung des Schliessmuskels deutet auf eine Spastik.
Hier könnte eventuell ein Medikament wie Spasmex oder Mictonorm helfen.
Aber Achtung : Diese Medikamente haben nicht geringe Nebenwirkungen.

Das Triggern ist ein altbewährtes Mittel, um die Blase zur Entleerung zu reizen, aber mittlerweile ist man davon abgegangen, da durch das Triggern die Blase und auch die Nieren sehr stark belastet werden.
Die Blase zieht sich zwar zusammen, aber der Schließmuskel öffnet sich nicht und so wird der Urin gegen den Widerstand des Schließmuskels herausgedrückt.
Es kommt dadurch zu einem hohen Druckanstieg in der Blase, welcher zu eine Reflux in die Nieren führen kann. Aus diesem Grund wird diese Technik nicht mehr angewendet.
Zusätzlich kann der Triggerreiz zu einer “Sucht” führen, die Blase entleert sich dann nur noch mittels triggern.

Es sollte von Dir also jeder Triggerreiz möglichst vermieden werden.
Ist nicht einfach, ich weiss, gar nicht einfach.
Und Du solltest tagsüber konsequent alle drei Stunden zur Toilette gehen, die Blase gewöhnt sich daran und macht weniger Schwierigkeiten, ( natürlich nicht innerhalb von einer Woche ).

Du musst in den Körper horchen, er gibt Dir früh genug Signale, Du musst diese aber verstehen lernen.
Ich z.B. habe eine orthotope Neoblase aus Dünndarm, ergo keinerlei Sensoren für den Füllstand mehr, aber inzwischen weiss ich meinen Blasenfüllstand sehr genau zu definieren.
Es ist eine Frage der Zeit, ich hatte inzwischen fast sieben Jahre davon.....

Gruß
Eck :sleep: hard
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11 Jun 2010 08:21 #3 von Achim67
danke für die Tips, die ich zum Teil ja auch schon befolge. Das Bett wird natürlich nicht nass, sondern nur die Windel und ich wache nicht von der Nässe darin auf, sondern von dem Schmerz kurz davor.. ich hätte dann oft noch 30 Sekunden um zum Klo zu rennen, aber dabei würd ich mir glaube die Knochen brechen und auf jeden Fall noch weniger Schlaf finden... ein Kondomurinal würde dieses Problem wohl nicht lösen und ich hätte auch kein Vertrauen dazu, weil ich mich zum einen Nachts viel bewege und vor allem aber manchmal sehr hohe Drücke entstehen (ein Pumpen von Krampf und Gegenkrampf bei Blase und Schließmuskel), dabei bekomme ich dann auch am ganzen Körper Gänsehaut.. ist das auch ein Bezug zur Kälteempfindlichkeit?

Triggern meint bei mir nicht, dass ich mir in den Unterbauch drücke (maximal spanne ich rhytmisch die Bauchdecke an um beim 2 stündlichen Toilettengang trotz Nichtmüssens die Blase zur Leerung zu veranlassen), sondern Phänomene, dass ich beim Einkaufen insbesondere in der Kühlabteilung plötzlich leicht einnässe wenn ich mal kurz vor einem Regal stehen bleibe, oder beim Tanken während ich die Zapfpistole festhalte, oder beim Rasieren, insbesondere der Kinnpartie, ein Effekt, der auch bei der Hirndurchblutungssonografie auftrat.... aber die Ärzte sagen, sie kennen sowas nicht, gibts nicht...

Der Bandscheibenvorfall sei ziemlich klein und dass nur der eine Nerv (und eine leicht taube Zone zwischen Rippen und Nabel) betroffen wäre, gäbe es eigentlich auch nicht..

gibts das? gibts mich? geb ich auf?

[attachment=0:2klxdt4v]<!-- ia0 -->Bandscheibe detail.jpg<!-- ia0 -->[/attachment:2klxdt4v]

:-( ich habe nicht die Berechtigung mein eigenes Bild anzusehen :-(( hoffentlich hab ich das richtige hochgeladen :-(((
Anhang:

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11 Jun 2010 11:43 #4 von Sebald
Hallo Achim,

klingt alles recht kompliziert und deswegen nach neurologischer Störung (Reflexblase). Diese kann sich über die Jahre Deines Prolaps' hinweg eingestellt haben. Eigentlich müßte sich sowas aber bei der Urodynamik abbilden. Was ist denn da genau schief oder komisch gelaufen?

Sollte der Schließmuskel derart verspannen, könnte man natürlich ein Muskelrelaxans geben, oder ein Mittel, das den Blasenhals erweitert. Davon wird die Inko nicht unbedingt besser, tut aber weniger weh.

Schönste Grüße,
Sebald

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11 Jun 2010 15:54 #5 von Achim67
ja, die liebe Urodynamik...

beim ersten Mal arbeitete eine Subunternehmerin mit ihrer Lernschwester in einer kühlen Rumpelkammer beim Urologen, schon die Montage des Katheters war unangenehm, die Blase im Rahmen der vorangehenden Urinprobenentnahme geleert. Der Unterleib war nicht abgedeckt, die Mädels liefen hin und her und machten sozusagen "Wind" in dem kleinen Raum. Das Gerät war sehr laut und rythmisch pumpend (was sich nach dem Prinzip des Dosentelefons sicher auf die Blase übertrug) zwischendurch ging die Kochsalzlösung aus und durch den Flaschenwechsel wurde die Füllung unterbrochen.... der Cheffin ging alles nicht schnell genug und so wurde zwischendrin zweimal die Pumpgeschwindigkeit erhöht... bei 380ml gab es einen kleinen Blasenzucker "Harndrang" und bei 512ml begann sie sich Sekunden nachdem ich Druck verspürte zu entleeren, was ich zwischendurch noch einmal stoppen konnte...

Diagnose "normale Blase" keine Reizblase

die zweite Messung beim zweiten Urologen (im Krankenhaus) erfolgte ohne vorherige Urinprobe (hatte ich am Tag zuvor sowieso schon abgegeben), die Schwester brachte den Katheter nicht hinein, ein herbei gerufener Pfleger auch nicht, aber der Arzt selbst drückte das Ding sehr geschickt per Hand durch meinen schmerzenden Schließmuskel. Es tröpfelte etwas Urin und die Schwester bemühte sich mit einer Spritze noch erfolglos den Restharn aus der Blase zu saugen (Fehler, denn durch den zusätzlichen Unterdruck quetschte mein Schließmuskel den Katheter zu). Mein Unterleib wurde mit einem warmen Handtuch abgedeckt und das sehr leise Gerät pumpte aus einer großen Flasche die Blase voll. Zwischendurch nannte die Schwester immer wieder die derzeitige Füllmenge und ich wartete im Geiste auf meine 512 und den bekannt unangenehmen Effekt, als urplötzlich bei einer Geräteanzeige von 385 ml, der schmerzende Schließmuskel zu platzen schien und sich schlagartig unhaltbar alles in einen Eimer ergoss. Es roch peinlicherweise nach Urin aber die geistesgegenwärtige Schwester überprüfte die Menge und siehe da, 600ml waren im Eimer. Es waren zuvor also unbemerkt 200ml in der Blase gewesen und durch die vollkommen ruhige Messung (auch Blasensignal absolut ruhig und auch bei der Hustprobe ohne nervöses Nachschwingen) hatte sich genau mein seltener Totalüberlauf eingestellt, die erste Messung war demnach nur mein getriggerter Urinverlust bei nicht ganz voller Blase.

Diagnose "Blase mit deutlich gestörter Sensorik"

Die Sache mit der Schließmuskelentspanung hatte ich als eine der vielen unangenehmen Nebenwirkung der verordneten Anticolinergica, als der erste Urologe noch an Reizblase dachte. Ich konnte damit den Urinverlust deutlich schlechter stoppen und hatte dadurch überlaufende Windeln (trotz Tena Slip Maxi) ... inzwischen wärs aber ne Überlegung wieder wert, weil ich ja durch den regelmäßigen Toilettengang tagsüber praktisch keine Unfälle mehr hab .. allerdings auch dünnere "Funktionswäsche"

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13 Jun 2010 12:31 #6 von Achim67
Und wo ich schon mal am Schreiben bin, noch ein kleines Tagebuch aus dem Krankenhaus, die Namen hab ich mal weggelassen, nicht dass noch jemand glaubt ich würde übel nachreden.. viellecith hilft dieser Text irgend jemandem, so wie mir in diesem Forum so manche Texte anderer, sich nicht so allein zu fühlen mit dem Ärger den man mitmacht:

Behandlung Universitätsklinikum Privatstation in der Neurologie Professor Dr. S, Oberärztin Dr. K, Ärztin Frau M, zusätzliche Einschaltung Prof. Dr. H Urologe Dr F.

Unklare Blasenentleerungsstörung Bandscheibenvorfall Verdacht auf MS
Auftrag durch die niedergelassene Neurologin Dr. Z: Lumbalpunktion und ggf. Myelografie.(Dr. Z sah den Prolaps als so ernsthaft an, dass ich unterschreiben musste, dass ich sofort in die Ntaufnahme gesollt hätte)

Montag:
Einchecken, leider in ein Zweibettzimmer mit einem ständig stöhnenden 80 jährigen bedauernswerten Patienten, der bei einer Knie OP einen Herzstillstand und einen Schlaganfall erlitten hatte) Im Beisein dieses Patienten und hereinplatzenden Besuchs werde ich bis auf Unterhose und Windel entkleidet neurologisch untersucht... nicht sehr würdig, aber auch nicht handwerklich geschickt, die Überprüfung der Reflexe insbesondere eines etwas tauben Streifens zwischen Rippen und Nabel gleicht mehr einem Durchkitzeln und führt zu keinem klaren Ergebnis (min 3 andere Ärzte haben es davor und danach allerdings zu einem solchen geschafft) Extrem unangenehm ist die Untersuchung des Analsphinktertonus, der bei mir extrem stark ist. Im Laufe meiner Erkrankung wurde das mindestens 5mal überprüft, aber niemand kam auf die Idee dort in drei Versuchen mit Schwung den Finger hinein zu rammen wie Dr. K.. ... die Schmerzen bleiben noch Stunden. (später wird Dr. K im Arztbericht behaupten, der Sphinktertonus wäre nur subjektiv so hoch (obwohl auf dem Bericht des Urologen „Sphinkter +++“ steht und alle anderen Untersucher dies auch feststellten) und wäre von mir willkürlich gesteuert.. Ich wäre wirklich froh gewesen in dieser Situation den Schließmuskel entspannen zu können, um zu verhindern, dass diese brutale ungeschickte Person mir Schmerzen zufügt.

Dienstag
Ich soll viel trinken für eine Blasenrestharnsonografie... (die war zwar beim niedergelassenen Urologen schon durchgeführt worden, aber nun gut, wenn die meinen..) Untersuchung erfolgt, kein Restharn... hätte mich auch gewundert... Auch Reizstrom und Magnetfluss wird noch mal durch meinen Körper gejagt... „lustig“ wenn dabei Blut aus der Kopfhaut auf die Magnetspule spritzt.... Statt Mittagspause gibt es heut Lumbalpunktion... tut ja irgendwie schon weh, aber die junge Ärztin Frau M ist handwerklich zum Glück geschickter als ihre Cheffin. (Ich muss vorher ein Merkblatt mit den Risiken unterschreiben, bekomme aber keine Kopie davon mit. Durch diesen organisatorischen Fehler habe ich nach der Entlassung 2 Tage höllische Kopfschmerzen, bis ich zufällig ergoogle, dass lagebedingter Kopfschmerz eine typische Punktions- Nebenwirkung ist (im Liegen gehts). „Vielen Dank“ Herr Professor für die gute Organisation und die Einsparung von Papier!) Direkt nach dem Eingriff soll ich auch 2 Stunden liegen (hatte Frau M gesagt), aber schon 30 Minuten danach soll ich noch mal schnell zum Kernspin... ich protestiere und darf liegen bleiben.. für noch mal 30 min, denn dann hilft alles Protestieren nichts und ich muss zum Hirndurchblutungsdoppler.. Ultraschall, sitze im selben Behandlungsstuhl wie schon am Vormittag bei der Restharnsono.. wirklich eine „erstklassige“ Organisation! .... unnötig zu erwähnen, dass diese Untersuchung auch schon von Frau Dr. Z durchgeführt worden war und in den mitgegeben Befunden als unauffällig dokumentiert war. Das krönende Ende dieses Foltertages setzt eine nochmalige Schädel MRT, Gott sei Dank ist im Hirn keine Thrombose, sondern nur eine pacchionische Granulation. Der Bandscheibenvorfall wird nicht noch mal untersucht, auch die von Dr. Z angefragte Myelografie findet nicht statt, der Vorfall sei unbedeutend heißt es und ich soll da auch nichts dran machen lassen.
(Fortsetzung folgt)

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13 Jun 2010 12:32 #7 von Achim67
Mittwoch
Die Nacht ist kurz, der Nachbar stöhnt ständig und stuhlt um 4 Uhr ein, wird versorgt und es wird gelüftet.... An einschlafen ist nicht zu denken, der Hausmeister räumt schon um 4:30 lautstark den Schnee auf den Mitarbeiterparkplätzen... „laut“ ist sowieso die Stärke dieses Krankenhauses, das Stockwerk unter der Neurologie wird gerade entkernt... Es wird gelegentlich auch mal das Wasser abgestellt, wie beruhigend Windeln zu tragen... Ansonsten passiert den ganzen Tag über nichts...außer einem Wechsel in ein Einzelzimmer. Um 17 Uhr schließlich kommt Dr K und bringt Professor H mit, der mir als zuständiger Fachmann für innere Neurologie vorgestellt wird, ein Herr der den ganzen Tag Latexhandschuhe trägt und sich offenbar wohl eher für einen Psychiater hält. Jedenfalls interessiert er sich überhaupt nicht für meine Fragen was den Zusammenhang von Kältereiz und Harndrang bei mir betrifft, sondern bohrt in meinem Privatleben herum. Dabei stellt er fest, dass ich schwul bin und offenbar ist das für ihn eine Belastung, die so schlimm ist, dass man davon psychosomatisch inkontinent wird... dass ich aktuell Liebeskummer habe, rutscht mir auch noch raus und schon ist für ihn die Diagnose klar. (Dass der Kummer erst nach Auftreten der Beschwerden auftrat und sogar die so schnell wieder verflossene Liebe erst danach entstand dringt nicht zu ihm vor, ich bring kaum einen Satz zu Ende. Zuhören ist nicht seine Stärke, Blickkontakt kann er auch nicht...) Der Hammer ist seine Therapieanweisung: um sozusagen aus Ekel vor mir selbst wieder kontinent zu werden, soll ich nicht mehr zum Klo gehen wenn ich Harndrang rechtzeitig spüre, sondern immer in die Windel machen. Ich braver Idiot befolge das und erstelle zugleich ein Protokoll wann, warum und in welchen Mengen ich einnässe. Rückwirkend schreibe ich auf, dass es am SonnTAG den letzten Unfall zuhause gab und erst DiensTAG Nachmittag den ersten im Krankenhaus; daraus schlussfolgert Dr. K später, dass wegen 48 stündiger Trockenheit die Ursache deutlich psychosomatisch und nicht organisch sei (den Hinweis am Blattrand, dass NACHTunfälle immer vorhanden sind übersieht sie dabei und erfährt mangels Nachfrage auch nicht, dass ich wegen des unverträglichen Krankenhausessens 5 mal täglich in großen Geschäften unterwegs war und dabei die Blase mitentleerte (Quasi so wie es die spätere Empfehlung des Urologen war, häufiger WC Gang), gefragt war ja nur ein Unfallprotokoll und kein Miktionsprotokoll, wie man es von Anfang an über den gesamten KKH Aufenthalt hätte anordnen sollen .

Donnerstag
Vormittags ein Gespräch beim Urologen (dafür Krankentransportfahrt.. welch Verschwendung) mit Festlegung der Untersuchungen für den nächsten Tag. Nachmittags kommt noch mal Frau Dr. K mit Prof. H. Das Gespräch dauert noch länger und wird noch abstruser, die klischeehaften Vorstellungen zum Thema Homosexualität von Prof. H führen dazu, dass ich mich irgendwann einfach abschalte und nur noch freundlich grinse und „jaajaa“ sage. Er behauptet alle meine Probleme spielten sich „in der Unterhose“ ab und behauptet mein Analsphinkter wäre so verkrampft weil ich da keinen Mann eindringen lassen wollen würde.. .(falls hier jemand die Spielarten des Sexes unter Männern erklärt haben möchte, möge er bitte nachfragen, ich gehe aber davon aus, dass 99% der Bevölkerung davon mehr verstehen als dieser Prof.) Als ich einmal, als der Baulärm auf über 130 Db anschwillt, anmerke, dass es schlimm sein muss wenn man als richtig Kranker in diesem KKGH liegt, fängt er sofort an zu behaupten, dass ich anscheinend schon wüsste, dass ich nicht richtig, sondern nur psychisch krank sei ... jaaajaaaaa ... Die Krönung ist, dass er während des Gespräches zunächst anfängt wechselseitig am Handrücken seine Handschuhe zu befummeln, sie hochzieht und schnalzen lässt. Schließlich zieht er sie dann nach 45 min doch aus, strafft einen wieder sorgfältig und füllt den zusammengeknüllten zweiten Handschuh hinein und schüttelt den äußeren wie einen Kopfkissenbezug, damit der zerknüllte sich darin schön verteilt... Er hält mit seinen Handschuhen dabei ständig Blickkontakt, mit dem Patienten möglichst nie... Als ich ihn im Gehen darauf anspreche, dass er ein Handschuhproblem habe, meinte er, dass sei sein Sauberkeitstick und er würde dazu stehen! Na Bravo, ein psychotischer Psychiater mit Sauberkeitstick ist sicherlich der ideale Ansprechpartner für jemanden der in der Hose nicht ganz sauber ist und in den Augen vieler schmutzigen Sex hat... ich denke dieser Professor gehört selbst ganz dringend in Behandlung und vor allem aus dem Dienst entfernt!

Freitag
Bei der Visite beschwere ich mich bei Prof S über Prof H, aber der ist selbst vollkommen unbeteiligt, auch zur Erkrankung gibt er keine konkreten Aussagen, man hätte halt sonst nichts gefunden, mit der Liquoruntersuchung sei ja alles in Ordnung. Man fragt sich wozu man Aufpreise für Chefbehandlung zahlt! Es erfolgt noch eine Herzfrequenzanalyse und ein HIV-Test.. den muss man bei Schwulen natürlich ganz dringend machen. Nachmittags geht es zur Urologie, Dr. F ist einfach wunderbar, der erste Mensch in diesem kranken Haus, der mir aufmerksam zuhört und logische Schlussfolgerungen zieht. Die Urodynamik interpretiert er dahingehend, dass entweder die Dehnungszellen in der Blase abgestorben wären oder der Bandscheibenvorfall doch nicht so harmlos sei wie Dr. K behauptet. Der entscheidende Hinweis von ihm ist, dass die getriggerten Urinabgänge nicht bei leerer Blase, sondern bei fast voller Blase erfolgten, ich also durch häufigen Toilettengang diese Füllung verhindern müsse. Hoffnung auf Heilung macht er mir indessen keine, ich solle nach einem Jahr noch einmal alles untersuchen lassen. Mit dieser Nachricht zurück in der Neurologie soll ich dort noch auf den vorläufigen Arztbericht warten und man bräuchte noch mal Blutproben... erst jetzt werden die im Zusammenhang mit der Liquoruntersuchung stehenden Proben genommen und nach Borrelien oder Lupus irgendwas gesucht... weil ja plötzlich wohl doch nicht mehr alles so in Ordnung ist. Irgendwann darf ich endlich nach Hause...

Nachspiel
Das von Kopfschmerzen vergällte Wochenende verbringe ich damit, mich über den vorläufigen Arztbericht aufzuregen in dem von einer Konversionsstörung die Rede ist, weil ich unter Liebeskummer und Verlustängsten leide (wie gesagt, Beziehungsglück und –unglück gab es erst nach dem Auftreten der Beschwerden), ich schreibe einen einigermaßen freundlichen Brief, dass es Konversionsstörungen laut Definition üblicherweise nur nach einer Traumatisierung gäbe, die aber nicht vorliegt.

Der endgültige Arztbericht behält trotzdem die Diagnose Konversionsstörung bei (wird später von meiner niedergelassenen Neurologin und Psychologin revidiert) begründet diese aber nun mit meinen angeblich subjektiven Analsphinkterproblem (das im ersten Arztbericht noch überhaupt nicht genannt wurde) und ganz allgemeinen Konflikten im beruflichen und privaten Bereich. Da wollte wohl jemand seine Fehldiagnose nicht eingestehen und hat lieber nach einer anderen Begründung gesucht und dabei nicht mal sauber die schriftlichen Dokumente gelesen (vgl. o. auch 48h trocken und Spinkter +++ im Urobericht) Ich frage mich, wie man Diagnosen eines psychologischen Gespräches von Leuten ernst nehmen soll, die nicht mal lesen können?!?

Ja auch das Nachspiel erhält eine Krönung, meine 68jährige Mutter, die sich immer sehr Sorgen um ihren „Liebling“ macht, hatte ich bei der Aufnahme schriftlich als die Person angegeben, die ausdrücklich „nur im finalen Notfall“ zu benachrichtigen sei. (Sie wusste nichts von meinem KKH-Aufenthalt) Weil nun die Aushilfspost unserer heutigen Zeit mein klein Häuschen nicht fand und die Röntgenbilder zurück gingen hatten die dort nichts besseres zu tun als meine Mutter anzurufen und sie nach ihrer Adresse zu fragen, ihr meine Bilder zu schicken!!!! (Rechnungen kamen bei mir immer an, auch eine um 4.800,- Euro überteuerte, die ich zurückwies und für die man sich telefonisch bei mir entschuldigte;) Meine Nummer war bekannt, meine Adresse die richtige und die informieren meine arme alte Mutter? Die ist aus allen Wolken gefallen, das Vertrauensverhältnis ernsthaft beschädigt!. Da hat bestimmt nur eine kleine Sekretärin nicht richtig mitgedacht, aber dass sie an die Telefonnummer kam ohne dass der deutlich von mir hinzugefügte Hinweis dabei stand ist ein organisatorisches Problem des Krankenhauses, einer Universitätsklinik, von der man irgendwie als Laie zunächst Spitzenleistungen erwartet!

Danke fürs Zuhören und Mitleiden
Achim

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13 Jun 2010 13:46 #8 von eckhard11
Wenn es nicht zum Heulen wäre, dann müsste man darüber lachen.....

In unserer hochgepriesenen Medizinwelt laufen viel mehr Idioten rum, als wir es uns vorstellen können.
Aber das typisch deutsche Obrigkeitsdenken, der abstruse Standesdünkel der selbsternannten “Herrgötter in Weiss” sowie wie unglaublich starke Lobby der medizinischen Versorgung verhindern immer wieder das Aufräumen unter dieser Bagage.
Da muss es schon zu etlichen Todesfällen kommen, bevor überhaupt mal etwas an die Öffentlichkeit dringt.

Ich bin auch Moderator im Blasenkrebs-Forum und weiss daher, dass Dein Beitrag keineswegs übertrieben dargestellt ist.
Derartiges passiert immer wieder, selbst bei wirklich gefährlichen Krebserkrankungen und ganz sicher nicht nur in kleinen Krankenhäusern, sondern - vor allem - in den großartigen Unikliniken mit ihren kittelwehenden Herrenmenschen.
Man glaubt gar nicht, für wieviel Elend diese Großkotze Prof. Dr. Dr..... verantwortlich sind.

Mir wird immer bewusster, wieviel Glück ich hatte, dass ich, als es ums Leben ging, an DC Schacht und über diesen an Dr. Hahn im AKH Hagen geraten bin. Ein kleines Haus mit guten, engagierten Ärzten in der Urologie.....

Ich kann Dir aus dem Stegreif mindestens 10 Fälle nennen, die - bei gleicher Diagnose wie der meinen - durch Behandlungen in Hamburg, Berlin, Ulm, München oder Herne, ( dort befinden sich die "berühmtesten" urologischen Unikliniken ), heute Pflegefälle oder bereits verstorben sind.
Durch Falschdiagnosen, Nachlässigkeiten, Falschbehandlung, Besserwisserei oder - ganz profan - schlechtem Ausbildungsstand.

Raten kann ich Dir nicht, ausser vielleicht, dass Du Dir einen wirklich guten Uro suchen solltest, zu welchem Du ein intensives Vertrauensverhältnis aufbauen kannst und der sich wirklich mit Deinem Problem befasst.
Durch Behandlungen, wie Du sie erfahren hast, kann Dir weder geholfen werden noch kannst Du diesen “Medizinern” jemals wieder vertrauen.

Gruß
Eck :sleep: hard
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13 Jun 2010 14:47 #9 von Achim67
oh ja, danke eckhard!

gerade von dir so eine verständnisvolle Antwort zu bekommen tut mir sehr gut, hatte ich doch tief beeindruckt dein Tagebuch hier gelesen, die haben echt was vollbracht!. man möchte bei solchen Ärzten wie meinen wirklich nicht ernsthafter krank sein! Soviel auch zu der Anmerkung wegen des Baulärms. Im Grunde ist eine Inko weniger schlimm als z.B. chronische Schmerzen. Als gelernter Ingenieur steh ich sowas sowieso sehr nüchtern gegenüber, Gott war ja schließlich auch Ingenieur, denn nur ein Bauingenieur kommt auf die Idee, die Abwasserleitung direkt durch ein Vergnügungsgebiet zu legen. Trotzdem lebe ich nach der Erfahrung etwas bewusster, nachdem zwischendurch auch mal MS oder Hirntumor auf der Verdachtsliste standen. Zum Glück habe ich wenigstens einen guten Hausarzt und eine gute Neurologin, den Urologen werd ich schon noch finden, den aus dem KKH kann ich nämlich leider nicht nehmen oder käme mir dort im Wartezimmer irgendwie deplaziert vor, weil sie das dort ja organisatorisch so gut im Griff haben, landete ich nämlich beim Kinderurologen.... na jetzt wird aber gelacht oder?

man nehme es mit Humor
achim

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13 Jun 2010 22:51 #10 von eckhard11
Ein Chirurg, ein Bauingenieur und ein NT-Netzwerkverwalter streiten, wessen Berufsstand der älteste sei.
Der Chirurg:
"Gott entnahm Adam eine Rippe und schuf Eva. Die erste Tat war eine Operation!"
Der Bauingenieur widerspricht:
"Vor Adam und Eva herrschte das Chaos. Gott baute die Welt. Die erste Tat war folglich eine architektonische Leistung."
Der NT-Netzwerkverwalter trumpft auf:
"Und von wem stammt das Chaos ? He, von wem wohl ?".

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