file Frage Blasenkatheter

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7 Jahre 8 Monate her #37211 von PaulaPaula
Blasenkatheter wurde erstellt von PaulaPaula
Guten Morgen in die Runde, ich schreibe als Tochter für meinen Vater. Er kann aufgrund einer Krankheit nicht gut kommunizieren, die Ärzte wollen nicht gut mit mir kommunizieren und ich brauche Wissen, das ich sicherlich hier in der Selbsthilfegruppe erwerben kann. Sollte die Kategorie nicht richtig sein, bitte ich um Nachricht.

Mein Vater ist 86, hatte vor knapp drei Monaten die Diagnosen: Urosepsis bei Harnweginfektion, akute Epidismyitis links und Harnblasenentleerungsstörung bei mittelgroßem Prostataadenom. Ich meine mich zu erinnern, dass sie im Krankenhaus von 150 ml Restharn sprachen.

Seitdem trägt er einen Bauchkatheter, der Urin läuft in einen Beutel. Heute telefonierte ich mit dem Urologen (ich wohne in einer anderen Stadt), der sagte, er müsse den Katheter lebenslang tragen aufgrund der Blasenentleerungsstörung. Anfangs im Krankenhaus hieß es, bis Ende des Jahres.

Meine Frage: Ist es normal, den Bauchkatheter dauerhaft zu tragen? Die Krankenpflegerin sagte, besser sei es, ihn zu entfernen, da auch immer Bakterien eindringen könnten und die Blase immer schwächer werde.

Was meinen Sie?

Viele Grüße

Paula

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7 Jahre 8 Monate her #37239 von Jens Schriever ✝
Jens Schriever ✝ antwortete auf Blasenkatheter
Hallo Paula

So einfach lässt sich deine Frage nicht beantworten. Generell kann man einen Bauchdeckenkatheter dauerhaft tragen. Ich selber trage meinen schon über 10 Jahre allerdings nicht ständig offen( mit Beutel wo der Urin ständig abläuft) sondern abgestöpselt und lasse in regelmäßigen Abständen den Harn ( Restharn) ab.
Das hat den Vorteil dass die Blase nicht schrumpft und die Speicherkapazität erhalten bleibt. Bei ständigen offen tragen verliert die Blase seine Speicherkapazität und schrumpft. Es gibt aber auch Fälle da muss der Katheter offen getragen werden dieses muss der behandelnde Urologe entscheiden.
Ein Dauerkatheter verursacht immer schon nach kurzer Zeit eine Keimbildung die aber nicht weiter schlimm ist. Auch besteht eine höhere Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen durch den Katheter. Wenn keine Einschränkungen an den Händen besteht ( Feinmotorik) und es nur um den Restharn geht währe der ISK (intermittierenden Selbstkatheterismus) die bessere Wahl. Das sollte aber mit dem Urologen besprochen werden.
Alles zum ISK findest du Hier


Gruß Jens
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7 Jahre 8 Monate her #37240 von Matti
Matti antwortete auf Blasenkatheter
Hallo Paula,

eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann den intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) als Alternative erschweren oder gänzlich unmöglich machen. 150 ml Restharnvolumina sind zuviel. Du schreibst von einer vorhergehenden Urosepsis.

Die Urosepsis hat oft eine zu Grunde liegende Ursache z. B. ein Abflusshindernis, wie sie bei einer Vergrößerung der Postata häufig vorkommt.
Eine dadurch verursachte Rückstauung von Harn in die Nieren ermöglicht den Übertritt von Erregern aus dem Urogenitaltrakt in die Blutbahn.

Allerdings gehört auch ein Urin-Dauerkatheter zu den prädisponierenden Faktoren.

Grundsätzlich kann der Bauchdeckenkatheter eine Alternative darstellen. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass diese Therapieform nicht schlichtweg aufgrund des höheren Lebensalters alternativlos zur Anwendung kommt.

Es ist nicht so einfach. Behandelt man die Prostatavergrößerung operativ, ist eine Harninkontinenz häufig die Folge. Durch intensives Training kann man diese zwar lindern oder wieder ganz beseitigen, hier ist aber auch die Gesamtkonstelation zu bedenken.

Du wirst sicher noch weitere Rückmeldungen hier erhalten.

Grüße

Matti
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7 Jahre 8 Monate her #37242 von Johannes1956
Johannes1956 antwortete auf Blasenkatheter
Liebe Paula!

Herzlich willkommen bei uns am Forum des Inkontinenz-Selbsthilfevereins!

In der akuten Situation, die du schilderst mit Harnwegsinfekt und Hodenentzündung war und ist der Bauchkatheter die richtige und optimale Entscheidung. Ich habe schon so viele ältere Männer gesehen, die viel zu lange mit einem Katheter durch die Harnröhre versorgt wurden, was ja auf längere Zeit ganz schlecht ist. Insofen ist der Bauchkatheter schon einmal eine gute Lösung.

Die 150 ml Restharn können einerseits von der Prostatavergrößerung herrühren, andererseits trägt auch die Entzündung dazu bei. Da stimme ich einmal Jens zu, dass der Katheter jetzt nach drei Monaten nicht permanent offen gehalten werden soll, das verkleinert die Blase und trägt auch nicht dazu bei, die Blasenfunktion wieder zu aktivieren.

Ich selbst hatte nach einem Harnverhalt einige Zeit einen Bauchkatheter, den hatte ich in der Nacht am Säckchen und untertags geschlossen. Dann kann man über das Ventil die Blase regelmäßig entleeren und auch, wenn man die Blase spürt, die Blase ganz normal entleeren und den Restharn über das Ventil, dann sieht man gleich, wieviel Restharn noch vorhanden ist.

Der Bauchkatheter muss regelmäßig gewechselt werden, ich meine mich zu erinnern, so alle vier Wochen, weil sonst Verkeimungsgefahr besteht.

Dann ist die Frage nach der Perspektive. Da ist es wie Matti sagt. Bei einer Prostatavergrößerung besteht eine Abflussbehinderung. Das verursacht einen zu großen Druck in der Blase beim Urinieren, es kommt zu Rückstau in die Niere, zu Restharn und zu Entzündungen. Wie gesagt, kann man sich das aber nach einiger Zeit ansehen, ob die Prostata wirklich die Ursache für den Restharn war, oder ob es die Entzündung war.

Wenn Restharn weiter besteht, gibt es die Möglichkeit, wie Matti schrieb, die Prostata zu operieren. Das ergibt ein relativ hohes Risiko, danach eine gewisse Inkontinenz zu haben, was auch nicht angenehm ist und in dem Alter wahrscheinlich auch nur mehr schwer wegzubekommen ist. Aufsaugendes Material ist dann angesagt, jedenfalls in der Nacht.

Da könnt ihr euch entscheiden zwischen Bauchkatheter oder OP mit dem Risiko. Wenn man den Bauchkatheter nur in der Nacht an das Säckchen hängt und sonst ohne Säckchen mit dem Ventil trägt, ist er kaum behindernd. Ich bin damit ganz normal herumgelaufen.

Entscheidung liegt bei deinem Vater, aber es wäre jedenfalls schon einmal ein erster Schritt, übertags ohne Säckchen. Dann darf er aber nicht vergessen, regelmäßig auszuleeren. Das sollte jemand kontrollieren, wie viel Harn dann jeweils in der Blase war, es sollten nicht mehr als 400, 500 ml zusammenkommen. Wenn er vergesslich ist oder niemenden hat, der darauf schaut, dass die Blase regelmäßig entleert wird, dann muss offen mit Säckchen getragen werden.

Hoffe, es hilft, wenn du noch Fragen hast, gerne,

Johannes
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