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Selbstkatheterisierung

30 Jul 2020 19:26 #11 von Johannes1956
Liebe Ini,

Dauerkatheter, sprich transurethraler Katheter mit Ballon ist nicht vergleichbar mit Einmalkatheter. Der Einmalkatheter ist dünner, gleitfähiger und im Prinzip völlig schmerzlos einzufühern. Einen länger liegenden Katheter durch die Harnröhre gilt es auch zu vermeiden, der stellt immer ein hohes Risikopotential für Infekte dar. Ein Bauchdeckenkatheter ist eine Alternative für eine vorübergehende, längere Ableitung, aber das Beste für Daueranwendung ist zweifellos ISK mit hydrophil beschichteten Einmalkatheter.

Für den Anfänger empfiehlt sich ein Produkt mit Schutzhülle, sodass der Katheter nicht frei liegt. Das gibt es von Coloplast und Hollister. Die Hürde ist immer der Beckenboden mit dem Schließmuskel. Bei mir ging es anfangs immer leichter unmittelbar nach dem spontanen Urinieren, was man aber stets ohne Druck machen soll. Danach ist der Beckenboden entspannt und das Einführen ist leichter.

2 Katheter zum Ausprobieren werden nicht reichen. Ich empfehle, dass ihr euch eine Musterpackung Hollister VaPro und eine Packung Coloplast SpeediCath Flex schicken lässt. Das Einführen geht leichter, wenn der Mann seinen Penis mit einer Hand straff nach oben hält und mit der anderen Hand den Katheter einführt. Das darf keinesfalls schmerzen, tut es in der Regel auch nicht. Wenn der Widerstand kommt, kippt man den Penis nach unten und schiebt weiter, bis der Harn fließt.

Ich habe auch recht gute Erfahrungen mit dem sanabelle U610 Einmalkatheter PRO Hydrophil gemacht. Die PRO Spitze ist sehr gut einzuführen, etwas steifer, sodass man beim Schließmuskel besser durch kommt. Allerdings ist der Katheter ohne Schutzhülle, es braucht eine ruhige Hand. Der Katheter hat einen integrierten Wasserbeutel, den knickt man im geschlossenen Zustand um, sodass das Wasser den Katheter hinunterfließt und aktiviert. Nach 30 Sekunden ist er einsatzbereit. Oben hat er so eine grüne Schutzkappe, die lockert man vor dem Einführen, die ist zum Herausziehen des Katheters gedacht, man kann sie aber auch verwenden, den Katheter hineinzuschieben.

Wie gesagt, liegt der Schlüssel zum Erfolg bei der Beckenbodenentspannung. Unter Stress oder Druck geht das anfangs gar nicht. Es helfen auch Atemübungen. Wenn man den Katheter nicht hineinbekommt, später mit einem neuen probieren, nicht mit Gewalt versuchen.

Mann muss es wollen und erzwingen kann man nichts. Versuche einmal, deinen Mann zu entspannen, liebevoll und sanft, wirst sehen, danach geht das Kathetern auch ganz leicht.

Ich mache ISK heute ohne darüber groß nachzudenken, Routine. Am besten ging es bei mir am Morgen nach der Dusche, sonst unmittelbar nach dem spontanen Urinieren, ich kathetere 3- 4 mal aus bei einem Restharnvolumen von 200-240 ml. Meine Blase spüre ich bei 400 ml und kann sie dann etwa zur Hälfte spontan entleeren, manchmal mehr, manchmal weniger.

Harnstrahlmessung beim Urologen geht immer schlecht, einmal ging es gar nicht, ich sollte aber unbedingt warten, bis es geht - sinnlos, da habe ich die Harnstrahlmessung mit Katheter gemacht und alle waren glücklich.

Ich habe in all den Jahren erst zweimal einen Harnwegsinfekt gehabt. Ich bin viel unterwegs und wende ISK überall an, vermeide aber aus grundsätzlichen hygienischen Gründen öffentliche Toiletten, soweit es geht.

Aller Anfang ist schwer, wichtig ist der Wille, und Entspannungsübungen. Bei neurogener Blasenentleerungsstörung gibt es zu ISK wenige Alternativen, man kann es mit einem Blasenschrittmacher versuchen, das hängt von der individuellen Situation ab. Fragt euren Urologen zu dem Thema , das funktioniert mit elektrischen Impulsen und vielleicht ist das bei deinem Mann eine Möglichkeit.

Alles Gute und viel Erfolg!

Johannes

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31 Jul 2020 07:28 #12 von martinK
Hallo Ini

Hat Dein Mann mit dem Urologen schon über eine mögliche Physiotherapie gesprochen? Möglicherweise hat sich Dein Mann aufgrund des Harnverhalts antrainiert, beim Urinieren zu pressen, statt versuchen, sich zu entspannen. Mir hilft die Physiotherapie sehr, weil ich dann erstens etwas mehr Kontrolle über meine Blase besitze und zweitens weniger Restharn habe.

Auf alle Fälle sollte er die Sache mit hoher Dringlichkeit angehen und sich fachlich beraten lassen. Sowohl die Harnretention als auch die vergrösserte Prostata sind sehr ernst zu nehmende Symptome.

Herzliche Grüsse
Martin

P.S.: Ich führe unregelmässig ISK durch; da ich selber nicht in der Lage bin, den äusseren Blasenschliessmuskel aktiv zu entspannen, wurde mir empfohlen einen etwas grösseren Katheterdurchmesser (14 statt 12) zu verwenden. Ich weiss nicht, welche Katheter Dein Mann verwendet hat, aber vielleicht ist das auch Punkt, welchen er sich anschauen könnte.
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31 Jul 2020 10:46 #13 von Ini
Hallo ihr Lieben, vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich muss trotzdem noch mal nachfragen ... ist es nicht besser, einen Einmalkatheder mit einem dünneren Schlauch zu verwenden, damit es nicht so weh tut? Du hast geschrieben, dass du von 12 auf 14 gewechselt hast und da ging es besser. Oder war der dickere beim einführen besser? Kommt es da auf die Spitze an?
Sorry wenn ich so dumm frage ...
Ich wünsche mir so sehr, dass er es doch nochmal testet ... heute früh konnte er wieder nicht. Mich belastet das so sehr, ich könnte nur weinen. Und wenn er das mitbekommt, sagt er, er erzählt mir nix mehr, wenn ich mir solche Gedanken mache.
Vor allem, warum gibt es Tage, wo er überhaupt keine Probleme hat und alles supi läuft? Gibt es das bei euch auch?

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31 Jul 2020 14:46 #14 von Johannes1956
Liebe Ini!

Es gibt Tage, da geht es besser und Tage, da geht es schlechter beim spontanen Urinieren. Das ist typisch bei den neurogenen Blasenentleerungsstörungen. Stress = schlechter. Entspannung = besser. Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle, wenn ich ganz schnell weg muss zu einem Termin und vorher noch rasch urinieren oder auskathetern will, geht oft gar nichts. Dann halt später.

Ich habe mir auch angewöhnt, nicht gleich nachdem Aufstehen auszukathetern, sondern erst einmal schauen, was spontan geht, Frühstück machen, Zeit lassen und dazwischen vielleicht öfter einmal die Blase entleeren, wenn ich Druck verspüre. Und erst nach dem Duschen, vor dem Verlassen des Hauses kathetere ich aus.

Die Frage nach der Charriere Größe muss individuell geregelt werden, aber ich habe auf einem Pflegekongress auch gehört, dass man beim Einstieg eher die größere Größe nehmen soll, also 14 statt 12, dann kann man, wenn notwendig später immer noch auf 16 wechseln.

Je dünner, desto schlabbriger und schwerer zum Einzuführen, ein14er tut genauso wenig weh wie ein 12er. Der Vorteil beim 14 ist auch, dass es schneller geht beim Entleeren. Anfangs sollte man auch das Volumen messen, wieviel spontan und wieviel über den Katheter entleert wird, das Gesamtvolumen sollte nie über 600 ml betragen.

Die Spitze kann schon entscheidend sein, ich verwende aber die „normale“ Nelaton ohne Probleme wichtig ist aber in jedem Fall ein gutes Qualitätsprodukt zu verwenden. Die Kugelspitze von Coloplast SpeediCath Flex macht das Einführen besonders leicht.

Heute kann ich zwar prinzipiell mit jedem Katheter ausleeren, doch was mir unlängst mein Urologe zum Entleeren gegeben hat, weil ich meinen vergessen hatte und er Harn benötigte, war dann auch für mich schwierig, weil ich den Katheter erst unter der Wasserleitung aktivieren musste und er trotzdem ziemlich schwer gängig war.

Gebrauchsfertig hydrophil beschichtet oder durch integrierten Wasserbeutel zu aktivieren ist für den Einstieg dringend zu empfehlen.

Und, nochmals, dein Mann muss dazu selbst bereit sein, es zu tun. Für mich war das am Anfang eine leichte Entscheidung, denn ich bin mit einer nicht funktionsfähigen (atonen) Blase viel zu lange mit einem Dauerkatheter, dann mit einem Bauchdeckenkatheter versorgt worden, was nach einer Zeit für mich übel war und der Umstieg auf ISK hatte dann etwas Befreiendes. Ich konnte meine Blase wieder entleeren, wann ich das wollte und mit ISK entleeren kommt dem natürlichen Harnlassen am nächsten.

Wenn du es für deinen Mann willst, genügt das nicht, er muss es wollen und ich kann nur wiederholt sagen, es ist, nach einer Phase des Erlernens einfach, sicher, schmerzlos und wie Zähneputzen wird es zur Routine.

Und, man es hat es selbst in der Hand, Blase und Nieren gesund zu halten. Wenn es so gar nicht klappt, ist ein Bauchdeckenkatheter zu empfehlen, den man geschlossen mit Ventil trägt, in der Nacht eventuell mit Säckchen, am Tag regelmäßig die Blase entleert, bis sich die Blase wieder erholt hat vom Überdruck. Das dauert einige Wochen. Man kann dann später immer noch auf ISK umsteigen.

Das Problem beim ständigen Druck in der Blase wird die Blase geschädigt, es entwickelt sich eine Balkenblase, die dann nicht mehr so funktionsfähig ist und durch den Druck nehmen auch die Nieren Schaden. Das ist dann irreparabel. So weit sollte es nicht kommen.

Alles Gute

Johannes
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31 Jul 2020 23:31 - 31 Jul 2020 23:44 #15 von martinK
Hallo zusammen

Johannes, vielen Dank für die Erläuterung zur Charriere Grösse; das macht alles Sinn, nur war's mir nicht bewusst.

Ini, ja es wäre gut, wenn Dein Mann das ISK nochmals testen würde, aber vielleicht braucht es einen "Reset". Mit zwei verbleibenden Kathetern hat er (zumindest gefühlt) noch zwei Chancen, dass es klappt - ich erwarte nicht, dass das gut gehen wird. Wäre es nicht vernünftiger, sich nochmals mit dem Urologen zusammenzusetzen, eine Strategie zu entwickeln, und so die Chance auf Erfolg zu erhöhen? Meine Ärztin drängte mich zum ISK, weil sie Angst um meine Nieren hatte, und machte mir das entsprechend klar. Ich traf mich dann mit einer Pflegefachfrau der Ärztin, welche auf ISK spezialisiert ist. Diese erklärte mir alles in Ruhe: Wie der Ablauf ist, welche Typen Katheter es gibt, und wie sich die Typen unterscheiden (sie zeigte mir auch unterschiedliche Modelle, aus denen ich dann auswählen konnte). Wir besprachen, was für mich wichtig sei, und wo ich Probleme haben könnte, und wählten dann basierend auf der Diskussion ein Modell aus, welches ich dann auch gleich in der Praxis der Ärztin ausprobierte (SpeedyCath Flex, 14). Da alles gut klappte erhielt ich 20 Muster von diesem Typ mit nach Hause, und seit dann geht es mit dem ISK bei mir eigentlich recht gut (kürzlich habe ich mich blöderweise beim Katheterisieren verletzt, was mir meine erste Harnröhrenentzündung überhaupt bescherte, aber da war ich in Eile - war müde und wollte ins Bett - und hätte das ISK dann lieber sein lassen). Da sich meine Situation seitdem zum Glück verbessert hat, ist das Katheterisieren für mich nicht mehr notwendig; ich führe es aber dennoch 1-2 Mal in der Woche durch.

Wie Johannes geschrieben hat, sollte Dein Mann die treibende Kraft für die Verbesserung seiner Situation sein; d.h. er muss sich seinem Problem stellen und das Beste daraus machen wollen, und darf nicht einfach hoffen, dass sich das Problem von alleine löst. Wenn er nichts tut, oder nur dann zum Arzt geht, wenn es nicht anders geht, riskiert er dauerhafte gesundheitliche Schäden und eine massive Einschränkung seiner Lebensqualität. Es gab hier im Form vor ca 1 Jahr einen Thread , der auch von einer besorgten Gattin gestartet wurde (ach was würden wir Männer nur ohne Euch Frauen machen!). Ihr Mann war wegen des Harnverhalts schon auf einen suprapubischen Katheter angewiesen, und wollte den aber (verständlicherweise) wieder loswerden. Auch da gab's Probleme mit dem ISK (Verletzungen), aber schliesslich klappte es mit einer strukturierten Vorgehensweise, Geduld und dickerem Katheter doch, so dass sich der Mann vom SPK hat verabschieden können. Das Beispiel zeigt mir, dass man mit dem richtigen Vorgehen und etwas Hartnäckigkeit viel in kurzer Zeit erreichen kann.

Auf der anderen Seite ist es aber nicht einfach zu akzeptieren, dass die Blase nicht so tut wie man möchte; das weiss ich aus eigener Erfahrung. In unserer Gesellschaft gehören Entleerungsprobleme von Harn und Stuhl zu den Tabuthemen; auch ich erwähne meine Inkontinenz selbst meinen Freunden gegenüber nicht. Entsprechend schwierig ist es, selbst mit seinen Liebsten über solche Probleme zu sprechen, oder sogar sich gegenüber einzugestehen, dass man das Problem nun konsequent angehen muss. Ich habe auch meine "schwachen Momente" in welchen es mir nicht gut geht und ich meine Hilfsmittel und Katheter mitsamt der Blase und dem Beckenboden am liebsten in's All schiessen würde. Insofern kann ich gut nachvollziehen, dass Dein Mann Zeit braucht.

Wie ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe, kann mir gut vorstellen, dass eine Physiotherapie des Beckenbodens Deinem Mann guttun würde. Dabei ist der menschliche Kontakt zwischen Deinem Mann und der Physiotherapeutin (oder dem Physiotherapeuten) sehr wichtig, und Dein Mann muss fühlen, dass ihm die Therapie guttut. Ansonsten kann das zu einer Alibiübung werden.

Herzliche Grüsse
Martin
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04 Aug 2020 00:36 #16 von nikolaus
Hallo Johannes,
Zu diesem Thema kann ich voll zustimmen
Und es erübrigt sich weiterer Selbsterfahrung denke ich.

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