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Stuhl- und Harninkontinent nach Schlaganfall

19 Nov 2019 00:08 - 19 Nov 2019 00:09 #1 von AnnMarie
Hallo ihr da draußen im Forum,
ich bin neu hier und schreibe stellvertretend für meinen Mann weil er durch seinen Schlaganfall eine Aphasie hat (Sprech-/Schreibstörung - zum Glück keine Störung des Verstehens mehr) und das nicht selbst tun kann.
Durch den Schlaganfall und/oder durch einige Komplikationen in der Reha ist mein Mann derzeit sowohl Harn- als auch Stuhl inkontinent. Die Ärzte als auch das Pflegepersonal in der Reha reagiert zwischen desinteressiert (ist halt inkontinent + Schulterzucken) bis hin zu "leerer Blick und der Aussage "kann sich noch geben". D.h. vertrauenserweckend sind die Reaktionen nicht und hinterlassen bei mir den Eindruck, dass da niemand überhaupt nur Ansatzweise eine Ahnung hat und man mich einfach nur ruhig stellen möchte.

Aber von vorne.
Wie die meisten Schlaganfallpatienten wurde mein Mann mit einem Harnwegkatheter in die Reha eingeliefert. Und da blieb der auch .. bis er das erste mal nach einer Woche einen Harnwegsinfekt hatte (wie sich so ein Infekt auf die Verfassung eines Schlaganfallpatienten auswirkt kann man sich wohl vorstellen). Man setzte einen neuen Katheter, verabreichte Antibiotika und meldete nach 5 Tagen, dass wieder alles im grünen Bereich sei (und ich Schaf habe das geglaubt). Kaum eine Woche später fand sich wieder Blut im Urin, mein Mann war dauermüde hatte leicht gerötete Hoden. Wieder 2 Tage später hatte er so starke Schmerzen im Intimbereich, dass die Therapie unterbrochen werden musste, man Ultraschall machte um sicher zu gehen, dass der Katheter richtig sass. Angeblich tat er das. Er bekam (weil Freitag und eine Harnuntersuchung konnte nicht zeitnah durchgeführt werden) wieder Antibiotika auf gut Glück + Spülungen der Blase. Am nächsten Tag stellte man dann einen komplett entzündeten Hoden fest (der, O-Ton der Pflegeleitung - keinesfalls vom Katheter kommen könne), erhöhte die Antibiotikagabe und wartete. Aber nichts wurde besser. Im Gegenteil. Der Urin war sehr rot, der Hoden weiterhin entzündet und nun trat auch noch geronnenes Blut aus der Harnröhre aus. Ich kürze ab (sonst liest das hier keiner mehr). Er war mehrfach in der Urologie einer Klinik, dort wurde 3x ein falsch sitzender Katheter ausgetauscht und (da mein Mann Blutverdünner nehmen muss) auf Spülen, Antibiotika und Warten verwiesen. Man ging davon aus, dass durch die falsch sitzenden Katheter die Harnröhre verletzt worden war.
Aber es wurde und wurde nicht besser. Auf mein Drängen hin wurde er in eine andere Klinik verlegt um dort eine Blasenspiegelung durchzuführen. Dort stellte man zum vierten Mal fest, dass der Katheter falsch sass und er 39,6C Fieber hatte. Konkret in der Prostata (und nein, mein Mann zuppelte zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr am Katheter herum. Er war da schon mindestens 3 Wochen bei klarem Verstand und orientiert.) Es wurde also der Katheter erneut gesetzt, die Antibiotikagabe extrem hoch gefahren, gespült und gewartet. Am gleichen Abend war dann der Urin klar und der Arzt meinte, dann könne man in der Folgewoche die Spiegelung durchführen und dabei auch gleich einen Bauchdeckenkatheter setzen. Hier habe ich interveniert und darauf hingewiesen, dass man sich in der Reha bisher geweigert hatte zu testen, ob mein Mann auf natürlichem Wege Wasser lassen kann und ich erst dann einem Katheter zustimmen kann wenn nachgewiesen ist, dass das nicht möglich ist. Man führte Argumente wie Prostata bei älteren Männern (mein Mann ist Ü60), Restharn und mögliche Nierenschäden ins Felde. Aber man war bereit noch einen Tag abzuwarten. Seltsamer Weise drängte man am nächsten Tag telefonisch wieder darauf. Zum Glück konnte ich an diesem Tag aufgrund der weiten Entfernung (einfache Strecke 1:45 Std. Fahrt) nicht vor Ort sein und am Tag hatte ein anderer Arzt Dienst der bereit war diesen Versuch zu starten. Lange Rede, kurzer Sinn... es bestand keine Gefahr der Restharnbildung. Allerdings konnte mein Mann auch nicht den Harndrang steuern. Das Wasser lief halt ..
Starken Durchfall hatte er aufgrund der hohen Antibiotikagaben auch …
Nachdem mehrere Tage lang kein Blut mehr im Urin war habe ich auf die Blasenspiegelung verzichtet (m.E. zu hohes Risiko wegen Narkose, Blutverdünner und Schlaganfall). Da seitdem (3 Wochen) kein Blut mehr im Urin ist dürfte das die richtige Entscheidung gewesen sein.

Allerdings hörte der Durchfall nicht auf. Auch dann nicht, als die Antibiotikagabe abgesetzt wurde. 4-5 x sehr weicher Stuhlgang pro Tag war normal. Jedes Mal in die Windel und niemand störte sich daran. Es wurde nichts gegen den dünnen Stuhl unternommen. Und bezüglich des Toilettentrainings meinte man, das würde halt nur etwas bringen wenn der Stuhlgang normal sei. Man käme ja gar nicht mehr hinterher.. das das würde sich schon normalisieren. Mit keinem Wort hat man erwähnt, dass man meinen Mann quasi für einen hoffnungslosen Fall hält. Dass die Durchfälle zumindest zu einem großen Teil durch Säfte verursacht waren die mit Süßstoff versetzt sind und die man den Patienten in großen Mengen hin stellt weil diese angedickt (wegen Schluckstörungen) besser schmecken als Wasser, hat man dann in der neuen Station festgestellt.

Da aber, trotz dieser Problematik, mein Mann seit der Entfernung des Katheters motorisch gute Fortschritte machte, wurde er auf eine andere Station verlegt. Dort habe ich dann erfahren, dass er mit dem Hinweis "ist inkontinent, Toilettentraining lohnt nicht" übergeben wurde. Ich musste schon sehr drängen und mit Chefarzt winken, dass die Pflege mit den Worten "ok, versuchen wir es eine Woche" bereit war, den Versuch anzugehen. Mein Hinweis darauf, dass durch die Restharnkontrolle nachgewiesen ist, dass mein Mann inzwischen auch seinen Urin nicht mehr unkontrolliert abgibt (stark schwankende Restharnpegel)und seine Windel auch über längere Zeit trocken ist tat das übrige.
Zum Glück hat beim Erstversuch damals sowohl Wasser lassen als auch der Stuhlgang funktioniert, so dass das Training nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt wird. Allerdings wird es nur sehr unregelmässig durchgeführt was unterschiedliche Ursachen hat. Nämlich..
- alles 2-3 Tage wechselndes Personal das unterschiedlich stark motiviert ist (von gar nicht bis sehr dahinter her)
- die Aufforderung unregelmässig erfolgt
- mein Mann, der häufig abwinkt wenn er aufgefordert wird. ich vermute, dass der Grund ist, dass er in diesem Moment nichts spürt deshalb den Sinn nicht sieht .. und weil ihm evtl. der Toilettengang lästig ist (er kann zwar inzwischen ohne Hilfe aufs WC, aber anstrengend ist es für ihn dennoch)
- mein Mann sagt, dass er weder Harndrang noch Stuhlgang spürt (sagen im Sinne auf Fragen meinerseits mit ja/nein und sehr kurzen Sätzen antworten - die allerdings auch nicht im vollen Umfang korrekt verstanden worden sein können)
- er bis vor 3 Tagen nach wie vor sehr weichen Stuhlgang (teilweise mit hohem Druck) hatte. Allerdings nur noch 2x pro Tag. Gründe dafür sind noch unbekannt.

Dass mein Mann absolut nichts spürt kann ich aber so nicht ganz glauben. Sowohl ich, als auch sein Sohn, haben 3 Mal miterlebt, dass mein Mann aus eigenem Antrieb heraus die Toilette angesteuert hat und dann auch Stuhlgang fällig war. Das letzte Mal war es wohl etwas zu spät, da waren Teile davon dann doch in der Windel gelandet (und waren dünnflüssig). Aber ganz ohne Gefühl scheint auch da nichts gewesen zu sein. Und die anderen Male hat er den Gang noch rechtzeitig geschafft.
Allerdings scheint mein Mann im Schlaf nichts zu spüren. Er war schon mehrfach lt. Pflegerin morgens eingekotet. (lt. ihrer Worte "in ausreichender Menge" was ich als "im Grunde Zuviel" interpretiere)

Tja, warum schreibe ich so einen langen Roman um ein "simples G'schäft" :whistle: ?

Weil ich mich frage, ob ich etwas tun kann das meinem Mann hilft das "Fühlen" (oder die Ankündigung, dass da etwas kommt) zu verbessern? Dass die Ursache des dünnen Stuhlgangs gefunden werden muss (und vermutlich ich die einzige bin, die da wirklich versucht das Problem zu identifizieren) ist mir klar.

Und.. weil mich interessiert, ob hier im Forum Menschen sind die aufgrund eines Schlaganfalls ähnliche Probleme hatten oder haben und wie sie das gelöst haben. Von ärztlicher Seite haben wir bisher dazu nicht viel zu hören bekommen.

Ach ja.. und dann würde mich interessieren wer der richtige Ansprechpartner/Arzt ist, wenn mein Mann diese unsägliche Reha beendet hat.

Die Harninkontinenz werde ich an anderer Stelle noch thematisieren. Ich halte sie aber für nicht so dringlich wie den Stuhlgang weil ich denke, dass das "gesellschaftsverträglich" einigermaßen hinzubekommen ist. Selbst dann, wenn ihm eine gewisse Inkontinenz bleiben sollte. Stuhlgang ist da schon eine andere Hausnummer.

Ich frage hier bei euch nach, weil ich meinen Mann unterstützen möchte ohne bei ihm unnötigen Druck aufzubauen und weil die Ärzte zu denen wir im Moment Kontakt haben nicht den Eindruck hinterlassen, dass sie diesbezüglich Ahnung und Interesse haben.

Falls ihr bis hierher gelesen haben solltet … vielen Dank für eure Geduld :blush:

AnnMarie

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20 Nov 2019 17:55 #2 von Frankfurter
Hallo AnnMarie,

Du bist eine sehr gute Ehefrau, und Dein Mann ist sicherlich sehr stolz auf Dich. Du kümmerst Dich um Deinen Mann,
bist aber - so vermute ich mal - an Deine mentalen Grenzen gestoßen. Hast Du denn eine Person oder Personen mit
den Du Dich einfach mal austauschen kannst, um neue Kraft zu schöpfen ?

Es gibt vielleicht sog. "Selbsthilfegruppen" in Deiner Nähe ? Oder frage doch mal bei Deiner Krankenkasse nach, die
Dir auch zu einer "Zweitmeinung " verhelfen können, ( Bleib da ein wenig hartnäckig bei der KK wenn die nicht
so schnell in die Gänge kommt )

Ich wünsche Dir und Deinem Mann alles Gute

Gruss

Frankfurter

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20 Nov 2019 18:38 #3 von AnnMarie
Hallo Frankfurter,
ich stehe im Grunde damit alleine. Der Sohn meines Mannes besucht in der Regel samstags meinen Mann in der Reha damit ich auch mal etwas erledigen kann. Aber die fast tägliche Präsenz in der Reha (war leider erforderlich. Ich habe mir das auch anders gewünscht Andernfalls läge mein Mann heute noch im Bett und würde auf bessere Zeiten warten. Aber das ist ein anderes Thema) und all das was sonst noch so auf Angehörige eines Privatpatienten zukommt (ich kenne das nicht) sowie meine Berufstätigkeit, die sind schon Herausforderung genug. Das Hauptproblem ist aber diese Rehaeinrichtung, die Widersprüchlichkeiten und die Schlampereien dort.

Wie auch immer. Die Reha geht dem Ende zu. Ob Ende nächster Woche oder 3 Wochen später das wird sich noch zeigen. Und es sieht nicht danach aus, dass ich von den Ärzten etwas an die Hand bekomme wie es mit meinem Mann bezüglich seiner Inkontinenz weiter gehen kann. Wenn ich sie darauf anspreche ernte ich jedes Mal einen leeren Blick und ein Schulterzucken. Mit anderen Worten, so richtig haben die auch keine Meinung und in der Vergangenheit habe ich so viele widersprüchliche Aussagen von unterschiedlichen Ärzten zu hören bekommen, dass ich natürlich nicht mehr weiss wem ich was glauben und tun soll. Einfach hinnehmen wäre vermutlich das einfachste. Aber was wäre das auf Dauer für eine Lebensqualität für meinen Mann?

Dass ich mal Erholung und Austausch gebrauchen könnte ist mir bewusst. Nur.. alleine .. die Zeit fehlt derzeit dazu. Erst einmal muss ich geklärt haben wie wir das angehen können. Und deshalb habe ich hier nachgefragt. Aber danke für Deine fürsorglichen Gedanken!

Grüße
AnnMarie

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23 Nov 2019 21:50 #4 von matti
Hallo Ann Marie,

ich lese deine Zeilen doch relativ fassungslos, leider in der Beschreibung der Umstände nicht zum ersten Mal.

Es ist wirklich erschütternd, dass es bei einigen Ärzten immer noch zu diesen Handeln kommt. Wenn Betroffene davon ausgehen, dass mit der Bezeichnung Dauerkateter die dauerhafte Anlage gemeint ist, kann ich dies noch nachvollziehen. Das "Dauer" bezieht sich medizinisch gesehen aber nicht auf Dauerlösung, sondern auf ständige (steige) Ableitung bzw. ständigen Fluss.

Früher hat man vor fast jeder Operation standartmässig einen Katheter gelegt, der dann auch noch aus pflegeerleichternden Gründen tagelang liegen blieb. Gott sein Dank hat sich dies heute doch überwiegend verändert, auch weil man die Katheter-assoziierter Komplikationen erkannt hat und heute unbedingt verhindern will.

Ich könnte dir jetzt einen langen Vortrag über angelesenes Wissen halten, oder dir einfach einmal die Quelle zur Verfügung stellen. In dieser Leitlinie wird sehr deutlich beschrieben, für welche Indikation überhaupt ein Katheter zum Einsatz kommen sollte. Zudem ist dort sehr deutlich betont, dass der Einsatz von Harnwegkathetern auf das medizinisch vertretbare Minimum zu reduzieren und eine Katheterentfernung zum frühestmöglichen Zeitpunkt anzustreben ist.

www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/029...inage_2015-02_01.pdf

Es ist erschreckend das gerade in diesen gesundheitlichen Bereichen der Katheter immer noch als Dauerlösung eingesetzt wird und dies anscheinend auch gar nicht hinterfragt wird.

Von dir wird es hinterfragt und genau deshalb möchte ich dir auch meine Anerkennung ausprechen. Mir ist völlig bewuißt in welcher schwierigen Ausnahmesituation du dich befindest. Das du denoch solche Kraft aufbringst fordert mir höchsten Respekt ab.

Du solltest auf die Entfernung des Katheters bestehen, wenn es keinen medizinischen Grund dafür gibt, der dies ausschließt. Ohne das Entfernen des Kathters kann man die IST Situation gar nicht beurteilen. Umso länger dieser liegt, umso schwerer wird es dies zu beurteilen, weil beispielsweise das Blasenvolumen schrumpft.

Es gibt eine Reihe von Alternativen zu einem transurethralen Katheter durch die Harnröhre. Zunächst muss nämlich erst einmal geklärt werden ob spontane Miktion möglich ist. Dann ob Restharn in der Blase verbleibt.
Danach kann beurteilen und ein Hilfsmittel wählen. Besteht kein Restharn und geht es ausschließlich um das Auffangen des Harns, könnte sich auch ein Kondomurinal anbieten.

Infos findest du hier: www.inkontinenz-selbsthilfe.com/kondomurinale

Alternativen dazu, gerade wenn Restharn besteht kann auch der Selbst.- bzw. Fremdkatheterismus sein. Dies kann eine Option sein, es kann aber auch im Gesamtbild deines Mannes schwierig sein.
Ein Bauchdeckenkatheter ist einen Harnröhrenkatheter fast immer zu bevorzugen, weil Katheter-assoziierter Komplikationen deutlich reduziert werden können. Bei der langen Liegedauer deines Mannes hätte man dies längst in Betracht ziehen müssen.

Grundsätzlich stellt auch die aufsaugende Versorgung eine Alternative da.

Ich bin tatsächlich ob der Länge deines Beitrages gerade ein wenig überfordert, dir auf alles eine Rückmeldung zu geben. Ich verspreche dir aber, dass ich mich intensiv mit deinem Beitrag beschäftige und wenn möglich dich weiter unterstütze.

Gruß
Matti

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24 Nov 2019 23:07 #5 von AnnMarie
Hallo Matti,
lieben Dank für Deine ausführliche Antwort zum Blasenkatheter! Demnach habe ich, zumindest was die Blase angeht, letztendlich doch alles richtig entschieden und meine Überlegungen waren richtig. Das beruhigt! Wenn man, so wie ich, unter Schock steht (und das ist nicht übertrieben) und das auch noch überwiegend alleine durchlebt, der stellt sich und seine Wahrnehmung vermutlich mehr in Frage als wenn eine ganze Familie zum Gedankenaustausch zur Verfügung steht. Außerdem war Zeit Mangelware und online zu recherchieren kostet Zeit.

Mein Mann hat nämlich seit Anfang/Mitte Oktober keinen Blasenkatheter mehr B) ! (kein Wunder, dass Du das bei meinem "Roman" überlesen hast) Und Restharn hat er auch keinen nennenswerten. (Bauchdeckenkatheter wäre übrigens wegen des vielen Blutverdünners der nicht abgesetzt werden kann auch eine schlechte Option gewesen). Aber wie Du vermutet hast, man hat mir reichlich Druck gemacht und alles Mögliche an Risiken in den buntesten Farben geschildert. Ich sag's wie es ist.. ich hatte einen Scheixx Angst und habe nur deshalb auf die Entfernung so massiv gedrängt, weil mir alles Andere noch riskanter vorkam.
In der Urologie hat man durchaus auch auf die Entfernung des Harnwegkatheters gedrängt, wollte aber auf Teufel komm raus (trotz des Risikos wegen der Blutverdünner die nicht abgesetzt werden dürfen) auf den Bauchdeckenkatheters gedrängt. Der Arzt reagierte reichlich verschnupft als ich mich dagegen entschied.

Ich hatte übrigens mein "Wissen" von hier: www.aerzteblatt.de/archiv/20959/Katheter...-der-Harnblase-heute - was sehr hilfreich war in Bezug auf Pro/Contra Bauchdeckenkatheter zu dem man mich in der Urologie drängen wollte ohne überhaupt getestet zu haben, ob das notwendig ist.

Nach dem Entfernen des Katheters wurde 5x kontrolliert (2x in der Urologie, 1x zeitnah in der Reha, 1x nach einer Woche (da war erstmalig der Restharn knapp über 100) und dann noch einmal mit dem Ergebnis von 16. Darauf hin wurde wohl nicht mehr untersucht.

Angeblich hat mein Mann das Urinalkondom nicht toleriert (das hatte ich nämlich auch immer wieder ins Spiel gebracht). Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass man das in der Urologie ziemlich lieblos getestet hat (erkennt man daran wie vom Arzt und der Schwester darauf reagiert wird) und in der Reha würde es mich wundern, wenn sich jemand überhaupt die Mühe gemacht hätte.

Mein Mann trägt also Windeln bzw. tagsüber inzwischen Panty. Und (hurra) die Windel ist inzwischen sehr selten nass. Wobei ich mir nicht sicher bin wie verlässlich die Berichte des stetig wechselnden Personals sind (die wollen nur, dass ich nicht nerve und beschwichtigen gerne) und mein Mann leidet noch unter einem schlechten Kurzzeitgedächtnis. Also ist seine Aussage nur bedingt verlässlich.

Was ich selbst beobachten kann wenn ich vor Ort bin (und ich bin das stundenlang - inzwischen aber nur noch alle 2 Tage), dass tagsüber die Windel nicht nass wurde. Ein Pfleger sagt, dass er auch morgens nicht mehr nass ist, eine Schwester behauptet das Gegenteil. Also 50:50. Und seit 3 Tagen habe ich den Eindruck, dass mein Mann selbst den Harndrang spürt, denn er geht eigenständig aufs WC. Früher musste ich ihn dazu auffordern und das Personal tat es anfangs auch (mehr oder weniger zuverlässig). Inzwischen fühlt sich dazu aber niemand mehr berufen (soviel zum Toilettentraining) und ich bin dazu übergegangen zwar manchmal noch zu fragen (wenn wir einen längeren Weg vor uns haben wie Spaziergang, Therapie usw.) aber es zu akzeptieren wenn mein Mann Nein sagt. (die Ergebnisse, nämlich dennoch trockene Windel, geben ihm recht)

Ich muss aber ehrlich sagen, dass mich das Urinieren weniger belastet. Ich denke, dass kann noch besser werden (gebessert hat es sich ja schon). Mich hätte in diesem Kontext nur interessiert was es für diskrete Möglichkeiten gibt und - ob es Möglichkeiten des Trainings gibt um den Harndrang besser fühlen und steuern zu können.

Was mir mehr Sorge bereitet ist das Thema Stuhlgang. Aber auch das hat zumindest einen Fortschritt zu verzeichnen. Es gibt wohl keinen Durchfall mehr und seit ein paar Tagen (also nachdem ich den Beitrag geschrieben hatte) habe ich persönlich auch tagsüber keinen Stuhlgang in der Windel mehr erlebt. Zum Stand am Morgen erhalte ich, wie beim Urin auch, widersprüchliche Infos.

Lange Rede, kurzer Sinn.. mein Hauptproblem ist der Stuhlgang. Wobei ich seit 3 Tagen diesbezüglich nichts mehr mitbekommen habe. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass sich bei meinem Mann auch etwas positiv verändert hat und mein langer Bericht eher für die Katz war (und allenfalls für andere nützlich ist, die in einer ähnlichen Situation sind wie mein Mann und ich vor ein paar Wochen)

Liebe Grüße
AnnMarie

PS: Für Dich noch als "Schmakerl".. in der Reha sagte mir eine Assistenzärztin wortwörtlich "bei uns haben alle die einen Katheter tragen nach 4 Wochen einen Infekt. Das ist normal" Auf meine Frage, warum man nicht auf Alternativen umsteigt (eben auf das Urinalkondom bei Männern) kamen nur Ausreden wie "wird nicht toleriert, ist nichts für die Therapien, die Patienten müssten so mobil sein um auf das WC begleteit werden zu können. Man weiss also durchaus was das anrichtet. Mein Hinweis, dass sich da die Katze in den Schwanz beißt weil kein Schlaganfallpatient mit Infektionen therapiefähig ist und somit nicht mobil wird, tat man mit einem mitleidigen Blick ab. Fakt ist aber, dass mein Mann, seitdem er den Katheter los ist, gute - um nicht zu sagen - verblüffende Fortschritte macht. Selbst das Personal staunt - lernt nur nichts daraus.
Der Katheter wird nicht nur nicht hinterfragt, Angehörige die das in Frage stellen werden nicht ernst genommen und man hört jede Menge (mit Verlaub) dummes Geschwätz. Und das von allen Seiten - gleichgültig wie tief sie im Thema sein müssten.

PPS: und falls ich zu durcheinander geschrieben haben sollte und Du nun noch weniger durchblickst, dann versuche ich in den nächsten Tagen diese ganze unsägliche Geschichte (sie könnte ein kleines Taschenbuch geben wenn ich dann noch meine Gefühlslagen mit rein packen würde ;-) ) aufzuschreiben. Und wenn sie nur zur Warnung für andere Patienten/Angehörige dient.

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24 Nov 2019 23:17 - 24 Nov 2019 23:19 #6 von AnnMarie

matti schrieb: Ein Bauchdeckenkatheter ist einen Harnröhrenkatheter fast immer zu bevorzugen, weil Katheter-assoziierter Komplikationen deutlich reduziert werden können. Bei der langen Liegedauer deines Mannes hätte man dies längst in Betracht ziehen müssen.


Sooo lange lag mein Mann noch nicht, als die erste Harnwegsinfektion auftrat. Der Katheter wurde in der Klinik in der die OP durchgeführt wurde gelegt. 3 Tage nach OP kam er in die Reha. und 7 Tage nach Einlieferung hatte er seinen ersten Infekt. (evtl. auch 2 Tage früher, aufmerksam wurde man aber erst später)
Hätte man damals den Katheter gezogen und getestet ob die Miktion funktioniert, dann wäre meinem Mann möglicher Weise einiges erspart geblieben. (ja, ich weiß, die Liegedauer wäre immer noch zu lange gewesen. Ich hätte es aber als tragbaren Kompromiss gesehen. Zumal eine Rehaklinik keinen Bauchdeckenkatheter legen kann und der bei meinem Mann grundsätzlich problematisch ist.)

Und bevor ich das vergesse: Die von Dir verlinkten Leitlinien werde ich bei Entlassung meines Mannes dem Chefarzt in die Hand drücken.

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