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Wie selbstbewusst mit Windeln leben lernen?

05 Mär 2023 13:34 #11 von Helmut 60
Hallo Mich,

hätte ich drauf wetten können, dass du dies nicht so stehen lässt ;)! Ich glaube, da habe wir beide einfach eine unterschiedliche Meinung.

Zunächst nochmals grundsätzlich: ich habe ehrlichen, großen Respekt vor jedem, der seine Inkontinenz mit allen möglichen Mitteln weitestgehend bekämpft und eine Windel nur als allerletzte Möglichkeit, wenn nichts anderes mehr geht, akzeptieren würde und vieles andere unternehmen möchte, um genau dieses zu vermeiden. Ich würde dies niemals in irgendeiner Form herablassend kommentieren oder gar in den Raum werfen "Was soll der ganze Aufwand - trag einfach Windeln und gut ist!". Im Gegenteil - laut meiner Auffassung sollte der Sinn dieses Forums doch eigentlich sein, unterschiedliche Erfahrungen, Gefühle, Meinungen und Tatsachen miteinander zu teilen und respektvoll miteinander auszutauschen und, im Idealfall, gegenseitig Hilfestellung geben zu können und die ein oder andere Anregung, Behandlungs- oder Handhabungsmöglichkeit für sich selbst mitnehmen zu können. Ich erwarte aber auch für meinen (momentanen) Standpunkt den gleichen Respekt und die gleiche Achtung, die auch du natürlich und selbstverständlich auch für den deinigen erwarten kannst.

Ich empfinde es als nicht sehr hilfreich, wenn du in einem Thread, in dem jemand mit der Frage kommt wie er Selbstbewusstsein und Windeln unter einen Hut bekommen kann, auf die ich gefühlvoll und mit Eigenerfahrung versucht habe, zu antworten, mit der Aussage kommst:
"mit "nur" Harninkontinenz muss keiner auf die Dauer leben. Es gibt Möglichkeiten, etwas machen zu lassen. Ist zwar eine kleine OP, aber ich bin mit AMS 800 (künstlicher Schließmuskel) sehr zufrieden." Eine eigentlich sehr valide Aussage, die aber nichts mit dem Ursprungsthema zu tun hat, die es aber absolut Wert ist, in einem anderen Thread ausgiebig vorgestellt und diskutiert zu werden, aber eben nicht hier an dieser Stelle - genauso wie die jetzige Aussage
"Ich war der Meinung so lange es noch andere Möglichkeiten gibt, versuche ich alles um diese Windel loszuwerden."
Das mag deine Meinung sein, du hast selbstverständlich jedes Recht der Welt, diese Meinung zu haben und zu vertreten, aber meine Wenigkeit (und einige andere Personen vielleicht auch) mögen die Meinung haben, dass das Tragen von aufsaugenden Inkontinenzprodukten für sie selbst eben auch eine akzeptable, unschädliche, nebenwirkungsfreie Möglichkeit ist, mit ihren Problemen umzugehen.

Ich habe das Gefühl (und bitte nimm es mir nicht übel, wenn das falsch ist - wir kennen uns schließlich kaum), dass es dir etwas schwerfällt, eine solche Ansicht zu akzeptieren, und dass du von jedem erwartest, deinen Weg gut zu heißen und dem zu folgen.
Aber wir Menschen sind halt alle verschieden, haben verschiedene Bedürfnisse und verschieden Ansichten und Wege, mit bestimmten Situationen umzugehen. Was für den einen vollkommen richtig und logisch ist, mag dem anderen Suspekt sein und der nächste hat eine ganz andere Idee und dem übernächsten ist genau dieses unangenehm oder peinlich - lasst uns doch bitte einfach mit viel gegenseitigem Respekt, Verständnis, Höflichkeit und Offenheit unsere vielen reichhaltigen Erfahrungen, Gefühle, Erkenntnisse und unser Wissen vorurteilsfrei (und ohne Verurteilung) miteinander austauschen und teilen! Nach meiner Erfahrung gibt es, besonders im Umgang mit Inkontinenz, keinen wirklich absolut und immer und für jeden richtigen und einzigen Weg, sondern ganz viele individuelle und verschiedene...

Liebe Grüße
Helmut

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05 Mär 2023 13:35 #12 von Matthias1965

mich schrieb: Ich war der Meinung so lange es noch andere Möglichkeiten gibt, versuche ich alles um diese Windel loszuwerden.


Guten Tag mich,
ich muss schon ehrlich sagen: Dein Gebetsmühlenartiges Anpreisen von einer Operation nervt.
Das jetzige Thema lautet: "wie selbstbewusst mit Windeln leben lernen"
und nicht welche Operationsmethoden gibt es.
Übrigens. Mein Nachbar hat sich diese OP zweimal in einer Uniklinik machen lassen und trägt immer noch Vorlagen da er weiterhin munter vor sich hintröpfelt.
Viele Grüße

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05 Mär 2023 23:23 - 05 Mär 2023 23:26 #13 von stephanw
Hallo zusammen,

spannende Diskussion. Ich hadere nun schon seit ein paar Jahren mit meiner Harninkontinenz (Dranginkontinenz) und nutze als Hilfsmittel Windeln. Laut Ärztin käme noch eine Botox Therapie oder ein Gerät zur Sakralnervenstimulation in Frage. Da ich panische Angst vor Operationen habe, kann ich mich zu beiden OPs nicht durchringen, zumal Botox keine Dauerlösung ist und auch die sakrale Neuromodulation nicht gesichert zum Erfolg führt. Die Windel ist da das geringere Übel, auch wenn mich alles psychisch sehr mitnimmt. Die psychischen Probleme habe ich nicht erst seit der Inko, sondern wegen eines Traumas nach einem Unfall. Kurz danach kam dann die Harninko dazu. Beides (Trauma + Inko) verstärkt sich aber gegenseitig. Im Mai letzten Jahres kam nach einer Coronainfektion noch eine Stuhlinko dazu, aufgrund von Sensibilitätsstörung im Enddarm und seit dem öfterem dünnem Stuhl. Benutze zusätzlich Analtampons, die mir etwas helfen, aber ohne Windel geht nichts. 2-3 die Woche habe ich ungewollten Stuhlabgang. Auf die Psyche hat das natürlich sehr belastend gewirkt. Nehme auch seit einigen Jahren Antidepressiva, um besser damit umgehen zu können. Aber meine körperliche Verfassung ist einfach nicht gut.

Zum eigentlichen Thema: Mit den Jahren wirds mit der Akzeptanz besser, ohne Windel könnte ich das Haus heute nicht mehr verlassen. Ich konnte aufgrund einer guten Inklusionsvereinbarung in der Arbeit zum Glück vereinbaren, nur noch 1x pro Woche ins Büro zu fahren. Das ist zwar der Oberstresstag in der Woche, aber ich hab dann 6 Tage "Ruhe" - daheim kann ich die Doppelinko deutlich besser managen und wenn Stuhl abgeht, ist die Dusche nur ein paar Meter entfernt. Aber letztlich bin ich froh, dass es so gute Produkte gibt, ohne diese wäre ich sicher schwerstdepressiv, würde das Haus gar nicht mehr verlassen und in der Folge wäre ich sicherlich arbeitslos & auf lange Sicht pflegebedürftiger Sozialhilfeempfänger. Ich würde daher meinen Beziehungsstatus zur Windel als "Hassliebe" bezeichnen.

Grüße
Stephan

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06 Mär 2023 07:52 #14 von martinK
Hallo zusammen

Meine Meinung ist die Folgende: Während ein Leben mit Harninkontinenz ohne Einschränkungen gut möglich ist, sollte man bei Stuhlinkontinenz alles unternehmen um Unfälle zu vermeiden. Windeln schützen die Kleidung, aber den Gestank und akute Hautirritation können sie aus meiner Erfahrung nicht verhindern. Ich hatte in den letzten Jahren zum Glück nur sporadisch Stuhlunfälle, aber das war jedesmal mühsam und deprimierend. Wie Wechselbalg und Stephan geschrieben haben, gibt es zum Glück Methoden wie anale Irrigation und Analtampons, um die Stuhlinkontinenz zumindest zu lindern. Ich verwende Analtampons, wenn ich weiss, dass ich fernab von sanitären Einrichtung unterwegs bin. Dank Ihnen bin ich bei Stuhldrang entspannter, gewinne Zeit für den Stuhlgang, und verhindere Stuhlschmieren. Zudem versuchte ich, meine Essgewohnheiten so einzustellen, dass ich am Morgen den täglichen Stuhlgang verrichten kann und dann Ruhe habe. Leider klappt das nur phasenweise.

Die Akzeptanz von Windeln bzw. saugenden Inkontinenzhilfsmitteln ist offensichtlich etwas sehr persönliches, und ich verstehe auch „mich“, wenn er einen künstlichen Schliessmuskel dem Tragen von Windeln vorzieht und habe damit auch keine Mühe, wenn er dies hier regelmässig anbringt. Das grösste Problem meiner Inkontinenz ist die Sorge um meine Gesundheit, ferner nervt, dass ich unten undicht bin, wobei ich mich bei der Harninkontinenz mittlerweile daran gewöhnt habe und nur gelegentlich hadere. Mit den Hilfsmitteln kann ich gut leben, allein stört mich der Abfall und die Tatsache, dass ich meistens Ersatz mitnehmen muss, wenn ich unterwegs bin. Die modernen Hilfsmittel sind diskret, tragen sich wie normale Unterwäsche und halten die Nässe von der Haut weg. Ich empfinde keine Probleme, sie in der Öffentlichkeit zu tragen und bin auch nicht in meiner Lebensqualität beeinträchtigt, weil ich welche trage.

Herzliche Grüsse
Martin

P.S.: Jonas_89, gibt es Dich überhaupt noch? Es ist etwas seltsam, eine Diskussion zu starten und sich dann gar nicht einzubringen. Zum Beispiel fand ich den Beitrag von Wechselbalg sehr hilfreich, aber Du hast gar nicht reagiert…

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06 Mär 2023 08:48 #15 von mich
In meinem letzten Beitrag habe ich nicht von einer OP geschrieben. Es gibt so viel anderer Möglichkeiten, um nicht mit einer, für mich unbequemer Windelhose rumlaufen zu müssen. Auch ist eine Mitnahme solcher, wenn man unterwegs ist, nicht gerade einfach. Soll man dauernd mit Rucksack unterwegs sein und immer auf der Lauer, wo es möglich ist die Windeln zu wechseln? Ich habe das 2 Jahre lang mitgemacht. 10 -15x am Tag mich trocken legen zu müssen. Habe damals alles versucht, was möglich war. Es gibt Urinal-Kondome und Penisklemmen. Erst am Schluss als ich bemerkte es wird nicht besser, habe ich mich zu dem Schritt mich Operieren zu lassen entschlossen. Ich kann wieder ins Schwimmbad, mich an den Strand legen, halt Urlaub machen, wann ich will und wo ich will. Es steht nichts mehr entgegen. Auch mit fast 74 stehe ich noch voll im Leben.

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06 Mär 2023 10:33 #16 von martinK
Hallo mich

Ich verstehe Deinen Punkt und es ist schön, dass Du Deinen Weg gefunden hast, mit der Inkontinenz umzugehen. Nur ist dies nicht die einzige Lösung. Ich komme gut mit saugenden Hilfsmitteln klar, ja ich muss meistens Sachen zum Wechseln dabei haben, in den meisten Fällen ist das aber gar kein Problem. Ebenfalls ist das Wechseln bei mir nie mit Stress verbunden; ich muss ca 4 Mal pro Tag wechseln und kann das gut planen. Zudem habe ich auch gleich einen Schutz für die Stuhlinkontinenz. Einen wirklichen Stuhlverlust hatte ich schon lange nicht mehr, aber Stuhlschmieren erst letzte Woche (leider, ich hoffte bereits, dass ich das Problem weg habe).

Hingegen kam ich mit dem Urinalkondom nicht klar, der Schlauch störte mich, und als er einmal nicht hielt, gab ich das Experiment auf. Eine Penisklemme kommt für mich ebenfalls nicht in Frage. So sind Menschen unterschiedlich, Hauptsache, man findet für sich eine gute Lösung!

Herzliche Grüsse
Martin

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06 Mär 2023 11:20 #17 von Helmut 60
Hallo zusammen,

ich finde die Entwicklung dieses Threads sehr interessant und aufschlussreich - ich denke, wir können alle davon profitieren!

Stephan, deine Aussage:
"Laut Ärztin käme noch eine Botox Therapie oder ein Gerät zur Sakralnervenstimulation in Frage. Da ich panische Angst vor Operationen habe, kann ich mich zu beiden OPs nicht durchringen, zumal Botox keine Dauerlösung ist und auch die sakrale Neuromodulation nicht gesichert zum Erfolg führt. Die Windel ist da das geringere Übel"
kann ich für mich zu 100% übernehmen. Ich habe zwar keine panische Angst vor Eingriffen, aber ich wäge immer den Aufwand zum Nutzen ab, und "ungesicherter Erfolg" oder "keine Dauerlösung" ist für mich keinesfalls motivierend genug, die in der Praxis für mich extrem geringe Einschränkung des Windeltragens mit solchen Behandlungen versuchen loszuwerden.
Im Gegensatz zu dir habe ich aber auch lediglich mit Harninkontinenz zu tun, und wie auch Martin schreibt, ist das eigentlich nur ein "Ponyhof" im Vergleich zu einer zusätzlichen Darminkontinenz. Sicher, auch das ist zu managen und sollte einen nicht davon abhalten, ein gutes und erfülltes Leben zu führen, aber der Aufwand - und die mentale Belastung - ist sicher eine etwas andere Hausnummer. Ich finde es schön, dass du dich nicht unterkriegen lässt und professionelle, auch psychische Hilfe, hast und sogar dein Berufsleben aufrecht erhalten hast!

Ich bin mit dir und Martin der Meinung, dass die heutigen modernen Windeln sehr gut diskret zu tragen sind und jegliche Nässe sehr gut wegpacken und einschließen, und dass ein vollkommen normales, unbeschwertes und auch aktives Leben überhaupt kein Problem sind. Auch das Unterwegs sein ist für mich unproblematisch - ich habe "mein" Produkt gefunden, welches für mich optimal passt und welches ich im Schnitt nur einmal am Tag wechseln muss - für 4-6 Stunden bin ich eigentlich so sicher, so dass ich in etlichen Situationen noch nicht einmal Ersatz mitnehmen muss. Von daher kann ich dich, MICH, nicht verstehen, dass du dich 10 bis 15 mal am Tag trockenlegen musstest - entweder hattest du das total falsche Produkt oder du hast bei jedem, auch nur kleinsten "Unfall" sofort das Bedürfnis nach Wechsel gehabt! Aber - du hast ja eine für dich sehr gute andere Lösung gefunden, mit der du glücklich bist, das freut mich für dich!

Ich hadere überhaupt nicht mehr mit meiner Inkontinenz. Ich habe die für mich passenden und angenehmen Produkte gefunden und kann mein bisheriges Leben nahezu ohne jede Einschränkung normal weiterführen. Ich habe keinerlei Schmerzen (soweit ich nicht versuche, einen aufkommenden Drang lange zurückzuhalten), die Kosten sind überschaubar.

Hervorheben möchte ich aber auch noch den unendlich großen, positiven Einfluss meiner Frau auf mein Selbstwertgefühl. Seit Beginn meiner Inkontinenz hat sie mich dabei voll unterstützt, wir haben sehr viele, offene Gespräche geführt, sie hat mir immer wieder von Beginn an gesagt und auch gezeigt, dass ich in keiner Weise nun ein anderer Mensch für sie bin, nur weil ich eine andere Art von Unterwäsche trage (was sie nicht stört) und mich bestärkt, auf die Art und Weise meine Inkontinenz zu managen, mit der ich am Besten zurechtkomme - und wenn es eben die Windeln sind, mit denen ich keinerlei Probleme habe, dann ist das auch für sie vollkommen in Ordnung - ist kein großes Ding für sie!

@Stephan: manchmal ist auch ein gewisser Anteil von Humor im Umgang mit unserer Kondition sehr heilsam und positivierend!

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06 Mär 2023 11:34 #18 von mich
Helmut, es gibt viel Arten von Harninkontinenz. Wenn nur etwas weggeht, wenn ich mich anstrenge, ist das ganz was anderes als wie wenn alles was ich oben hineinschütte, unten wieder rausläuft. Ein Beispiel, als ich zur Kur war war gegenüber ein Kneipe mit schönen Biergarten. Ich wollte ja nicht am Zimmer versauern sondern ging mit den anderen mit. Als wir wieder zurück in die Klinik mussten ging ich erst einmal auf die Toilette und kam dann mit richtig großer Einlage ab und zu nicht mehr aufs Zimmer ohne eine nasse Hose zu haben. Ich hab dort gelernt, meine Kleidung öfters zu waschen. Es waren zurück nur ca. 100 Meter und einen Stock hoch. Erst da weiß man, was eine Inkontinenz wirklich ist. Damit lebte ich 2 Jahre lang und hab in der Zeit wirklich alles versucht. Vielleicht kannst du dir jetzt vorstellen, wie glücklich ich war, als mir eine Lösung vorgeschlagen wurde.
Auch habe ich mich immer daran gehalten, mindestens 2 Liter am Tag zu trinken. Jetzt kannst du dir ausrechnen, mit welchen Einlagen es dann schaffen sollte. Ich hatte sogar noch Glück, dass ich beim Liegen komplett dicht war, also in der Nacht nicht mal eine Einlage brauchte.

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06 Mär 2023 12:30 #19 von Helmut 60
Hallo Mich,

ich habe eine kombinierte Tröpfel- und Dranginkontinenz. Das Tröpfeln, welches ich nicht jederzeit und zu jeder Stunde habe, kann ich überhaupt nicht spüren oder in irgendeiner Form kontrollieren. Das sind aber nur kleine Mengen, ween es nur das wäre, würde eine einfache Einlage für den ganzen Tag reichen. Die Drangkinko ist da wesentlich prägnanter und eigentlich unkalkulierbar. Mal bin ich bis zu 3 oder gar 4 Stunden trocken, mal habe ich 4 oder 5 Drangereignisse in der Stunde. Bin ich mehr oder minder in direkter Nähe zu einer Toilette, habe ich eine Chance, die noch rechtzeitig zu erreichen - wenn nicht, hab ich eben Pech gehabt. Es sprudelt dann natürlich nicht gleich literweise raus, aber von einem kurzen Schwall bis hin zu 200, 300 ml kann alles passieren. Glaube mir, auch ich weiss, was eine Inkontinenz ist! Und da auch ich so ca. 2 l Wasser am Tag trinke (trinken muss!), kommen die natürlich auch im Laufe des Tages wieder raus und landen im schlechtesten Fall (viel unterwegs, stark beschäftigt etc.) in der Windel, ansonsten, wenn möglich, natürlich auch ab und an in der Toilette. Ich bevorzuge eine Hüftgurtwindel, die sich leicht und schnell öffnen und wieder verschließen lässt (und damit ganz schnell Toilettengang ermöglicht), andererseits aber auch aber auch drei Liter Normsaugkapazität (und damit in der Praxis zuverlässig knapp einen Liter Realkapazität) besitzt, aber trotzdem unter adäquater Kleidung absolut unauffällig zu tragen ist - so muss ich im Schnitt, auch an "schlimmen" Tagen, nur einmal über den Tag wechseln. Für die Nacht nutze ich eine "richtige" Windel, die problemlos alles aufnimmt, was auch immer passieren mag.

Einlagen sind lt. meiner Erfahrung im untersten Spektrum angesiedelt und nur bei leichter Inkontinenz angemessen. Pants (= Unterhosenform) können, je nach Ausführung, etwas mehr, sind sehr bequem und unauffällig, aber unverhältnismäßig teuer (und eine Katastrophe, wenn man sie unterwegs in einer öffentlichen Toilette wechseln muss). Slips (=Windeln) sind preiswerter, in vielen Formen, Größen, Ausführungen und ganz verschiedenen Saugstärken verfügbar und von diskret bis sehr auffällig vorhanden - man muss ganz schön experimentieren, das ideale Produkt für sich selber zu finden!

Also Mich, wir alle sind verschieden, genauso unsere Inkontinenz, und genauso verschieden ist der jeweilige Umgang damit - Du hast einen Weg gefunden, mit dem du hervorragend zurecht kommst, ich habe meinen Weg für mich gefunden, es sind verschiedene Wege - und das ist gut und vollkommen in Ordnung so und ein Weg is keinesfalls besser oder schlechter als der andere!

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06 Mär 2023 15:27 #20 von Bruno
Ich finde die verschiedenen Sichtweisen mit den Umgang mit Inkontinenz und den Hilfsmitteln spannend.
Ich kann mich irgendwie auf beiden Seiten wiederfinden. Zwischen "um jeden Preis die Inkontinenz verbessern und versuchen los zu werden" und "akzeptieren wie es ist, ist mir alles egal" sind so ziemlich alles an Gedanken dabei. Habe am Anfang adäquate Hilfsmitteln verweigert und nur ganz dünne Einlagen benutzt. Wollte einfach die Situation nicht akzeptieren. Bei meiner Dranginkontinenz ist die Häufigkeit und Menge an Urinverlust sehr variabel. Nach einer peinlichen Situation mit komplett nasser Hose in der Öffentlichkeit trage ich Pants, welche auch eine komplette Blasenfüllung aufsaugen können. Seitdem fühle ich mich deutlich sicherer und schränke mich nicht mehr in meinen Unternehmungen ein. Mein Tag dreht sich nicht mehr nur um die Inkontinenz und lebe weitestgehend normal. Trotzdem versuche ich mein Trinkverhalten und meine Toilettengänge so zu planen, dass es möglichst häufig trocken klappt, was gar nicht so selten klappt. Da gibt es nützliche Tipps hier im Forum unter anderem von Michael und Matti.
Zusammenfassend versuche ich durch die Kombination aus Medikamente (Spasmex) und Lifestyle die Beschwerden zu lindern, akzeptiere aber gleichzeitig die Hilfsmitteln als Hilfe! Auf dieser Weise bin ich nur noch wenig im meiner Lebensqualität eingeschränkt- was ich am Anfang nicht gedacht hätte.

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