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Trotz Bauchdeckenkatheder noch inkontinent!?!

21 Mär 2020 16:49 #1 von ttmanni
Hallo, Forum!
Ich bin neu hier und habe mit dem Thema "Inkontinenz" durch die Pflege meiner Frau Kontakt bekommen. Sie hatte vor einem knappen Jahr einen schweren Schlaganfall mit Hemiparese links u. m. und trug bis vor einer Woche einen Harnröhrenkatheder. Dieser war ihr von Anfang an lästig und schmerzhaft, doch die Urinableitung klappte bisher ganz gut ohne größere 'Leckagen'.
Nach mehreren Versuchen ist es unter Komplikationen nun gelungen, einen Bauchdeckenkatheder zu legen, der auch sofort die beklagten Probleme löste. Leider stellte sich nach dem Wechsel des Katheders eine erhebliche Inkontinenz tagsüber (ca. 500 ml) ein. Meine Frau verspürt Harndrang und muss ihm nachgeben, allerdings läuft trotzdem auch ein Teil des Urins in den Beinbeutel ab. Nachts läuft aller Urin in den (Nacht-) Beutel ab.
Meine Fragen:
1: Ist es normal, dass nach SPK-Anlage noch weiter Urin durch die Harnröhre abgelassen werden muss?
2: Bessert sich das, wenn man bzw. der Körper sich an die neue Kathederart gewöhnt hat?
3: Kann man etwas dagegen tun, wenn ja, was kann man tun?

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22 Mär 2020 14:25 #2 von Jens Schriever
Hallo ttmanni

Eigentlich sollte der Urin in den Beutel laufen. Es kann aber auch mal vorkommen das der Katheter beim sitzen abgeknickt wird so dass der Urin nicht ungehindert ablaufen kann. Normal dürfte kein Urin aus der Harnröhre kommen wenn der Katheter offen am Beutel ist. Gerade bei neu gelegten Katheter kann der Abfluss durch abknicken eingeschränkt sein weil der Katheter sehr dünn ist. Nach und nach wird der Katheter beim wechseln auf Endgröße erfolgen. Die sind dann nicht so anfällig gegen abknicken wie der 1. Ich bin kein Arzt nur selber Betroffener und das währe so meine Erklärung.
Trotzdem solltet ihr das dem Urologen sagen vielleicht liegt der Katheter auch nicht richtig.

Gruß Jens

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22 Mär 2020 17:40 #3 von herirein
Hallo ttmanni
Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum der Inkontinenz Selbsthilfe e.V.

Der Harnröhrenkatheter ersetzt, die Harnröhre um einen sicheren Ablauf des Harn zu gewährleisten. Wird der Harnröhrenkatheter durch einen SPK ersetzt, muss der Harnröhrenschließmuskel funktionsfähig sein, um den Harn in der Blase zurückzuhalten. Nach einem Schlaganfall ist das häufig nicht mehr der Fall, weil dieser Schließmuskel seine nervale Steuerung verloren hat.

Du selbst kannst an Dir testen, ob der Harnröhrenschließmuskel noch funktioniert, das geht, zwar etwas schwieriger, aber auch bei der Frau.

Die Harnröhre verläuft am Damm entlang. Beim Mann also zwischen Hodensack und Anus. Bei der Frau zwischen der äußeren Vagina und dem Anus.
Stell Dir bitte vor, Du willst den Harnfluss unterbrechen und ertastest unter leichtem Druck die Harnröhre im Dammbereich. Funktioniert der Harnröhrenschließmuskel, bewegt sich die ertastete Harnröhre spürbar.

Ist trotz des Versuchs den Harnfluss zu unterbrechen, die Schließmuskeltätigkeit nicht spürbar, kann der Harnfluss so nicht mehr gestoppt werden.
Will man nicht auf einen SPK verzichten, bleibt einem nur, den ablaufenden Harn mit aufsaugenden Mitteln aufzufangen.

Gruß Heribert

Menschen sind wie Engel mit nur einem Flügel,
um fliegen zu können müssen wir uns umarmen
(Luciano de Crescenzo)
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23 Mär 2020 10:20 #4 von ttmanni
Hallo, Jens!
Danke für Deine schnelle Antwort - hilft mir allerdings nicht weiter. Ein Abknicken des Katheders kann ich ausschließen, denn das war natürlich das erste, was ich gecheckt habe. Es ist auch gar nicht so einfach, den Kathederschlauch so abzuknicken, dass er nichts mehr durchlässt.
Es muss eine andere Ursache geben!

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23 Mär 2020 10:37 #5 von ttmanni
Hallo, Heribert!
Danke für Deine schnelle Antwort. Das hört sich plausibel an, und ich werde mal versuchen, die vorgeschlagenen Tast-Tests zu machen.
Es kann natürlich sein, dass bei meiner Frau der Schließmuskel durch die lange Zeit, die der Harnröhrenkatheder lag, deaktiviert ist. Wäre es denn wohl denkbar, dass man den Schließmuskel wieder trainieren kann? Meine Frau ist total enttäuscht über den Effekt der K.-Verlegung und eine solche Entwicklung ist uns auch vom Arzt nicht in Aussicht gestellt worden. Eine dauerhafte Aufsaug-Lösung wäre ganz große Sch....!

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23 Mär 2020 11:14 #6 von herirein
Hallo Manni,

auch, wenn der Schließmuskeltest nur eine kleine Aktivität erahnen lässt, kann versucht werden mit Beckenbodentraining diesen Muskel wieder aktiver zu machen. Alles was als Training gegen die Hemiparese eingesetzt und von Deiner Frau angenommen wird, trägt zur Verbesserung des "Jetzt"-Zustandes bei. Dazu gehören vor allen Dingen physiotherapeutische Übungen, die nicht nur vom Therapeuten angeleitet werden, sondern auch mit Deiner Hilfe, täglich wiederholt werden sollten.
Sprich diesbezüglich unbedingt mit dem betreuenden Neurologen. Da lässt sich noch viel verbessern!

Herzliche Grüße und alles Gute auch an Deine Frau
Heribert

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23 Mär 2020 19:38 #7 von bienchen123
Hallo ttmanni,

das, was du beschreibst, kenne ich auch aus eigener Erfahrung sehr gut:
Ich (bin auch eine Frau) habe selbst inzwischen seit bald 3 1/2 Jahren einen suprapubischen Katheter - und ich habe von Anfang an das Problem gehabt, dass ich trotz des SPKs eine ganze Menge Urin durch die Harnröhre verliere. Es waren auch noch größere Mengen als bei deiner Frau, weil ich immer relativ viel getrunken habe. Im Gegensatz zu deiner Frau hat das bei mir aber eine völlig andere Ursache, und im Gegensatz zu deiner Frau habe ich ganz lange meine Blase überhaupt nicht gespürt - d. h., ich hatte auch überhaupt keinen Harndrang.

Mein Urologe meint(e) von Anfang an immer, das könne nicht sein: Aller Urin müsste bei liegendem und geöffnetem SPK auch in den Beutel ablaufen.
Aber das stimmt bei mir auch nicht!!!
Ich hatte anfangs einen wirklich hohen Verbrauch an Vorlagen, war ständig wund - und sehr frustriert ....

Im Laufe der Zeit ist das deutlich besser geworden:
Ich trage immer noch ständig Vorlagen, brauche aber inzwischen viel weniger.
Wund bin ich nur noch sehr selten - du solltest aber darauf achten, die Haut mithilfe einer geeigneten Wundschutz-Creme vorbeugend zu schützen, damit sie nicht so sehr angegriffen wird.
Wichtig ist noch darauf zu achten, dass der Urinbeutel immer (!!!!) unterhalb der Blase liegt/ hängt/ befestigt ist!!!!
Es ist ja auffällig, dass bei deiner Frau zumindest nachts - wie du schreibst - aller Urin in den Beutel abzufließen scheint. Aber das ist doch schon mal sehr gut! Das garantiert dann zumindest eine "trockene Nacht" und einen relativ erholsamen Schlaf!

Andere gute Ratschläge hast du ja insbesondere von Heribert schon bekommen!

Und auch Jens' Hinweis ist absolut nicht unwichtig:
Bei mit ist das sehr oft der Fall - vielleicht, weil ich sehr mobil bin und vielleicht auch manchmal etwas quirlig für den SPK (?!) -, dass der Urin nicht richtig abläuft, weil wirklich der innere Teil des Katheters, der mit dem Ballon in der Blase fixiert ist, extrem ungünstig z.B. in einer Falte der inneren Blasenwand oder unmittelbar an der Blasenwand anliegt, so dass der Ablauf des Urins durch die Öffnung an der Katheterspitze einfach behindert wird.
Da hilft bei mir manchmal ein gaaaaaaanz behutsames (!!!!), gaaaanz vorsichtiges (!!!!!), leichtes Ziehen oder "ein ganz bisschen" Drehen am Katheterschlauch direkt an der Einstichstelle (das kann sonst echt weh tun, und je leerer die Blase ist, desto fieser kann das schmerzen!!! Da ist Fingerspitzengefühl gefragt!). Eine Urologin hat mir das aber mal gezeigt und empfohlen. Und meist läuft dann bei mir auch wieder der Urin verstärkt in den Beutel.
Tatsächlich solltest du über dieses Problem zuerst auch mit dem behandelnden Urologen sprechen - vielleicht auch, bevor du selbst solch ein "Drehmanöver" erstmalig ausprobierst!

Und dann ist die Frage, ob das "Auslaufen in die Vorlage" mit der Zeit schlimmer wird - und zwar meine ich in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des nächsten Katheterwechsels???
Es könnte der Fall sein, dass der Katheter dann in der Blase "zu sitzt" bzw. verstopft ist und der Urinablauf in den Beutel ganz einfach mechanisch behindert wird. Das kenne ich ebenfalls sehr gut.
Es könnte euch dann u.a. helfen, die Wechsel-Intervalle zu verkleinern.
Beobachtet das mal... (Nur zur Info: Bei mir stand anfangs alle 6 Wochen der SPK- Wechsel im Terminkalender, inzwischen sind wir bei 4 Wochen angekommen, und ich achte sehr darauf, dass diese bloß nicht überschritten werden. Mittlerweile zieht mein Urologe dabei auch mit, obwohl er anfangs immer meinte, das könne doch alles nicht sein und 6 Wochen müssten in jedem Fall als Wechselintervall ausreichen. Das tat es aber auch nicht! Es passt eben nicht jede(r) in das Lehrbuch-Schema.)

Und was mir persönlich sonst noch geholfen hat:
1. Nicht die Hoffnung auf Besserung aufgeben! Eher den Arzt wechseln...
2. Selbsthilfegruppe!!!!
3. Akupunktur
4. Ruhe bewahren!!!
5. Evtl. mal einen Termin in einem Beckenbodenzentrum wahrnehmen - da sind die Spezialisten zu finden!

Ich wünsche euch viel Geduld und Erfolg und alles Gute!!!!
bienchen

P.S.: Vielleicht magst du dich zwischendurch mal melden und mitteilen, wie es sich entwickelt...? - Das würde mich wirklich interessieren...

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23 Mär 2020 22:01 #8 von Jens Schriever
Hallo ttmanni

Manchmal kommt das bei mir auch beim sitzen vor wenn ich dann aufstehe merke ich wie der Urin in den Beutel fließt.

Gruß Jens

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