file Frage akuter Harnverhalt nach Cauda Equina Syndrom BSV L5/S1

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1 Monat 4 Tage her #53399 von bastir_br
Hallo Liebe Forumsmitglieder,

seit meiner OP im Oktober 2025 lese ich immer mal wieder in diesem Forum und habe mich nun, auf Grund meiner Probleme dazu entschieden selbst einen Beitrag zu schreiben.
ich erhoffe mir, dass ich Menschen finde, die Ähnliches durchgemacht haben oder vielleicht auch aktuell durchmachen müssen.

Circa 24 Stunden vor meiner Bandscheiben Operation klagte ich über Taubheit im linken Bein, beginnend an den Zehen. Im weiteren verlauf zog dieses immer weiter nach oben. 
Am Abend vor der Operation begann bei mir ein akuter Harnverhalt, sodass kein Wasserlassen mehr möglich war.
Die OP verlief gut und ich wurde nach einer Woche mit einem suprapubischen Katheter aus dem KH entlassen.

Leider hat sich an dem Harnverhalt nichts getan, es ist kein Wasserlassen möglich. Bei stärkerem Pressen kommen ein paar Tropfen, aber nicht mehr.

Bei mir wurde ein Katheter der Größe 12 CH gelegt und es findet alle sechs Wochen ein Wechsel statt.
Dieser läuft jedoch mittlerweile extrem langsam, ich benötige für 200ml fast 2,5 Minuten.
Gerade in der Nacht staut sich einiges an Urin und so ist es keine Seltenheit, dass ich nachts für über 10min auf der Toilette bin um meine Blase über den SBK (mit Ventil) zu entleeren. An einen geregelten und erholsamen Schlaf ist nicht zu denken.

Weiterhin habe ich noch Empfindungsstörungen am Gesäß, dem Oberschenken, dem Unterschenkel und dem Fuß.
Der Zehenspitzenstand funktioniert mit dem "gestörten" Bein nicht.

Ich würde mich freuen wenn es vielleicht Infos zu möglichen Behandlungsmethoden und Erfolgen, Erfahrungen im Umgang mit dem Dauerkatheter oder aber zur Cauda Equina Symptomatik mit einem Harnverhalt gibt.

Wie sind die Erfahrungen mit dem Marienhospital Herne?

Ich freue mich auf eure Antworten.

Viele Grüße

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1 Monat 4 Tage her #53402 von Vallie
Hallo bastir_BR,

bei mir kam es vor über zwei Jahren zum BSV L5/S1 mit Caudasyndrom. Wo fange ich an?
Der schlechte Harnabfluss scheint Dich aktuell am meisten zu belasten.
Wurde denn schon überprüft, ob der Katheter verstopft ist?
Ch12 ist eher klein, mir dauert es mit Ch14 schon zu lang, gibt es da einen Grund für die Größenauswahl? Du entleerst über ein Ventil, wäre es für Dich nicht erstmal entspannter, nachts auf einen Bettbeutel zu wechseln?
Bei mir wurde der Dauerkatheter nach zwei oder drei Wochen gezogen und ich wurde ins intermittierende Selbstkathetisieren (ISK) eingewiesen. Wenn nichts dagegen spricht, ist das auch üblich. War das bei Dir bisher kein Thema?
In der Überschrift schreibt Du von akutem Harnverhalt. Wurde es Dir dementsprechend vermittelt, daß sich Deine Blase wieder erholt?
Mir wurde nach der OP, als ich weiterhin keinen Harndrang verspürte und die Blase nicht entleeren konnte, unmissverständlich mitgeteilt, dass ich mir da keine zu großen Hoffnungen machen muss.
Sensorisch und motorisch kann sich in den  ersten Monaten hingegen viel tun.
Anfangs konnte ich den Stuhl, auf dem ich saß, nicht spüren. Bei meinen ersten Versuchen, wieder aufs Rad zu steigen, musste ich mit meinen Händen immer überprüfen, ob ich richtig draufsitze, sehr unheimlich, dynamisches Fahren unvorstellbar. Das hat sich gebessert. Bei mir ist das Empfinden jedoch nicht mehr so wie früher, zusätzlich auch sehr schwankend. D.h., der stumpf-spitz-Test mit der Sicherheitsnadel am Oberschenkel fällt unterschiedlich aus.
Meine motorischen Einschränkungen waren begrenzt, aber es war durchaus ein Unterschied zwischen den beiden Beinen. Hast Du schon von der Vojta-Therapie gehört?
Mein Körper hat sehr stark darauf reagiert, ich kam mir danach wie eine Ballerina vor. Naja, fast. Da es bei mir schon vier Monate nach dem BSV mit Caudasyndrom zu einem Rezidiv kam, d.h. wieder großer BSV L5/S1, weiß ich gar nicht mehr genau, wie der zeitliche Ablauf war. Doch glaube ich, meine Trittsicherheit habe ich erst nach dem  zweiten Bandscheibenvorfall verloren. Treppen runter: Katastrophe. Wie vorher auf einen Schemel steigen: ich nutze jetzt die Leiter. Usw. Was nicht heißt, dass ich nicht ständig und überall an meinem Balancegefühl arbeite, es hat sich sehr viel getan, und hier kann ich tatsächlich große Verbesserungen feststellen.
Eine Bergtour, die Trittsicherheit verlangt, ist allerdings noch nicht drin.

Zu Herne werden Dir sicherlich andere ihre Erfahrungen mitteilen können, aber gab es denn nach der OP noch gar keine neuro-urologische Untersuchung?

Soweit erstmal. Frag gerne nach.

Grüße von Valerie

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1 Monat 3 Tage her #53405 von bastir_br
Hallo Valerie, 

Danke für deine Antwort.

Der Katheter ist nicht verstopft. Der wird ja auch regelmäßig gewechselt.
Die Größe wurde damals im KH so festgelegt, allerdings bekomme ich morgen einen in CH14.
Nachts werde ich jetzt wohl wieder auf einen Beutel wechseln, ist für die Blase und den Schlaf vermutlich am besten.

Aber warum den grundsätzlich so langsam läuft, würde ich wirklich gern wissen.

Eine neurourologische Untersuchung hat noch nicht stattgefunden, aber da werde ich morgen mal nachfragen.

Nach der OP hat bisher keiner eine Aussage getroffen, ob sich das möglicherweise wieder erholt. Aber das ist wohl ohne Urodynamik auch schwierig.
Grundsätzlich es es ja gut, wenn man die Realität aufgetischt bekommt, auch wenn es nicht immer das ist was man hören möchte.
Ich stelle mir den Moment schwierig vor, wenn man gesagt bekommt, dass die Blase sich nicht wieder erholen wird und man ab diesem Zeitpunkt auf Katheter angewiesen sein wird.
Wie kommst du mit dem ISK klar? Bzw. warum wurde der suprapubische Katheter enfernt?
Ich stelle mir das unheimlich schwierig vor bei jedem Toilettengang einen Katheter zu legen. Und das auch noch selber...
Wie gut kann man das in den Alltag einbauen?
Ich bin mit 35 noch relativ jung und ich habe wirklich Angst, dass ich den Rest meines Lebens an so einem Schlauch hänge, bzw davon abhängig bin. Keine schöne Vorstellung.

Von der Vojta Therapie habe ich noch nichts gehört, aber das werde ich nach dem Schreiben dieser Nachricht ändern.
Hat das ebenfalls zu den Besserungen, von denen du berichtet hast, geführt?
Es ist ja schön zu hören, dass jemand mit dem selben Krankheitsbild Besserung erfahren hat. 
Wie viel Zeit ist da vergangen bis du wieder sicher gehen konntest?
Wie gut kannst du deinen Alltag meistern, zwei BSV schränken einen sicherlich ordentlich ein, oder?


Viele Grüße

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1 Monat 3 Tage her #53406 von Vallie
Hallo bastir_br,

ich kann mir gut vorstellen, wie nervig das ist wenn es so langsam läuft, 2,5 Minuten für 200ml ist echt lang. Bei mir war das nie ein Problem, deshalb kenne ich mich da auch nicht weiter mit aus. Vielleicht meldet sich da noch jemand anderes mit Ideen. Ich habe sogar Ch16 ausprobiert, dass es noch schneller läuft, aber meinen Lieblingskatheter gibt es nur bis Ch14, da hieß es abwägen.
Ein SBK wurde mir gar nicht gelegt, ich hatte am Anfang den Krankenhausklassiker, also durch die Harnröhre. Ja, und die Aussage, dass die Nerven, die für Blase und Darm zuständig sind, besonders fein und empfindlich sind und sich nur sehr selten erholen, wenn sie einmal geschädigt sind, kam einen Tag nach der OP, also lange vor und unabhängig von den späteren neurourologischen Untersuchungen.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand eine ultimative Aussage trifft, wie sich das im Einzelfall entwickeln wird.
Du hast bestimmt auch schon viel im Internet rumgestöbert, meist liest man, dass ein Caudasyndrom innerhalb 12-24 Stunden operiert werden muss. Ich habe aber auch die Aussage gefunden, dass kein Erfolg mehr durch die OP zu erwarten ist, wenn es vorher schon zu einem kompletten Harnverhalt gekommen ist.

Die ersten Tage, als ich ich dachte, okay, das bleibt jetzt so, hatte ich noch nicht die Info, dass es ISK gibt, auch ein SBK wurde nicht erwähnt. Ich hatte diesen unförmigen Bettbeutel mit der Plastikaufhängung und dachte, damit mein restliches Leben zurechtkommen zu müssen. Das war recht krass. Dann kam eine Pflegerin auf die Idee, mir einen Beinbeutel zu organisieren. Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern, der erste Lichtblick, ich war absolut euphorisch. ISK wurde mir dann nach Verlegung in eine andere Klinik gezeigt. Ich hatte mich bis dahin intensiv mit der Aussicht auseinandergesetzt, dass ich wohl mein Leben lang von Hilfsmaterial abhängig bin, um meine Blase entleeren zu können. Echt heftig. Da ich aber nahezu zwanghaft und bei allem auch immer nach eventuellen Vorteilen suche, hatte  ich auch hier einen gefunden: da sehr viele Frauen im Alter unter einer Belastungsinkontinenz leiden, Niesen, Husten, alles ein Problem sein kann, ist das doch super, dass mir das später erspart bleiben wird. Ein eingebauter safety lock. Im Sinne des positiven Denkens habe ich mich total darauf fixiert. Heho.
Und dann wurde mir der Harnröhrenkatheter gezogen.
Und bei der leichtesten Bewegung entleerte sich meine Blase komplett. Wie ein Eimer mit Loch im Boden, den man anhebt.
Das war der erste richtige Tiefschlag. Gleichzeitig komplett kontinent und massiv inkontinent zu sein.
Da Du einen SBK hast, kann Dir dieser Schockmoment nicht mehr unterkommen, die Kombi scheint auch echt selten zu sein.

ISK würde ich an Deiner Stelle nochmal in Betracht ziehen. Die Handhabung ist bei Frauen und Männern unterschiedlich. Aber echt überschaubar. Bei Frauen ist das Hauptproblem, den Harnröhrenzugang zu finden. Bei Männern ist die längere Harnröhre wohl eher die Herausforderung.
Meistens wird ein SBK nur empfohlen, wenn es Gründe gibt, die gegen ISK sprechen, aber das war bei Dir wohl anders.
Ohne ISK hängt man halt nicht mehr am Schlauch, wie Du es so schön formuliert. Man sieht dem Körper überhaupt nichts an. Das ist definitiv ein Unterschied. Im Alltag zurecht kommen, geht zunehmend besser. Am Anfang ist das alles wahnsinnig aufregend. Immer das Equipment dabei haben. Und ausnahmslos auf maximale Hygiene achten, wie einem eingebläut wird. Bei mir hat sich glücklicherweise herausgestellt, dass ich auch bei Nichtausführen der Hygieneregeln keine Harnwegsinfektionen bekomme. Wir hatten hier im Forum schon ausreichend Debatten diesbezüglich. Da ich konsequent auf entzündungshemmende Ernährung achte, kann es auch daran liegen.
Meine größten Frustmomente sind bei längeren Spaziergängen/Wanderungen. Gerade jetzt im Winter war das manchmal echt doof. Durch die laubfreien Wäldern nirgends irgendens der kleinste Sichtschutz. Teils so hoher Schnee, dass es keine Chance gab, den Weg zu verlassen. Und vor allem trotz dickster Fäustlinge so klamme Finger, dass die Feinmotorik fehlt, um den Katheter einzuführen. Bis auf einmal, da musste ich deshalb abbrechen, bin ich trotzdem bei jeder Witterung stundenlang draußen gewesen.

Bei mir wurde die Vojtatechnik im Rahmen des stationären Aufenthalts am Anfang angewandt, also noch vor dem zweiten BSV.
Ich könnte mir vorstellen, dass sie Dir beim Fußspitzenstand helfen könnte. Das war bei mir der Fall. Allerdings konnte ich mich auch vorher hochdrücken, nur nicht so wie zuvor und eher wackelig. Da könntest Du mal bei niedergelassenen Physiotherapeuten, die sich auf neurologische Themen spezialisiert haben, nachschauen.

Wie weit meine körperlichen Einschränkungen durch die zuvor schon bestehenden Rückenschmerzen, die inkomplette Querschnittslähmung oder die beiden Bandscheibenvorfälle ursächlich sind, ich weiss es nicht. Wahrscheinlich ein Mix aus allem. Ich kann meine Gesäßmuskulatur nicht mehr normal anspannen, da ist einfach „nichts". Da der Gluteus nicht nur der kräftigste Muskel ist, sondern grade bei sportlichen Menschen auch aktiv zur
Stabilisation eingesetzt wird, Knie, Lendenwirbelsäule, etc. entlastet, ist das mein aktuelles Hauptproblem. Ich führe einen Großteil meiner Schmerzen darauf zurück.

Sind bei Dir die Empfindungsstörungen auf sie Haut bezogen oder auch tiefer? Wenn ich mich mit aufgestellten Beinen auf die Matte setzen, wo man dann normal sehr ausgeprägt die Sitzhöcker spürt, ist da bei mir nur ein Mix aus Schwamm-Gelkissen-Betonplatten in den Pobacken zu spüren, echt unschön.
Um die Trittsicherheit zu verbessern, hat es mir u.a. geholfen, barfuß zu üben. Als mir aufgefallen ist, dass ich ohne Schuhe und Socken viel mehr spüre, bin ich sehr viel und sehr beharrlich barfuß Treppen gegangen, das war auch für den Kopf gut, wieder mehr zu spüren.

Für Menschen, die aus dem Haus ins Auto steigen, um zu einer sitzenden Bürotätigkeit zu fahren, wären meine Einschränkungen vielleicht marginal. Ich bin ein absoluter Bewegungmensch, mein Rad war zuvor mein ständiges Fortbewegungsmittel, deshalb sind sie für mich durchaus gravierend.

Grüße von Valerie

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