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Matthias_1973 möchte sich mal kurz vorstellen

18 Okt 2022 18:43 #1 von Matthias_1973
Hallo zusammen,
ich heiße Matthias und bin hier als Gast schon einige Zeit stiller Mitleser. Werde demnächst 50 Jahre jung, bin verheiratet und stehe auch voll im Berufsleben. Gesundheitlich bin ich eine Großbaustelle, nach einem Unfall mit jeder Menge Frakturen, unter anderem Becken und Kreuzbein, sowie einer Herzquetschung 1999 und einem Vorderwandinfarkt 2017 (Zusammenhang möglich) bin ich mit einem implantierten Defibrillator versorgt. Dazu noch Unmengen Medikamente, unter anderem Betablocker und Diuretikum. Seit dieser Zeit habe ich mit häufigem und überfallartigen Harndrang zu kämpfen. Inzwischen ist es schon recht heftig, wenn der Drang kommt bleiben mir noch einige Minuten, es ist dann nicht mehr einzuhalten. Der Urinverlust ist schon erheblich. Habe mich vor zwei Monaten endlich mal meiner Hausärztin anvertraut, danach ging es zum Urologen. Dieser hat dann auch noch eine gutartige Prostatavergrösserung festgestellt (40 ml Prostatavolumen). Behandlung mit Alfuzosin und Betmiga. Der Urinfluss ist etwas besser geworden, die Drangsymptomatik ist unverändert. Ich brauche im Schnitt zwei grosse saugstarke Vorlagen am Tag, wenn ich unterwegs bin, ins Büro und zurück. Zuhause klappt es ohne, da schaffe ich es noch auf die Toilette. Bisher kaufe ich die Vorlagen selber. Kann der Urologe die vorlagen rezeptieren, er meinte da ich nicht ständig welche brauche würde das die Krankenkasse nicht bewilligen.
Medikamente sollen erstmal weiter genommen werden, wenn die Drangsymptomatik bleibt, ist für Anfang nächsten Jahres noch eine Urodynamik geplant.
So, das soll erstmal reichen.
Einen schönen Abend noch.

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18 Okt 2022 20:41 #2 von MichaelDah
Hallo Mathias,

erstmal herzlich willkommen hier - da hast du ja schon einiges durchgemacht…

Betablocker + Diuretikum + BPH ist natürlich eine Kombination die solche Probleme verursachen kann. Ich würde da den Kardiologe fragen - vielleicht findet sich eine Medikamentenkombination die weniger auf die Blase geht - aber da kenne ich mich zu wenig aus. Grundsätzlich können Beta-3- Adrenozeptoragonisten die zusammen mit Beta-Blockern genommen werden sich gegenseitig beeinflussen - auch da sollte der Kardiologe gefragt werden. In deinem Fall könnte das die Erklärung dafür sein das Betmiga bei dir nicht wirkt.

Das mit den Vorlagen verstehe ich jetzt gerade nicht so richtig - wenn du zwei Stück pro Tag benötigst dann ist das doch regelmäßig. Hast Du das dem Urologen denn erklärt und ein entsprechendes Miktionsprotokoll vorgelegt aus dem das hervorgeht?

Es ist tatsächlich so, das die Kasse bei einer leichten Inkontinenz nicht zahlt - aber das scheint bei dem was schreibst nicht der Fall zu sein. Von daher würde ich den Urologen fragen, wie er denn dein Kontinenzproblem bis zum Erfolg seiner Behandlung zu kompensieren gendenkt und ob du bis dahin auf dem Klo sitzen bleiben sollst… Nein - Spaß beiseite - ich denke da solltest du schon sehr deutlich sagen wie es ist - und das es eben z.Z. nicht anders geht und du sonst nicht arbeitsfähig bist.

Der Krankenkasse ist das übrigens erstmal komplett egal - die Vertraut dem Urologen an dieser Stelle. Aufsaugende Inkontinenzhilfen müssen Grundsätzlich nicht gesondert genehmigt werden. Wenn du das Rezept hast, auf dem mindesten die Menge des Hilfsmittelbedarfs pro Tag und Schweregrad der Inkontinenz vermerkt sein sollte, dann das im Prinzip ganz einfach:

1) Du gehst auf die Internetseite der Krankenkasse, suchst einen dort angegeben Hilfsmittellieferant (oder besser gleich mehrer) für aufsaugenden Inkontinenzhilfsmittel.

2) Du rufst den Lieferanten an, schilderst dein Problem, lässt dich Beraten und lässt dir _zuzahlungsfreie_ Muster schicken. Wenn die nicht funktionieren sollten, dann frage nach eine kostenneutralen Lösung des Problems. Wenn die Hose trotz korrekt verwendetem Hilfsmittel nicht trocken bleibt, dann ist das Hilfsmittel unzureichend - das hat dann nichts mit einer „Premium Versorgung“ oder wie auch immer der Lieferant das dann möglicher weise umschreibt zu tun…

Wichtiger Hinweis dabei: Wenn ein in der Beratung empfohlenes kostenfreies Produkt nicht funktionieren sollte, dann schreib dir genau auf welches Produkte das war und warum es bei dir nicht funktioniert hat (Ausgelaufen, nicht gepasst, Hautirritationen etc) - diese Info das brauchst du eventuell später, wenn du eine Einzelgenehmigung erwirken willst.

3) Wenn du etwas gefunden hast, das für dich funktioniert, schickst du dem Lieferanten das Rezept und es kann los gehen.

Ganz wichtig dabei:

Nichts unterschreiben in dem irgendetwas von „wirtschaftlicher Aufzahlung“ etc steht. Lediglich die gesetzliche Zuzahlung darf verlangt werden. Wenn der Lieferant etwas anders erzählt solltest du einen anderen nehmen und das Rezept behalten. Das ist wirklich ganz wichtig - denn im schlechtesten Fall zahlst du sonst trotz Kassenbeteiligung am Ende mehr als wenn du die Sachen selber im Internet bestellst…

Solange du dich mit dem Lieferanten einigen kannst ist alles gut und die Krankenkasse interessiert sich nicht weiter dafür. Wenn du dich nicht einigen kannst, dann wird es etwas komplizierter. Allerdings würde ich dir erstmal empfehlen das so zu versuchen - wenn doch ein Problem auftreten sollte frag noch mal nach :-).

viele Grüße und einen guten Austausch im Forum
Michael
Folgende Benutzer bedankten sich: Tanja123

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18 Okt 2022 21:17 #3 von Matthias_1973
Hallo Michael,
vielen Dank für deine ausführliche und sehr informative Antwort, ich bin bei dem Thema noch recht unbedarft. Wie gesagt, ich trage die Vorlagen nicht permanent, zuhause hab ich es noch im Griff, wenn ich unterwegs bin gehe ich das Risiko nicht ein. Wenn der Harndrang kommt habe ich noch ein paar Minuten. Ich verliere dann aber nicht ein paar Tropfen, es läuft die Beine runter.
Der Urologe sagte, er müsste das bei der Krankenkasse beantragen, was bei Nutzung von wenigen Vorlagen kaum möglich wäre. Wenn ich deutlich mehr brauchen würde, wäre das anders. Ich bin ja froh, dass wenn eine Toilette in der Nähe ist, ich trocken durch den Tag komme (arbeite auch viel zuhause), nichtsdestotrotz will man ja auch mal raus. Bin eigentlich ein sehr aktiver Mensch.
Ich glaube ich muss da nochmal nachfassen.
Wünsche noch einen schönen Abend.

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15 Nov 2022 11:22 #4 von Matthias_1973
Hallo zusammen,
wollte mich mal wieder melden. Nachdem ich ja jetzt einige Wochen die Kombi Alfuzosin+Betmiga genommen habe, wurde die Drangsymptomatik etwas besser. Allerdings habe ich seit einiger Zeit einen deutlich erhöhten Ruhepuls zwischen 80-90 (normalerweise eher so bei 55-60), gerade nachts ist das extrem störend. Aufgrund meiner Herzinsuffizienz bin ich da auch sehr sensibel. Ausserdem war mir latent leicht übel. Ich habe vor drei Tagen Betmiga abgesetzt, und es geht mir schon deutlich besser, Puls wieder im bekannten Bereich. Ich habe nächste Woche einen Termin beim Kardiologen, mal gucken was der dazu sagt. Ich hatte irgendwo auch gelesen, das man bei der Kombination Betmiga+Metoprolol sowie Betmiga+Amiodaron vorsichtig sein soll.

Matthias

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15 Nov 2022 17:21 #5 von MichaelDah
Hallo Mathias,

also zu dem Wechselwirkungsthema würde ich auf jeden Fall den Kardiologen fragen.

Mirabegon ist soweit ich weiß bei Hypertonie kontraindiziert und bei und Tachykardie eher fragwürdig zu bewerten. Prinzipiell sind Metroprol und Betminga (Mirabegon) beides „relativ“ selektive Beta Blocker wobei Metroprol ein Beta 1 Blocker und Mirabegon ein Beta 3 Blocker ist. Allerdings zeigt sich Mirabegon in der Klinik leider nicht ganz so selektiv wie versprochen da es offenbar doch auch Beta 1 antagonistisch wirkt. Bedeutet in Kombination ist eine verstärkende Wirkung von Metroprol ist zu vermuten.

Von daher ist deine Vorsicht da glaube ich durchaus begründet.

viele Grüße
Michael

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16 Nov 2022 08:48 #6 von skysurferjh
Hallo Matthias, mir hat wegen meiner Dranginkontinenz das Medikament Spasmolyt sehr gut geholfen. Ich habe damit auch keine Nebenwirkungen.
Gruß Jörg

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16 Nov 2022 10:07 - 16 Nov 2022 10:11 #7 von MichaelDah
Hi Jörg,

auch wenn es möglicher weise hier nicht ganz rein passt - ich denke das du mit dem Trospium (Spasmolyt) schon Glück hast. Es ist aus meiner Sicht immer noch einer der besseren Blocker auch wenn er schon älterer Bauart ist. Der Grund dafür ist, das Trospium aufgrund seiner Ladung und Molekülgröße die Blut Hirn Schranke deutlich schlechter passieren kann. Das wiederum ist ein großer Vorteil, weil es damit nur schlecht in das Gehirn gelangt und dort keine unerwünschten Wirkungen entfaltet. Alle Urologische Anticholinergika stehen im Verdacht u.a. Demenz mit zu verursachen. Das liegt daran das bestimmte Wirkmechanismen die durch die Medikamente beeinflusst werden können auch im Gehirn stattfinden. Zur Zeit ist noch nicht klar ist ob und wie hier eine langfristige Nebenwirkung zu erwarten ist.

Leider ist Trospium deutlich weniger selektiv in Bezug auf den M3 Rezeptor als Mirabegon. Das bedeutet, dass es im gegeben Fall noch ungünstiger währe, weil die Beeinflussung der beiden Medikamente noch größer währe. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, warum der Arzt hier Mirabegon und nicht Trospium verschrieben hat. Das Problem an der Sache ist, dass es mehrere glatte Muskeln im Körper gibt - da gehört unter anderem auch das Herz dazu. Der Unterschied sind die Rezeptoren mit denen sie gesteuert werden. Das Herz hat M1 Rezeptoren, die Blase und u.a. die Augen haben M3 Rezeptoren. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum es beim Einsatz der Medikamente oft zu Akkomodationsstörungen kommt.

All diese Medikamente versuchen die Übertragung von Nervenimpulsen auf diese Rezeptoren zu dämpfen. Leider ist es recht kompliziert die Übertragung an genau dem „richtigen“ Rezeptor chemisch zu unterdrücken da der der Wirkmechanismus an allen Rezeptoren ist sehr ähnlich ist. Deshalb wirken all diese Medikamente mehr oder weniger Breitbandig und beeinflussen nicht nur die M3 sondern auch die M2 und M1 Rezeptoren. Die moderneren Medikamente wie z.B. Mirabegon sind deutlich treffsicher was den M3 Rezeptor angeht - aber eben auch noch nicht treffsicher genug um die genannten Probleme auszuschließen.

Wenn es dich oder andere genauer interessiert wie das funktioniert, kannst man das in diesem Artikel nachlesen:

Urologische Anticholinergika und die Blut-Hirn-Schranke

viele Grüße
Michael
Folgende Benutzer bedankten sich: skysurferjh

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16 Nov 2022 12:06 #8 von Matthias_1973
Hallo Michael und Jörg,

erst einmal vielen Dank für eure super Erklärungen und Tips. Ich bin was medizinische Dinge angeht totaler Laie. Ich werde eine andere Medikation mal bei meinem Urologen ansprechen, allerdings habe ich den nächsten Termin erst am 14.12. Ich bin nur erstmal froh dass das Herzrasen vorüber ist. Ich hatte ja das Betmiga am Samstag abgesetzt, seit gestern ist der Harndrang wieder voll da, permanenter Druck, dann wird es schlagartig heftig und ich muss sofort, Gott sei Dank kann ich von zuhause arbeiten. Ich melde mich wenn ich wieder etwas neues habe.

Danke euch nochmal.
Matthias

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01 Dez 2022 10:51 #9 von Matthias_1973
Hallo zusammen,

es gibt mal wieder ein paar Neuigkeiten. Habe, nachdem ich ja mit dem letzten Urologen nicht so wirklich zufrieden war, gewechselt. Ich an eine sehr nette Urologin geraten, sie hat sich super viel Zeit genommen, alles erklärt und zugehört, irgendwie eine ganz andere Atmosphäre als beim letzten. Sie hat die Diagnose bestätigt, anstatt Betmiga versuchen wir jetzt mal Spasmex in niedriger Dosierung. Sie hat auch direkt ein Rezept für Vorlagen erstellt, Tagesbedarf sind bei mir 2-3 Stück. Allerdings brauche ich etwas recht saugstarkes, da ich einen schwallartigen Urinverlust habe, mit nicht unerheblichen Mengen. Und aufgrund der männlichen Anatomie sollte auch der vordere Bereich ausreichend dimensioniert sein.
War dann eben im Sanitätshaus, die Dame teilte mir dann mit, dass meine Krankenkasse 17,85€ pauschal erstattet. Sie hatten nur Seni, das einzige Produkt, welches zuzahlungsfrei wäre ist San Seni Basic, ich wage aber zu bezweifeln, dass die Saugleistung bei mir ausreichend ist, weiterhin ist die Einlage gerade im vorderen Bereich so klein, dass ich befürchte dass das ständig daneben geht. Momentan verwende ich die Abri San Premium 10, es funktioniert gut. Als saugstärkstes Produkt hat sie mir die San Seni plus zum Testen mitgegeben (ist etwas kürzer als die Abri San), allerdings würde ich bei der Aufzahlung mehr bezahlen als wenn ich wie bisher die Abri San 10 im Internet bestelle. Irgendwie ist das schon ziemlich schizophren.
Es war bisher nur eine Beratung, habe noch nichts unterschrieben, aber irgendwie bin ich jetzt total verwirrt. Es macht ja auch meines Erachtens überhaupt keinen Sinn, dass Leute mit einer stärkeren Inkontinenz diese "Mini-Einlagen" als Basis Versorgung bekommen, wenn es rein anatomisch schon nicht funktioniert, ich habe eben mal probiert und die Einlage mittig in der Hose platziert, da ist im vorderen Bereich nicht mehr viel Fläche, ich glaube das würde bei mir nasse Hosen ergeben.
Macht es Sinn noch einmal in einem anderen Sanitätshaus vorstellig zu werden, oder verfahren die alle nach der gleichen Methode?

Danke für eure Hinweise schonmal.
Matthias

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01 Dez 2022 11:03 #10 von mich
Mit der SENI Man super bin ich immer gut zurechtgekommen. Hast du die schon mal probiert?

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