file Frage Bin nervlich völlig am ende

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1 Woche 5 Tage her #53464 von Patagonier
Bin nervlich völlig am ende wurde erstellt von Patagonier
Guten Morgen,
Wie der Titel schon sagt, bin ich nervlich inzwischen stark angeschlagen.
Nach einer radikalen Prostatektion im Februar bin ich zwar offenbar den Krebs losgeworden aber die nachfolgende schwere Inkontinenz macht mich fertig.  
Dummerweise habe ich auf die mir angebotene AHB verzichtet weil mein Urologe meinte das kriege man mit Physiotherapie schon hin. Außerdem habe ich eine schwerbehinderte Frau, die ich ungern so lange allein lassen will. Wir wohnen recht abgelegen und so ist sie bei allen Erledigungen auf mich als Fahrer angewiesen. Wir haben beide keine Pflegestufe und der Schwerbehindertenstatus ist für mich erst beantragt. Soweit die allgemeinen Bedingungen.
Seit der OP (daVinci-Methode) läuft es ungehindert aus mir heraus. Ich benötige zur Zeit mindestens 8-10 Einlagen pro 24 std.
Ich komme mit den Molicare Form von Hartmann und den dazugehörigen Fixierhosen einigermaßen zurecht, muss aber manchmal bereits nach 1-2 Stunden wechseln da die Vorlage dann komplett durchnässt ist.
Das Beckenbodentraining mache ich jetzt in der 5.woche. 2x in der Praxis und jeweils 2x täglich zu Hause in Eigenregie.
Allerdings verspüre ich nicht den geringsten Erfolg. Sobald ich liege und dann aufstehe geht alles in die Hose. Tagsüber hält es sich in Grenzen aber auch dann ist die Menge an Flüssigkeit enorm. Ich trinke täglich ca. 1.5 bis 2 Liter.(Kaffee, Tee, Wasser)
Sowohl mein Urologe als auch der Physiotherapeut verweisen mich immer wieder auf mangelnde Geduld. Allerdings bin ich inzwischen starr vor Angst das sich dieser Zustand manifestiert. Ich bin 67 Jahre alt und hatte nicht vor jetzt schon so zu leben.
Erschwerend kommt hinzu das mir die Versorgung mit Hilfsmitteln aktiv verwehrt wird. Inzwischen habe ich mehrere Versorger gebeten (regional und überregional) mir die medizinisch notwendigen Mittel zukommen zu lassen. Mein Rezept weist einen Mehrbedarf von 7-8 Einlagen plus Fixierhosen pro Tag aus. Aber wie üblich lehnen die Firmen das ohne Zuzahlung ab.
Wenn ich meinen Bedarf über das Internet komplett selbst organisiere sind das etwa 180.- Euro pro Monat. Die Zuzahlung bei den Versorgern läge etwa doppelt so hoch. Und ja, natürlich habe ich auf die gesetzliche Verpflichtung der Versorger hingewiesen. Allerdings völlig ohne Erfolg. Bei der Krankenkasse war ich auch bereits mehrfach. Dort werde ich zwar mit Informationen versorgt allerdings war’s das dann auch. Es kann doch nicht sein das mir als Patienten die weitere Handlung diesbezüglich aufgebürdet wird.
Alles in allem ist diese ganze Situation so schrecklich für mich und meine Frau daß wir uns wirklich nicht mehr zu helfen wissen.
Wenn jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht hat und die Probleme lösen konnte wäre ich für Ratschläge sehr offen.
Vielen dank

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  • Helmut 60
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1 Woche 5 Tage her #53465 von Helmut 60
Helmut 60 antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Hallo Patagonier!

Schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast, du wirst mit Sicherheit Unterstützung  bekommen.

Ich verstehe ein wenig deine Verzweiflung, würde aber selber meinen Blick auf das Positive lenken: hey, du hast den Krebs hinter dir gelassen! Ja, du bist (eventuell nur temporär) inkontinent, hast aber dabei vielleicht kaum (oder gar keine) Schmerzen und im Prinzip keine Bewegungseinschränkungen. 
Ich versuche immer, das Glas eher als halb voll und nicht als halb leer zu sehen und fahre eigentlich ganz gut damit.

Zu deinen Problemen mit ausbleibendem Therapieerfolg nach deiner Prostataoperarion werden sich bestimmt noch andere Leute melden, ich habe diesbezüglich keinerlei Erfahrung. Auch mit dem Kampf mit der Krankenkasse/Versorger können andere mehr beitragen, ich habe diesen „Kampf“ nicht geführt und versorge mich lieber selbst.

Ein wenig zu mir: ich bin 65 und lebe seit knapp 4 Jahren mit einer kombinierten Tröpfel- und Dranginkontinenz. Während ich mit der Kontrolle des Darmschließmuskels keinerlei Probleme habe und hierfür auch problemlos ausschließlich die Toilette nutze, 
sieht es auf der anderen Seite ganz anders aus - hier landet 80-90% in den aufsaugenden Inkontinenzhilfsmitteln; dies aber auch, weil ich mich entschlossen habe, mein Leben nicht um
meine Inkontinenz herum zu arrangieren, sondern mein ganz normales aktives Leben trotz Inkontinenz weiterzuführen. 

Was mir bei deinem Beitrag sofort aufgefallen ist: wenn du mindestens (!) 8-10 Einlagen pro Tag benötigst, sind Einlagen einfach das falsche Hilfsmittel. Du bleibst ja den Tag über am Wechseln und kommst Nachts kaum zum Durchschlafen! Auch die Kosten von 180,- im Monat sind viel zu hoch.
Auch ich trinke 1,5 - 2 l am Tag, bin aber schnell nach Beginn meiner Inko auf Windeln gewechselt. Ich brauche 2 (relativ dünne) über den Tag und eine (dicke) für die Nacht. Das kostet mich (bei Kauf über Online-Lieferdienste) im Schnitt 60 bis 70 Euro im Monat, womit ich gut leben kann und wo ich - im Gegensatz zu KK-Versorgung - nicht nur ein einziges Hilfsmittel, sondern für verschiedene Zwecke auch verschiedene Hilfsmittel einsetzen kann.

Denk mal darüber nach, ob das für dich nicht auch in Frage käme!

Kopf hoch, es gibt nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen 

VG Helmut 
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  • MichaelDah
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1 Woche 5 Tage her - 1 Woche 5 Tage her #53466 von MichaelDah
MichaelDah antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Hallo Patagonier,

herzlich willkommen hier im Forum.  Die Inkontinenz Selbsthilfe setzt sich seit ihrer Gründung vor rund 20 Jahren erfolgreich für eine angemessene Hilfsmittelversorgung und ihre Mitglieder ein.

Ich weiß, dass es hier auch andere Meinungen gibt.  Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass eine gute Versorgung auch ohne „wirtschaftliche Aufzahlung“ möglich ist. Es gibt sicherlich Situationen, in denen man nicht die Kraft hat, sich mit der Krankenkasse auseinanderzusetzen. Aber jeder, der dazu in der Lage ist, sollte es auch tun!

Das ist wichtig, denn sonst wird sich an der derzeitigen Situation kaum etwas ändern, und das ist schlecht für alle Betroffenen – insbesondere für diejenigen, die sich eine Zuzahlung aus wirtschaftlichen Gründen kaum leisten können.

Ich hoffe, es melden sich noch andere zu diesem Thema zu Wort.  Vielleicht nur ein Wort zum Beckenboden Training und der Dauer: Du musst dir das mit dem Beckenbodentraining etwa wie beim Sport vorstellen. Wenn du untrainiert nach einer Verletzung einen Marathonlauf durchhalten willst, den du vorher noch nicht gelaufen bist, wirst du das selbst mit bestem Training nach fünf Wochen nicht schaffen.

Muskelaufbau, insbesondere der Muskeln des Beckenbodens, ist der Schlüssel - und der passiert nicht von heute auf morgen. Der Physiotherapeut hat das sicherlich schon ausführlich erklärt – mehrmals tägliches Training ist der richtige Weg.  Wichtig ist dabei jedoch, nicht zu übertreiben, also nicht die volle Kraft zu nutzen, da dies kontraproduktiv sein kann.

Zu den Hilfsmitteln

Es gibt verschiedene Arten von Hilfsmitteln. Bei starkem Harnverlust kann es sinnvoll sein, ein Kondomurinal zu verwenden.  Dies bietet mehrere Vorteile: Man sitzt nicht ständig im Nassen und es gibt weniger Probleme mit dem Versorger bei der Verordnung.  Am besten den Urologen fragen, der kann das Rezept entsprechend ändern und das ist möglicherweise erstmal die einfachste und pragmatische Lösung.

Informationen zum Kondomurinal findest du hier:
Kondomurinale

Zu deinen Patientenrechten findest du auf unserer Webseite viele ausführliche Artikel. Ein guter Startpunkt wäre beispielsweise hier:
Patientenrechte

Eine kurze Zusammenfassung der Vorgehensweise bei aufsaugenden Hilfsmitteln:

Grundsätzlich:

Die Versorgung von Hilfsmitteln muss zweckmäßig und ausreichend sein. Im Fall der aufsaugenden Hilfsmittel ganz simpel ausgedrückt: Ein Hilfsmittel ist dann zweckmäßig, wenn es vom Betroffenen im Rahmen des Versorgungsziels anwendbar ist.  Es ist ausreichend, wenn das Hilfsmittel vier Stunden lang durchhält, ohne auszulaufen.

Die Vorgabe von vier Stunden basiert auf der Berechnung des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Bei vollständiger Inkontinenz wird mit etwa fünf bis sechs Vorlagen pro 24 Stunden gerechnet.

Die Wirtschaftlichkeit der Versorgung ist eine Angelegenheit zwischen dem Versorger und der Krankenkasse und betrifft dich zunächst nicht. Wichtig ist jedoch: Wenn es für den Versorger günstiger ist, dir acht dünne Vorlagen statt sechs dicker zu liefern, ist dies grundsätzlich zulässig. Umgekehrt besteht jedoch kein Anspruch auf mehr Vorlagen allein aus hygienischen Gründen (im Falle der medizinischen Notwendigkeit allerdings schon). Voraussetzung ist natürlich, dass die gelieferten Hilfsmittel nicht auslaufen und die vier Stunden durchhalten.

Was tun wenn der Versorger nicht die ausreichenden Menge liefert?
  • Sollte ein Versorger auf Nachfrage keine ausreichende Menge an Hilfsmitteln in aufzahlungsfreier Weise liefern, versuche es zunächst bei einem anderen Versorger.  

  • Lehnen drei oder mehr Versorger die Lieferung einer ausreichenden Menge an Hilfsmitteln ab, beantrage eine Mehrkostenübernahme für die Hilfsmittel bei der Krankenkasse. Informiere die Kasse darüber, dass die zusätzlich benötigten und verordneten Hilfsmittel bis zur Klärung über den Versorger selbst erworben und der Kasse in Rechnung gestellt werden. 

  • Weigert sich die Kasse, die Rechnung für die zusätzlich benötigten und erworbenen Hilfsmittel zu begleichen, lege Widerspruch ein und setze die Kasse mittels Mahnverfahren in Verzug. 

  • Bei fehlender Kostenübernahme (Untätigkeit) durch die Krankenkasse (die Kasse hat bis zu sechs Wochen Zeit, sofern der MDK eingeschaltet wurde und alle Beteiligten korrekt mitwirken) kann eine Untätigkeitsklage beim Sozialgericht eingereicht werden.
  • Lehnt die Kasse ein berechtigte Versorgung ab, empfiehlt sich auch hier eine Klage beim Sozialgereicht einzureichen. Spätestens bei der Klage sollte ein Anwalt hinzu gezogen werden. Voraussetzung für die Klage ist ein abgelehnter Widerspruchsbescheid.

Viele Grüße
Michael
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  • Sascha
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1 Woche 5 Tage her #53467 von Sascha
Sascha antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Hallo,

ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen – vor allem den Kampf mit der Krankenkasse und den Versorgern.

Ich hatte selbst große Probleme bei der Versorgung. Der entscheidende Punkt war bei mir das Zusammenspiel aus dem Gutachten vom MDK , dem ärztlichen Rezept und zusätzlich einer Stellungnahme vom Arzt.

Was ich dabei gelernt habe:

- Ganz am Anfang steht das richtige Hilfsmittel auf dem Rezept. Am besten vorher verschiedene Produkte testen, damit genau das verordnet wird, was du wirklich brauchst (z. B. Marke/Typ und Saugstärke möglichst konkret).
- Das MDK-Gutachten legt deinen tatsächlichen medizinischen Bedarf fest (z. B. Anzahl der Einlagen pro Tag).
- Das Rezept vom Arzt ist die konkrete Verordnung, auf deren Basis du versorgt werden musst.
- Wichtig: Wenn der MDK noch Klärungsbedarf sieht, fordert er oft eine Stellungnahme vom Hausarzt an. Diese sollte den tatsächlichen Bedarf nochmal klar medizinisch begründen (z. B. Menge, Wechselhäufigkeit, Alltagssituation).
- Diese Kombination (Gutachten + Rezept + Stellungnahme) hat richtig Gewicht – darauf kannst du dich klar berufen.
- Ganz wichtig: Ich habe keine Mehrkostenvereinbarung unterschrieben. Damit können dir Versorger auch nicht einfach zusätzliche Kosten auferlegen.
- Die Krankenkasse ist verpflichtet, dir einen Versorger zu stellen, der dich entsprechend versorgt – ohne unangemessene Zuzahlungen.
- Wenn das nicht passiert, unbedingt schriftlich widersprechen und dich genau auf diese Punkte beziehen.

Bei mir hat sich erst wirklich etwas bewegt, als ich konsequent drangeblieben bin und nichts unterschrieben habe, was mich zu Zuzahlungen verpflichtet hätte.

Ich drücke dir die Daumen, dass sich bei dir schnell eine passende Lösung findet.
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1 Woche 4 Tage her #53470 von Patagonier
Patagonier antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Vielen Dank euch allen für die aufmunternden Worte. 
Das hat mir heute tatsächliich ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Was den Tip mit den ableitenden Inkontinenzhilfen angeht, ist das für mich leider keine Option. 
Durch genetische Veranlagung und die OP ist mein Penis leider retrahiert, d.h. für ein Urinalkondom wäre nicht genügend Platz um auch sicher zu halten.
Heute Nacht hatte ich allerdings auch ein erstes Erfolgserlebnis. Ich habe den Harndrang offenbar rechtzeitig gespürt um in die Toilette urinieren zu können, und das gleich zweimal. Ich war ganz aus dem Häuschen. Schon merkwürdig wie bescheiden man werden kann.
Den Kampf mit dem Versorger bzw. mit der Krankenkasse kann ich momentan wirklich nicht aufnehmen. Heute kommt per Post nochmal ein Probepaket der Firma Hartmann. Mal sehen wie da die Angelegenheit gesehen wird. Aber wenn auch das nicht zum Erolg führt gebe ich das auf, und versorge mich eben selbst. Das ist immer noch preiswerter als diirekt im Sanitätshaus zu bestellen. Für eine juristische Auseinandersetzung fehlen mir zur Zeit einfach Kraft und Nerven.
Auf jeden Fall  geht es mir heute es wenig besser und das ist schon viel wert.:)

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1 Woche 2 Tage her #53473 von Patagonier
Patagonier antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Ich habe jetzt eine für mich gangbare Lösung gefunden.
Die letzte Versorgerfirma bietet tatsächlich die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung mit Hilfsmitteln an. Allerdings sind das Einlagen die meinen Erfordernissen nur sehr rudimentär entsprechen. Ich müsste hiermit wahrscheinlich jede Stunde wechseln.
Ich habe mich daher für die bisher von mir favorisierte Lösung mit der Medicare Form Premium entschieden die eine Aufpreis erfordert. Allerdings ist diese Aufpreis wesentlich günstiger als wenn ich woanders bestellen würde. Die Kosten reduzieren sich also auf monatlich ca. 100.- Euro. Das ist machbar.
Was das eigentliche Problem mit der mangelnden Blasenkontrolle angeht, habe ich mich fest entschlossen die Dinge nicht die Oberhand gewinnen zu lassen und mache daher brav täglich meine Übungen. Ich will einfach glauben das die Zeit hier eine wesentliche Rolle spielt.

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1 Woche 1 Tag her #53479 von Vallie
Vallie antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Hallo Patagonier,

erstmal danke fürs Teilen Deiner Erfahrung. Ich bin mir sicher, daß viele Deine Verzweiflung kennen und auch den Schock, wie riesig die Hürden sind, eine adäquate Versorgung mit aufsaugenden Hilfsmitteln ohne Aufzahlung zu erhalten. 
Du schreibst, daß Du bei Deinem letzten Versuch zu mindest ein kostenfreies Produkt erhalten hast, welches jedoch nur wenig aufnimmt. Vielleicht wäre es ein Versuch wert, dort nochmal anzurufen und um ein Produkt mit höherer Aufnahme nachzufragen?
Wenn ich es richtig einordne, hast Du Dich jetzt für eine anatomische Vorlage entschieden. Ich weiß, daß bei meiner anfänglichen Suche ebensolche von Nona über Medimarkt ohne Aufzahlung dabei waren. Sie waren allerdings nicht aus dem schnellaufsaugendem Material.

Auch wenn es Dir viel zu langsam scheint, daß sich etwas ändert, nach ein, zwei Monaten ist es doch in Deinem Fall viel zu früh zu befürchten, daß sich der Zustand manifestiert, würde ich denken.
Ich wünsche Dir sehr, daß es voran geht und Du weitere, wenn auch erstmal kleine Erfolge hast. 

Alles Gute Dir, Valerie
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1 Woche 1 Tag her #53480 von Matti
Matti antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Guten Morgen,

deine Situation nach der Prostatektomie ist wirklich belastend – das liest man deutlich heraus, und es ist absolut verständlich, dass dich die anhaltende Inkontinenz und die Schwierigkeiten mit der Hilfsmittelversorgung nervlich stark mitnehmen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: In Kliniken und Reha-Einrichtungen wird der Grad der Inkontinenz fast immer an der Anzahl der täglich verbrauchten Einlagen festgemacht. Das klingt zwar nach einem einfachen Maßstab, sagt aber eigentlich wenig über die wirkliche Schwere der Inkontinenz aus. Denn wie viele Einlagen am Tag gebraucht werden, hängt nicht nur vom tatsächlichen Urinverlust ab, sondern auch von der Saugstärke der Produkte, den individuellen Wechselgewohnheiten und dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis. Manche wechseln bei kleinster Feuchtigkeit, andere nutzen die Einlage bis zum Maximum. So kann die gleiche Anzahl von Einlagen bei verschiedenen Menschen völlig unterschiedliche Situationen bedeuten. Objektivere Methoden wären zum Beispiel ein standardisierter 24-Stunden-Pad-Test oder ein Blasentagebuch.

Was den Zeitraum betrifft, bis nach einer radikalen Prostatektomie wieder Kontinenz erreicht wird: Im Durchschnitt bessert sich die Inkontinenz bei den meisten Männern innerhalb des ersten Jahres deutlich. Ungefähr die Hälfte bis zwei Drittel der Männer sind nach 3 bis 6 Monaten wieder (weitgehend) kontinent, nach einem Jahr sind es etwa 80–90 %. Bei einem kleinen Teil bleibt eine stärkere Inkontinenz dauerhaft bestehen. Es ist also tatsächlich Geduld gefragt, auch wenn das schwerfällt und die Nerven strapaziert werden.

Neben dem klassischen Beckenbodentraining gibt es noch einige unterstützende Therapieoptionen, die in manchen Fällen helfen können:
  • Biofeedback-Training: Über Sensoren wird sichtbar gemacht, ob die richtigen Muskeln angespannt werden – das kann das Training effektiver machen.
  • Elektrostimulation: Wenn das aktive Anspannen schwerfällt, kann eine elektrische Stimulation die Muskulatur unterstützen.
  • Medikamentöse Ansätze: In bestimmten Fällen können Medikamente helfen, z. B. wenn eine überaktive Blase vorliegt.
  • Kondomurinal: Dieses Hilfsmittel bietet für manche Männer im Alltag eine Alternative zu Einlagen.
  • Operative Verfahren: Wenn nach 12 Monaten keine deutliche Besserung eintritt, gibt es die Möglichkeit einer Schlingenoperation oder eines künstlichen Schließmuskels – das ist aber erst nach Ausschöpfen der anderen Maßnahmen sinnvoll.
  • Psychologische Unterstützung: Die psychische Belastung ist enorm, daher kann auch eine begleitende psychologische Beratung oder der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Zweiteres hast du mit deinem Beitrag ja hier bereits umgesetzt.

Die Probleme mit der Hilfsmittelversorgung sind leider kein Einzelfall, aber es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen. Ich verstehe, dass dir der „Kampf“ mit Kasse und/oder Leistungserbringer die Kraft raubt bzw. du diese derzeit gar nicht aufbringen kannst. Die Gesetzgebung ist erstaunlich versichertenfreundlich, es hapert aber an der Umsetzung im direkten Kontakt mit den Kassen und Leistungserbringern. Bestehe auf eine Versorgung im Sachleistungsprinzip, dies ist dein verbrieftes gesetzliches Recht! Fordere die Kasse (nicht den Leistungserbringer) auf, diesem gesetzlichen Anspruch nachzukommen oder dir gegebenenfalls Argumente zu liefern, die deinem gesetzlichen Anspruch entgegenwirken. Würdest du dies erhalten, dann gesteht die Kasse dir gegenüber ein, gegen das Gesetz zu handeln.

Gruß
Matti
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  • reviloilover12
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6 Tage 23 Stunden her - 6 Tage 21 Stunden her #53487 von reviloilover12
reviloilover12 antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Du bist nicht Alleine, ich bin gerade auch nervlich unten.
6 Monaten nach der Prostata OP keinerlei Besserung der starken Harninkontinenz. Bei mir tröpfelt es, ohne dass ich überhaupt einen Harndrang spüre, also der Urin geht raus bevor er die Blase füllt. 
So kann ich eigentlich weder Arbeiten noch am sozialen Leben teilnehmen.
Oft bin ich sehr verärgert, weil ich selbst eigentlich schon kurz nach der Operation den Verdacht auf starke Inkontinenz hatte, mir aber von allen Seiten gesagt wurde, Geduld muss ich haben, Beckenbodentraining machen und es gibt gute Hilfsmittel.

Ich hab die bekanntesten Marken an Einlagen ausprobiert. Hab Hersteller, Apotheken und Sanitätshäuser angeschrieben, meine Rezepte ändern lassen und bin schlussendlich Selbstzahler geworden, weil alles andere viel zu kompliziert oder auch trotz Rezept nicht günstiger war. Ich hab nun massig Hilfsmittel rum liegen die aufs entsorgen warten.
Gelandet bin ich bei den Einlagen Seni Man Super Level 5. 
Hartmann hatte sich sehr bemüht, aber erstens waren die stärksten Einlagen zu schwach für mich und zweitens waren die dann auch nur mit so hoher Zuzahlung trotz Rezept erhältlich, dass ich bei den Seni sogar ohne Rezept günstiger lag. Seltsamerweise aber nicht beim Hersteller Seni direkt mit Rezept, sondern bei einem Online Sanitätshaus sogar ohne Rezept. Fragt mich nicht warum!
Davon benötige ich sparsam angewendet mindestens 7 am Tag. Die 200 benötigen Einlagen pro Monat bezahle ich jetzt selbst.

Ich hab den großen Vorteil dir gegenüber Urinalkondome nutzen zu können. Das war aber auch nicht einfach, obwohl die ja alle irgendwie ähnlich aussehen. Einmal wurden mir auf Rezept zu kleine geschickt oder ich muss so viel zuzahlen, dass ich sie auch selbst in einem Onlineshop bestellen kann. Katastrophal waren Kassenurinalkondome von Hollister, die bekam ich nicht mehr runter so stark war der Kleber, hab es denen auch geschrieben. Ich soll eine offizielle Reklamation an sie schicken, hab ich irgendwie keine Lust mehr so schlimm wie das war, will nix mehr von denen.

Meine Beckenbodentherapie ist abgeschlossen, auch da musste ich die Hälfte selber zahlen weil die nur Doppeleinheiten annehmen, also 2 x 20 Minuten und ich auf Nachfrage nur ein Rezept für einzelne Einheiten bekam. So viele Beckenbodentherapeuten für Männer im Großraum Stuttgart fand ich auch gar nicht die auf Kassenrezept behandeln. Nach 3 Therapien hat man mir offen mitgeteilt, mit Beckenbodentraining bekommt man so eine starke Inkontinenz nicht weg, ich brauch eine Operation. Ich bin Dankbar über die Offenheit, aber irgendwie hab immer noch Hoffnung es bessert sich durch sehr intensives Training doch noch irgendwie.

Ich kann gar nicht mal jemandem Böse sein.
Apotheker, Sanitätshäuser, Hersteller, Krankenkasse, urologische Praxis, Beckenbodentherapeutin waren alle hilfsbereit, nett, haben sich bemüht und gaben Auskunft. Schlussendlich hab ich keine Lust mehr auf die Kontakte und kämpfe mich lieber selbst durch den Dschungel, bin aber noch guter Hoffnung einen besseren Weg zu finden als wie es derzeit "läuft"

Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen findest.
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  • MichaelDah
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6 Tage 21 Stunden her #53489 von MichaelDah
MichaelDah antwortete auf Bin nervlich völlig am ende
Hallo Reviloliover,

also alleine seit ihr definitiv nicht. Allerdings würde ich auch nach einen halben Jahr die Hoffnung noch nicht aufgeben. Wichtig ist wirklich täglich die Übungen zu machen - und vor allem nicht „über“ zu trainieren - also den Beckenboden zu stark anzuspannen.

Allerdings muss man auch sagen, das nach einer radikalen OP 15-20% der Betroffen alleine durch das Training nicht wieder kontinent werden. In diesen Fällen kann aber entweder ein Kissen oder Band implantiert werden oder in den schwereren Fällen mit einem künstlichen Schließmuskel die Kontinenz wieder hergestellt werden.

Diese Option kann und sollte mit dem Urologen diskutiert werden - wenn eine nennenswerten Verbesserung mehr trotz korrektem und regelmäßigem Training nicht mehr erreicht wird. Allerdings ist es im ersten halben Jahr nach der OP oft noch zu früh da tatsächliche eine gute Prognose zu treffen. 

Von daher drücke ich euch mal die Daumen - man kann es ja auch positiv formulieren: In über 80% der Fällen bekommt man das mit Beckenboden Training wieder hin. 


Viele Grüße
Michael
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