file Frage Blasenentleerungsstörung, alle 4 Wochen HWI mit Fieber und Antibioka, trotz ISK

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1 Woche 4 Tage her #53085 von Silkwood
Hallo zusammen.
Ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen. Ich bin 58J alt und weiblich.
Ich habe soweit ich zurück denken kann Probleme beim urinieren. Da das Drama schon in der Kindheit bestand, machte ich mir keine Gedanken, da es für mich normal war, sehr sehr langsam und tröpfchenweise zu urinieren.
2019 wurde es aber so schlimm, das ich einen Urologen aufsuchte. Nach einer misslungenen Spiegelung, wurde meine Harnröhre geschlitzt. Es verblieb trotzdem ein Restharn von 200ml. Da ich aber keinerlei Beschwerden hatte, auch keine Bakterien, habe ich bis Anfang 2025 nur mit halbjährlicher Kontrolle weitergemacht. Mir ging es gut und alle Werte waren top.
Anfang 2025 fing mit der ersten Nierenbeckenentzündung an. Es folgte im April eine weitere. Seit Juli kathetisiere ich mich nun selbst (3mal am Tag / 300-400ml) und habe alle 4 Wochen eine Nierenbeckenentzündung mit Fieber und allem was dazu gehört.
Pünktlich 2 Wochen nach Absetzten des Antibiotikas, ist der Urin trüb und weitere 1 bis zwei Wochen später, lieg ich flach.
Bei mir ist nun eine neurogene Blasenentleerungsstörung diagnostiziert worden und ich habe vor 4 Tagen die sakrale Neurostimulation eingesetzt bekommen. Bis jetzt noch keine Besserung.
Ich bin wirklich verzweifelt. Hat jemand Tipps? VG Silkwood

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  • martinK
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1 Woche 3 Tage her #53086 von martinK
Hallo Silkwood

Zuerst einmal herzlich willkommen, Du wirst sicher noch mehr Input zu diesem Thema erhalten. Allerdings sind wir keine Ärzte, am Ende ist wichtig, dass Du Dich auf die Meinung Deiner Ärzte verlassen kannst. 

Hauptfrage ist ja, woher die Entzündungen kommen. Müsstest Du zum Beispiel öfters katheterisieren (vielleicht auch einmal in der Nacht), oder ist das ISK die Ursache für die Probleme? Im zweiten Fall würde ich die Prozedur mit einer Fachperson überprüfen, eventuell hilft es auch, verschiedene Katheter auszuprobieren. Es gibt Leute hier, die parallel zum ISK D-Mannose einnehmen und damit erfolgreich bakterielle Infekte vermeiden können. Allenfalls könntest man es auch mit einem Dauerantibiotikum versuchen.

Ebenfalls könnte der Zustand Deiner Blase mitverantwortlich für die Infekte sein. Konnte bei Dir inzwischen eine Blasenspiegelung durchgeführt werden? Ich entleere, ähnlich wie Du, seit ich mich zurückerinnern kann mit Unterbrüchen und vermutlich mit Restharn. Meine Blasenwand ist etwas zu dick und leicht trabekuliert. Die Trabekulierung kann mit ein Grund für Blasenentzündungen sein, da sich Bakterien in den Zwischenräumen der Divertikel ansammeln können und durch das ISK oder den normalen Harnfluss nicht ausreichend genug herausgespült werden. Da man bei jedem Katheterisieren selbst unter besten Hygienebedingungen Bakterien in die Blase transportiert, würde ich erwarten, dass Leute mit einer trabekulierten Blase bei ISK eher für Harnweginfekte anfällig sind. Bei mir ist es leider so, dass ich bereits nach wenigen Tagen ISK immer einen Harnweginfekt kriege, wenn ich kein Antibiotikum einnehme. Allerdings leide ich unter einer Autoimmunkrankheit, was der Sache vermutlich auch nicht dient. Was mir aber definitiv hilft, ist ausreichend viel Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Wenn ich nicht katheterisiere habe ich auch keine Probleme mit Infekten.

Auf alle Fälle würde ich das nächste Mal früher reagieren und bereits bei getrübtem Urin den Arzt konsultieren. Die Nierenbeckenentzündung ist vermutlich eine Folge einer unbehandelten Blasenentzündung. Bei mir ist es zum Beispiel immer so, dass eine Harnwegentzündung ansteht, wenn mein Urin getrübt ist (auch wenn der Urintest dann noch o.k. ist).

Bei der sakralen Nervenstimulation musst Du vermutlich etwas Geduld haben. Bist Du in der Testphase, oder wurde das Gerät bereits definitiv implantiert? Es gibt einige Teilnehmerinnen hier, die bereits viel Erfahrung mit der sakralen Nervenstimulation gesammelt haben, es gibt auch viele Beiträge zu diesem Thema. 

Ähnlich wie bei Dir wurde ich als Kind nie richtig untersucht, obwohl ich bereits damals zwischenzeitlich inkontinent war. Später wurde dann eine ausgeprägte Spina bifida occulta im Sakralbereich entdeckt. Ich vermute, dass dies eine Ursache für meine Entleerungsstörung ist. Später kam noch die Autoimmunkrankheit dazu, die sich durch neurologische Störungen vor allem im Lumbosakralbereich manifestiert.  Seit dann kann ich nicht nur nicht richtig entleeren, sondern bin auch inkontinent.

Herzliche Grüsse
Martin

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  • Silkwood
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1 Woche 2 Tage her #53090 von Silkwood
Lieber Martin.
Vielen Dank für deine schnelle Antwort. Es tut gut mit Betroffenen zu schreiben.

Ja, bei mir kann wieder eine normale Spiegelung gemacht werden und ja, auch bei mir ist die Blasenwand deutlich zu dick.
Meine Blase hat ein Fassungsvermögen von ca. 750ml. Ob Divertikel vorliegen weiß ich nicht.

Ich frage mich ehrlich gesagt immer öfter, welchen Sinn es macht zu kathetisieren, wenn man sich immer die Bakterien einschleppt und Nierenbeckenentzündungen bekommt, die man ja eigentlich dadurch vermeiden will?

Klar, 300 ml Restharn sind viel, aber verbleiben Sie ohne Bakterien in der Blase, dürfte es doch eigentlich nicht so schlimm sein, wie alle vier Wochen Fieber (gestern 40°C) , Schmerzen und Antibiotika.

Gibt es da Erfahrungen?

Bei der sakralen Neurostimulation bin ich noch in der Testphase. Heute Tag 5. Keine Veränderung.
Vielleicht hat da auch noch jemand Erfahrung mit?

Ich wäre wirklich dankbar für alle Antworten

Liebe Grüße Silkwood

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  • MichaelDah
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1 Woche 2 Tage her - 1 Woche 2 Tage her #53092 von MichaelDah
Hallo Silkwood,

Martin hat ja schon einiges zu dem Thema geschrieben :-). Von mir vielleicht noch ein paar Anmerkungen zu dem Thema:

Eine Nierenbeckenentzündung kommt selten durch ISK zustande - eher das Gegenteil ist der Fall - ISK hilft das Problem zu vermeiden. Die beiden größten Probleme die so etwas oft verursachen sind Reflux und Harnstau durch eine Obstruktion der Harnleiter. Ein weiterer Risikofaktor ist natürlich Restharn - insbesondere in Verbindung mit einer Reflux Symptomaik.

Grundsätzlich ist es natürlich auch wichtig ausreichend zu Trinken. Wenn du nur über ISK entleerst sind zum einen 3x am Tag möglicher weise zu wenig und außerdem währe bei 300-400ml die Flüssigkeitsaufnahme vermutlich zu gering.

Ich denke, du solltest noch mal mit deinem Arzt über das Problem sprechen. Stichpunkte währen hier:

  • Ist die derzeitige ISK Frequenz OK (3x täglich)
  • Wie schätzt der Arzt deine Flüssigkeitsaufnahme ein (trinkst du genug)
  • Ergibt sich ein verdacht auf eine Harnleiterobstruktion - sollte das untersucht werden?
  • Gibt es Anhaltspunke für einen vesikuralen Reflux - sollte das Untersucht werden?

Viele Grüße
Michael

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1 Woche 2 Tage her #53093 von Silkwood
Lieber Michael.
Vielen Dank für deine Antwort.

Ich kann noch selbst urinieren. Immer so 150ml. Auch durchaus, wenn ich keinen Harndrang verspüre.
Morgens und Abends gehe ich zum Beispiel immer im 10 Minuten Abstand dreimal selbst entleeren.
Danach befinden sich trotzdem noch ca 300ml in der Blase.

Die beiden Untersuchungen, die du mir genannt hast:
vesikuraler Reflux und Harnleiterobstruktion
sind noch nicht untersucht worden.

Danke für den Tip.
Werde ich direkt Montag mit meiner Urologin besprechen.

Viele Grüße
Silkwood

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  • martinK
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1 Woche 2 Tage her #53096 von martinK
Hallo zusammen

Michael, eine Nierenbeckenentzündung entwickelt sich meist aus einer bakteriellen Blasenentzündung, dafür braucht es keinen Reflux oder Harnstau (siehe z.B.  www.usz.ch/krankheit/nierenbeckenentzuendung/ ). Bei meinem vorletzten Harnweginfekt - der übrigens wie alle anderen auch durch ISK verursacht worden war - ging ich in den Notfall, nachdem das Antibiotikum nicht sofort gewirkt und ich hohes Fieber hatte. Man setzte eine Infusion mit einem Antibiotikum und behielt mich dort mit der Begründung, dass die Gefahr einer Migration der Bakterien in Richtung der Nieren bestehe. Meinem Verständnis nach hilft ISK nur dann, Nierenbeckenentzündungen zu vermeiden, wenn es auch zu keinen Blasenentzündungen kommt. Aus diesem Grund habe ich Silkwood auch empfohlen, bei ersten Anzeichen einer Blasenentzündung (z.B. trüber Urin) den Arzt aufzusuchen. Du hast aber natürlich recht, dass das ISK vor allem den Reflux des Harns in die Niere verhindern soll, wodurch neben einer prinzipiellen Schädigung der Niere auch eine Nierenbeckenentzündung entstehen kann

Silkwood, 300 ml Restharn ist schon etwas viel, wenn Du dies regelmässig hast. Gemäss Deinem ersten Beitrag hattest Du ja zwei Nierenbeckenentzündungen, bevor Du mit ISK begannst, insofern würde es vermutlich nichts bringen, alternativlos mit dem ISK aufzuhören (dann müsstest Du vermutlich einen Bauchdeckenkatheter legen lassen). Wie ich oben geschrieben habe, würde ich das Thema ISK mit Deiner Ärztin am Montag besprechen. Mehr Katheter verordnet zu kriegen sollte kein Problem sein, ebenfalls die Organisation von alternativen Modellen zum Testen bzw. einem Beratungsgespräch mit einer Fachperson. Bei vielen Betroffenen klappt das ISK problemlos, oder sie kriegen das Problem der Harnwegentzündungen irgendwie in den Griff. 

Die Tips von Michael zum Reflux und der Obstruktion und Trinkmenge sind auch wertvoll. Auch die Frage, ob bei der letzten Blasenspiegelung Divertikel bzw. eine Trabekulierung beobachtet wurde, könnte sinnvoll sein. Ich vermute, dass nichts solches beobachtet wurde, sonst wäre dies im Untersuchungsbericht erwähnt.

Mir geholfen haben übrigens auch Entspannungsübungen des Beckenbodens. Wegen meiner neurologischen Probleme habe ich gar keine Kontrolle über den Blasenschliessmuskel. Dank der Übungen kann ich aber den Beckenboden besser entspannen, und der Schliessmuskel verkrampft er sich weniger, so dass ich besser entleeren kann. Ich weiss aber nicht, ob dies in Deinem Fall etwas bringen würde.

Herzliche Grüsse
Martin

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  • Silkwood
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1 Woche 1 Tag her #53098 von Silkwood
Lieber Martin.

Danke für die prompte Antwort.

Ja, ich hatte zwei Nierenbeckenentzündungen ohne ISK. Allerdings innerhalb von 6 Monaten.
Mit ISK in 6 Monaten 6mal. :(

Ich habe meine Ärztin drauf angesprochen, aber irgendwie komm ich da nicht weiter.
Wie abgespult höre ich nur: "Ohne ISK ist die Gefahr einer Nierenentzündung zu hoch und ja, mit ISK
steigt die Wahrscheinlichkeit von Bakterien in der Blase."

Mit dem trüben Urin, war ich immer bei ihr, aber ohne Symptome bekomme ich kein Antibiotika.

Ich glaube ich suche mir mal eine Zweitmeinung.

Das dir das Entspannungstraining des Beckenbodens hilft, freut mich sehr.
Ich habe auch das Gefühl, das ich über die ganzen Jahre, durch das rauspressen, etwas im Tonus 
durcheinander gebracht habe.
Einen Versuch ist es Wert.
Hast du ein paar Tipps oder einen Link mit speziellen Übungen?

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ein gutes Restwochenende.
VG Silkwood

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  • MichaelDah
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1 Woche 1 Tag her #53103 von MichaelDah
Hallo Silkwood,

ich denke, eine Zweitmeinung einzuholen kann nicht schaden. Ich weiß ja nicht, ob das Harnsediment untersucht wurde (trüber Harn), aber eine Entzündung muss nicht unbedingt bakteriell verursacht werden. Wichtig ist, was man bei der Harnuntersuchung findet (z. B. Blutpartikel).

Auch wenn es nervt - ich denke, deine Ärztin hat an dem Punkt recht, wenn sie sagt, ISK verringert das Risiko für die Nierenbeckenentzündung. Das hilft dir jetzt vermutlich erstmal wenig, daher versuche ich, das mal etwas genauer zu erklären.

Wie in dem Artikel, den Martin ja freundlicherweise angehängt hat, steht: Aufsteigenden Bakterien sind meistens Schuld. 

Wenn weniger Bakterien in der Blase sind - was du durch ISK und - ganz wichtig - ausreichendes Trinken erreichst - sinkt auch das Risiko für die Nierenbeckenentzündung.

Steigen tut das Risiko, wenn kontaminierter Harn im Fall eines Reflux wieder in die Nieren zurückgedrückt wird - insbesondere dann, wenn es sich um Restharn handelt, da dieser oft stärker bakteriell belastet ist, da er länger im Körper verweilt. Grundursache ist bei Männern oft eine vergrößerte Prostata. Wird sie zu spät behandelt oder entsteht nach/durch die Behandlung erneut eine Obstruktion, führt das oft zu hohen Blasendrücken, die dann zum einen die Blase selbst und ggf. auch die Blasennerven dauerhaft schädigen können. Darüber hinaus wird hierdurch ein Reflux begünstigt. Du schreibst, dass deine Blase ein Fassungsvermögen von 750ml hat. Das ist deutlich mehr als normal üblich - von daher würde ich bei dir schon mal von einer Dehnungsschädigung ausgehen.

Steigen tut das Risiko auch, wenn der Harn aufgrund einer Harnleiterobstruktion nicht aus den Nieren abfließen kann und sich dort staut.

Was zunächst geklärt werden sollte, ist, wo die Entzündung generell herkommt - also von der Blase oder von der Niere.

Natürlich stellt ISK ein gewisses Risiko dar, eine Blasenentzündung zu bekommen - aber deshalb entzündet sich nicht auch gleich das Nierenbecken - jedenfalls dann nicht, wenn die Blasenentzündung adäquat behandelt wird. ISK ist auch selten allein das Problem. Mit den paar Bakterien, die da vielleicht von _außen_ eingebracht werden, kann der Körper unter normalen Umständen relativ gut umgehen. Es kommen in der Regel immer weitere Faktoren hinzu, die das Ganze dann kippen lassen, und da sollte man versuchen anzusetzen - wenn die Entzündung aus Richtung Blase kommt:

Zum einen können sich bei Männern die Bakterien nicht nur in der Blase, sondern auch in der Prostata und den Samensträngen einnisten. Dort wird man sie oft deutlich schlechter wieder los als in der Blase. Ein Punkt wäre also mal zu schauen, ob die Prostata ggf. mitbetroffen ist.

Ein weiterer Punkt, den man beachten sollte, ist der Nährboden der Bakterien. Viele von ihnen ernähren sich von Zuckerarten. Wenn Zucker im Harn ist, baut man damit einen prima Brutkasten. Zucker kommt auf zwei Arten in den Harn: Entweder man nimmt zu viel davon zu sich (auch Kohlenhydrate werden zu Zucker umgewandelt), oder der Zucker wird nicht richtig abgebaut (Diabetes). In beiden Fällen versucht der Körper, den Zucker über den Harn auszuscheiden, mit der Folge, dass das Entzündungsrisiko drastisch steigt, da sich die Bakterien dadurch deutlich schneller vermehren können.

Auch die Niere selbst oder die Harnleiter können eine Ursache sein. Kleine Nierensteine, die man im Ultraschall ggf. übersieht, können z. B. eine Ursache sein. Solche kleinen Steine können auch die Harnleiter oder das Nierenbecken verletzen, was dann zu Schwellungen, Entzündungen und Obstruktionen führen kann. Im Zweifelsfall hilft hier eher der Nephrologe als der Urologe, da der deutlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat. Also wäre möglicherweise auch eine Überlegung wert, sich dort mal einen Termin zu holen.


Viele Grüße
Michael

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1 Woche 1 Tag her #53104 von martinK
Liebe Silkwood

Betreffend ISK würde ich bei der Ärztin insistieren, dass es eine Lösung braucht. Jeden Monat einen Nierenbeckenentzündung zu kriegen, ist extrem kräfteraubend und auf die Dauer ungesund. Meine Hausärztin, die auch noch Nephrologin ist, meinte, dass in meinem Fall der Verzicht auf ISK das geringere Problem darstelle, als wenn ich mehrmals pro Jahr wegen Harnweginfekten starkes Antibiotikum nehmen müsse. Ich würde dennoch gerne mich katheterisieren, aber kriege es ohne Antibiotoka nicht hin. Dabei habe ich schon vieles ausprobiert.

Zur Zweitmeinung erwarte ich, dass zumindest alle Urologen ISK als Lösung der Wahl vorschlagen werden (und falls dies nicht geht, einen Bauchdeckenkatheter). So war das zumindest bei mir, und mein Restharn scheint weniger ausgeprägt zu sein als bei Dir. Ich stelle mir das so vor, dass die meisten Patienten Deiner Urologin keine oder wenig Probleme mit dem ISK haben, und gleich wird es auch bei anderen Urologen sein. Insofern sehen die Ärzte - übrigens richtigerweise - erstens vor allem die Vorzüge des ISK und haben ausser dem Bauchdeckenkatheter keine wirklich gute Strategie, wenn es ausnahmsweise wie z.B. bei mir, gar nicht klappt. 

Allenfalls wäre der Bauchdeckenkatheter aber wirklich einen Versuch Wert. Du müsstest ihn auch nicht ewig tragen. Da Du noch spontan entleeren kannst, besteht Hoffnung, dass die Entleerung mit der Zeit besser wird und der Restharn abnimmt, so dass Du ohne Katheter auskommst und wieder (fast) normal entleeren kannst. Aber ja, auch beim Dauerkatheter gibt es Risiken und Einschränkungen.

Zu den Übungen: Das sind keine klassischen Beckenbodenübungen, bei welchen es um die Stärkung der Muskulatur geht. Im Vordergrund steht das Ziel, den Grundtonus des Beckenbodens zu reduzieren. Die Übung, welche an sich simpel ist, habe ich in der Physiotherapie gelernt. Wichtig ist vor allem, dass man sich für die Übung Ruhe und Zeit nimmt und sie wenn möglich jeden Tag macht. Ich benötige dafür je nach Zustand ca 10-20 Minuten.
  1. Du legst Dich auf den Rücken und winkelst die Knie an, so dass Du eine bequeme Position einnimmst. An besten geht es auf einer Yogamatte, aber im Bett oder auf dem Teppich geht es auch. Trage bequeme Kleider ohne Gurt.
  2. Achte auf die Auflagepunkte des Körpers. Bei mir sind dies Kopf, die beiden Schulterblätter, Darmbein (hinterer Knochen des Beckenbodens am Rücken), Füsse sowie Finger und Ballen der Hände, welche ich entspannt seitlich neben mich lege. Allenfalls kannst Du ein Kopfkissen verwenden, wenn das für Dich bequemer ist.
  3. Entspanne den ganzen Köper, so dass Du nur doch die Auflagepunkte wahrnimmst (meine Physiotherapeutin meinte, ich solle den Körper dem Boden übergeben, das fand ich ein schönes Bild). Atme dabei langsam und tief und achte auf einen entspannten Kiefer. Das braucht unter Umständen etwas Zeit, ist aber wichtig, damit Du die Bewegungen im Beckenboden möglichst gut spürst. Ich denke dabei an etwas schönes nicht alltägliches.
  4. Wenn Du den tiefenentspannten Zustand erreicht hast, spanne den Beckenbodenmuskel langsam an und entspanne ihn dann wieder langsam. Atme dabei beim Anspannen aus und beim Entspannen ein. Wiederum sollte die Atmung aus dem Zwerchfell heraus erfolgen. Wichtig ist, dass die Bewegungen ohne Anstrengung erfolgen. Wenn Du spürst, dass sie Dich anstrengen, mache ein Pause und suche wieder den tiefenentspannten Zustand, oder brich die Übung ab. Ich übe in der Regel ca 10 Atemzüge und mache danach 10-50 Atemzüge lang Pause. Das wiederhole ich je nach nach Lust und Laune 5-10 Mal. 
  5. Ich beobachte die Länge der An- und Entspannungsbewegungen. Wenn mein Beckenboden entspannt ist, kann ich ohne Anstrengung so lange Bewegungen wie meine Atmung durchführen. Bin ich verspannt oder spüre ich nach einem neurologischen "Schub" sensorische Defizite, so kriege ich nur kurze Bewegungen hin und manchmal reagiert mein Beckenboden auch spastisch auf die Übung und ich muss sie abbrechen.

Ich mache die Übung immer vor dem Schlafengehen und oft, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und mich generell etwas entspanne. Im Dezember hatte ich einen oder gar zwei neurologische Rückfälle. Mein ganzer Unterleib schmerzte danach, ich hatte wieder mehr Probleme, dass ich am Morgen nicht Wasser lassen konnte und - was sehr ätzend ist - mehrmals Stuhlverlust. Nun habe ich das Gefühl, dass es wieder besser geht, unter anderem Dank den Übungen. Bei mir kann die Anspannung so gross sein, dass mein Anusschliessmuskel aus Ermüdung nicht mehr dagegen halten kann, wenn grosser Stuhldrang vorliegt. Das ist ungemein ätzend und frustrierend, insofern sind die Entspannungsübungen sehr wichtig für mich.   


Ich wünsche Dir morgen viel Erfolg. Herzliche Grüsse
Martin

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  • martinK
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1 Woche 1 Tag her #53105 von martinK
Ach, was ich vergass zu schreiben: Silkwood ist ein guter Film und Meryl Streep eine tolle Schauspielerin!
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