file Frage Blasenentleerungsstörung, alle 4 Wochen HWI mit Fieber und Antibioka, trotz ISK

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1 Woche 1 Tag her #53106 von Dasch
Hallo Silkwood,

ich kann dir leider keine Tips geben, aber von mir schreiben. 
Ich habe seit ca. 1 Jahr immer wieder mit HWI zu kämpfen. Von Januar bis Mai habe ich 6x Antibiotika (mit urinkultur) genommen, aber 2- Wochen nach der Einnahme war der nächste Infekt da. Ich spüre keinen Harndrang und kein Brennen, merke aber dass der Urin dann stinkt und meistens trüb ist. Da ich bis zu 300 ml Restharn habe, katheterisiere ich mich seit Juli 4-6 x täglich. Trotzdem habe ich immer wieder HWI (teste es meistens mit einem urinstick). Bisher hatte ich kein Fieber und keine Nierenbeckenentzündung. Deshalb bekomme ich erstmal kein Antibiotika mehr verschrieben, soll mich aber sofort melden, falls ich Fieber oder Schmerzen in der nierengegend bekomme. Mich stört zwar der Geruch des Urins bei einem HWI sehr, aber sonst komme ich recht gut zurecht. 
Ich kann bei mir nicht sagen, ob die HWI durch ISK häufiger geworden sind, aber weniger ist es leider auch nciht geworden

Da es bei dir aber mit Fieber ist und zu Nierenbeckenendzündingen kommt, wäre eine  zweite Meinung bestimmt sinnvoll.
Liebe Grüße 
Daniela
.

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1 Woche 1 Tag her #53108 von Silkwood
Hallo Michael.

Erstmal danke für die Tipps.

Wahrscheinlich hast du überlesen, das ich eine Frau bin ;)

Das mit dem Nephrologen habe ich mir auch schon überlegt. Habe im April einen Termin. Leider dauert das ja immer endlos.

Ich trinke ca. 2,5 Liter pro Tag, manchmal auch mehr.
Ich finde es auch extrem ungewöhnlich, dass das Ganze immer direkt in die Niere geht.

Aus lauter Verzweifelung habe ich nun auch noch einen Termin bei einem Heilpraktiker gemacht.
Meine große Hoffnung ist noch die sakrale Neurostimulation, die ich seit einer Woche teste.
Mittwoch habe ich die erste Kontrolluntersucherung. Bis jetzt merke ich nur eine minimale Verbesserung beim Restharn.

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben:)

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1 Woche 1 Tag her #53109 von Silkwood
Guten Morgen Martin.

Das ist wirklich toll von dir, wie ausführlich du mir die Entspannungsübungen erklärt hast. Danke :)

Das mit deiner neuen Problematik tut mir unendlich leid.
Ein Schrittmacher ist bei dir ja leider keine Lösung.
Es ist schon bitter, wie viele Menschen still und unsichtbar leiden. 
Ich bin sehr froh über dieses Forum, da ich vorher dachte fast die Einzige zu sein.

Ich wünsche dir einen guten Tag :)
Silke

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1 Woche 23 Stunden her #53110 von Silkwood
Hallo Daniela.

Danke für deine Nachricht.
Darf ich Fragen wie alt du bist?

Das Problem mit dem Restharn hast du doch auch bestimmt schon länger, als seit Beginn deiner HWIs oder?
Mich treibt immer noch die Idee um, dass die Entzündungen durch den extremen Östrogenmangel nach den Wechseljahren 
verschlimmert werden könnte.

Ich bin 58 und habe den Restharn schon seit Jahren. Hatte nie Probleme, außer bei zu voller Blase im Abstand von
10 Minuten immer wieder entleeren zu müssen.

Seit 1 Jahr nun diese heftigen Infekte.
Entweder hat sich da ein Biofilm gebildet, das ISk schleppt mir die Keime rein oder der Östrogenmangel begünstigt die Bakterien.

Dir alles Gute für die neue Woche
VG Silke

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1 Woche 19 Stunden her #53112 von martinK
Guten Morgen Silke

Nun hat sich die Wahl Deines Benutzernamens geklärt, darauf hätte ich ja auch kommen können :-).

Für die Stuhlproblematik könnte die sakrale Neuromodulation helfen. Allerdings sind die Probleme bei mir sehr schwankend, so dass ich mit dem Entscheid, es zu versuchen, zögere. Letztes Jahr z.B. hatte ich keine oder so gut wie keine Probleme (kann mich gar nicht mehr so richtig erinnern...). Seit ich vor drei Jahren jeden Monat Immunglobulin verabreicht bekomme, erholt sich mein Nervensystem nach einem Schub wieder. Seit dann ist meine Kontrolle über den Stuhl insgesamt viel besser geworden. In der zweiten Dezemberwoche muss ich einen üblen Infekt eingefangen haben, der eine Überreaktion meines Immunsystems auslöste. Es geht aber wieder aufwärts und am Mittwoch/Donnerstag kriege ich wieder meine Infusion, das wird erwartungsgemäss die Heilung nochmals beschleunigen.

Insgesamt bin ich in meinem Leben sehr glücklich. Natürlich sind die Entleerungsprobleme ein Mist, und es gibt Momente, da leide ich unter den Problemen. Das betrifft nicht nur die Inkontinenz, sondern auch Gefühls- und Gleichgewichtsstörungen, sowie zuweilen Müdigkeit. Aber ich lasse mich davon nicht einschränken. Da es sonst sehr viele schöne und positive Aspekte in meinem Leben gibt, habe ich insgesamt keinen Grund, mich zu beklagen. Ich habe nun auch eine Strategie, wie ich in Zukunft mit den Entleerungsproblemen umgehen möchte. ISK werde ich dann wieder versuchen, wenn es neue Erkenntnisse und Ansätze gibt. Gleichzeitig habe ich meine Ernährung umgestellt, in der Hoffnung, dass ich damit meine Darmflora stabilisieren kann, was wiederum einen positiven Effekt auf meine Autoimmunkrankheit haben wird und lasse meine Blase und Niere regelmässig kontrollieren. Sollten sich die Nierenwerte verschlechtern oder die Blase signifikant degradieren, so werde ich Botox spritzen lassen und allenfalls mit einem Bauchdeckenkatheter leben. Dies möchte ich vermeiden, oder zumindest so weit wie möglich hinauszögern. Mit der schweren Harninkontinenz lebe ich nun seit mehr als 10 Jahren, damit habe ich mich zumindest so weit arrangiert, dass ich normal leben kann. Und so lange meine Autoimmunkrankheit dank der Immunglobulintherapie stabilisiert ist, sollte auch die Stuhlinkontinenz allenfalls nur punktuell ein Thema sein. Daneben treibe ich regelmässig Sport, mache jeden Tag beim Zähneputzen Gleichgewichtsübungen und spiele Musik. Das ist nicht nur für die Neuropathie gut, sondern auch für die Seele :-)

Die Untersuchung der Darmflora könnte für Dich übrigens auch interessant sein, zumal sie vermutlich die Quelle für die Bakterien ist, welche die Nierenbeckenentzündungen verursachen. Vielleicht kannst Du über die Umstellung der Ernährung evtl. in Kombination mit Zusatzpräparaten etwas erreichen. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass komplizierte Entleerungsprobleme ganzheitlich angegangen werden müssen, da reicht z.B. die Urologie allein nicht aus.

Ja, Entleerungsstörungen sind etwas sehr persönliches. Im Gegensatz zu anderen Leiden sprechen die Leute nicht in der Öffentlichkeit darüber. Um so besser, dass wir uns in diesem Forum austauschen können! Insbesondere als Kind fühlte ich mich mit dem Problem schon sehr allein. Niemand verstand, weshalb sich ein sonst scheinbar gesundes Kind regelmässig in die Hosen pinkelt oder Stuhl verliert. Aber auch dann hatte ich dank eines intakten Umfelds viel Glück. Dass meine Eltern vor 50 Jahren nicht wussten, wie mit der Sache umzugehen, trage ich Ihnen nicht nach. 

Herzliche Grüsse
Martin
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1 Woche 5 Stunden her #53114 von Dasch
Hallo Silke,

ich bin 45 Jahre alt. Ich hatte auch schon vermutet, ob ich in die Wechseljahre komme. Aber meine Frauenärztin und der Arzt in der Klinik meinten, dass ich noch weit entfernt bin und ich noch viele Kinder bekommen könnte:cheer:
Trotzdem nehme ich 2x pro Woche Östrogenzäpfchen. 
Ob ich den Restharn schon länger habe, kann ich nciht genau sagen, aufgefallen ist es erst nach meiner Senkungsop. 
Meine Belastungsinkontinenz fing schon nach dem ersten Kind (2007) an. Ich habe Beckenbodentrainigskurse und Physiotherapie gemacht, aber es hat sich nichts gebessert. Nachdem mein damaliger Frauenarzt nach meinem 2. Kind gesagt hat, dass ich ja die Beckenbodenübungen kenne und ich halt tägl. üben müsste (fand ein weiteres Rezept für Physiotherapie unnötig), habe ich es so hingenommen und nach dem 3. Kind nicht mehr gesagt. Ich kam aber mit Einlagen für Inkontinenz aus dem Supermarkt zurecht.

Erst mit meiner ersten Blasenentzündung (November 2023) hat sich alles so verschlechtert (es hat sich plötzlich die komplette Blase ohne Vorwarnung/Harndrang entleert, bzw. der Drang kam wenn es schon zum Urinverlust kam). Das war dann auch das ersteMal, dass ich mit meiner neuen Fraunärztin überdie Inkontinenz gesprochen habe. Seit dem Zeitpunkt hatte ich immer wieder HWI, ab Januar2025 war es dann, wie schon geschrieben, fast durchgängig. Zum Glück habe ich kaum Symptome und nur selten Fieber. 

Ich wünsche dir, dass dei sakrale Neurostimulation bald kleine Erfolge zeigt,
liebe Grüße
Daniela

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6 Tage 10 Stunden her - 6 Tage 10 Stunden her #53121 von MichaelDah
Hallo Silkwood,

sorry - ich hatte in dem Moment tatsächlich etwas aus dem Auge verloren das du eine Frau bist, hatte nicht noch mal von vorne gelesen und nur noch Harnröhrenschlitzung im Gedächtnis behalten... Das wird bei Frauen deutlich seltener gemacht als bei Männern und da hab ich mich von der Empirie leiten lassen statt noch mal genau zu lesen... Bitte Entschuldige meinen Fehler.

Um die Sache noch mal aufzugreifen: Die Flüssigkeitsmenge kann es bei den 2,5 Litern vermutlich eher nicht sein. Bliebe halt noch die Frage woher das Problem genau kommt. 

Der Nephrologen Termin ist bestimmt eine gute Idee. Das Arzttermine teilweise so lange brauchen nervt mich auch immer wieder.  Allerdings lässt sich die Sache über den Terminservice oft stark beschleunigen  - b.z.w. erst möglich machen. Das währe also noch einen Alternative wenn du einen kooperativen Hausarzt hast. Ich bekomme immer wieder einen dicken Hals wenn ich bei einem Arzt anrufe und der mir dann auf Nachfrage sagt, das ich als privat Patient innerhalb einer Woche einen Termin bei ihm bekommen kann, nachdem er mir vorher 6 Monate angeboten hat... Mit dem Terminservice geht das dann i.d.R. deutlich schneller - allerdings verrät der Arzt das einem meistens nicht...  

Ich hatte ISK vor etwa 1,5 Jahre auf der Reha gezeigt bekommen, weil bei der UD schon wieder 150ml drin geblieben waren. Wir hatten das dann getestet und bei mir waren das immer so zwischen 80 und 180ml. Bei der Gelegenheit hatte ich mir dann auch gleich eine HWI eingefangen - allerdings denke ich inzwischen, das es einfach irgendwelche miesen Klinikkeime waren die da rumgeflogen sind, denn die Klebselia sind nachdem ich sie im zweiten Anlauf losgeworden bin auch nicht wieder aufgetaucht. Allerdings wende ich ISK auch nur Situativ an, wenn ich sicher gehen will das in der nächsten Stunde nichts schief geht oder wenn ich merke das sich die Miktionsfrequenz wieder erhöht - was bei mir ein Zeichen für Restharn ist. 

Die Sache mit dem Biofilm, die du schreibst ist übrigens auch eine durchaus wahrscheinliche Möglichkeit. Ebenfalls käme eine zu kurze Einnahme der Antibiotika in betracht. Letzteres war bei mir damals vermutlich das Problem. Die erste Behandlung ging glaube ich über 12 Tage - danach so es so aus als ob die Entzündung weg sei - allerdings ist sie nach knapp einer Woche wiedergekommen. Die zweite Behandlung ging dann über 15 oder 20 Tage - und das hat die Biester eliminiert.

Wenn sich die Bakten in der Blasenschleimhaut verstecken wird das oft noch komplizierter - da können sie nämlich eine Weile überleben ohne größere Probleme zu verursachen. Da muss dann der Spezialist mit dem richtigen Antibiotika und ggf. auch Blasenspühlungen ran.

Wie gesagt - den ISK alleine für die Misere verantwortlich zu machen ist meistens nicht ganz richtig. Oft kommt mindestens ein weiterer Faktor dazu - und der kann neben Zucker auch Abwehrschwäche, ein problematisches Blasenmikrobiom oder eben in der Blasenwand vergrabene Bakterien sein. 

Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, das dieses Problem gelöst wird. In wieweit das mit dem Schrittmacher klappt wirst du ja sehen - vielleicht funktioniert er ja bei dir :-)

viele Grüße
Michael

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4 Tage 23 Stunden her #53146 von Silkwood
Hallo Michael.

Danke für deine ausführliche Antwort.

Du hast Recht, mein Problem betrifft deutlich mehr Männer als Frauen. Haben mir die Ärzte schon bestätigt.

Leider wird der weibliche Körper auch allgemein in der medizinischen Forschung vernachlässigt, aber 
das ist ein anderes Thema.

Der gestrige Termin zur Kontrolle der Neurosakralen Blasenstimulation ist nicht sehr befriedigend verlaufen.
Der Arzt meinte nur, ich müsste selbst entscheiden, ob ich eine 50 %ige Besserung verspüre  und das natürlich die 
5 Tage Nierenbeckenentzünding innerhalb der ersten Woche, das Ergebnis verfälschen könnte.

Ich habe das Medtronic Interstim HH90 implantiert bekommen. An dem Testgerät kann man lediglich die Strom-
Stärke verändern. Erst an dem richtigen Blasenschrittmacher dann verschiedene Programme einstellen.

Nachdem ich hier im Forum mal ein bisschen quergelesen habe, befürchte ich, mich zu schnell in diesem Krankenhaus
für den Eingriff entschieden zu haben.

Vielleicht hätte ich doch noch ein paar Monate auf den Termin in Herne warten sollen. Dort wird glaube ich ganz anders
getestet.
Bis jetzt habe ich mal ca. 40 % weniger Restharn, mal den gleichen wie vorher.
Ich kann dieses Gerät jetzt noch 10Tage drin lassen, dann muss ich mich entscheiden.

Ich konzentrier mich im Moment darauf, nach nur 5 Tagen Antibiotika, nicht wieder einen Infekt zu bekommen.
Morgens und Abends Femmanose N, 3 mal am Tag Angocin und natürlich zum Wiederaufbau der Darmflora noch Probiotika.

In zwei Wochen habe ich einfach mal einen Termin bei einer Heilpraktikerin gemacht.
Die Verzweifelung treibt mich um und mein ganzes Gedankenkarussell dreht sich um Nierenbeckenentzündung.

Frustierte Grüße
Silke

Vielleicht eröffne ich noch einen Chat, mit der Frage nach Erfahrungen mit der Neurostimulation.

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  • MichaelDah
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4 Tage 16 Stunden her - 4 Tage 16 Stunden her #53152 von MichaelDah
Hallo Silkwood,

Ja - es ist traurig das im 21 Jahrhundert immer noch so viel "Männermedizin" übrig geblieben ist... Wie auch immer - ich versuche noch mal was zu dem Schrittmacher zu sagen.

Du schreibst ja, das du das Problem nur sehr langsam Harn lassen zu können schon sehr lange hast. Irgendwann bist da damit zum Urologen gegangen und der hat dann die Schlitzung veranlasst. Das bedeutet, dass der Urologe vermutlich der Meinung war, dass dein Problem schlecht Wasser lassen zu können einer zu engen Harnröhre geschuldet war. Dieser Umstand würde vermutlich auch die Problem bei der Spieglung erklären.

Wenn es nach der Schlitzung mit dem Restharn zunächst besser geworden ist, würde ich vermuten das man damit eine Ursache erstmal behoben hatte. Das Problem bei den Schlitzungen ist, das sie leider nicht besonders nachhaltig sind. Ursache dafür ist das, dass Gewebe der Harnröhre oft vernarbt und dann zuweilen noch eine größere Obstruktion als vorher entstehen. Davon merkst du in der Regel erst mal nichts, weil der Blasenmuskel das zu kompensieren versucht - so lange er kann. 

Du schreibst auch, das ein Füllvolumen von 750ml gemessen wurde und die Blasenwand verdickt ist. Das lässt vermuten, das die Blase in der Zwischenzeit bereits Dehnungsschäden erlitten hat. 

Das alles hört sich für mich alles erstmal nicht nach einem neurologischen Problem an. Was wurde denn für ein neurologische Problem erkannt und woran liegt es nach Meinung der Ärzte? Wurde denn vor der Interstim Implantation überhaupt eine Urodynamik durchgeführt und geschaut ob die Blase überhaupt noch genügend Druck aufbringen kann, b.z.w. ob wieder Obstruktion vorliegt - was wurde dabei festgestellt?

Der Punkt ist halt - wenn die Blase tatsächlich mehr oder weniger "Platt" ist - und einiges deutet bei dir darauf hin - kann ein Schrittmacher dran auch nichts mehr ändern. Ein Schrittmacher kann helfen, wenn die Nervenverbindung von der Blase zum Gehirn gestört sind - wichtig ist hier auch das wenigstens noch eine Teilfunktion vorhanden ist. Wenn die Verbindung wie bei einem kompletten Querschnitt komplett weg ist, funktioniert der Schrittmacher auch nicht. Typische Indikationen währen z.B. ein inkompletter Querschnitt oder Entzündungen die sich auf einen bestimmten Bereich des ZNS eingrenzen lassen.

Aber auch da ist nicht immer gesagt das es funktioniert. Ich würde die Entscheidung ob ich einen Schrittmacher behalte oder nicht an zwei Fragen festmachen:
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach einem Jahr nicht mehr auf ISK angewiesen zu sein?
  • Wie wichtig ist es für mich eine Verringerung der ISK Intervalle zu erreichen?


Wenn bereits die Verringerung der ISK Intervalle eine entscheidende Verbesserung darstellt, dann würde ich es vermutlich mit dem Schrittmacher versuchen. Wenn du aber denkst das es eigentlich nur Sinn macht wenn damit das gesamte ISK Thema vom Tisch ist würde ich mich noch mal sehr genau erkundigen wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist.  

Vielleicht hilft es dir ja bei der Entscheidung

viele Grüße
Michael

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  • martinK
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4 Tage 14 Stunden her #53155 von martinK
Hallo zusammen

Silke, es tut mir leid, das die letzte Konsultation unbefriedigend war. Mein Eindruck ist, dass viele Ärzte erstens sich zu wenig Zeit nehmen (oder zu wenig Zeit haben) sich mit den Problemen ihrer Patienten auseinanderzusetzen, und zweitens ihnen oft das fundamentale Verständnis fehlt. Das ist übrigens kein Vorwurf, wäre ich Arzt, würde es mir vermutlich nicht anders gehen. Deshalb finde ich es auch wichtig, nachzuhaken, wenn Ärzte eine Therapie vorschlagen, um zu verstehen, welche Gedanken und Begründungen hinter dem Vorschlag stehen.

So lange Dich die sakrale Neuromodulation nicht stört, würde ich versuchen, die Testphase beibehalten. Im besten Fall lässt sich eine Verbesserung erkennen und sonst ist das gerät schnell wieder entfernt. Eventuell kannst Du die Testphase auch verlängern. Immerhin hattest Du dazwischen Infekte, welche das Resultat der Phase verfälschen.

Was hat der Arzt zum ISK gemeint? Die Situation, so wie sie ist, ist ja nicht tragbar, da müsste etwas unternommen werden. Wenn Du schon vier Nierenbeckenbodenentzündungen hattest, wird sich das mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht einfach so ändern...

Betreffend ISK: Michael, meiner Meinung nach fundiert Deine Aussage, dass ISK mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht alleine für Harnwegentzündungen verantwortlich ist, nicht auf Tatsachen, ebenso wenig ist ISK bei Frauen erwiesenermassen ein signifikant grösseres Problem als bei Männern. Es gibt einige Publikationen zu diesem Thema, die meisten, die ich gefunden habe, beziehen sich auf Patienten mit einer Wirbelsäulenverletzung (Querschnitt) und können somit nicht verallgemeinert werden. Am interessantesten schien mir der folgende Artikel:

www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666168322000428

Da geht es um den Vergleich von mit Gleitmittel beschichteten Kathetern im Vergleich zu hydrophilen Kathetern in Bezug auf Harnweginfekte. Um die Formulierung nicht zu kompliziert zu gestalten, verwende ich im folgenden nur einen Genus; die Damen im Forum mögen dies mir verzeihen.  
  • Je 458 ISK-Anwender aus Grossbritannien, wobei die Gruppen betreffend Alter, Geschlecht, Blasenkrankheit,... aufeinander abgestimmt wurden ("Propensity Score Matching"). Die Ursachen für das ISK waren gemischt (neurologisch, mechanisch, unklar...).
  • Untersucht wurde das Vorkommen von HWIs innerhalb von 12 Monaten. Dabei wurden nur Patienten berücksichtigt, welche zuvor bereits mindestens 12 Monate lang ISK gemacht hatten und dabei im Rahmen der Studie begleitet wurden. Das Kriterium für ein HWI war die Kur mit Antibiotoka, wobei HWIs, welche im Abstand von 4 Wochen oder weniger eintraten, als ein Vorfall gezählt wurden. Unterschieden wurde auch zwischen Patienten, welche in den 12 Monaten beim selben Katheter blieben und solchen, welche ISK abbrachen, oder den Katheter wechselten. Der Einfachheit zu liebe mache ich dazu keine Unterscheidung; für meine Kernaussage ist das auch nicht relevant.
  • Bei mit Gleitgel vorbeschichteten Kathetern hatten 37% der Patienten innerhalb von 12 Monaten mindestens einen Harnweginfekt, der mit Antibiotika behandelt wurde, während es beim hydrophilen Katheter 45% der Anwender waren.
  • bei Frauen waren 38% bzw. 45% betroffen, während bei Männer 35% bzw. 37% in Zeitraum von 12 Monaten mindestens einmal eine Antibiotikakur durchliefen.
  • Bei jungen Menschen (18-49 Jahre) ist sind HWIs weniger häufig.

Ziel der Studie war ein Vergleich zwischen Kathetern, welche mit eine Gleitgel vorbeschichtet sind und hydrophilen Kathetern. Man sieht da einen gewissen Vorteil für die vorbeschichteten Katheter, aber für mich ist folgendes viel relevanter:
  • Gemäss der Studie sind HWIs, die bei ISK mindestens einmal in Jahr mit Antibiotika behandelt werden, alles andere als unüblich. das überraschte mich sehr, ich hätte eine Zahl <10% erwartet... Jedes Jahr mindestens einmal eine Antibiotikakur durchmachen zu müssen, kann ja auch nicht die Lösung sein. Es stellt sich allerdings die Frage, ob bei jeder Antibiotikakur tatsächlich ein bakterieller Infekt vorliegt.
  • Es gibt einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, aber gross ist er nicht. Bei Frauen ist die Harnröhre kürzer, was die Anfälligkeit auf HWIs per se erhöht. Bei Männer muss der Katheter aber über eine längere Strecke und durch den Engpass "Prostata/äusseren Blasenschliessmuskel" eingeführt werden. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko was mechanisch verursachte Entzündungen angeht. Vermutlich gibt es aber bei den Frauen viel mehr Fälle von HWIs, die nicht mit Antibiotika behandelt werden.

Es ist zwar nicht klar, ob die Anzahl HWIs bei einer Testperson ohne ISK grösser oder geringer wäre. Auf alle Fälle zeigt diese Studie aber nicht, dass HWIs bei ISK kein Problem sind. Am Ende ist die Sache vermutlich sehr komplex. Ohne ISK wäre die Situation betreffend HWIs in vielen Fällen vermutlich schlechter, aber ISK löst das Problem in ca 40% der Fälle auch nicht ganz. 

Ich war etwas erstaunt darüber, dass es nicht mehr gross angelegte Studien zu diesem Thema gibt, aber vielleicht habe ich sie einfach auch nicht gefunden.

Ich denke übrigens nicht, dass im Bereich ISK "Männermedizin" betrieben wird. Die Methode hat trotz ganz grossen Stärken unabhängig vom Geschlecht fundamentale Schwachstellen, die nicht ganz beseitigt werden können. Jedes Einführen eines Katheters reizt den Körper, sowohl mechanisch oder bakteriell. Möglicherweise gibt es da noch Optimierungspotential, aber ganz wird man diesen Effekt nicht wegbringen.

Herzliche Grüsse
Martin

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