file Frage Blasenentleerungsstörung, alle 4 Wochen HWI mit Fieber und Antibioka, trotz ISK

  • Silkwood
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4 Tage 11 Stunden her #53156 von Silkwood
Hallo ihr beiden.

Schön, das ihr euch soviel Zeit nehmt. :)

Erstmal zu dir Michael.

Die Harnröhrenschlitzung war insoweit erfolgreich, dass bei mir ohne Probleme eine Katheteruntersuchung möglich ist
und sowohl meine Urologin als auch der Arzt im Krankenhaus meinte, das wäre nicht mehr mein Problem. 

Mehr Untersuchungen der Harnröhre gab es nicht.
Da ich vorher nie kathetisiert habe, kann ich zum Thema Restharn nichts sagen.

Eine urodynamische Untersuchung wurde gemacht:

" Während der Füllphase zeigt sich ein kontinuierlicher Detrusordruckanstieg bis auf 14 cmH2O.
   Anschließend zeigt sich eine terminale Instabilität, die in eine komplette Miktion resultiert.
   Hierbei wird ca. ein Drittel der Füllmenge entleert."

Mir würde eine deutliche Verringerung des Restharns als Erfolg genügen.

Und damit bin ich  bei Martins Beitrag :)

Danke für deine ausführliche Recherche.

Ich hatte seit Juli nun inzwischen schon 5 Nierenbeckenentzündungen. Und das ist genau der Zeitraum seit ich
kathetisiere.
Deshalb gebe ich dir Recht, das ISK ist mit der Hauptauslöser der HWI.
Morgen habe ich nochmal einen Termin bei meiner Urologin und ich werde zähneknirschend mal nach einer Dauerantibiose fragen um endlich mal wieder zur Ruhe zu kommen.

Wenn ich den Restharn auf 200ml runterkriege, würde ich mit dem ISK aufhören.
Aber das ist meine persönliche Entscheidung.
Besser 2 mal im Jahr eine HWI durch Restharn als alle 4 Wochen durch ISK,

Ganz liebe Grüße, Silke

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  • MichaelDah
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4 Tage 10 Stunden her #53158 von MichaelDah
Hallo Silke,

Du hattest aber nichts von einer überaktiven Blase und Inkontinenz geschrieben - oder stehe ich da jetzt völlig auf dem Schlauch? Die Aussage " terminale Instabilität, die in eine komplette Miktion resultiert" bedeutet eigentlich, das sich irgendwann unfreiwillig die Blase zusammengekrampft hat und es dann losgelaufen ist wobei dann etwa zwei drittel der Füllmenge drin geblieben sind. War das so?

Ich meine das würde sie Sache natürlich noch mal ändern. Was für ein Blasendruck wurde denn bei der Miktion gemessen (also nicht der Ruhedruck mit den 14cm/h2o sondern der als sich die Blase zusammen gezogen hat?

Viele Grüße
Michael

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  • Matti
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4 Tage 10 Stunden her #53159 von Matti
Hallo,

eine britische Studie, die auf Daten von Hausärzten basiert, geht von folgender Basis aus: Insgesamt wurden 5.296 Patienten eingeschlossen (vorbefeuchtet: n = 458; hydrophil: n = 4.838). Bei der über zehnfachen Anzahl an Probanden, die hydrophile Katheter nutzen, stellt man fest: Bei durchgehender Verwendung desselben vorbefeuchteten Katheters war die Rate an Symptomen, die auf eine HWI hindeuten, signifikant niedriger als bei hydrophilen Kathetern. Ich hoffe, man hat für diese Erkenntnis nicht allzu viel Geld ausgegeben.

Ich habe nirgendwo etwas dazu gefunden, ob überhaupt einmal hinterfragt wurde, warum es überhaupt zu behandlungsbedürftigen Infektionen kam. Anwendung, Anwendungsfehler, Technik, Frequenz, Grunderkrankung, anatomische Voraussetzungen, Hygiene, Sexualpraktiken usw. usf. – all das bleibt unberücksichtigt. Einziger Bezugspunkt: die Durchführung des intermittierenden Selbstkatheterismus. Auch die Frage, ob der Selbstkatheterismus die Infektionsraten nun erhöht oder reduziert hat, also der Zeitraum, bevor man mit dem Selbstkatheterismus begann, spielt keine Rolle. Was für eine undifferenzierte Studie.

Lieber Martin,
ich bin mir nicht ganz sicher, welches Ziel du mit deinen häufigen, zumindest scheinbar mahnenden und warnenden Äußerungen zum ISK verfolgst.
Tatsache ist, dass für viele Menschen der intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) die bestmögliche Option darstellt. Nicht jeder verfügt über völlige Freiheit bei der Wahl seiner Methode – sei es, ob er den ISK anwendet, die Häufigkeit auf ein Minimum reduziert oder ihn nur bei Bedarf nutzt. Dass bei dir nach der Anwendung vermehrt Infektionen auftreten, hängt nicht zwangsläufig mit dem ISK an sich zusammen. Vielmehr spielen individuelle Faktoren eine Rolle, die das Risiko erhöhen können. Einen daraus abgeleiteten mahnenden Feldzug halte ich weder für gerechtfertigt noch für förderlich im Sinne der Vereinsziele.

Zahlreiche Betroffene haben hier ihre Ängste geäußert – nicht nur in Bezug auf Infektionen, sondern generell. Daher erscheint es wenig hilfreich, den Eindruck zu vermitteln, Selbstkatheterisierung sei zwangsläufig mit Infektionen verbunden. In deinem speziellen Fall mag das zutreffen, aber daraus eine allgemeine Regel abzuleiten, wäre schlichtweg falsch.

Man darf dabei nicht vergessen: Niemand katheterisiert sich aus eigenem Antrieb oder Lust, sondern immer aus medizinischer Notwendigkeit. Es ist unbestritten, dass die wiederholte Manipulation der Harnwege durch das Einführen eines Fremdkörpers das Risiko für das Eindringen von Bakterien oder Keimen erhöht – ganz im Gegensatz zur normalen Miktion bei gesunden Menschen. 

Dennoch haben viele der Betroffenen Grunderkrankungen, die das Infektionsrisiko unabhängig vom Katheterisieren ohnehin steigern. 
Welche Alternative gäbe es denn, die weniger riskant wäre als der ISK, wenn eine künstliche Harnableitung medizinisch erforderlich ist? Im Gegenteil: Andere Methoden sind oft noch anfälliger für Infektionen und erhöhen somit das Risiko zusätzlich.

Vor einigen Jahrzehnten, insbesondere vor den 1970er- und 1980er-Jahren, war Nierenversagen tatsächlich die häufigste Todesursache bei querschnittgelähmten Menschen – meist verursacht durch Probleme bei der Blasenentleerung.
Hintergrund:
Bei einer Querschnittlähmung ist die Blasenfunktion häufig gestört (neurogene Blase).
Dies kann zu Harnverhalt, Rückfluss des Urins in die Nieren (Reflux), wiederkehrenden Harnwegsinfektionen und chronischer Nierenschädigung führen.
Ohne effektive Blasenentleerung und moderne Kathetertechniken kam es daher oft zu Nierenversagen, was damals eine der Haupttodesursachen darstellte.
Heutige Lage:
Durch verbesserte medizinische Betreuung, regelmäßige Überwachung der Blasenfunktion, sterile Katheterisierung und frühzeitige Behandlung von Infektionen ist Nierenversagen heute selten geworden.
Stattdessen sind Atemwegserkrankungen (wie Lungenentzündungen) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen inzwischen häufigere Todesursachen.

Ich möchte weder in diese Zeiten zurückfallen noch die ohnehin schon bestehenden Ängste hier weiter fördern, nur weil eine Person ständige Harnwegsinfekte durch den ISK hat und deshalb mahnt und warnt, während hunderttausend andere Anwender entweder keine oder – im Verhältnis zu den sonst drohenden gesundheitlichen Risiken und Folgen – ein, zwei Infektionen im Jahr für tolerabel empfinden. Durch den ISK gewinnen sie an Lebensqualität und Lebenszeit, erlangen mehr Selbstständigkeit und führen insgesamt ein risikoärmeres Leben.

Ich finde, man muss da mal die Kirche im Dorf lassen.

Gruß
Matti

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  • Silkwood
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3 Tage 14 Stunden her #53163 von Silkwood
Lieber Matti.

Ich musste deinen Text erstmal verarbeiten.

Martin hat zu keinem Zeitpunkt davor gewarnt ISK zu betreiben und in meinen Augen betreibt er auch keinen Feldzug.
Wir haben uns lediglich darüber ausgetauscht, das es bei uns bei beiden durch den ISK zu einer deutlichen Zunahme von 
HWI kam. Das ist nun mal leider Fakt und in meinem Fall sogar von meinen Ärzten bestätigt.
Desweiteren liegt es bei mir weder an Hygiene, Benutzung, noch Sexualpraktiken, das es passiert, sondern an der Tatsache,
das ein Fremdkörper eingeführt wird.
Außerdem tun wir es ja beide weiterhin, da es halt ein größeres Übel mit sich bringt, es nicht zu tun.

Das man sich in diesem Forum über persönliche Problematiken, auch was die Anwendung von ISK, austauscht ist doch
der Sinn eines Forums.

Das es ein Riesen Segen für querschnittsgelähmte Menschen ist, wurde auch nie in Frage gestellt.
Genauso, wie Antibiotika zwar die Darmflora zerstört, aber für mich (jetzt übrigens als Langzeittherapie) ein Segen ist.
Es gibt immer zwei Seiten!

Aus diesem Grund, sollte es immer erlaubt sein, das Für und Wider zu diskutieren.

Viele Grüße
Silke
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  • MichaelDah
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2 Tage 17 Stunden her - 2 Tage 17 Stunden her #53164 von MichaelDah
Hallo Silkwood,

Ich denke, wenn man von dem Problem betroffen ist, herrscht da ganz unweigerlich eine gewisse „Vorspannung“, die absolut verständlich ist.

Die Sache ist nur die: Es hilft wenig, nach Studien zu suchen, die ein Problem beweisen, das man ständig erlebt - man ist ja quasi selbst der „Beweis“. Vielleicht beruhigt es einen etwas zu wissen, dass mehr Leute betroffen sind - aber ich denke, da muss man hier nur im Forum lesen - dafür braucht man keine Studie.

Entscheident ist am Ende eigentlich nur die Frage: Was mach ich mit der Erkenntnis?

Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage: „Michael, meiner Meinung nach fundiert Deine Aussage, dass ISK mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alleine für Harnwegentzündungen verantwortlich ist, nicht auf Tatsachen“,

kann man das natürlich machen und es stimmt in sofern, als ich den empirischen Beweis für meine Aussage tatsächlich nicht liefern kann.

Wenn man aber so argumentiert, beraubt man sich aber einer entscheidenden Möglichkeit: Der positiven Veränderung.

Wenn es keinen Weg gibt, ein Problem zu lösen oder einzugrenzen, weil ich es als gegeben hinnehme, brauche ich auch nicht mehr darüber nachzudenken, wie ich es vielleicht schaffe - in diesem Fall - weniger Entzündungen zu bekommen.

Genau über diese Frage - also wie es möglich ist, weniger Entzündungen zu bekommen - sollten wir aber reden. Es gibt ja Leute, die mehr - und andere, die weniger Probleme mit ISK haben.

Vielleicht kann man sich ja austauschen und von einander lernen.

Viele Grüße
Michael

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  • Matti
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2 Tage 17 Stunden her #53165 von Matti
Liebe Silke,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Es ist mir wichtig, darauf einzugehen und auch ein paar Dinge klarzustellen.

Zunächst möchte ich betonen, dass sich die ersten beiden Abschnitte meiner ursprünglichen Antwort nicht an dich oder Martin persönlich richteten, sondern eine kritische Rückmeldung zur von Martin verlinkten Studie waren. Ich halte diese Studie aus verschiedenen Gründen für fragwürdig, weil sie viele wesentliche Einflussfaktoren wie Technik, Hygiene, Grunderkrankung, anatomische Besonderheiten und andere Aspekte nicht berücksichtigt. Maßstab der Studie (so wie ich sie aus dem Englischen interpretiert habe) ist die Häufigkeit einer einmaligen notwendigen Antibiotikabehandlung. Mein Ziel war es, solche Studienergebnisse sachlich einzuordnen, da sie im Forum schnell als allgemeingültig wahrgenommen werden, obwohl sie meist nur einen Ausschnitt der Realität abbilden.

Im weiteren Verlauf meines Beitrags habe ich dann auf wiederkehrende persönliche Äußerungen Bezug genommen. Dabei ist mir nun bewusst, dass meine Wortwahl – insbesondere das Wort „Feldzug“ – unglücklich und zu scharf war. Ich sehe ein, dass das leicht zu Missverständnissen führen und den Eindruck erwecken kann, ich würde angreifen oder Erfahrungen abwerten. Das war keinesfalls meine Absicht. Ich hätte das sensibler und wertschätzender formulieren sollen.

Mir ist es als Admin und Vereinsvorsitzender ein großes Anliegen, die Diskussion über ISK differenziert und sachlich zu führen. Mir geht es darum, dass:
  • wir auf die individuellen Risiken eingehen, ohne dabei zu verallgemeinern,
  • der Nutzen des intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) für viele Betroffene im Vordergrund steht,
  • klar bleibt, dass Infektionen zwar ein mögliches, aber nicht zwangsläufiges Risiko sind,
  • viele verschiedene Faktoren (wie Technik, Hygiene, Grunderkrankung etc.) das Infektionsrisiko beeinflussen,
  • und dass die Alternativen zum ISK oft noch riskanter und belastender wären.

An dieser Stelle möchte ich ergänzen, dass sehr viele Forenmitglieder der Ansicht sind, dass es sich beim gegenseitigen Erfahrungsaustausch oft um ein Zwiegespräch zwischen zwei Personen handelt. Da die Beiträge jedoch öffentlich sind, geben sie eben auch ein Statement ab oder können einen Eindruck bei anderen Leserinnen und Lesern erzeugen. 

Es ist nun einmal so, dass viele Menschen aufgrund von Bedenken und Ängsten ohnehin schon mit dieser Therapieform hadern oder sie gar nicht anwenden wollen, obwohl dies medizinisch geboten wäre. Deshalb halte ich es nicht für besonders hilfreich, wenn zumindest der Eindruck entstehen würde, dass Infektionen beim Selbstkatheterismus quasi unausweichlich sind. Ich beziehe mich in meiner Antwort auch gar nicht ausschließlich auf den Austausch in diesem Thread, sondern auf Aussagen, die Martin auch in anderen Beiträgen getätigt hat. Darauf baut meine Befürchtung auf.

Ich finde es wichtig, dass wir im Forum offen über alle Seiten sprechen – sowohl über die Vorteile als auch über die Schwierigkeiten. Gleichzeitig möchte ich vermeiden, dass einzelne negative Erfahrungen unbeabsichtigt als allgemeine Warnung verstanden werden und dadurch unnötige Ängste entstehen. Für viele ist der ISK eine enorme Verbesserung der Lebensqualität und ein medizinischer Fortschritt, der früheren schwerwiegenden Komplikationen vorbeugt.

Als Verein ist es unser Ziel, sachlich zu informieren, Ängste zu nehmen und die Interessen aller Mitglieder im Blick zu behalten. 

Eure persönlichen Erfahrungen sind ein wertvoller Beitrag dazu, und ich danke dir und Martin ausdrücklich dafür, dass ihr sie teilt.

Ich hoffe, so Missverständnisse ausräumen zu können und freue mich weiterhin auf einen offenen, respektvollen Austausch mit euch allen.

Viele Grüße
Matti
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2 Tage 12 Stunden her #53167 von martinK
Hallo zusammen

Danke für Eure Inputs
  • Matti, ich bin mit vielem, was Du schreibst einverstanden, aber wie Silke schrieb, habe ich in meinem Beitrag auch nichts anderes behauptet. Die Studie hat sicher Schwächen, aber meiner Meinung nach ist sie zumindest statistisch relevant und zeigt auch die Problematik des ISK auf. Wenn 35-45% der ISK Anwender einer Studie mit über 900 Teilnehmenden regelmässig mit Harnweginfekten kämpfen, so kann man nicht behaupten, dass ISK per se kein signifikantes Risiko für HWIs darstellt. Natürlich beantwortet diese Zahl aber nicht, ob diese betroffenen Personen ohne ISK besser oder schlechter dastehen würden. Wie Du schreibst würde es den meisten vermutlich ohne ISK schlechter gehen.
  • Michael, natürlich ist die Sache bei jeder Person anders und eine rein statistisch angelegte Studie hat über die Situation einer einzelnen Person nur eine begrenzte Aussagekraft, die allenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit ausgedrückt werden kann. Ich habe die Statistik aber angebracht, weil ich mich an Deiner Aussage gestört habe, die übrigens ja auch sehr pauschal war. Vielleicht bin ich da auch etwas überempfindlich, weil mein Eindruck auch bei den Urologen so ist, dass für sie allfällige Probleme bei ISK nicht mit der Methode selbst zusammenhängen können. Daran glaube ich einfach nicht. Am Ende gebe ich Dir recht: Entscheidend ist, was jeder Einzelne mit der Situation macht.
  • Silke, ich hoffe, Du findest einen Weg, wie Du mit oder ohne ISK mit Deiner Blasensituation umgehen kannst.Die Langzeitantibiose ist vielleicht ein erster Schritt, auf die Dauer wäre dies nicht mein Ding. Ich führe derzeit aus diesem Grund ausser bei akutem Harnverhalt kein ISK mehr durch. Da ich keine Harnweginfekte habe und meine Nieren auch nach vielen Jahren mit Entleerungsstörungen in einem sehr guten Zustand sind, sehe ich derzeit keine Notwendigkeit mich regelmässig zu katheterisieren.

Natürlich ist ISK als Goldstandard, der Leben rettet und die Lebensqualität von sehr vielen Menschen verbessert, eine grandiose Erfindung der Urologie. Nur darf man doch auch bei einer so erfolgreichen Methode auf ihre Probleme hinweisen, insbesondere wenn man den Eindruck hat, dass sie oft verharmlost werden. In allen meinen urologischen Arztberichten steht die völlig irrelevante Information, dass ich im Jahr 2016 an einer Achillessehne operiert wurde, aber in keinem Bericht ist aufgeführt, dass ISK bei mir Harnweginfekte mit hohem Fieber verursacht (und ich ohne ISK keine Probleme habe). Vielleicht weil ISK eine so wichtige Stellung in der Behandlung von Entleerungsstörungen einnimmt, habe ich basierend auf meinen Erfahrungen und Beiträgen, welche ich hier lese, den Eindruck, dass «Kollateralschäden» oft einfach mal in Kauf genommen werden. Wie Matti schreibt, profitieren Hundertausende von dieser Methode. Für Einzelfälle scheint es keine richtige Strategie zu geben.

Der Fall von Silke zeigt dies ja auch auf. Wieso nimmt eine Ärztin ein halbes Jahr lang eine Nierenbeckenentzündung nach der anderen einfach hin? Da müsste man doch spätestens nach dem dritten Infekt die Vorgehensweise hinterfragen und die Strategie anpassen. ISK ist ja nicht alternativlos. Neben der Überlegung, ob ein SPK doch nicht besser wäre, könnte man durchaus auch erstmal gar kein ISK durchführen, die Gesundheit der Nieren und der Blase regelmässig untersuchen und schauen, wie oft es ohne ISK zu Harnweginfekten kommt. Parallel könnte man mit anderen Methoden (Blasentraining, Medikamente, Physiotherapie, SNS…) versuchen, den Restharn zu reduzieren. Und selbst wenn Restharn vorliegt, muss dies ja nicht bei jeder Person gleich kurz- oder mittelfristig zu einer Nierendegradation führen. Restharn und Blasenüberdruck sind meinem Verständnis nach nur Indikatoren für eine Gefährdung der Nieren. Wie ich hier schon öfters geschrieben habe, sind meine Nieren in einem sehr guten Zustand, dies, obwohl ein pathologisch hoher Blasendruck gemessen wurde und schon viele Jahre lang erwiesenermassen Restharn vorliegt.

Im übrigen finde ich diese Diskussion wichtig und auch für mich fruchtbar. 

Herzliche Grüsse
Martin

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1 Tag 16 Stunden her - 1 Tag 16 Stunden her #53168 von Matti
Lieber Martin,

Restharn ist ein ernstzunehmender medizinischer Befund, dessen Behandlung nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Die Strategie „erstmal abwarten und beobachten“ ist nur in seltenen Ausnahmefällen und unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle vertretbar. Die Gesundheit der Nieren und der Blase sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden – gerade weil viele Schäden schleichend und irreversibel entstehen. 
Die Feststellung „Bei mir ist ja noch alles in Ordnung“ ist trügerisch, denn gerade die schleichende Entwicklung von Komplikationen wie Nierenschäden, Blasenfunktionsverlust oder Steinbildung bleibt oft lange unbemerkt und ist später nicht mehr rückgängig zu machen. 
Eine offene, ehrliche und sachliche Aufklärung über die Risiken ist unerlässlich, um Patienten vor vermeidbaren Komplikationen zu schützen.

Natürlich gibt es Menschen, bei denen trotz Restharn und sogar erhöhtem Blasendruck über Jahre keine akuten Nierenschäden auftreten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Risiko für schwere Komplikationen bei unbehandeltem Restharn signifikant erhöht ist. Die individuelle „Glückssituation“ ist nicht auf andere übertragbar und darf nie als Argument gegen eine leitliniengerechte Behandlung dienen.

Dass eine Ärztin wiederkehrende schwere Infektionen über Monate „einfach hinnimmt“, ist keinesfalls ein akzeptabler Standard und widerspricht den Leitlinien einer verantwortungsvollen medizinischen Versorgung.

Eine Gesamtsituation oder ein allgemein gültiges Fazit, dass das Risiko von Infektionen kleingeredet oder nicht zur Sprache kommt, kann zumindest ich nicht herstellen. In allen mir bekannten Leitlinien zum Thema wird diesem Aspekt ein ausführlicher Abschnitt gewidmet, der sich damit beschäftigt, wie Infektionen möglichst gering gehalten oder vermieden werden können und wie eine Behandlung sowohl in der Prophylaxe als auch bei bestehenden Infektionen aussieht.

Du nennst ja auch einzelne Alternativen, darunter aber auch deutlich invasivere gegenüber dem Selbstkatheterismus, die alles andere als völlig komplikationslos sein können.

Komplikationen bei unbehandeltem Restharn – Fokus Blasenfunktion und Überdehnung
Unbehandelter Restharn bedeutet, dass nach dem Wasserlassen immer wieder größere Mengen Urin in der Blase zurückbleiben. Dies kann weitreichende und schwerwiegende Folgen für die Blasenfunktion und die Harnwege haben – auch unabhängig von Infektionen.

Chronische Überdehnung der Blase
  • Mechanismus: Wenn die Blase dauerhaft überfüllt ist, wird die Blasenwand ständig gedehnt. Die Muskulatur (Detrusor) verliert mit der Zeit ihre Elastizität und Kraft.
  • Folgen:
  • Die Blase „leiert aus“ und kann sich nicht mehr vollständig zusammenziehen.
  • Das Restharnvolumen nimmt weiter zu.
  • Es entsteht eine sogenannte Überlaufblase, die kaum noch kontrolliert entleert werden kann.
  • Die Blase verliert ihre Speicher- und Entleerungsfunktion.
  • Begründung: Muskeln und Gewebe, die ständig überdehnt werden, bauen ab und können sich nicht mehr regenerieren. Die Folge ist eine irreversible Funktionsstörung.

Verlust der Blasenmuskelfunktion (Detrusor-Atonie)
  • Mechanismus: Die Blasenmuskulatur wird durch die chronische Überdehnung und den ständigen Druck geschwächt und kann irgendwann gar nicht mehr kontrahieren.
  • Folgen:
  • Die Blase wird „schlaff“ (aton), kann sich nicht mehr zusammenziehen.
  • Es kommt zu einem vollständigen Funktionsverlust, d. h. die Entleerung ist nur noch künstlich (Katheter) möglich.
  • Begründung: Dauerhafte Überdehnung führt zu einer sogenannten Myopathie (Muskelkrankheit) der Blase.

Schrumpfblase
  • Mechanismus: Nach längerer Überdehnung und Schädigung kann es paradoxerweise zur Vernarbung und Schrumpfung der Blase kommen.
  • Folgen:
  • Die Blase kann nur noch sehr geringe Urinmengen aufnehmen.
  • Es kommt zu ständigem Harndrang und Inkontinenz.
  • Begründung: Narbengewebe ersetzt funktionelles Muskelgewebe, die Blase verliert ihr Fassungsvermögen.

Beeinträchtigung des Blasenschließmuskels (Sphinkter)
  • Mechanismus: Der ständige Druck und das große Volumen können auch den Schließmuskel schwächen.
  • Folgen:
  • Verlust der Fähigkeit, Urin zu halten.
  • Begründung: Auch der Schließmuskel ist ein Muskel, der bei Überlastung und Schädigung seine Funktion verliert.

Rückstau von Urin (Vesikoureteraler Reflux)
  • Mechanismus: Durch den hohen Druck in der überfüllten Blase wird Urin in die Harnleiter und Nieren zurückgedrückt.
  • Folgen:
  • Langfristige Schädigung der Nieren durch Druck und Rückstau.
  • Risiko für Niereninsuffizienz steigt.
  • Begründung: Die Harnwege sind für einen solchen Rückfluss nicht ausgelegt; dauerhafter Rückstau führt zu Gewebeschäden.

Bildung von Blasensteinen
  • Mechanismus: Stehender Urin begünstigt die Ausfällung von Salzen und Kristallen.
  • Folgen:
  • Steine reizen die Blasenwand, verursachen Schmerzen und können die Entleerung zusätzlich behindern.
  • Begründung: Der Urin wird nicht regelmäßig ausgespült, Kristalle lagern sich ab.
    Chronische Schmerzen und Beschwerden
  • Mechanismus: Überdehnung, Druck und Schädigung der Blase verursachen dauerhaft Missempfindungen und Schmerzen.
  • Folgen:
  • Chronischer Unterbauchschmerz, Druckgefühl, Unwohlsein.
  • Psychische Belastung durch ständigen Harndrang und Unkontrollierbarkeit.
  • Begründung: Dauerhafte Schädigung von Nerven und Gewebe führt zu Schmerzsyndromen.

Ehrlich gesagt, Martin, wenn ich mir das Ganze betrachte, bin ich mir nicht ganz sicher, denn ich verfolge deine Krankengeschichte ja schon seit geraumer Zeit und frage mich, ob nicht bereits einige Aspekte bei dir Wirkung gezeigt haben.

Unbehandelter Restharn ist weit mehr als ein „bisschen Urin in der Blase“: Er kann zu einer vollständigen Zerstörung der Blasenfunktion führen, die Blase irreversibel schädigen. Die Schäden entstehen meist schleichend und werden oft erst bemerkt, wenn die Blasenfunktion bereits stark eingeschränkt ist – dann ist eine Rückbildung meist nicht mehr möglich.

Gerne zähle ich auch mal mögliche Komplikationen der von dir genannten Alternativen auf. Insgesamt sollte aber deutlich werden, dass viele Betroffene gar keine Alternative haben oder eine Therapieform als optional ansehen. Hier solltest du deutlich über deine eigene Situation hinaus denken.

Suprapubischer Katheter (SPK) – Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen:
  • Harnwegsinfektionen (erhöhtes Risiko, besonders bei Langzeitanwendung)
  • Lokale Infektionen an der Einstichstelle
  • Blutungen, vor allem direkt nach dem Einlegen
  • Verstopfung des Katheters durch Ablagerungen
  • Blasensteinbildung
  • Verletzungen von Nachbarorganen (selten)
  • Harnleckagen (Urin tritt an der Einstichstelle aus)
  • Katheter-assoziierte Schmerzen
  • Granulombildung (überschießendes Narbengewebe)
  • Hautreizungen oder -schäden durch Katheter oder Fixierung

Sakrale Neuromodulation (SNS) – Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen:
  • Schmerzen im Bereich des Implantats oder entlang der Elektroden
  • Infektionen an der Implantationsstelle, selten systemisch
  • Gerätekomplikationen (Bruch, Verrutschen, Fehlfunktion)
  • Reizung von Nerven (Missempfindungen, Kribbeln, Taubheit, Muskelzuckungen)
  • Allergische Reaktionen auf Implantatmaterial oder Medikamente
  • Wundheilungsstörungen und Narbenbildung
  • Nachlassende oder ausbleibende Wirksamkeit im Verlauf
  • Notwendigkeit von Revisionseingriffen (z. B. Austausch oder Korrektur von Elektroden oder Stimulator)
  • Probleme durch starke Magnetfelder (z. B. MRT)

Wichtig: Die sakrale Neuromodulation ist mit wiederkehrenden, mehrstündigen operativen Eingriffen verbunden. Zunächst erfolgt ein Testverfahren (Teststimulation), bei Erfolg folgt die dauerhafte Implantation. Auch im weiteren Verlauf können erneute Operationen notwendig werden, z. B. für den Austausch der Batterie oder zur Korrektur von Elektroden.

Risiken, Komplikationen und Nutzen der Behandlung
Auch wenn beim suprapubischen Katheter und der sakralen Neuromodulation zahlreiche mögliche Risiken und Komplikationen bekannt sind, darf dabei nie außer Acht gelassen werden, dass diese Behandlungsansätze nicht bei völlig gesunden Menschen eingesetzt werden. Sie kommen zum Einsatz, weil bereits eine erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, die unbehandelt zu noch schwerwiegenderen Folgen führen kann.

Gerade bei ausgeprägtem Restharn, chronischen Blasenentleerungsstörungen oder wiederkehrenden Infektionen können diese Therapien die Lebensqualität deutlich verbessern, schwerwiegende Komplikationen wie Nierenschäden, Blasenüberdehnung oder dauerhafte Inkontinenz verhindern und damit langfristig Schäden abwenden. Der Nutzen der Behandlung besteht darin, die Blasenfunktion zu erhalten oder wiederherzustellen, Schmerzen zu lindern, Infektionen vorzubeugen und das Risiko irreversibler Folgeschäden zu minimieren.

Natürlich müssen Patienten über mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen aufgeklärt werden – aber genauso wichtig ist es, die positiven Effekte und die oft erhebliche Verbesserung der Lebensqualität in den Vordergrund zu stellen. Die Entscheidung für eine Behandlung erfolgt immer im Abwägen von Nutzen und Risiko und ist darauf ausgerichtet, die bestmögliche Lebensqualität und Gesundheit für die Betroffenen zu erreichen.

Solche Aussagen wie die von Silke („Wenn ich den Restharn auf 200 ml runterkriege, würde ich mit dem ISK aufhören. Aber das ist meine persönliche Entscheidung. Besser zweimal im Jahr eine HWI durch Restharn als alle vier Wochen durch ISK.“) halte ich für absolut falsch und gefährlich. 200 ml Restharn sind kein harmloser oder willkürlicher Wert, sondern ein klar pathologischer Befund, der immer behandlungsbedürftig ist. Ohne ärztliche Rücksprache und fundierte medizinische Einschätzung den intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) einfach abzusetzen, kann schwerwiegende Folgen haben.

Gerade solche Einschätzungen entstehen, wenn die Therapieform des Selbstkatheterismus zu sehr auf die eigene subjektive Situation reduziert und der optionale Charakter zu stark betont wird. Das Problem: Diese Sichtweise wird dann von anderen übernommen und führt zu Fehlentscheidungen, die die Gesundheit gefährden können. Es ist wichtig zu betonen, dass Restharn – insbesondere in dieser Größenordnung – ein ernstzunehmender medizinischer Befund ist, der nicht bagatellisiert werden darf.

Auch wenn das Angebot der Inkontinenz-Selbsthilfe in Foren von Laien gestaltet wird, ist es meiner Meinung nach dringend notwendig, hier widersprechende und fachlich fundierte Sichtweisen einzubringen. Nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema gewährleistet werden. Unterschiedliche Meinungen und kritische Stimmen müssen in solchen Foren erlaubt sein, um Betroffene vor Fehlinformationen und gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Gruß
Matti
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1 Tag 7 Stunden her - 1 Tag 6 Stunden her #53173 von MichaelDah
Hallo Martin,

um die Sache vielleicht noch mal mit einer anderen herstellerspezifischen Studie/Info (deine war von B. Braun) etwas klarer zu bekommen hänge ich hier mal eine von Coloplast dran. Die Info ist leider auch auf Englisch - aber es reicht im Prinzip sich mal die Grafiken anzusehen. Hier geht es um Patienten mit spinalen Verletzungen - die Werte sind (wie man der Studie von dir entnehmen kann) also nicht unbedingt auf andere Krankheitsbilder übertragbar. Allerdings geht es ja glaube ich mehr um das "Prinzip" und weniger um die harten Zahlen.  

Hier werden auch noch mal die unterschiedlichen Methoden - also Dauerkatheter, Bauchdecken Katheter ISK - und tatsächlich auch "nichts tun - respektive Reflex Entleerung" gegenüber gestellt. Vielleicht hilft es ja die Hintergründe warum wir so Argumentieren wie wir es tun besser zu verstehen.

Coloplast: Intermittent catheterisation

auf deutsch:  www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j...TIr1c6Qwzhttmv3z7dqo

Was ich übrigends auch gerade noch gelernt habe und vorher tatsächlich nicht so auf dem Schirm hatte ist, dass auch der intravesikale Druck ein Risikofaktor darstellt. Bedeutet Leute mit einer spastischen Blase sind potentiell auch mehr gefährdet. 


viele Grüße
Michael

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16 Stunden 50 Minuten her #53176 von martinK
Lieber Matti

Ich weiss nicht weshalb wir uns missverstehen...

Ich habe ja schon x-mal hier geschrieben, dass dass ISK in der Schulmedizin bei als Goldstandard betrachtet wird. Dies impliziert, dass andere derzeit verfügbare Methoden z.B. weniger wirksam oder mit höherem Risiko behaftet sind. Ich verstehe nicht, weshalb Du in einer langen Liste die Risiken dieser Methoden auflistet. Das trägt doch gar nicht zur Diskussion bei, sondern schafft nur zusätzliche Missverständnisse, zumal ich ja mit Dir einverstanden bin.

Ebenfalls ist mir klar, dass erhöhter Restharn oder Blasendruck ein Risiko für die Gesundheit der Blase und der Nieren darstellt, etwas anderes habe ich hier im Forum auch nie behauptet. Nur ist die Welt grau und nicht schwarz-weiss, es ist doch nicht erwiesen, dass Restharn zwangsweise zu einer Erkrankung insbesondere der Nieren führt. Die sinnvolle Vorgehensweise ist doch von Fall zu Fall abzuschätzen, ob z.B. eine durch ISK verursachte wiederkehrende Antibiotikabehandlung schädlicher für die Nieren ist, als wenn man auf ISK verzichtet und stattdessen den Zustand von Blase und Nieren regelmässig kontrolliert, und sich eventuell später bei Bedarf sich für die beste Therapie entscheidet. Anders als Du vermutest, ist der Zustand meiner Blase und meiner Nieren übrigens seit über 10 Jahren, d.h. seit ich mich in urologischer Behandlung befinde, stabil und unkritisch. Dies, obwohl ich vermutlich schon seit Kindheit mit Restharn entleere. Auch das habe ich in diesem Forum schon mehrmals geschrieben. Seit ich kein ISK durchführe und stattdessen darauf achte, dass mein Beckenboden entspannt ist, habe ich auch fast keine Probleme mit Harnverhalt mehr und habe bei der Spontanmiktion vermutlich auch weniger Restharn als früher. Aber selbstverständlich ist kein Allerheilsmittel, sondern trifft einfach in meinem Fall zu. Mein grösstes Problem ist die überaktive Blase, welche in Kombination mit der fehlenden Sphinkterkontrolle eine schwere Harninkontinenz verursacht. 

Mich irritiert ehrlich gesagt, dass ich als Ausnahme hingestellt werde, und Du annimmst, dass im Normalfall Menschen mit regelmässigem Restharn früher oder später mit massiven Gesundheitsprobleme kämpfen werden. Dabei gibt es vermutlich keine Zahlen, welche so etwas belegen (oder auch widerlegen), weil die Menschen, welche mit Restharn leben und keine Probleme beobachten, gar keine urologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ich habe vermutlich über 40 Jahre lang mit Restharn gelebt, und wäre es nicht zur Autoimmunkrankheit und der dadurch verursachten Inkontinenz gekommen, so wäre ich möglicherweise auch heute nicht in urologischer Behandlung. Aber ja, Leute mit  Entleerungsproblemen sollten den Restharn ernst nehmen und sich urologisch behandeln lassen. 

Dieser Thread ist leider in eine allgemeine Diskussion ausgeartet, welche Silke wenig bringt. Sie ist verzweifelt, weil sie nach einem halben Jahr ISK und monatlich auftretenden Nierenbeckenentzündungen nicht mehr weiter weiss. Vielleicht wird sie eine Lösung mit ISK finden, ich würde es ihr gönnen. Aber basierend auf dem, was sie schildert, kämpft sie mit ähnlichen Problemen wie ich, und da würde es sich meiner Meinung nach schon lohnen zu hinterfragen, inwieweit ISK auch mit einer Dauerantibiose bei ihr zielführend ist. Das muss sie aber zusammen mit den Ärzten herausfinden. Meine Hausärztin und Nephrologin macht sich zumindest um meine Nieren langfristig derzeit keine Sorgen, auch wenn ich ausser den Entspannungsübungen nichts gegen den Restharn unternehme.

Im Nachhinein hätte ich die Studie zum ISK nicht erwähnen sollen. Insofern werde ich mich zum Thema ISK in diesem Thread auch nicht mehr äussern, ausser es ist im direkten Austausch mit Silke.

Herzliche Grüsse
Martin

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