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× Eine krankheitsspezifische Voraussetzung für eine Pflegestufe gibt es nicht. Es zählt immer der notwendige Hilfebedarf in der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität). Also z. B. beim Waschen, Haare kämmen, Zähne putzen, Intimpflege nach Wasserlassen/Stuhlgang, das Richten der Bekleidung, Wechseln von Inkontinenzmaterialien, dem Kleinschneiden von Nahrung, Nahrungsaufnahme, dem Gehen und dem An- und Auskleiden. Der durchschnittliche tägliche Hilfebedarf in der Grundpflege beträgt bei PS I 45 Min. tägl., PS II 120 Min. tägl., PS III 240 Min. tägl. plus ein nächtlicher Hilfebedarf.

Gewalt in der Pflege - ZDF Dokumentation

06 Feb 2010 19:59 #1 von matti
Mit dem Tabuthema Gewalt in der häuslichen Pflege beschäftigt sich eine Dokumentation des ZDF, im Rahmen der Sendung 37°, unter dem Titel "Darüber spricht man nicht".

Ein fast halbstündiges Video der Sendung kann über diesen Link direkt online angeschaut werden.

http://www.veoh.com/browse/videos/categ ... 47rmmWJMbR


Ein alltägliches, zentrales Thema unserer Gesellschaft. Ich würde mich freuen, wenn hier im Forum eine Diskussion zu diesem Thema entstehen würde.

Gruss

Matti

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06 Feb 2010 21:21 #2 von Struppi
Hallo Matti,

diesen Beitrag habe ich vor einiger Zeit schon einmal auf Phoenix gesehen und fand ihn beim damaligen Betrachten schon höchst interessant, hier im Forum eine Diskussion daraus zu machen finde ich eine gute Idee.

Meine ersten Eindrücke waren folgende:

Ist es Gier oder ein „entschädigt-wollen-sein“ für die geleistete Pflege? Was treibt diese völlig überforderten Menschen dazu, sich diesen Situationen auszusetzen? Ist es gar Desinformation oder gar Desintresse, sich mit den Möglichkeiten der ambulanten Pflege auseinander zu setzen? Pflegegeld muss auch für die Pflege ausgegeben werden. Zu oft wird die reine Geldleistung als ein nettes Zubrot zur Rente betrachtet anstatt einen professionellen Pflegedienst mit ins Boot zu holen.

Wie kann man von einer dementen, an Morbus Alzeimer erkrankten Frau Dankbarkeit erwarten oder diese mit einem Kreuzworträtsel traktieren, welches zu lösen sie schon lange nicht mehr in der Lage ist – und jeder Altenpfleger wird mir hier beipflichten: Die Abbauprozesse bei dieser Erkrankung lassen sich nicht aufhalten oder rückgängig machen, auch vermeintliches Gedächtnistraining nutzt nichts sondern fördert nur die Frustration auf beiden Seiten, Pfleger wie Gepflegtem. Bei Frontallappen-Demenz (z.B. Morbus Pick) ist die Situation noch extremer.

Ab wann sprechen wir von Gewalt? Die Definitionen sind breit gefächert und es entstehen viele Grauzonen und Grauabstufungen. Wie schnell übertrage ich als ungeübte Kraft meine Wertvorstellungen, meine Lebensführung auf den zu Pflegenden? Warum muss nur an einem Tag in der Woche geduscht werden – oder an jedem Tag, nur weil ich es so mache? Beginnt die Gewalt dort, wo ich meinen Willen aufdoktriniere obwohl es vermeintlich zum Schutz des Gepflegten ist?

Die ambulante Pflege bietet gute und ausreichende Möglichkeiten der Betreuung, zumindest aber der Entlastung Pflegender Angehöriger – sofern das Pflegegeld in Kombinationsleistung beantragt wird und nicht in der eigenen Tasche versackt. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Pflegende (Angehörige) häufig bis zur Selbstaufgabe verausgaben (und damit Gewalt provozieren) anstatt frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Gruß

Hannes

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07 Feb 2010 00:39 #3 von matti
Hallo Hannes,

einen sehr guten Überlick über die Ursachen, welche zur Überforderung, mit all ihren Konsequenzen, führen, bietet auch dieser Artikel:

http://www.magazin-fuer-pflege.de/webco ... r-1/i.html

Ich denke, die Hauptmotive liegen in der moralische Verantwortung, welche sich viele Angehörige verpflichtet fühlen.
Daneben spielt mit Sicherheit der gesellschaftliche Druck eine Rolle. Das dies natürlich keine guten Voraussetzungen sind ist selbstredend.

Ich denke, sehr, sehr häufig sind die Möglichkeiten der Entlastung den Angehörigen gar nicht bekannt. Beispielsweise Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege.

Gruss

Matti

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07 Feb 2010 13:29 #4 von Jens Schriever
Hallo

Mich hat der Beitrag sehr zum nachdenken bewegt. Es wurde sehr gut dargestellt, was für eine Belastung der Pflegende Angehörige hat. Leider wird dieses Thema zu wenig behandelt.
Struppi, deine Fragen sind sehr interessant. Ich denke, es ist eine Mischung aus Desinformation und den gesellschaftlichen Druck und falsche Emotionen. Die Gesellschaft ist der Meinung, dass die Pflege selbstverständlich ist, und wenn man ein Pflegeteam nimmt, den Pflegenden abschiebt. Auch dass loslassen ist so eine Sache „ was sind das für Leute, wie geht es ihm, machen sie das richtig?“ Und was ist mit der moralische Verantwortung?
Ich denke das Pflegegeld spielt da ein untergeordnete Rolle. Erst wenn sie am Ende sind, suchen sie nach Hilfe. Hier kann nur eine breite Aufklärung Abhilfe schaffen. Der Beitrag von Matti: Wenn Pflege überfordert! Bringt es voll auf den Punkt.
Ich hoffe, dieses Thema wird öfter in den Medien behandelt, denn Überforderung hilft keinen.



Gruß Jens

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13 Feb 2010 04:07 #5 von Struppi
Hallo,

seit ein paar Tagen kaue ich gedanklich immer wieder auf diesem Beitrag rum und möchte deshalb - schon, damit dieser interessante als auch brisante Thread nicht "einschläft" - mal folgende Frage in den Raum werfen: Wer hat bereits Gewalt (oder als solche empfundene) in der Pflege (egal, ob stationär oder ambulant) erlebt, und wie hat sich dieses Erleben auf eure Grundhaltung zur Pflege ausgewirkt?

Dabei sollte es unerheblich sein, ob ihr Gepflegte oder Pflegende seid.

Gruß

Hannes

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14 Feb 2010 08:54 #6 von Blinki
hallo struppi.

wann fängt gewalt in der pflege an?
egal ob körperliche , seelische

Ich hatte eine zeitlang einen pflegedienst und hatte nur probleme damit .
habe gesagt das ich beim wechseln der inko-versorgung schmerzen habe, da sie mich nicht richtig gedreht hat.
kein gespräch nur abarbeiten der pflege.

Antwort
das habe ich so gelernt. stellen sie sich so nicht an.
dazu habe ich keine zeit

mein glück war das meine exfrau selber ausgebildete krankenschwester ist und ich so jemanden an meine seite hatte der es anders wuste.

habe dann den pd gewechselt und es wurde auf meine wünsche und belange eingegangen.

auch meine exfrau konnte mir nicht helfen da sie mit der situation völlig überfordert war das der eigene mann nun hilfe benötigt.
ich mache meine exfrau keinen vorwurf doch ist es auch eine form der gewalt in der pflege jemanden mit missachtung links liegen zu lassen. ( alles in Bezug auf der pflege )

gegenüber den pflege diensten bin ich doch sehr misstrauisch geworden. möchte aber nicht alle über einen kamm scherren.

ich habe nun das glück das ich eine partnerin gefunden habe die mich in allen lebenslagen unterstützt und auch weisswas wichtig ist in einer beziehung zwischen den pflegenden und den zu pflegenden.

2 Dinge bedenke :
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11 Jun 2010 09:46 #7 von arinu
Ein Problem sehe ich einfach überhaupt in der Überforderung des Pflegepersonals mit Patienten oder dem Job an sich. Wie im letzten Beitrag von blinki auch rauskommt, kommen oft nicht nur Angehörige, sondern auch eigentlich "professionelle" Pfleger mit dem Job nicht zurecht und gehen dann nicht auf den Patienten ein oder behandeln ihn schlecht. Ich weiß nicht, was sich genau ändern muss, um dieses Problem zu bekämpfen, bessere Ausbildung und Bezahlung für Fachkräfte wäre vielleicht ein Weg. Ich mach mir auch schon Gedanken über eine private Pflegeversicherung , obwohl ich noch recht jung bin, aber es kommt im Krankheitsfall dann einfach eine große emotionale und finanzielle Belastung auf die Angehörigen zu und da möchte ich etwas zur Seite gelegt haben.

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07 Apr 2013 00:51 - 07 Apr 2013 08:16 #8 von LVMB
Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen, denn im Pflegefall wird das mühsam abbezahlte Haus schon bei der Grundsicherung berücksichtigt. Das heißt im Klartext: reicht das Einkommen nicht aus, werden Vermögenswerte vom Sozialamt verwertet. Pflege Bahr ist somit ein MUSS für jeden Hausbesitzer. Hier finden man noch einmal die Pro & Contra zum Pflege-Bahr






Link entfernt wegen unerlaubter Werbung. Jens

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10 Apr 2013 21:44 - 10 Apr 2013 21:45 #9 von Struppi
Hallo zusammen,

dieser unerwünschte "Werber" hat diesen alten Thread ja mal wieder nach oben befördert und ließ mich - ganz am Rande - über ein völlig andere Frage nachdenken...

Gibt es überhaupt eine Notruf-Hotline oder Websites, an die sich Gepflegte wenden können, wenn sie mit der Situation nicht mehr klar kommen? Ich sprech hier nicht von Gewalt in der Pflege sondern eher von der psychischen Überforderung z.B. aus langjähriger Pflegesituation o.ä. heraus.

Für Pflegende (was ja auch gut so ist) ist das Hilfsangebot dahingehend ja rel. breit gestreutes Angebot, für "uns" Gepflegte ist mir da auch nach längerer Suche nichts aufgefallen. Natürlich existieren diverse Websites wie dieses Forum, welche sich auf Symptome oder Krankheitsbilder spezialisiert haben, dies ist in meinen Augen allerdings eher fachspezifisch und fängt Menschen nicht in ihrer seelischen Not auf.

Vielleicht kennt ja jemand eine entsprechende Nummer bzw. Homepage.

Gruß

Hannes
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11 Apr 2013 14:42 #10 von Blinki
Hallo Hannes.

Sehr interessante Frage.

Ich habe das seltene Priveleg das ich eine Krankenschwester als Sachbearbeiterin bei der kk
Habe.
Ich werde sie mal anrufen und fragen ob sie uns da eine Antwort geben kann.

Bis dahin
Marco

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