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Blasenentleerungsstörung? Harnverhalt!

10 Nov 2022 13:56 - 10 Nov 2022 13:57 #1 von Kermit85
Hallo Zusammen,

ich war bisher stiller Mitleser in diesem Forum und habe mich nun entschlossen meinen Fall einmal zu schildern, da mir so langsam die Ideen ausgehen.

Erstmal zu mir: Ich bin männlich, 36 Jahre alt und komme aus dem schönen NRW und leide seit nunmehr einem Jahr an einer Blasenentleerungsstörung, sodass ich nunmehr seit 3 Monaten mit einem Bauchdeckenkatheter versorgt bin. In der Vergangenheit wurde 2019 ein kleines Blasendivertikel gefunden, das aber keine Beschwerden verursachte und somit nicht weiter beachtet wurde. Auch nächtliche Toilettengänge oder HWI gab es nicht.

Nun zu diesem Jahr:

Im Oktober 2021 verzögerter Beginn und schmerzhafte Miktion. Somit Verdacht auf Blasenentzündung und 14 Tage AB ohne Besserung beim Hausarzt.
November 2021 die gleichen Beschwerden und ab zum Urologen. Dann gings los, erst wurde eine bakterielle, dann abakterielle Prostatitis diagnostiziert und sowohl mit AB als auch mit Naturheilmitteln (Polstimol) behandelt aber ohne Erfolg.

Dann im Januar 2022 viel Blut im Urin. MRT ergab danach inzwischen großes Blasendivertikel mit verm. innenliegender Entzündung.
Mein Urologe konnte damit nicht viel anfangen und war sich auch nicht sicher, ob man das Operieren kann oder nicht. Als er dann noch ein Harnblasenkarzinom nur aufgrund meines Alters ausschloss habe ich mich dazu entschieden, einen neuen Urologen zu suchen.
Im Februar 2022 war der Harnstrahl dann schon deutlich abgeschwächt und geteilt. Mein neuer Urologe machte eine Harnstrahlmessung (max 8,7 / durchschnitt 4,5) und eine Röntgenaufnahme der Harnröhre. Hierbei wurde eine Striktur festgestellt und eine Schlitzung der Harnröhre sollte durchgeführt werden.

Habe mich dann im März 2022 gegen die Schlitzung entschieden und eine Optilume (Ballondehnung mit Medikament) Behandlung gehabt. Der Arzt dort hat eine leichte Enge festgestellt, die aber nicht die Beschwerden erklärt. Leider nach dem Verfahren auch keine wirkliche Besserung.
Im April 2022 kam es dann leider zu einem kompletten Harnverhalt, sodass ein Katheter (mit Ventil) durch die Harnröhre gelegt werden musste. Dieser sollte bis zur TUR-B liegen und dann bei negativem Befund in einen Bauchdeckenkatheter umgewandelt werden.
Die TUR-B konnte allerdings aufgrund eines Streiks nicht stattfinden, sodass nur eine normale Spiegelung gemacht wurde. Hier war die Blase stark entzündet und blutig. Das Ventil vom Katheter wurde entfernt ein Beutel dran gemacht und 7 Tage AB Therapie. Danach wurde der Katheter entfernt und man gab mir einen Termin für eine 2. Spiegelung in 4-6 Wochen.

Harnstrahl blieb nach der Katheterentfernung unverändert schlecht und mir wurde eine Video-Urodynamik empfohlen.
Im Juli 2022 wurde dann die Videourodynamik durchgeführt und es wurde festgestellt, dass das Blasendivertikel die Miktion stark stört.
Die Blase entleert quasi gleichzeitig ins Divertikel und in die Harnröhre. Der Urin aus dem Divertikel läuft nach der Miktion zurück in die Blase.
Der maximale Füllstand hier waren circa 440 ml und der Flow max bei circa 4,9. Restharn lag bei ungefähr 220 ml und eine Detrusorhyperaktivität konnte ausgeschlossen werden. Danach bekam ich leider einen fieberhaften HWI, sodass dieser behandelt werden musste. Gleichzeitig wurde die TUR-B durchgeführt (alles OK) und es wurde ein Bauchdeckenkatheter gelegt.

Die ganzen Prozeduren waren leider begleitet von vielen HWI die ich mir nach fast jeder Behandlung zugezogen habe.

Im September 2022 wurde dann das Divertikel erfolgreich entfernt. Leider klappt die Miktion immer noch nicht und ich habe den Bauchdeckenkatheter behalten. Im Krankenhaus sagte man mir, dass das jetzt dauern wird bis die Blase wieder in Gang kommt (wurde 3 Monate Dauerabgeleitet).
Inzwischen befinde ich mich in der AHB für 3 Wochen und man sagte mir bereits, dass man mir hier wahrscheinlich nicht viel helfen können wird, da die Kliniken eher mit Inkontinenz nach Prostata bzw. Anlage einer Neoblase zu tun haben und mein Fall sehr speziell ist. Ich bin also noch hier und betreibe Blasentraining.
Derzeit geht die Miktion fast gar nicht und das Volumen der Blase liegt bei ungefähr 220ml dann wirds aber schon eng. Tendenz ist jedoch steigend, sodass zumindest hier eine Besserung in der Speicherung zu sehen ist.

Ich bin also jetzt gerade ziemlich durch weiß ehrlich nicht mehr was noch getan werden kann in so einem komplexen Fall. Vielleicht gibt es hier im Forum Menschen, die etwas ähnliches erlebt haben?

VG Kermit85

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11 Nov 2022 11:23 - 11 Nov 2022 11:24 #2 von Ciajaeg
Hallo Kermit,

willkommen im Forum, das ist in der Tat eine ungewöhnliche und auch erschreckende Geschichte.

Da meine Probleme völlig anders gelagert sind, werde ich nicht viel helfen können, ich habe nur einen Tipp:

Hat dich schon einmal jemand auf die Impfung gegen Blasenentzündung angesprochen? Ist für gewöhnlich eine IGEL Leistung und kostet um die 100 Euro, aber bei deiner Vorgeschichte würde ich den Urologen mal danach fragen, wenn es noch kein Thema war.

Was ist denn mit ISK? War das keine Lösung?

Bis denn

Ciajaeg

Diagnosen: Neurogene Dysfunktion des unteren Harntraktes suprapontin, Terminale Detrusor-Überaktivität - Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination - Algurie - Diabetis-Insipidus-Centralis- chronische Harnretention -
Myalgische Enzephalomyelitis (ME-CFS) - (POTS) - Dysautonomie - Polyneuropathy

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11 Nov 2022 12:55 #3 von Kermit85
Hallo Ciajaeg,

nein die Impfung war bisher kein Thema, da ich vor der ganzen Geschichte mit HWI nicht viel zu tun hatte und die danach alles Krankenhauskeime waren und das Divertikel ja auch jetzt entfernt wurde. Dort kann sich also nicht mehr so leicht der Urin sammeln.

ISK war ein Thema einen Tag vor dem ersten Krankenhaus Aufenthalt und wird es wahrscheinlich jetzt auch wieder werden. Mache gerade Blasentraining um auf eine vernünftige Harnmenge zu kommen. ISK würde derzeit bedeuten 10 - 15 Mal für jeweils 100 bis 150 ml. Das funktioniert nicht.

Für mich gibt es glaube ich derzeit leider nur noch 3 Optionen:

ISK
Blasenschrittmacher
Blase entfernen

Alles nicht so gut wenn ich ehrlich bin.

VG Bastian

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11 Nov 2022 12:59 #4 von MichaelDah
Hallo Kermit,

also an eigenen Erfahrungen kan nich da nicht sehr viel beisteuern weil ich zum Glück keine Detrusorhypokontraktilität habe. Allerdings weiß ich inzwischen einiges über die Thematik weil mich der Teil Prostata auch selbst betrifft.

Von dem was du schreibst, hast du denke ich alles richtig gemacht. Ich glaube auch die Klinik hat recht wenn sie sagt, dass du etwas Geduld haben musst. Das Divertikel ist beseitigt und damit auch eine der Ursachen für die Blasenentzündungen (durch den Restharn) Durch die TURP OP sollte es auch wieder besser laufen. Das Problem das jetzt noch besteht ist liegt vermutlich daran, dass der Blasenmuskel durch die lange Zeit der Überdehnung und der dann folgenden SPK Nutzung nicht mehr so stark ist und nur noch wenig Druck aufbaut. Die Blase verhält sich da wie jeder anderen Muskel auch - wenn ein Muskel überdehnt oder nicht nicht gefordert wird baut er erstmal schnell an Leistung ab.

Das Blöde an der Blase ist halt, das man die nicht direkt sondern nur indirekt trainieren kann und der Muskelaufbau dadurch länger dauern kann als z.B. beim Beckenboden. Wichtig ist jetzt das du die Blase weiter trainierst (also viel Trinken, dass Ventil zumachen damit sich die Blase wieder etwas dehnen kann und nur regelmäßig den Restharn ablassen). Du scheinst ja damit schon erfolgreich zu sein, denn du schreibst ja, das die Kapazität wieder zunimmt -das ist ein sehr gutes Zeichen. Von daher würde ich denken, das du auf dem Weg der Besserung bist - auch wenn es vielleicht noch nicht so aussieht und man sich an kleine Erfolge gewöhnen muss. Schließlich muss das ja auch alles erstmal abheilen. Ich meine - sie es mal so: Wenn du dich ein halbes Jahr nicht bewegt hast wirst danach keinen Marathon laufen. Das brauch Zeit und Training bis die Muskeln das wieder hergeben. Mit der Blase ist das genauso.

Von daher kann ich dir nur Mut zum durchhalten wünschen - hier können sicher noch andere von ihren Erfahrungen mit einer „schlaffen Blase“ berichten. Wenn man dran bleibt wird es oft irgendwann auch wieder besser. Es ist halt wirklich eine Gedultsfrage.

viele Grüße
Michael

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11 Nov 2022 13:20 - 11 Nov 2022 14:16 #5 von Kermit85
Hallo Michael,

danke für die ausführliche Antwort. Ich hoffe auch, das es sich mit der Zeit wieder bessert allerdings bin ich da aufgrund der Vorgeschichte eher skeptisch leider.

Ich denke der nächste Schritt wird sein einen Neuro-Urologen zu konsultieren. Eine richtige Diagnose außer die Urodynamik mit dem Divertikel habe ich ja leider immernoch nicht und die normalen Urologen raten ja zum "Watch and Wait".

Vielleicht gibt es ja im Forum auch Menschen, die Erfahrungen mit einem Blasenschrittmacher bei Hanrverhalt gemacht haben.

VG Kermit

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11 Nov 2022 16:53 - 11 Nov 2022 17:00 #6 von MichaelDah
Hallo Kermit,

also ob ich bin mir nicht sicher ob in deinem Fall ein Neuro-Urologe hilfreich ist. Das was du schilderst ist eigentlich ein „klassisches“ Blasen/Prostata Problem mit zusätzlicher Entzündungsproblematik.

Ein Blasenschrittmacher kann in verschiedenen Situationen helfen - allerdings ist dafür die Voraussetzung, dass der Blasemuskel überhaupt genügend Kraft aufbringen kann den Widerstand von Schließmuskel und Harnröhre zu überwinden. Das scheint bei dir im Augenblick nur bedingt der Fall zu sein.

Es gibt natürlich auch neurologische Ursachen für einen hypokontraktilen Detrusor die i.d.R. im unteren Teil der Wirbelsäule b.z.w den beteiligten Nerven liegen (z.B. schwerer Bandscheibenvorfall) aber auch Infektionen wie z.B. Herpes oder Borreliose können dazu führen. Ich denke aber erstmal das alles ist bei dir nicht der Fall.

Was mich beim lesen deiner Leidensgeschichte tatsächlich etwas stutzig gemacht war, dass man offenbar die Prostata Entzündung nicht richtig in den Griff bekommen hat. Die war ja offenbar die Ursache des Übels. Wenn Bakterien die Prosta besiedeln stellt das eine der Hauptursachen für wiederkehrende Blasenentzündungen dar. Da Entzündungen ja offenbar ein durchgehendes Thema sind, müsste man möglicher weise noch mal etwas genauer schauen was der Grund dafür ist und ob es wirklich „nur“ Krankenhauskeime waren oder ob da vielleicht noch etwa anderes ist. Wenn es tatsächlich so ist, das die Bakterien da noch sind wirst du da vermutlich kaum Ruhe rein bekommen. Von daher währe es sinnvoll ein genaues Labor zu haben um zu wissen welche Bakterien das sind. Oft sind da auch Multiresistenzen dabei, die man mit einem „normalen“ Atibiotika nicht weg bekommt. Wenn man da Erfolg haben will muss das Antibiotika auf die Bakterien angepasst sein - anderenfalls schadet das ganze mehr als es nutzt.

An deiner Stelle würde ich wirklich erstmal schauen was passiert und wenn wieder eine Entzündung kommen sollte, dann versuch raus zu finden was es genau ist und wo es her kommt.

Was die UD angeht - das ist sicher bevor man überhaupt über etwas anderes nachdenkt nochmal ein wichtiger Punkt, denn man sollte auf jeden Fall vorher noch mal eine machen und die Werte vergleichen um zu sehen ob sich die Blase erholt hat und du überhaupt von einem Blasenschrittmacher profitieren würdest.

Allerdings würde ich da - gerade mit Blick auf die Entzündungsproblematik auch erstmal etwas warten bis sich das alles wieder beruhigt hat, denn das Risiko ist natürlich gegeben, das du dir dabei wieder etwas einfängst.

viele Grüße und gute Besserung
Michael

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11 Nov 2022 17:50 #7 von Kermit85
Hallo Michael,

erstmal vielen Dank für die Tipps. Die Prostata war ein Schuss ins blaue vom Urologen. Die Prostata ist in Ordnung und nicht entzündet und war es wohl auch nicht.

Laut den Urologen gibt es "Abflusstechnisch" keinen Grund, dass es nicht läuft daher habe ich die Nerven im Verdacht. Bei dem Keim handelt es sich um einen Krankenhauskeim "pseudomonas aeruginosa" der leider nur noch mit AB durch die Vene im Krankenhaus behandelt werden kann. Er verschwindet allerdings nicht vollständig sondern wurde nur zurück gedrängt was wohl an dem Dauerkatheter liegt. Ist also schwer zu therapieren das ganze.

Daher drehe ich mich gerade ziemlich im Kreis weil es ohne den Katheter nicht läuft und man mit Katheter den Keim nicht los wird.

Hab schon gut Angst, dass die Blase raus muss wenn ich ehrlich bin.

VG

Kermit85

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12 Nov 2022 13:17 #8 von MichaelDah
Hi Kermit,

vielleicht noch ein Tipp zum Thema Infektion. Es gibt ein englisches Support Forum, das zum Thema bakterielle Infektionen recht interessante Beiträge hat. Wenn Englisch kein Problem ist, dann kannst du ja auch mal hier einen Blick drauf werfen:

Bladder Health UK Forums

VG
Michael

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12 Nov 2022 17:16 #9 von Kermit85
Hallo Michael,

vielen Dank werde es mir anschauen.

VG Kermit

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15 Nov 2022 15:24 #10 von Johannes1956
Hallo, Kermit!

Das klingt schon sehr speziell, was du da erleben musstest.

Wenn das Divertikel wirklich die Ursache deiner Beschwerden war und das erfolgreich operiert wurde, ist das ja schon einmal ein positiver Aspekt.

Geduld ist da sicher angesagt. Für die Zeit, bis sich die Blase wieder regeneriert, würde ich vom Bauchdeckenkatheter auf Sekbstkathetern umstellen (ISK)

Ich hatte auch längere Zeit einen Bauchdeckenktheter und damit immer Schmerzen und Entzündungen. Dann bin ich auf ISK umgestiegen und das war nicht nur befreiend, sondern auch nach einer gewissen Zeit des Übens völlig unproblematisch. Seither bin ich beschwerdefrei.

Mit ISK kannst ja auch jederzeit wieder aufhören, wenn du die Blase ohne Restharn entleeren kannst. ISK schützt dich vor wiederkehrenden Harnwegsinfekten, wenn du es richtig und regelmäßig durchführst.

Alles Gute,

Johannes
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