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Einschränkung bei Patientenwahlrecht...

18 Jan 2007 00:23 #1 von matti
Gesundheitsreform schränkt Patientenwahlrecht sowie Qualität und Vielfalt in der Hilfsmittelversorgung ein

Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed)
(Verbandspresse, 10.01.2007 13:53)


(Berlin) - Um eine ortsnahe, qualitätsgesicherte und individuelle Versorgung der Patienten mit Hilfsmitteln weiterhin sicherzustellen, fordert der BVMed:

1. die uneingeschränkte Aufrechterhaltung des Patientenwahlrechtes,
2. eine Vielfalt qualifizierter Leistungserbringer und
3. einen freien Vertragswettbewerb.

Unser Appell an die Politik: Ja, wir müssen den Wettbewerb stärken. Aber wir wollen keinen Wettbewerb um billig, billig. Wir wollen einen Wettbewerb um die beste Qualität für den Patienten!

Wir sagen deshalb Nein
- zum Wegfall des Patientenwahlrechtes,
- zur Einschränkung der Leistungserbringervielfalt,
- zu reinem Preiswettbewerb durch verpflichtende Ausschreibungen.

Die MedTech-Branche ist mit ihren über 110.000 Arbeitsplätzen in Deutschland in allen Sektoren der medizinischen Versorgung von der Gesundheitsreform betroffen. Drastische Änderungen ergeben sich vor allem bei der ambulanten Versorgung der Patienten mit Hilfsmitteln.

Die regionalen Leistungsanbieter in der Hilfsmittelversorgung betreuen über 6 Millionen Patienten. Dabei geht es unter anderem um die Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz, Stoma, Enteraler Ernährung, Tracheostomie, Rehabilitation, Dialyse, Diabetes oder Schmerz- und Infusionstherapien.

Die vorgesehenen Regelungen der Gesundheitsreform betreffen diese auf Hilfsmittel angewiesenen Patienten besonders. Künftig sollen allein die Krankenkassen festlegen, welcher Leistungserbringer versorgen darf. Das Gesetz sieht vor, dass nur noch Vertragspartner der Krankenkasse versorgungsberechtigt sind. Diese sollen im Regelfall durch Ausschreibungen ermittelt werden. Dabei besteht die Gefahr, dass nur noch sehr günstige Angebote konkurrenzfähig sind und die Qualität der Versorgung schlechter wird.

Für den Patienten, dessen Leistungserbringer von dieser Regelung betroffen ist, bedeutet dies: Er kann nicht mehr durch den Leistungserbringer versorgt werden, der in seiner Nähe ist, von dessen Qualität und Kompetenz er überzeugt ist und zu dem er Vertrauen hat.

Die meist chronisch kranken Patienten beziehen ihre Hilfsmittel oft seit mehreren Jahren von einem Anbieter vor Ort. Der Hilfsmittel-Anbieter oder das Homecare-Unternehmen kennt die Bedürfnisse der Patienten ganz genau. Die Patienten vertrauen ihm. Die neue Regelung würde bedeuten, dass der Patient eventuell einen neuen Dienstleister zugewiesen bekommt. In bestimmten Fällen würden ihn sogar mehrere Anbieter beraten, die sich untereinander abstimmen müssten. Eine Versorgung aus einer Hand ist nicht mehr garantiert. Denn die Patienten leiden häufig unter verschiedenen Erkrankungen und sind auf unterschiedliche Hilfsmittel angewiesen.

Die Vielfalt ist gefährdet

Die geplante Regelung soll den Wettbewerb stärken. Ein Ziel, das auch der BVMed unterstützt – allerdings mit einer Einschränkung: „Um Patienten optimal zu versorgen, darf nicht nur der Preis ausschlaggebend sein, auch die Qualität muss stimmen“, erklärt BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt. Durch den Gesetzesentwurf sei jedoch gerade eine hochwertige Beratung und Versorgung der Patienten in Gefahr. Die Vielfalt der Anbieter, die den Patienten eine flächendeckende und bestmögliche Betreuung bietet, muss jedoch gewahrt bleiben. Dieses Ziel wird durch den Wegfall der Zulassung zusätzlich gefährdet. Die ortsnahe persönliche Betreuung der Patienten wird damit in Frage gestellt.

BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt: „Das Gesetzesvorhaben bedeutet einen massiven Einschnitt in die Intimsphäre des Patienten. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass kranke Menschen sich auch in Zukunft selbst für den für sie besten Anbieter entscheiden können.“


Hintergrundinformation
Was bedeutet die Versorgung mit Hilfsmitteln? Zwei Fallbeispiele

Fall 1: Im Wachkoma – von Anfang an optimal betreut

Im August 2005 verunglückte Siegfried S. bei einem Verkehrsunfall schwer. Noch im Krankenwagen fiel er in ein Wachkoma. Die Ärzte im Krankenhaus legten ihm ein so genanntes Tracheostoma – das ist eine Kanüle zur Atmung – sowie eine Magensonde für die künstliche Ernährung. Knapp 6 Monate wurde Siegfried S. stationär versorgt. Im März 2006 überwiesen die Mediziner den immer noch im Koma liegenden Patienten an die Reha-Klinik. Von diesem Zeitpunkt an versorgte ihn gleichzeitig auch das Homecare-Unternehmen. Die Pflegefachkraft klärte mit dem Krankenhaus, welche Hilfsmittel Siegfried S. benötigte und dokumentierte dies für die Reha-Klinik. So war er unter anderem auf ein Absaugegerät angewiesen, um frei atmen zu können.

Die Pflegefachkraft des Homecare-Unternehmens erstellte außerdem mit den behandelnden Ärzten einen Versorgungsplan, besprach die Kostenübernahme mit der Krankenkasse und wies die Angehörigen in den Umgang mit den Hilfsmitteln ein. In den ersten Wochen kam die Mitarbeiterin täglich und prüfte die Versorgung des Patienten. Später sah sie alle vierzehn Tage nach dem Rechten. Nach weiteren sechs Monaten konnte Siegfried S. nach Hause entlassen werden. Wenig später erwachte er aus dem Koma. Weil er während des Unfalls nicht genügend Sauerstoff bekam, ist das Gehirn des Patienten dauerhaft geschädigt.

Die Angehörigen von Siegfied S. pflegen ihn bis heute. Sie arbeiten weiter eng mit dem Homecare-Unternehmen zusammen. Dank dieser Kooperation gelingt es den Angehörigen, Siegfried S. zu jedem Zeitpunkt optimal zu versorgen. Inzwischen ist er in der Lage, selbstständig zu atmen.


Fall 2: Fehlende Rückenmarkausbildung – Teamarbeit zum Wohl der Patientin

Daniela M. leidet an einer fehlenden Ausbildung des Rückenmarks. Als Folge dieser Erkrankung ist das mittlerweile 10-jährige Kind querschnittsgelähmt und hat eine missgebildete Wirbelsäule – Experten sprechen von Skoliose. Daniela benötigt deshalb verschiedene Hilfsmittel wie einen Rollstuhl und eine stützende Sitzschale.

Ihre Eltern beziehen diese schon seit Jahren über ein Homecare-Unternehmen, das wiederum eng mit dem behandelnden Arzt und dem Physiotherapeuten des Mädchens zusammenarbeitet. Wenn sich Danielas Skoliose verschlechtert, muss jeweils ihre Sitzschale neu angepasst werden. Dazu überlegen Arzt und Therapeut gemeinsam, wie sie den Oberkörper des Kindes besser fixieren können. Sie schlagen vor, den Sitz unter anderem mit Hilfe von Druckpolstern – so genannten Pelotten – umzubauen. Zudem benötigt Daniela ein neues Untergestell, da das alte nicht mehr fährt. Für das Unternehmen der Orthopädiemechanik ist der Umbau kein Problem. Im Gegensatz zu Hilfsmittellieferanten, die nur Fertigmodule liefern, kann er individuell auf Anforderungen eingehen.

Zudem kennt das Homecare-Unternehmen Danielas spezielle Bedürfnisse schon seit dem Kleinkindalter. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Orthopädiemechaniker, Arzt und Physiotherapeuten gelingt es, Daniela eine optimale Sitzhaltung zu ermöglichen. Das erhält nicht nur ihre Lebensqualität, es kann ihr langfristig eine Operation ersparen.

Lebensqualität kranker Menschen erhalten

Die Menschen werden immer älter – Hilfsmittel tragen dazu bei, dass alte und kranke Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können und der Entstehung von Krankheiten sogar vorgebeugt werden kann.

Aufgrund der demografischen Entwicklung und den steigenden Kosten im Gesundheitswesen wird die Therapie und Pflege zu Hause immer wichtiger. Zumal auch viele Patienten am liebsten in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Um sie ambulant zu versorgen, gibt es heute eine Fülle von Hilfsmitteln. Dazu zählen Rollstühle und Hörgeräte, aber auch Inkontinenzhilfen, Hilfsmittel zur künstlichen Ernährung, Infusionsständer, Sauerstoffapparate oder Kompressen. Sie ermöglichen Patienten mit schweren oder chronischen Erkrankungen, ein möglichst
unabhängiges Leben zu führen.

„Welche Hilfsmittel ein Patient benötigt, entscheidet in der Regel der Arzt“, erklärt BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt. Doch um sie richtig anzuwenden, ist eine intensive Einführung notwendig.“

Diese übernehmen die Hersteller und Handelsunternehmen aus dem Bereich der Hilfsmittelversorgung. Ihr speziell ausgebildetes Personal hält engen Kontakt zu Ärzten, Patienten und Angehörigen und berät bei der Anwendung der hoch spezialisierten Produkte und Dienstleistungen. „Das ist notwendig, um die Kunden individuell zu beraten und so eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen“, so der BVMed.

Lotsen für mehr Lebensqualität

Der Kontakt zu den Patienten besteht in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg. Für viele kranke Menschen übernehmen Hersteller und Händler eine Art Lotsenfunktion: Schon bevor der Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, stimmen sie sich mit dem Klinikpersonal über die geplante ambulante Therapie ab. Anschließend führen sie diese in Abstimmung mit dem jeweiligen Hausarzt fort und klären, ob die Krankenkasse die Hilfsmittel in voller Höhe erstattet. Indem die Hilfsmittel-Experten ihre Patienten regelmäßig besuchen, erkennen sie eventuelle Probleme sofort und können alles Notwendige veranlassen, um die Versorgung zu optimieren.


Weniger Kosten, mehr Freiheit

Dies bringt nicht nur Vorteile für den Patienten mit sich: Werden die Hilfsmittel optimal eingesetzt, fallen auch weniger Kosten an. Denn eine gute häusliche Therapie und Pflege ermöglicht Krankenhäusern, Patienten früher zu entlassen. Zudem können Komplikationen und Rückfälle vermieden werden. In Zukunft sollen die Möglichkeiten ambulanter Therapien deshalb noch weiter ausgebaut werden. Experten aus Wissenschaft und Technik arbeiten bereits heute an entsprechenden innovativen Konzepten. „Die Entwicklung neuer Therapien wird dazu beitragen, dass noch mehr Patienten ein unabhängiges und selbstständiges Leben führen können“, so der BVMed.

Hintergrundinformation:
Optimierte Hilfsmittel-Versorgung durch Homecare-Unternehmen

Homecare-Unternehmen versorgen schwerkranke Menschen ...
- durch medizinisch und pflegerisch ausgebildetes Personal;
- mit erklärungsbedürftigen und beratungsintensiven Hilfsmitteln und Medizinprodukten;
- im Rahmen einer ärztlichen ambulanten Therapie;
- in ihrer häuslichen Umgebung oder im Pflegeheim.

Zu den speziellen Homecare-Versorgungsleistungen gehören:
- Therapien zur künstlichen Ernährung
- Therapien zur Krebsversorgung
- Infusionstherapien (z. B. Katheter, Schläuche)
- Hilfsmittel für künstliche Darmausgänge (Stoma) und Inkontinenz
- Moderne Wundversorgung (z. B. Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial)
- Vorsorge gegen Dekubitus (Wundliegen)
- Atmungs- und Beatmungshilfen (Tracheostoma- und Laryngektomietherapien)
- Sauerstofflangzeittherapien
- Beatmung
- Kompressionstherapien
- Hilfsmittel für eine bessere Mobilität des Patienten


Quelle/Kontaktadresse:
Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed)
Manfred Beeres, Referent, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit
Reinhardtstr. 29b, 10117 Berlin
Telefon: (030) 246255-0, Telefax: (030) 246255-99

eMail: beeres@bvmed.de
Internet: http://www.bvmed.de

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