file Frage Suprapubischer Dauerkatheter

  • Schnuffi
  • Schnuffis Avatar Autor
Mehr
4 Monate 6 Tage her - 4 Monate 6 Tage her #52569 von Schnuffi
Suprapubischer Dauerkatheter wurde erstellt von Schnuffi
Hallo,
bin 65, männlich und habe eine neurogene Blasenentleerungsstörung. Problem ist die nächtliche Inkontinenez die inzwischen bei 200-600ml liegt je nach später Trinkmenge. Tagsüber kann ich normal pinkeln (allerdings nur Mengen zw. 100-250ml) und die Miktion auch zurückhalten aber leider nachts nicht.

Deshalb würde ich mich gerne mit Forumsmitgliedern austauschen die Erfahrungen mit einem suprapubischen Dauerkatheder (SPK) haben.
Ich selbst hatte vor 35 Jahren mal so einen Cystofix (?) um die Blase wieder anzulernen nach kompletter Miktionsblockade nach Meningitis.
Dann bis heute keine solche Anwendung mehr gehabt.

Mich würde interessieren:
- braucht man immer eine Dauer-Antibiose?
- kann man mit so einem SPK duschen bzw. baden
  Wir sind schon seit Jahren regelmäßig in einer Therme (hatte auch 5 orthop. REHAs dort) und ich möchte das ungern missen.
- wie oft muß der Katheder gewechselt werden? Damals wurde er innerhalb der Anwendungszeit von 12 Wochen 1x nach ca. 4 Wochen gewechselt und dann nimmer. Allerdings stand ich damals unter Dauer-Antibiose.

Würde mich über Erfahrungsberichte sehr freuen.

Schöne Grüße

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Matti
  • Mattis Avatar
  • Vereinsvorstand
Mehr
4 Monate 6 Tage her #52570 von Matti
Matti antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Hallo,

obwohl der Gedanke, Infektionen proaktiv zu verhindern, verständlich ist, überwiegen die Risiken einer Dauerantibiose beim suprapubischen Katheter die potenziellen Vorteile bei weitem. Dein Fokus sollte stattdessen auf einer sorgfältigen Katheterpflege, dem frühzeitigen Erkennen und gezielten Behandeln von Infektionen liegen. Im Falle einer tatsächlichen Infektion ist es dann umso wichtiger, dass wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen.
Natürliche Mittel und Verhaltensweisen zur HWI-Prophylaxe:

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr:
  • Wirkung: Das ist der wichtigste "natürliche" Tipp. Viel Trinken spült die Harnwege durch und hilft, Bakterien auszuschwemmen. Es verdünnt auch den Urin, was das Bakterienwachstum hemmen kann.
  • Empfehlung: Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.

Cranberry-Produkte:
  • Wirkung: Cranberrys enthalten Proanthocyanidine (PACs), die verhindern sollen, dass sich Bakterien (insbesondere E. coli, der häufigste Erreger von HWI) an die Schleimhaut der Harnwege anheften können.
  • Formen: Erhältlich als Saft (ungesüßt bevorzugen), Kapseln oder Pulver.
  • Hinweis: Die Wirksamkeit ist bei wiederkehrenden HWI ohne Katheter gut belegt, bei Katheterträgern ist die Studienlage gemischt. Achte auf Produkte mit einem standardisierten PAC-Gehalt.

D-Mannose:
  • Wirkung: D-Mannose ist eine Zuckerart, die ebenfalls die Anhaftung von E. coli-Bakterien an die Blasenwand verhindern kann. Die Bakterien binden sich stattdessen an die D-Mannose und werden mit dem Urin ausgeschieden.
  • Formen: Meist als Pulver oder Kapseln erhältlich.
  • Hinweis: Wird oft als sehr gut verträglich beschrieben und hat sich bei unkomplizierten HWI bewährt. Auch hier ist die Studienlage bei Katheterträgern noch nicht so umfangreich wie bei Cranberrys, aber es gibt positive Erfahrungen.

Vitamin C (Ascorbinsäure):
  • Wirkung: Vitamin C kann den Urin ansäuern. Ein saureres Milieu ist für viele Bakterien ungünstiger und kann ihr Wachstum hemmen. Zudem stärkt es das Immunsystem.
  • Formen: Als Nahrungsergänzungsmittel oder durch den Verzehr von Vitamin-C-reichen Lebensmitteln (Zitrusfrüchte, Paprika, Brokkoli).
  • Hinweis: Die alleinige Ansäuerung des Urins ist oft nicht ausreichend, um Infektionen zu verhindern, kann aber unterstützend wirken.

Probiotika:
  • Wirkung: Probiotika sind "gute" Bakterien (z.B. Laktobazillen), die die natürliche Darm- und Vaginalflora stärken können. Eine gesunde Flora kann das Wachstum von krankmachenden Bakterien hemmen und so indirekt das Risiko von HWI reduzieren, da viele HWI-Erreger aus dem Darm stammen.
  • Formen: Als Nahrungsergänzungsmittel oder in fermentierten Lebensmitteln (Joghurt, Kefir, Sauerkraut).
  • Hinweis: Besonders sinnvoll, wenn die Darmflora durch Antibiotikagaben gestört ist.

Pflanzliche Mittel (z.B. Bärentraubenblätter, Goldrute):
  • Wirkung: Einige pflanzliche Mittel haben traditionell eine harntreibende oder leicht desinfizierende Wirkung.
  • Hinweis: Diese solltest du nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker und nicht über längere Zeit einnehmen, da sie auch Nebenwirkungen haben können (z.B. Bärentraubenblätter sind nicht für die Langzeitanwendung geeignet).


Rücksprache mit dem Arzt: Bevor du natürliche Mittel zur Prophylaxe einnimmst, besprich dies unbedingt mit deinem behandelnden Arzt. Dies ist besonders wichtig, da du einen Katheter trägst und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen.

Kein Ersatz für Hygiene: Natürliche Mittel können die Basis-Hygienemaßnahmen und die korrekte Katheterpflege nicht ersetzen. Sie sind als Ergänzung zu verstehen.

Generell gilt für die Sauna: Rücksprache mit dem Arzt: Kläre immer zuerst mit deinem Arzt ab, ob Saunabesuche für dich in Ordnung sind. Sterilität: Wenn du den Katheter während des Saunagangs verschließen möchtest, achte unbedingt auf sterile Katheterstopfen, um das Risiko von Infektionen zu minimieren.

Für die Therme gelten ähnliche Vorsichtsmaßnahmen. Das warme Wasser und die Feuchtigkeit können ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen. Ich würde fast sagen, Versuch macht klug.

Weitere Informationen findest du auch in unserem Artikel zum Thema: www.inkontinenz-selbsthilfe.com/transure...aillierter-vergleich

Zudem gibt es hier einige Anwender und Anwenderinnen. Sicher wird dir hier noch der Ein oder Andere antworten.

Gruß
Matti

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • MichaelDah
  • MichaelDahs Avatar
  • Vereinsmitglied
Mehr
4 Monate 5 Tage her #52571 von MichaelDah
MichaelDah antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Hallo Schnuffi,

was sagt denn der Urologe dazu - und wo liegt seiner Meinung nach die genaue Ursache des Problems? Hat der Urologe denn den SBK vorgeschlagen und wenn ja - warum?

Viele Grüße
Michael

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Jael
  • Jaels Avatar
Mehr
4 Monate 5 Tage her #52574 von Jael
Jael antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Lieber Schnuffi,
erlaube mir eine Antwort.
Ich (52 Jahre) hatte eine Postata-OP bei Prostatamittellappen, der in die Harnröhre wuchs (14. Juli) mit Restharnmengen von circa 250 ml. Es muss schon lange obstruktiv (einengend) gewesen sein, die Blase war deutlich vergrößert und verändert und der Blasenmuskel (Detrusor) verdickt. Ich erhielt wie üblich intraoperativ einen SPK. Der liegt immer noch (23.10.). Die Restharnmengen sind oft über 250 ml. Die ersten 2 Monate hat mich der SPK sehr geärgert und gedrückt. Jetzt sage ich man kann damit leben. Die Urologin hat diagnostiziert „lazy bladder“ also eine unterfunktionale Blase (Grund noch unbekannt). Weitere Diagnostik fehlt noch.
-          Man braucht keine Dauerantibiose.
-          Man kann Duschen.
-          Birgit1 in diesem Forum geht auch baden.
-          Bei Schwimmbadbesuchen würde ich den Urologen fragen und es gibt Folienverbände, die man über den SPK kleben kann.
-          Mein SPK wurde seit dem 14. Juli nicht gewechselt. Im Netz findet man die Angabe Wechsel nach drei Monaten im häuslichen Umfeld. Im Krankenhaus häufiger.
-          Birgit1 in diesem Forum wechselt den SPK selbst (siehe dort).
-          Nach drei Wochen war meine Wunde sauber und ich lasse den SPK ohne Verband.
-          Ich habe ein Ventil über das ich nach normaler Miktion (Urin lassen) den Resturin ablassen kann.
-          Ich habe einen Bauchgürtel der Firma Uronovis, in dem man den SPK fixieren kann.
Viele Grüße
Jens

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Schnuffi
  • Schnuffis Avatar Autor
Mehr
4 Monate 5 Tage her #52575 von Schnuffi
Schnuffi antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Hallo Jens,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Werde auch bei Birgit1 noch nachsehen.
Und ja, muß mit dem Urologen abgeklärt werden.
Aber so wie du es beschreibst kann man damit ganz gut leben.

Gruß Schnuffi (Michael)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Birgit1
  • Birgit1s Avatar
  • Vereinsmitglied
Mehr
4 Monate 4 Tage her #52602 von Birgit1
Birgit1 antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Hallo Michael,

Deine Fragen wurden ja schon sehr ausführlich beantwortet! 
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen,  außer vielleicht dass der Umgang mit einem SPK sehr, sehr individuell ist. 
Dem einen hilft dieses, dem anderen jenes.
Der/die eine kommt gut klar, der/die andere nicht....

Meine Erfahrung ist, dass die ersten Wochen/Monate mit einem SPK sehr herausfordernd sein können. 
1.weil sich die Blase erst einmal an den Fremdkörper gewöhnen muss und 
2. man für sich herausfinden muss was mit dem SPK geht und was nicht.
Ich rate immer dazu bei Anfangsproblemen nicht zu schnell aufzugeben. 
Nur leider wird man so oft nach der Anlage eines SPKs von ärztlicher Seite sich selbst überlassen, kaum Beratungen wie der SPK zu handhaben ist. Daher sind Selbsthilfegruppen, wie diese hier, so wichtig. Tipps und Austausch mit Gleichgesinnten haben mir zu Beginn meiner SPK-Zeit enorm geholfen.

Zu mir: ich dusche und bade (nicht zu lange und ohne Badezusätze) ganz normal. Auch klebe ich dabei nichts zu. 

Zu Thermenbesuch und schwimmen kann ich dir leider nichts sagen weil ich absolut keine 'Wasserratte' bin und eh nicht schwimmen gehe. Wie Matti schon schrieb: ausprobieren.

Antibiotika nehme ich keine!
Ich lebe nun schon 10Jahre mit dem SPK und hatte in den ersten 3 Jahren nach den Katheterwechseln, die damals in Arztpraxen stattfanden, fast jedesmal eine Blasenentzündung und war quasi unter Dauerantibiose. 
Seit mittlerweile 7Jahren wechsele ich den Katheter nun selber (ist allerdings nicht üblich das selber zu machen) und hatte seitdem keinerlei Entzündungen mehr. 
Warum auch immer....

Zu den Wechselintervallen: 
auch das ist völlig individuell und wird mit dem Arzt festgelegt.
Ich wechsele alle 6-7 Wochen.
Da ich in einer örtlichen Selbsthilfegruppe aktiv bin, weiß ich dass sich bei den dortigen SPK-Trägern die Wechselintervalle zwischen 4 und 6 Wochen befinden.
Ich merke bei mir dass sich oft nach ca.7 Wochen der Uringeruch etwas verändert (sich vermutlich die Keime stark vermehrt haben) und dann ist es bei mir höchste Zeit dass ein neuer Katheter 'einzieht'.

Ich wünsche dir dass du einen guten Arzt an deiner Seite hast der mit dir nach guten Lösungen für deine Problematik sucht!

Alles Gute,
Birgit
Folgende Benutzer bedankten sich: Schnuffi, Jael

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Jael
  • Jaels Avatar
Mehr
4 Monate 4 Tage her #52603 von Jael
Jael antwortete auf Suprapubischer Dauerkatheter
Liebe Birgit, lieber Michael,
ich war gestern bei der Urologin. Ich darf Schwimmen gehen mit SPK. Ich werde den Einstich mit Vaseline in etwas Abstand abdichten und ein wasserdichtes Pflaster darüber kleben. Ich berichte dann weiter.
- Du solltest darauf achten, dass Deine Einstichstelle der Fistel sauber und reizlos ist, wenn Du baden möchtest.
Die weitere Diagnose bei mir lautet schlaffe Blase und es soll weitere Diagnostik wie Urodynamik erfolgen (Herne beim Marienhospital).
Viele Grüße und allen ein schönes Wochenende
Jens
Folgende Benutzer bedankten sich: Birgit1, Schnuffi

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Moderatoren: MichaelDah
Ladezeit der Seite: 0.357 Sekunden

Sie sind nicht allein! Besucher: Heute 1.018 | Gestern 4.780 | Monat 1.018 | Insgesamt 11.838.460