Frage Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
- Vallie
-
Weniger Mehr
- Beiträge: 27
- Dank erhalten: 17
2 Wochen 1 Tag her #52780 von Vallie
Vallie antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Mir raucht der Kopf...
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- martinK
-
- Vereinsmitglied
Weniger Mehr
- Beiträge: 941
- Dank erhalten: 148
1 Woche 6 Tage her #52823 von martinK
martinK antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo zusammen
Valerie, ich hoffe, Du findest eine Lösung für die Hilfsmittelversorgung. Vermutlich musst Du einfach dranbleiben. Das ist zwar völlig doof, weil Du als Betroffene auch andere Sorgen hast, als Dich darum kümmern zu müssen, dass Du die Hilfsmittel bezahlt kriegst, welche Dich durch den Alltag bringen.
Ich bin mit Matti einverstanden. Im Verhältnis zu den Gesamtkuchen der Gesundheitskosten in unserer modernen Gesellschaft. wird die Versorgung durch saugende Inkontinenzhilfsmittel kaum gross ins Gewicht fallen. Ich bin total harninkontinent und komme selbst in der teuren Schweiz mit ca 1500 Euro jährlichem Bedarf gut über die Runden, und dies mit einem "Luxusprodukt". Angenommen, dass in Deutschland 10 Mio Menschen pro Jahr für 1000 Euro Inkontinenzhilfsmittel benötigen würden, so wäre dies gerade mal inetwa 5% der Gesamten Gesundheitskosten (ca 500 Mrd Euro). Wie Matti geschrieben hat, sind die Kosten in der Realität viel tiefer, weil nur ein Teil der Betroffenen die finanzielle Unterstützung für den Kauf von Hilfsmitteln in Anspruch nimmt, und die jährlichen Kosten im Mittel wohl unterhalb von 1000 Euro pro Fall liegen. Prozentual dürfte der Anteil der Kosten für saugende Inkontinenzhilfsmittel als noch viel geringer sein, geschätzt eher im Bereich von 1%. Wenn man in diesem Bereich Einsparungen anstrebt, so ist dies erstens gesundheitspolitisch ein Blödsinn, weil Menschen, die sich wegen mangelnder Inkontinenzversorgung zurückziehen, gesundheitlich in vielen Fällen schlechter dastehen, als wenn sie aktiv bleiben würden. Dadurch wird das Gesundheitssystem langfristig noch mehr belastet, als wenn die Betroffenen adäquat versorgt würden. Noch dümmer an diesem Sparbestreben ist, dass das Einsparungspotential gar nicht signifikant gross ist... Meiner Meinung nach müsste die Pauschale so angehoben werden, dass sie in den allermeisten Fällen eine problemlose Versorgung sicherstellt. Geschätzt müsste sie in Deutschland je nach Schweregrad der Inkontinenz im Bereich von 30-120 Euro pro Monat liegen.
Ich bin auch schockiert darüber, dass als Standard immer noch Hilfsmittel mit einem geringen Rücknässeschutz betrachtet werden. Es gibt nun über 10 Jahre Produkte auf dem Markt, welche die Nässe effizient zurückhalten können, man kann heute nicht mehr von Luxusartikeln sprechen. Ebenso braucht es heute keine Produkte mit Plastikfolie mehr. Wie ich schon geschrieben habe, ist mein Eindruck, dass der Markt im Bereich der saugenden Inkontinenzhilfsmittel nicht funktioniert. Es gibt zu viele Firmen, welche parallel ,ehr oder weniger dieselben Produkte anbieten. Wenn die Preise für die Rohstoffe steigen, so hilft ein zentrales und gut organisiertes Supply Chain Management. Ich habe viele Jahre in der Industrie genau diese Situation erlebt. Erst eine Marktbereinigung führte zu einer höheren Kosteneffizienz und zu tieferen Preisen. Aber wie oben geschrieben müsste die Versorgung meiner Meinung nach auch bei der jetzigen Kostenstruktur klappen.
Herzliche Grüsse
Martin
Valerie, ich hoffe, Du findest eine Lösung für die Hilfsmittelversorgung. Vermutlich musst Du einfach dranbleiben. Das ist zwar völlig doof, weil Du als Betroffene auch andere Sorgen hast, als Dich darum kümmern zu müssen, dass Du die Hilfsmittel bezahlt kriegst, welche Dich durch den Alltag bringen.
Ich bin mit Matti einverstanden. Im Verhältnis zu den Gesamtkuchen der Gesundheitskosten in unserer modernen Gesellschaft. wird die Versorgung durch saugende Inkontinenzhilfsmittel kaum gross ins Gewicht fallen. Ich bin total harninkontinent und komme selbst in der teuren Schweiz mit ca 1500 Euro jährlichem Bedarf gut über die Runden, und dies mit einem "Luxusprodukt". Angenommen, dass in Deutschland 10 Mio Menschen pro Jahr für 1000 Euro Inkontinenzhilfsmittel benötigen würden, so wäre dies gerade mal inetwa 5% der Gesamten Gesundheitskosten (ca 500 Mrd Euro). Wie Matti geschrieben hat, sind die Kosten in der Realität viel tiefer, weil nur ein Teil der Betroffenen die finanzielle Unterstützung für den Kauf von Hilfsmitteln in Anspruch nimmt, und die jährlichen Kosten im Mittel wohl unterhalb von 1000 Euro pro Fall liegen. Prozentual dürfte der Anteil der Kosten für saugende Inkontinenzhilfsmittel als noch viel geringer sein, geschätzt eher im Bereich von 1%. Wenn man in diesem Bereich Einsparungen anstrebt, so ist dies erstens gesundheitspolitisch ein Blödsinn, weil Menschen, die sich wegen mangelnder Inkontinenzversorgung zurückziehen, gesundheitlich in vielen Fällen schlechter dastehen, als wenn sie aktiv bleiben würden. Dadurch wird das Gesundheitssystem langfristig noch mehr belastet, als wenn die Betroffenen adäquat versorgt würden. Noch dümmer an diesem Sparbestreben ist, dass das Einsparungspotential gar nicht signifikant gross ist... Meiner Meinung nach müsste die Pauschale so angehoben werden, dass sie in den allermeisten Fällen eine problemlose Versorgung sicherstellt. Geschätzt müsste sie in Deutschland je nach Schweregrad der Inkontinenz im Bereich von 30-120 Euro pro Monat liegen.
Ich bin auch schockiert darüber, dass als Standard immer noch Hilfsmittel mit einem geringen Rücknässeschutz betrachtet werden. Es gibt nun über 10 Jahre Produkte auf dem Markt, welche die Nässe effizient zurückhalten können, man kann heute nicht mehr von Luxusartikeln sprechen. Ebenso braucht es heute keine Produkte mit Plastikfolie mehr. Wie ich schon geschrieben habe, ist mein Eindruck, dass der Markt im Bereich der saugenden Inkontinenzhilfsmittel nicht funktioniert. Es gibt zu viele Firmen, welche parallel ,ehr oder weniger dieselben Produkte anbieten. Wenn die Preise für die Rohstoffe steigen, so hilft ein zentrales und gut organisiertes Supply Chain Management. Ich habe viele Jahre in der Industrie genau diese Situation erlebt. Erst eine Marktbereinigung führte zu einer höheren Kosteneffizienz und zu tieferen Preisen. Aber wie oben geschrieben müsste die Versorgung meiner Meinung nach auch bei der jetzigen Kostenstruktur klappen.
Herzliche Grüsse
Martin
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage her #52824 von Matti
Matti antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Lieber Martin,
dies sind die echten Zahlen aus dem Jahr 2024:
Hier ist eine übersichtliche Liste der Daten für die Produktgruppe „15 Inkontinenzhilfen“ im Versorgungszeitraum 01.01.2024–31.12.2024:
[hr]
Übersicht: Inkontinenzhilfen (Produktgruppe 15)
Noch einmal: Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Produktgruppen „ableitende Hilfsmittel“ und „aufsaugende Hilfsmittel“ hier unter einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst sind, was das Ergebnis stark verfälscht. Denn ableitende Hilfsmittel weisen nahezu keine Eigenanteile auf, da Festbeträge gezahlt werden. Würde man diese nun noch nach Schweregraden differenzieren, würde schnell deutlich werden, dass der Eigenanteil je nach Schweregrad deutlich ansteigt. Ein Durchschnitt sagt also gar nichts. Je höher der Schweregrad um so höher geht es an die eigene Tasche.
Die Bauernschläue der Politik rechnet eh ganz anders:
Eine wichtige Kritik an der Durchschnittsrechnung (arithmetisches Mittel) – sie kann das Bild verzerren, wenn die Verteilung in Wirklichkeit sehr ungleich ist oder sich aus Extremwerten zusammensetzt.
Mein Beispiel mit dem Einkommen verdeutlicht das gut:
Man zieht die Erkenntnis: ALLEN geht es super. Das Durchschnittseinkommen liegt schließlich bei 4000 Euro für Alle.
Das bedeutet:
Der Durchschnitt gibt manchmal nur einen groben statistischen Wert wider, sagt aber nichts über die reale Verteilung ("Wie verteilt sich die Last? Gibt es Außreißer oder besonders Belastete?").
Gruß
Matti
dies sind die echten Zahlen aus dem Jahr 2024:
Hier ist eine übersichtliche Liste der Daten für die Produktgruppe „15 Inkontinenzhilfen“ im Versorgungszeitraum 01.01.2024–31.12.2024:
[hr]
Übersicht: Inkontinenzhilfen (Produktgruppe 15)
- Versorgungszeitraum: 01.01.2024–31.12.2024
- Produktgruppe: Inkontinenzhilfen
- GKV Leistungsausgaben gesamt: 786.507.728,69 €
- Durchschnittliche Leistungsausgaben je Versorgung: 299,23 €
- Anzahl der Versorgungsfälle: 2.628.443
- Anzahl der Versorgungsfälle mit Mehrkosten: 774.327
- Mehrkosten gesamt: 98.283.794,81 €
- Anteil der Versorgungsfälle mit Mehrkosten: 29,46 %
- Durchschnittliche Mehrkosten je Mehrkostenfall: 126,93 €
Noch einmal: Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Produktgruppen „ableitende Hilfsmittel“ und „aufsaugende Hilfsmittel“ hier unter einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst sind, was das Ergebnis stark verfälscht. Denn ableitende Hilfsmittel weisen nahezu keine Eigenanteile auf, da Festbeträge gezahlt werden. Würde man diese nun noch nach Schweregraden differenzieren, würde schnell deutlich werden, dass der Eigenanteil je nach Schweregrad deutlich ansteigt. Ein Durchschnitt sagt also gar nichts. Je höher der Schweregrad um so höher geht es an die eigene Tasche.
Die Bauernschläue der Politik rechnet eh ganz anders:
Eine wichtige Kritik an der Durchschnittsrechnung (arithmetisches Mittel) – sie kann das Bild verzerren, wenn die Verteilung in Wirklichkeit sehr ungleich ist oder sich aus Extremwerten zusammensetzt.
Mein Beispiel mit dem Einkommen verdeutlicht das gut:
- Person A: 6.000 €
- Person B: 2.000 €
- Durchschnitt: (6.000 € + 2.000 €) / 2 = 4.000 €
- Aber: Niemand verdient tatsächlich 4.000 €, und die Verteilung ist in Wahrheit bimodal/extrem unterschiedlich.
Man zieht die Erkenntnis: ALLEN geht es super. Das Durchschnittseinkommen liegt schließlich bei 4000 Euro für Alle.
Das bedeutet:
Der Durchschnitt gibt manchmal nur einen groben statistischen Wert wider, sagt aber nichts über die reale Verteilung ("Wie verteilt sich die Last? Gibt es Außreißer oder besonders Belastete?").
Gruß
Matti
Folgende Benutzer bedankten sich: martinK
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- MichaelDah
-
- Vereinsmitglied
Weniger Mehr
- Beiträge: 919
- Dank erhalten: 165
1 Woche 5 Tage her #52831 von MichaelDah
MichaelDah antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hi Matti,
Die Zahlen hatte so noch nicht. Kurze Verständnis Frage: Die Versorgungsfälle mit Mehrkosten - sind das die Einzelbewilligungen die Aufzahlungen oder beides?
LG
Michael
Die Zahlen hatte so noch nicht. Kurze Verständnis Frage: Die Versorgungsfälle mit Mehrkosten - sind das die Einzelbewilligungen die Aufzahlungen oder beides?
LG
Michael
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
1 Woche 5 Tage her - 1 Woche 5 Tage her #52832 von Matti
Matti antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo Michael,
unter Mehrkosten bei der Hilfsmittelversorgung versteht man den Betrag, den Versicherte selbst bezahlen müssen, wenn sie ein Hilfsmittel wählen, das über die „wirtschaftliche, zweckmäßige und ausreichende“ Versorgung hinausgeht, die von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen wird. So zumindest werden Mehrkosten begründet.
Dies ist aber völliges Wischiwaschi, denn es gibt keine Stelle im Gesetz, welche das Wort „Regelversorgung“ oder „Standardversorgung“ für die Kostenübernahme im Sachleistungsprinzip explizit nennt.
Die Kassen sind der Meinung, sie müssten ausschließlich dann zahlen, wenn die Versorgung für den jeweiligen Bedarf „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ ist. So steht es auch im Gesetz, doch die Interpretation fällt einseitig zu Lasten der Versicherten aus.
Ein Hilfsmittel muss nicht luxuriös sein – aber es muss die individuellen Bedürfnisse des Patienten in ausreichendem Maß erfüllen, sodass es nutzbar, sicher und würdevoll verwendbar ist. Komfortelemente, die für die Nutzung, das Wohlbefinden oder die gesellschaftliche Teilhabe notwendig sind, dürfen nicht einfach als „Luxus“ abgetan werden. Sie sind Teil der – nennen wir es von mir aus – Regelversorgung.
Komfort ist kein Freibrief für beliebige Extras. Beispielsweise gilt ein Design-Hilfsmittel nicht automatisch als Kassenleistung.
Aber: Ein bestimmtes Maß an Tragekomfort – etwa bei Inkontinenzprodukten eine gute Hautverträglichkeit und Diskretion (damit Betroffene am Sozialleben teilnehmen können) – ist Bestandteil einer „ausreichenden“ und „zweckmäßigen“ Versorgung.
WIR haben dies als Verein erst ins Hilfsmittelverzeichnis eingebracht, den zuvor stand da nirgends das Recht auf Teilhabe.
Die Gerichte urteilen regelmäßig, dass ein Hilfsmittel, das nicht beschwerdefrei genutzt werden kann, nicht ausreichend ist. Komfort im Sinne von Schmerzvermeidung, Schutz vor Hautschäden oder sozialer Stigmatisierung gehört zur Regelleistung, sofern es für den individuellen Anwender erforderlich ist.
Komfort als medizinische Notwendigkeit:
Wenn ein bestimmter Komfortfaktor (z. B. dünneres, weicheres Material bei Inkontinenzvorlagen zur Vermeidung von Hautproblemen) medizinisch begründet ist, muss die Kasse das entsprechende Produkt übernehmen. Reiner Luxus ohne medizinische Notwendigkeit, z. B. spezielle Farben, Markennamen oder besonders teure Designs, wird in der Regel nicht übernommen.
Komfort ist dann keine „Luxusoption“, wenn er für die sichere, würdige und effektive Nutzung des Hilfsmittels notwendig ist. Ist dies der Fall und vor allem medizinisch nachvollziehbar begründbar, gehört der entsprechende Komfort zur Regelleistung. Es sollte stets individuell geprüft und bei Bedarf durch ärztliche Bescheinigung oder ein pflegerisches Gutachten untermauert werden.
Die Versicherten zahlen sich einen Wolf, weil sie dies alles nicht wissen. Deshalb erzähle ich dies auch nicht primär dir – ich weiß, dass du das alles weißt –, sondern knüpfe an deine Frage an und nutze die Chance für Information.
Gruß
Matti
unter Mehrkosten bei der Hilfsmittelversorgung versteht man den Betrag, den Versicherte selbst bezahlen müssen, wenn sie ein Hilfsmittel wählen, das über die „wirtschaftliche, zweckmäßige und ausreichende“ Versorgung hinausgeht, die von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen wird. So zumindest werden Mehrkosten begründet.
Dies ist aber völliges Wischiwaschi, denn es gibt keine Stelle im Gesetz, welche das Wort „Regelversorgung“ oder „Standardversorgung“ für die Kostenübernahme im Sachleistungsprinzip explizit nennt.
Die Kassen sind der Meinung, sie müssten ausschließlich dann zahlen, wenn die Versorgung für den jeweiligen Bedarf „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ ist. So steht es auch im Gesetz, doch die Interpretation fällt einseitig zu Lasten der Versicherten aus.
Ein Hilfsmittel muss nicht luxuriös sein – aber es muss die individuellen Bedürfnisse des Patienten in ausreichendem Maß erfüllen, sodass es nutzbar, sicher und würdevoll verwendbar ist. Komfortelemente, die für die Nutzung, das Wohlbefinden oder die gesellschaftliche Teilhabe notwendig sind, dürfen nicht einfach als „Luxus“ abgetan werden. Sie sind Teil der – nennen wir es von mir aus – Regelversorgung.
Komfort ist kein Freibrief für beliebige Extras. Beispielsweise gilt ein Design-Hilfsmittel nicht automatisch als Kassenleistung.
Aber: Ein bestimmtes Maß an Tragekomfort – etwa bei Inkontinenzprodukten eine gute Hautverträglichkeit und Diskretion (damit Betroffene am Sozialleben teilnehmen können) – ist Bestandteil einer „ausreichenden“ und „zweckmäßigen“ Versorgung.
WIR haben dies als Verein erst ins Hilfsmittelverzeichnis eingebracht, den zuvor stand da nirgends das Recht auf Teilhabe.
Die Gerichte urteilen regelmäßig, dass ein Hilfsmittel, das nicht beschwerdefrei genutzt werden kann, nicht ausreichend ist. Komfort im Sinne von Schmerzvermeidung, Schutz vor Hautschäden oder sozialer Stigmatisierung gehört zur Regelleistung, sofern es für den individuellen Anwender erforderlich ist.
Komfort als medizinische Notwendigkeit:
Wenn ein bestimmter Komfortfaktor (z. B. dünneres, weicheres Material bei Inkontinenzvorlagen zur Vermeidung von Hautproblemen) medizinisch begründet ist, muss die Kasse das entsprechende Produkt übernehmen. Reiner Luxus ohne medizinische Notwendigkeit, z. B. spezielle Farben, Markennamen oder besonders teure Designs, wird in der Regel nicht übernommen.
Komfort ist dann keine „Luxusoption“, wenn er für die sichere, würdige und effektive Nutzung des Hilfsmittels notwendig ist. Ist dies der Fall und vor allem medizinisch nachvollziehbar begründbar, gehört der entsprechende Komfort zur Regelleistung. Es sollte stets individuell geprüft und bei Bedarf durch ärztliche Bescheinigung oder ein pflegerisches Gutachten untermauert werden.
Die Versicherten zahlen sich einen Wolf, weil sie dies alles nicht wissen. Deshalb erzähle ich dies auch nicht primär dir – ich weiß, dass du das alles weißt –, sondern knüpfe an deine Frage an und nutze die Chance für Information.
Gruß
Matti
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Vallie
-
Weniger Mehr
- Beiträge: 27
- Dank erhalten: 17
1 Woche 5 Tage her - 1 Woche 5 Tage her #52835 von Vallie
Vallie antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo Matti,
es ist sehr wertvoll, wie sich der Verein für die Belange der Betroffenen einsetzt, ich möchte an dieser Stelle betonen, wie sehr ich das zu schätzen weiß!
Du benutzt oben den Begriff würdevoll. Ein Produkt, mit dem ich mich nicht entwürdigt fühle, habe ich noch nicht von einem Versorger erhalten.
In einem Punkt möchte ich Dir widersprechen.
Vor zwei Jahren kannte ich meine Rechte noch nicht. Bei meinem aktuellen Versuch ist das anders, dennoch sind die Mauern sehr hoch und massiv.
Die Krankenkassen geben sich nicht als ,, Anwalt des Patienten " gegenüber den jeweiligen Vertragspartner, gefühlt stehen sie diesen näher als mir.
Die Verpflichtung das Beratungsgespräch wird umgangen, indem bei einem völlig untauglichen, wie Michael vermutet wahrscheinlich standardisiertem Musterpaket, welches nichts mit dem geführten Telefonat zu tun hat, ein Beratungsprotokoll beigelegt wird, welches nicht zutrifft. Ich habe in meinem ersten Kommentar den genauen Wortlaut zitiert, weil ich es als eine absolute Unverfrorenheit empfunden habe.
Es gibt die Möglichkeit, von Eigenmarken in Drogeriemärkten Einlagen aus modernem, schnell aufsaugendem Material für 0,15 -0,22 € zu erhalten.
Für mich ist deshalb immer noch nicht nachvollziehbar, weshalb mir bisher von keinem Versorger ein vergleichbares Produkt ohne Aufzahlung angeboten wurde. Das widerspricht für mich jeglicher Logik.
Gestern habe ich das Produkt (Windelslip) beim Morgensport getestet, welches ich nach der von mir verlangten, korrigierten Bemusterung erhalten habe. Abgesehen davon, dass es definitiv nicht in die Kategorie würdevoll fällt, war es noch untauglicher als die verschmähten Nona-Slips . Als Jumpingjacks dran waren, letzte ISK zu dem Zeitpunkt ca. eine Stunde her, musste ich nach acht der geplanten hundert abbrechen. Eingesaute Fitnessmatte reinigen, Sporthose einweichen. Von Michaels Dokumentationsbericht inspiriert ein Foto der Fitnessmatte gemacht.
Es gibt diese erste Phase, in der man weder die gesetzlichen Gegebenheiten, noch die Zuständigkeiten kennt.
Und dann die zweite, in der man eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis erfährt, wie sie in diesem Maße selten zu finden ist.
Ich schaue weiter, ich finde es verdammt, verdammt schwer.
Grüße von Valerie
es ist sehr wertvoll, wie sich der Verein für die Belange der Betroffenen einsetzt, ich möchte an dieser Stelle betonen, wie sehr ich das zu schätzen weiß!
Du benutzt oben den Begriff würdevoll. Ein Produkt, mit dem ich mich nicht entwürdigt fühle, habe ich noch nicht von einem Versorger erhalten.
In einem Punkt möchte ich Dir widersprechen.
Vor zwei Jahren kannte ich meine Rechte noch nicht. Bei meinem aktuellen Versuch ist das anders, dennoch sind die Mauern sehr hoch und massiv.
Die Krankenkassen geben sich nicht als ,, Anwalt des Patienten " gegenüber den jeweiligen Vertragspartner, gefühlt stehen sie diesen näher als mir.
Die Verpflichtung das Beratungsgespräch wird umgangen, indem bei einem völlig untauglichen, wie Michael vermutet wahrscheinlich standardisiertem Musterpaket, welches nichts mit dem geführten Telefonat zu tun hat, ein Beratungsprotokoll beigelegt wird, welches nicht zutrifft. Ich habe in meinem ersten Kommentar den genauen Wortlaut zitiert, weil ich es als eine absolute Unverfrorenheit empfunden habe.
Es gibt die Möglichkeit, von Eigenmarken in Drogeriemärkten Einlagen aus modernem, schnell aufsaugendem Material für 0,15 -0,22 € zu erhalten.
Für mich ist deshalb immer noch nicht nachvollziehbar, weshalb mir bisher von keinem Versorger ein vergleichbares Produkt ohne Aufzahlung angeboten wurde. Das widerspricht für mich jeglicher Logik.
Gestern habe ich das Produkt (Windelslip) beim Morgensport getestet, welches ich nach der von mir verlangten, korrigierten Bemusterung erhalten habe. Abgesehen davon, dass es definitiv nicht in die Kategorie würdevoll fällt, war es noch untauglicher als die verschmähten Nona-Slips . Als Jumpingjacks dran waren, letzte ISK zu dem Zeitpunkt ca. eine Stunde her, musste ich nach acht der geplanten hundert abbrechen. Eingesaute Fitnessmatte reinigen, Sporthose einweichen. Von Michaels Dokumentationsbericht inspiriert ein Foto der Fitnessmatte gemacht.
Es gibt diese erste Phase, in der man weder die gesetzlichen Gegebenheiten, noch die Zuständigkeiten kennt.
Und dann die zweite, in der man eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis erfährt, wie sie in diesem Maße selten zu finden ist.
Ich schaue weiter, ich finde es verdammt, verdammt schwer.
Grüße von Valerie
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- martinK
-
- Vereinsmitglied
Weniger Mehr
- Beiträge: 941
- Dank erhalten: 148
1 Woche 5 Tage her #52838 von martinK
martinK antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo Valerie
Ich kann gut nachvollziehen, dass Du frustriert bist. Zum Sport würde ich aber keinen Windelslip tragen, da sind meiner Erfahrung nach Pants viel besser. Ich fixiere sie mit einer elastischen Sportunterhose (z.B. Nike Pro geht da ausgezeichnet). Wenn Du schon eine Stunde nach ISK Harn verlierst, dürfte das nicht mehr 100-200 ml sein. Dafür reicht eine relativ dünne Pant.Vielleicht gibt es sogar ein Produkt bei Deinem Versorger, welches passen könnte?
Herzliche Grüsse
Martin
Ich kann gut nachvollziehen, dass Du frustriert bist. Zum Sport würde ich aber keinen Windelslip tragen, da sind meiner Erfahrung nach Pants viel besser. Ich fixiere sie mit einer elastischen Sportunterhose (z.B. Nike Pro geht da ausgezeichnet). Wenn Du schon eine Stunde nach ISK Harn verlierst, dürfte das nicht mehr 100-200 ml sein. Dafür reicht eine relativ dünne Pant.Vielleicht gibt es sogar ein Produkt bei Deinem Versorger, welches passen könnte?
Herzliche Grüsse
Martin
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Vallie
-
Weniger Mehr
- Beiträge: 27
- Dank erhalten: 17
1 Woche 4 Tage her #52839 von Vallie
Vallie antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo Martin,
ich habe schon öfters hier Urinmengen gelesen, die die Niere pro Stunde produziert. Meine Nieren scheinen das nicht zu wissen.
Ich bin da schnell bei 400ml,
die sich dann innerhalb weniger Sekunden entleeren. Ich hatte am Ende meiner Sporteinheit auch schon 700ml.
Bei 100-200ml dürfte wohl niemand ein größeres handling-Problem haben.
Pants gibt es in Deutschland prinzipiell nicht aufzahlungsfrei . Ich glaube, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, welche Knüppel einem in D. zwischen die Beine geworfen werden, wenn man versucht, eine passende, aufzahlungsfreie und einem eigentlich zustehende Versorgung zu erhalten.
Mit selbst gekauften Pants habe ich natürlich auch schon Sport probiert. Aber da sich meine Blase nicht peu à peu entleert, sondern schwallartig bei entsprechender Belastung ( z.B.Skippings , Jumpingjacks , alles Richtung Hüpfen, natürlich auch klassisches Joggen) muss es etwas sein, was eng am Bein ist.
Manchmal ist diese Schwere im Kopf auch echt krass. Kompletter Harnverhalt und kompletter Harnverlust, das fühlt sich so paradox an. Ich musste einige Tage bewegungstechnisch pausieren, musste auch ni cht niesen oder husten, dann verliere ich keinerlei Urin, Inkontinenz spielt keine Rolle.
Dann habe ich eine aktive Zeit, muss vielleicht noch wegen Heuschnupfen viel niesen, und die Harninkontinenz ist super bestimmend.
Letztlich habe ich es natürlich leichter als Du, da es eine Belastungsinkontinenz ist, und zwar nicht vom Umfang, aber von der Situation vorhersehbar ist.
Grüße von Valerie
ich habe schon öfters hier Urinmengen gelesen, die die Niere pro Stunde produziert. Meine Nieren scheinen das nicht zu wissen.
Ich bin da schnell bei 400ml,
die sich dann innerhalb weniger Sekunden entleeren. Ich hatte am Ende meiner Sporteinheit auch schon 700ml.
Bei 100-200ml dürfte wohl niemand ein größeres handling-Problem haben.
Pants gibt es in Deutschland prinzipiell nicht aufzahlungsfrei . Ich glaube, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, welche Knüppel einem in D. zwischen die Beine geworfen werden, wenn man versucht, eine passende, aufzahlungsfreie und einem eigentlich zustehende Versorgung zu erhalten.
Mit selbst gekauften Pants habe ich natürlich auch schon Sport probiert. Aber da sich meine Blase nicht peu à peu entleert, sondern schwallartig bei entsprechender Belastung ( z.B.Skippings , Jumpingjacks , alles Richtung Hüpfen, natürlich auch klassisches Joggen) muss es etwas sein, was eng am Bein ist.
Manchmal ist diese Schwere im Kopf auch echt krass. Kompletter Harnverhalt und kompletter Harnverlust, das fühlt sich so paradox an. Ich musste einige Tage bewegungstechnisch pausieren, musste auch ni cht niesen oder husten, dann verliere ich keinerlei Urin, Inkontinenz spielt keine Rolle.
Dann habe ich eine aktive Zeit, muss vielleicht noch wegen Heuschnupfen viel niesen, und die Harninkontinenz ist super bestimmend.
Letztlich habe ich es natürlich leichter als Du, da es eine Belastungsinkontinenz ist, und zwar nicht vom Umfang, aber von der Situation vorhersehbar ist.
Grüße von Valerie
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Vallie
-
Weniger Mehr
- Beiträge: 27
- Dank erhalten: 17
1 Woche 4 Tage her #52840 von Vallie
Vallie antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Bei allem Chaos, eine Schwere im Kopf habe ich noch nicht, aber eine Schere.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
1 Woche 4 Tage her #52841 von Matti
Matti antwortete auf Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen
Hallo Vallie,
ich habe eine administrative Frage. In deinem vorherigen Beitrag hast du eine winzige Schriftgröße, in deinem Letzten ist diese wieder ganz normal. Benutzt du unterschiedliche Geräte?
Ich gehe davon aus, dass du dich nicht bewußt für eine Schriftart entscheidest die man nur mit Lupe lesen kann.
Gruß
Matti
ich habe eine administrative Frage. In deinem vorherigen Beitrag hast du eine winzige Schriftgröße, in deinem Letzten ist diese wieder ganz normal. Benutzt du unterschiedliche Geräte?
Ich gehe davon aus, dass du dich nicht bewußt für eine Schriftart entscheidest die man nur mit Lupe lesen kann.
Gruß
Matti
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Moderatoren: MichaelDah
Ladezeit der Seite: 0.488 Sekunden