file Frage Probleme mit dem Hilfsmittellieferanten – hohe Zuzahlungen

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2 Wochen 6 Tage her #52703 von Vallie
Liebe Mona,

entschuldige, dass ich jetzt so ein wenig Deinen Thread gekapert habe, dabei wollte ich Dir mit meinem ersten Beitrag vor allem zeigen: Du bist nicht alleine!
Ich hoffe, Dir helfen die obigen Informationen auch weiter,

Solidarische Grüße von Valerie

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  • Helmut 60
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2 Wochen 5 Tage her #52704 von Helmut 60
Hallo Mona,

deinen Frust kann ich gut verstehen - ich denke, jeder, der inkontinent und auf Hilfsmittel angewiesen ist, kennt das!

Ich selber hatte mit meine Harninkontinenz (kombinierte Tröpfel- und Dranginkontinenz) natürlich auch ein ärztliches (Dauer-)Rezept für aufsaugendende Inkontionenzhilfsmittel erhalten. Damit hatte ich mich (nacheinander) an drei verschiedene Versorger gewendet, die mir nach entsprechender (telefonischer) Beratung jeweils eine Box mit verschiedenen, angeblich adäquaten Hilfsmitteln zugesandt. Die einzigen Produkte ohne Zuzahlung waren von "Nona" (= no name), die ich nach erster Benutzung sofort als untauglich für mich klassifizierte. Als ich nach besseren Produkten (mit Zuzahlung) verlangte, stellte sich nach Erhalt der Muster heraus, dass die Zuzahlung MIT Rezept (bei Bezug über diese Versorger) höher ist als wenn ich exakt die gleichen Produkte - nach ein wenig Recherche - bei einem der günstigen Online-Versandhäuser beziehe.

Ich hatte für mich dann durchgerechnet, dass ich meine Hilfsmittelversorgung mit meinen Wunschprodukten so für ca. 60-70 Euro/Monat hinbekomme - eine Summe, die mir persönlich überhaupt nicht weh tut; ich habe in meinem Leben in der Vergangenheit schon für erhebliche sinnlosere Dinge oft und lange um einiges mehr im Monat ausgegeben! Von daher habe ich mich auf keine Kämpfe mit der Krankenkasse eingelassen und bezahle und besorge meine Windeln einfach selber - was auch den unerhörten Vorteil hat, dass ich für verschiedene Gelegenheiten angepasste Produkte im Schrank habe.
Für die Nacht bevorzuge ich eine Windel, die zuverlässig alles aufnimmt, ohne dass ich in der Nacht wechseln muss - dafür braucht diese dann natürlich weder dünn noch diskret zu sein. Tagsüber bevorzuge ich dünnere, diskrete Hüftgurtwindeln, die ich auch schnell und leicht mal öffnen kann, wenn doch mal eine Toilette in der Nähe ist wenn der Drang zuschlägt (oder das große Geschäft ansteht, mit dessen Kontrolle ich keinerlei Probleme habe). Zusätzlich habe ich auch noch eine etwas saugfähigere Tag-Variante zur Verfügung, wenn ich weiss das ich länger außer Haus bin und unterwegs nicht wechseln möchte und ich habe eine sehr dünne und flexible Variante für sportliche Aktivitäten.

Auf Rezept bekommt man ohne Zuzahlung hingegen genau ein Produkt zur Verfügung gestellt, welches maximal 4 Stunden halten muss, also bis zu 6x wechseln / 24h ist zumutbar - wenn man dann mehr als diese "Basisversorgung" wünscht, muss man halt  zuzahlen.
Ich komme hingegen im Durchschnitt mit zwei Tagwindeln und einer Nachtwindel durchs Leben, habe gute, komfortable Produkte, die sich - solange nicht am Ende der Kapazität - nie nass anfühlen, die nicht drücken oder zwicken, in denen meine Haut seit Jahren keinerlei Reaktion zeigt und die geruchsbindend sind und mich, wie gesagt, 60-70 Euro im Monat kosten.

Die Preisunterschiede im Markt sind ganz enorm, es lohnt sich, in Netz zu recherchieren. Die exakt gleiche Windel kann je nach Versender beim günstigsten Anbieter 18,-/Paket und beim teuersten 60,-/Paket kosten! Zusätzlich gibt es des öfteren Sonderangebote (z.B. Black Friday, Halloween, dann wieder Sonderaktionen für bestimmte Produkte oder Marken...) oder Zusatzrabatte für Abo-Lieferungen - wenn man die Augen aufhält (und einige Newsletter abonniert) kann man ganz gut sparen.

Mir ist bewusst, dass dies keine Antwort ist, die du dir gewünscht hast, aber leider ist die Situation in der Hilfsmittelversorgung so wie sie ist - zumindest in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sicher kannst du den Kampf damit aufnehmen, wenn du die Lust, Zeit und Energie dazu hast - einige hier im Verein haben das ja durchaus erfolgreich geschafft! Ich habe mich hingegen damit abgefunden (und kann das glücklicherweise auch dank meiner finanziellen Situation), genauso, wie man sich seit Jahren damit abfinden musste, als Kassenpatient in der Regel keinerlei Zuzahlung (oder gar komplett-Basisversorgung) für Brillen mehr zu erhalten...

Liebe Grüße
Helmut
 

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  • Mona58
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2 Wochen 4 Tage her - 2 Wochen 4 Tage her #52735 von Mona58
Hallo,
ich möchte mich ganz herzlich für eure vielfältigen Rückmeldungen bedanken. Das ist wirklich ein bunter Strauß an Hinweisen, Ideen und auch persönlichen Erfahrungen. Großartig!

Aus Mattis Antwort entnehme ich die Erkenntnis, dass meine Probleme eigentlich gar nicht auftreten dürften, denn die gesetzliche Lage sieht etwas ganz anderes und deutlich Positiveres zugunsten der Versicherten vor, als ich es in der Praxis erlebe. Besonders interessant finde ich auch die Beschreibung, dass man sich wehren kann, wenn die Dinge so ablaufen wie bei mir – allerdings ist dieser Weg oft langwierig und zeitaufwendig.

Aus Michaels Antwort habe ich mitgenommen, dass diejenigen im Vorteil sind, die ihre Rechte kennen und diese auch konsequent einfordern können. Respekt dafür! Allerdings habe ich hier im Forum den Eindruck gewonnen, dass viele aus ganz unterschiedlichen Gründen genau das nicht können. Deshalb ist es zwar hilfreich, Erfahrung darin zu haben, sich sein Recht zu erkämpfen, wenn man sich auskennt und aktiv wird – aber ich selbst sehe mich aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, das durchzusetzen. Dennoch empfinde ich diese Hinweise als sehr wertvoll.

Auch den Lösungsweg, den Helmut für sich gefunden hat, finde ich spannend. Mein Problem – und ich denke, das betrifft viele – ist jedoch, dass meine finanziellen Möglichkeiten nicht so gut aufgestellt sind, um Hilfsmittel selbst zu beschaffen. Da fühle ich mich manchmal wie ein Ochse (oder in meinem Fall eine Öchsin). Wenn mir ein gesetzliches Recht auf Versorgung zusteht, möchte ich dieses Recht auch wahrnehmen können, ohne dass mir das Verhalten meines Lieferanten oder meiner Krankenkasse zum Nachteil gereicht. Ich wünsche mir einfach nur meinen rechtlichen Anspruch durchzusetzen. 

Dass Cash-and-Carry-Anbieter andere Preise erzielen als ein Vertrag zwischen Hilfsmittellieferant und meiner Krankenkasse ist dabei selbstverständlich. Auch die Bestellung bei Amazon führt meist zu anderen Preisen als beim Fachhändler im Einkaufszentrum mit hohen Mietkosten und aufwendigem sowie geschultem Personal. 
Ich habe viele Jahre in einer kleinen Boutique gearbeitet und miterlebt, wie der Online-Handel dazu beigetragen hat, dass Fachberatung und Dienstleistung kaum noch Wertschätzung erfahren – stattdessen werden Preise und völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen verglichen. 
Ich bin keine Freundin des gesamten Online-Handels, denn im Zweifelsfall bin ich dankbar, wenn ich nachts um drei ein wichtiges Medikament von der Apotheke um die Ecke bekomme, deren Mitarbeiter sich dafür die Nacht um die Ohren schlagen. Der günstigere Online-Anbieter schläft wahrscheinlich gerade und ist deshalb oft billiger.

Liebste Grüße

Mona
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  • MichaelDah
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2 Wochen 3 Tage her - 2 Wochen 3 Tage her #52742 von MichaelDah
Hallo Mona,

auch wenn mich das traurig macht hast du wohl leider im recht. Natürlich versuchen wir hier als Verein Hilfestellung zu geben und setzten uns in den entsprechenden Gremien auch für Patientenrechte ein. 

Allerdings muss man auch ehrlich zugeben das wir als kleiner Verein nicht die Welt retten können. Wie bei allen Dingen bei denen es um Rechte geht gibt es meistens nur vier Lösungen:

1) Man hat so viel Geld, dass einen das Problem nicht interessiert weil es sich einfach mit Geld Lösen lässt.
2) Man hat genug Geld um sich von einem Fachanwalt (gute Chancen) oder wenigsten den VDK (mittlerer Chancen) helfen zu lassen.
3) Man hat genug Zeit und Motivation sich selber drum zu kümmern. (Hier können wir bedingt helfen)
4) Man hat auch die Körperlich und Mentalen Ressourcen.

Wenn Zeit, Geld oder Kraft nicht da sind wird es leider schwierig - und das ist tatsächlich traurig weil es wohl auf viele zutrifft.

Die vielleicht noch beste Nachricht dabei ist, das die Einstiegshürden wenigstens im Fall der Hilfsmitelversorgung nicht besonders hoch liegen. Die ganze Sache hat ja wie sonst auch üblich verschiedene Eskalationsstufen die man nicht alle nehmen muss.  

Das einfachste ist erstmal einen Brief an die Krankenkasse zu schreiben, in dem man die persönliche Situation zu schildert - also warum man mit den angebotenen Hilfsmitteln nicht klar kommt und daher ein Produkt mit bestimmten Anforderungen - z.B. "aufsaugende Inkontinenzhosen mit hoher Saugleistung"  benötigt und dann um die Bewilligung von Hilfsmittel X in Menge Y zu bitten. Ein passendes Attest ist dabei hilfreich aber kein muss wenn die Sache aufgrund der Erkrankung eigentlich klar ist. 

Der Brief muss keinen Doktorarbeit sein. Im Prinzip reicht es aus, einfach, ehrlich und nachvollziehbar das Problem schildern. Ich würde behaupten das man in 50% der Fälle eine Lösung zusammen mit der Kasse findet wenn man den Entscheidungsprozess entsprechend konstruktiv voran treibt. 

Wenn es zu einer Ablehnung kommt, kann man immer noch überlegen damit zum VDK oder zum Anwalt zu gehen, den Widerspruch selbst zu schreiben oder aufzugeben. 

Es aber erst garnicht erst zu versuchen ist aber ein bisschen wie Geld liegen lassen. 
 
Wichtig ist dabei eigentlich nur, sich vorher überlegen wie man im Fall einer Ablehnung weiter macht. Wenn es "nur" um der Versuch der gütlichen Einigung mit der Kasse geht, kann man gleich los legen. Wichtig ist nur, den behandelnden Ärzten vorher bescheid zu sagen, da die ggf. vom MDK angeschrieben werden und dann den Fall auch kennen sollten. 

Wenn man den Eskalationsfall - also Widerspruch und ggf. Sozialgerichtsverfahren - mitdenkt, sollte man bereits im Vorfeld wissen wen man im Fall eines notwenigen Widerspruches oder der Klageeinreichung hinzu ziehen kann. Das ist wichtig, weil es ab dem Widerspruch Fristen gibt die man selber eingehalten muss (i.d.R. 4-Wochen). Gleiches gilt auch, wenn man vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse aufgefordert wird Atteste beizubringen. Die sollten also zweckmäßiger weise auch vorher da sein, weil es sonst ggf. schwierig werden kann die in einer Wochen von den Ärzten zu bekommen.  

Ich habe das auch ohne Anwalt und VDK gemacht weil ich wusste , dass ich das bis zum Gerichtsverfahren auch alleine hin bekomme. So weit kam es bei mir aber garnicht. Die Sache wurde gleich bewilligt. Lediglich bei der Beantragung der Rückerstattung der Auslagen (ich hatte die Hilfsmittel ja seit der Beantragung weiterhin selbst bezahlt) musste ich Widerspruch einlegen - der dann aber auch problemlos durchging.   

Vielleicht mach das ja etwas Mut es wenigstens zu versuchen, denn es muss nicht immer mit Anwälten und Gerichtsurteilen enden. Außerdem hat man zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit für sich selbst die Reißleine zu ziehen und zu sagen das ist mir zu jetzt zu anstrengend oder kompliziert und ich will nicht mehr. Aber dann hat man es wenigstens versucht.  

Viele Grüße
Michael

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2 Wochen 3 Tage her #52744 von martinK
Hallo zusammen

Da ich in der Schweiz lebe, betrifft mich die Inkontinenzhilfsmittelversorgungssituation, welche in Deutschland vorliegt, nicht. Dennoch ärgere ich mich darüber, dass so etwas in einem reichen und fortschrittlichen Land vorkommen kann. In anderen Bereichen ist es selbstverständlich, dass betroffene Menschen Zugang zu adäquaten Hilfsmitteln haben. Es gibt heute so gute Inkontinenzhilfsmittel, die dicht sind und erst bei grosser Füllung rücknässen. Da sollte es doch möglich sein, dass nicht nur jene, welche sich diese Hilfsmittel leisten können, davon profitieren können. Eine passende Versorgung kostet auch bei schwerer Inkontinenz verglichen zum Benefit, den man damit erzielt, nicht die Welt.

Ich verstehe nicht, weshalb der Versorger überhaupt mitbestimmen kann, welche Hilfsmittel einer betroffenen Person zustehen. Das müsste doch allein zwischen Krankenkasse und behandelndem Arzt geklärt werden, und wenn die Krankenkasse das Rezept akzeptiert, muss sie auch für die Kosten aufkommen.

Persönlich denke ich, dass der Onlinehandel im Bereich der Inkontinenzversorgung gut ist, weil er dazu beiträgt, die Kosten mittelfristig zu senken. Mein Eindruck ist, dass der Markt ziemlich zersplittert ist, es gibt sehr viele Hersteller. Dies deutet darauf hin, dass der Druck auf die Hersteller, ihre Kosten oder Margen zu senken noch nicht besonders gross ist. Ich erwarte, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird, was auch zur Verbesserung der Versicherten beitragen sollte. Natürlich erschwert der Onlinehandel das Leben von Sanitätshäusern im Bereich der Inkontinenzhilfsmittelversorgung, aber das finde ich persönlich nicht so tragisch. Die Beratung kann ja telefonisch oder per Mail erfolgen, und man muss sich die Hilfsmittel ja nicht ‚vor Ort’ anschauen, um sie zu testen. Bei Kleidern oder Schuhen sehe ich das aber wie Mona, die kaufe ich nie online ein.

Valerie, wenn Du nur sporadisch hochwertigere Hilfsmittel benötigst, wäre es nicht möglich, eine Pauschale von der Krankenkasse gutgesprochen zu erhalten, welche die Kosten decken würde? Ein Windelslip pro Tag plus 1-2 Einlagen müssten da ja drin liegen, oder nicht?

Mona, lass Dich nicht kleinkriegen! Ich würde den Ratschlag von Michael befolgen und der Krankenkasse schreiben. Allenfalls kann Dich Deine Ärztin oder Dein Arzt dabei unterstützen.

Herzliche Grüsse
Martin

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2 Wochen 3 Tage her #52749 von MichaelDah
Hallo Martin,

das ist in Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern in Europa und der Welt tatsächlich etwas kompliziert. Die Schweiz ist da eher eine löbliche Ausnahme.

Grundsätzlich ist es in Deutschland - wie vermutlich auch in der Schweiz (da kenne ich mich nicht so gut aus) schon so, das Hilfsmittel gleich welcher Art durch die Krankenkasse bewilligt werden müssen. Man kann sich allerdings vorstellen, das es sehr unökonomisch für die Kassen währe jedes Hilfsmittel einzeln zu bewilligen. Aus diesem Grund schließen die Krankenkassen in Deutschland mit sogenannten Leistungserbringern Verträge ab, in denen sie den Leistungserbringer dazu ermächtigen rezeptierte Hilfsmittel zu vertraglich vereinbarten Kosten abzugeben und dann nach dem geschlossenen Vertrag mit der Krankenkasse abzurechnen. 

Die Krankenkassen verzichten dabei auf ihr Recht der Einzelprüfung und überlassen dem Leistungserbringer die wirtschaftliche Freiheit entweder selbst Verträge mit Herstellern abzuschließen schließen oder als Hersteller eine angemessene Produktauswahl vorzunehmen. Die Kriterien hierzu sind u.a. durch die GKV, im Hilfsmittelverzeichnis und im zugrundeliegenden Vertrag mit der Krankenasse festgelegt.   

Die Schweiz löst das soweit ich weiß anders und stellt dem Betroffenen einen gewissen Betrag pro Jahr zur Verfügung. 

An diesem Vorgehen ist prinzipiell erstmal nichts falsch, den es hilft die Kosten des Versicherers - und damit auch der Versicherungsgemeinschaft im Rahmen zu halten. Problematisch wird es, wenn sich die Leistungserbringer nicht an die, mit der Krankenkasse geschlossenen Verträge halten - was nach dem was wir so mitbekommen wohl leider öfter der Fall ist. Darüber hinaus kann man sicher hinterfragen ob ein Unternehmen, das so einen Vertrag mit der Kasse hält überhaupt objektiv und unvoreingenommen Beraten kann. 

Dieses Verhalten wird von den Krankenkassen jedoch bislang kaum sanktioniert, da diese ihrerseits durchaus Problem haben überhaupt Leistungserbringer zu finden, die bereit sind für die für bestimmte Hilfsmittelgruppen angebotenen Pauschalen zu liefern. 

Die Verträge der Krankenkassen mit dem Leistungserbringer sehen für die Monatsversorgung eines Patienten mit aufsagenden Hilfsmitteln - Beträge zwischen 18 - 30 € vor. - egal welcher Inkontinenzgrad vorliegt. Es dürfet klar sein, das sich mit diesen Beträgen kaum noch signifikante Margen zu realisieren lassen und erklärt auch warum Leistungserbringer öfter mal nicht Vertragskonform reagieren wenn eine "wirtschaftliche Aufzahlung" abgelehnt wird. 

Die Krankenkassen sind sich dieses Problems durchaus bewusst und oft bereit eine Lösung zu finden - wenn sie danach gefragt werden. Nur man muss halt auch danach fragen - denn rein Formal betrachtet haben sie erstmal die Aufgabe der Beratung und Leistungserbringung an ihre Vertragspartner abgegeben. 

Wenn sich herausstellt, das die Versorgung - aus welchen Gründen auch immer - nicht durch die Leistungserbringer im Rahmen der durch die Krankenkasse geschlossenen Verträge erbracht werden kann, besteht selbstverständlich nach wie vor die Möglichkeit der Einzelfallprüfung. Genau das hatte ich versucht in meinem letzten Beitrag zu erklären. 

Die Vermutung das der Markt stark fragmentiert ist, trifft übrigens nicht zu. Wenn du einen Blick in das Hilfsmittelverzeichnis  (Produktgruppe 15) des GKV wirfst findest du etwa 10 Hersteller, die den deutschen Markt beliefern. Die Aufteilung des Marktes ist dabei nicht proportional. Neuzugänge gab kaum. Betrachtet man die letzten 10 Jahre haben aus meiner Sicht einzig TZMO und Drylock Technologies das Potential die Aufteilung der Torte etwas mehr zu ihren Gunsten zu verschieben - wobei die bekannten und etablierten Player da natürlich nach Kräften gegenhalten.  

Eine Veränderung der Wettbewerbssitution, die dazu führt das sich Preise verringern ist aus meiner Sicht eher nicht zu erwarten. Zur Zeit ist eher das Gegenteil der Fall, da der Kostendruck zum einen durch gestiegene Rohstoff- und Energiepreise aber auch durch mögliche Sourcing Probleme die sich aus Problemen der Klimaerwärmung ergeben zu weiteren Preissteigerungen führen wird. 

Fluff - also der Zellstoff aus dem die Produkte bestehen wird aus Holz gewonnen und die Tatsache das man in der Standardisierung bereits über Methoden zum Recycling nachdenkt, die es ermöglichen den Zellstoff der _benutzen_ Produkte so gut wieder zu recyceln, dass sich daraus auch wieder Hygieneprodukte und nicht nur Pappkartons herstellen lassen verdeutlicht das Problem möglicherweise etwas.

Zu dem Thema "Pauschale": Es wurde hier berichtet, dass einige das für sich so mit der Kasse geregelt zu haben. Formalrechtlich ist das wohl auch möglich. Allerdings sind das dann die Pauschalen die von der Krankenkasse auch an die Leistungserbringer gezahlt werden - also je nach Kasse zwischen 18 und 30€. 

Damit lässt sich eine schwere Inkontinenz aber nicht ausreichend versorgen und ich persönlich würde inzwischen stark von solchen Kompromissen abraten, da der Aufwand sie auszuhandeln vermutlich ähnlich hoch ist wie eine Einzelfallprüfung herbeizuführen - mit dem Unterschied das nach erfolgreicher Einzefallprüfung alles bis auf 10€ monatliche gesetzliche Zuzahlung übernommen wird. 

Wenn die Prüfung zu Ungunsten des Patienten ausfällt, schafft die Ablehnung überhaupt erst die Voraussetzung dafür gerichtlich gegen die Entscheidung der Krankenkasse vorgehen zu können. Aber wie gesagt - das muss nicht passieren und in vielen Fällen wird man gemeinsam mit der Krankenkasse eine akzeptable Lösung finden.

Viele Grüße
Michael

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2 Wochen 3 Tage her #52750 von Vallie
Hallo Michael,

ich finde Deine ausführlichen Hintergrundinformationen sehr hilfreich, um den Komplex Hilfsmittelversorgung besser zu verstehen.
Als ich mich vor zwei Jahren erstmals um die Versorgung gekümmert habe, damals mit sehr, sehr ausgeprägter Harninkontinz und Stuhlinkontinenz und nur diese Nona- Einlagen (ein Witz), anfangs nichtmal die Plastikslips, ohne Zuzahlung angeboten bekommen habe, bin ich durchaus zu meiner Krankenkasse gegangen, um dieses Problem dort zu klären. 
Ein sehr freundlicher Mitarbeiter erklärte mir damals, dass er das Problem kennt, leider rein gar nichts machen könne, dafür seien ausschließlich die Vertragspartner zuständig. 
Und ja, die meisten Versicherten würden es so machen, dass sie sich in Aktionzeiten beim Drogeriemarkt eindecken. 
Verständnisvolles Schulterzucken vom Krankenkassenmitarbeiter, ohne jeglichen Lösungsansatz.
Ich hatte den Eindruck, dass es die KK überhaupt und gar nicht interessiert, ob der Vertrag mit den Versorgungspartnern eingehalten wird und sie fälschlicherweise behaupten, nicht mein Ansprechpartner bei Nichteinhaltung zu sein.

Grüße von Valerie

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  • Helmut 60
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2 Wochen 2 Tage her #52754 von Helmut 60
Hallo Valerie,

ich denke wir sind uns alle einig, dass die bestehende Versorgung über KK / Versorgungspartner indiskutabel sind. Die Krankenkassen wollen so wenig wie möglich zahlen (die TK, in der ich bin, zahlt irgendetwas um 18,-/Monat an Versorgungspartner), der Versorgungspartner hat eben nur diese 18,- im Fokus und musst alles, was darüber hinausgeht, mit "Überschüssen" von nur leicht inkontinenten Kunden querfinanzierten und liefert dementsprechend nur die einfachsten, in meinen Augen untauglichen Nona-Produkte. Die KK verweist auf die Versorgungspartner, der für die Produktauswahl zuständig ist, dieser verweist wiederum auf die KK, weil diese nur so wenig pro Monat bezahlt, und der Leidtragende sind wir.

Wenn man nur einmal ein vernünftiges Hilfsmittel von Tena, Abena, Attends oder einigen anderen benutzt hat, möchte man die Nona-Produkte nicht mehr an seine Haut lassen! Solche Markenprodukte sind übrigens wesentlich leistungsfähiger, angenehmer und auch - zum Teil erheblich - billiger als alles, was man bei DM, Rossman oder in allgemeinen Supermärkten im Regal findet - sofern man ein wenig im Online-Handel recherchiert.


@Mona: wenn dein Versorgungspartner sich querstellt, nimm doch einfach einen anderen! es gibt hunderte anerkannte Versorgungspartner, da finden sich doch Alternativen!

Und nochmals: ich meine mich erinnern zu können, dass du nachts keine Windeln benötigst. Ich würde einfach mal probieren, wie du z.B. mit den Tena Proskin Plus Slip zurechtkommst; sie haben in Größe M eine ISO Saugleistung von 2.100ml, was in der Praxis ca. 600 - 700 ml entspricht; Mit zwei Stück könntest du über den Tag kommen, sie kosten bei einem meiner Online-Lieferanten zur Zeit 0,51 € / Stück - da würde dich die Monatsversorgung 30,- kosten. Über die KK musst du ja auch 10,-Monat Eigenanteil zahlen - könnte eine bessere, angenehme Versorgung nicht 20,- / Monat wert sein? Für etwas besseres als Nona müsste du echt mit der KK den "Kampf" aufnehmen. Aber das ist natürlich ganz deine Entscheidung - nicht nur monetär, sondern vielleicht auch einfach aus Prinzip, was ich auch sehr, sehr gut verstehen kann

Viele Grüße
Helmut

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  • Vallie
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2 Wochen 2 Tage her #52755 von Vallie
Hallo Helmut,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
Du hast Monas und meinen Fall etwas durcheinander gebracht, aber das macht nichts, es geht schließlich ums gleiche Thema.
Ich merke, wie mir die verschiedenen Rückmeldungen hier grade wirklich guttun. Auch, dass Dir gleichfalls nur die Nona-Produkte angeboten wurden. Bisher hatte ich immer das Gefühl, ich bin die einzige, die keine halbwegs tauglichen Produkte über den Vertragspartner angeboten bekommen hat.
Michaels Info zu der Herstellung, den Ressourcen, finde ich in den ganzen Überlegungen auch nicht unerheblich.
Einerseits denke ich tatsächlich: Das Private ist politisch. Und mir scheint es wichtig, für eine alltagstaugliche Versorgung über die Krankenkasse zu kämpfen. Ich war zwar nie bei einer Hausbesetzung dabei, um auf Wohnungsnotstand aufmerksam zu machen, aber im Prinzip ist das meine DNA.
Andererseits ist da immer die Gefahr, die eigene Lebensqualität auf Kosten der Prinzipien sehr einzuschränken. Ich werde hier jetzt keine Details schildern, zu welchen Situationen meine Unterversorgung mit tauglichen Hilfsmitteln geführt hat, aber lustig waren sie nicht.
Mir ist bei allem auch sehr bewusst, dass ich für die Solidargemeinschaft definitiv eine fette Belastung bin, seit es zu der Lähmung kam.
Ich empfinde eine große Dankbarkeit für alle Hilfsmittel, die ich erhalte.
Ich werde mit hervorragenden Kathetern versorgt. Das benutzte, sehr geschätzte Irrigationsprodukt hat einen nahezu obszönen Preis. Wie sich der immense Preis der Kontinenztampons erklärt, wird nur der Hersteller wissen. Ich bin also nicht in einer Ich-will-alles-und-das-umsonst-Haltung gefangen.
Es piesackt mich aber durchaus, dass ich den Eindruck habe, es gibt nicht durch Zufall grade bei der Versorgung mit aufsaugendem Material das Manko. Weil man sich dort das gesellschaftliche Tabu und daraus resultierende Schamgefühl der Betroffenen zu Nutze machen kann.
Spannend finde ich jetzt aber erstmal den von Dir erwähnten niedrigen Preis.
Die wirtschaftliche Aufzahlung geht bei Markenprodukten gegen 1 €. Alles, was ich bisher online gesehen habe, war auch in diesem Spektrum.
Ich bekomme die Pants von Facelle, die nicht perfekt, aber halt okay sind, bei Rossmann bisher in Angebotszeiten für gute 0,30 € normal kosten sie 0,43 € in meiner Größe, die ich allerdings nie bezahlt habe. Ich bin also davon ausgegangen, dass die Preisdifferenz zu Markenprodukten viel größer ist.
Jetzt Frage ich mich, ob die von Dir genannten Preise über Amazon gelten? Anders als Mona, finde ich es im Rahmen der Effizienz durchaus akzeptabel, Inkomaterial online zu bestellen, bin aber auch bei Martin, dass ich nicht auf die Idee käme, Kleider, Schuhe u.ä. aufs Geratewohl zu bestellen. Amazon ist für mich jedoch keine Option. Falls der günstige Onlinehandel, den Du erwähnst, außerhalb von Amazon zugänglich ist, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.

Nochmal ein Dank an alle hier für die verschiedenen Aspekte.

Grüße von Valerie

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  • MichaelDah
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2 Wochen 2 Tage her #52756 von MichaelDah
Hallo Vallie,

ich hoffe meine Erklärung ist nicht so rüber gekommen, das Menschen die Hilfsmittel benötigen eine starke Belastung für die Solidargemeinschaft sind... Das ist tatsächlich nicht der Fall.

Man muss die Zahlen mal in das Verhältnis setzten - hier nur mal im Bereich der Gesundheit: 

Geschätzt rund 60 Milliarden Euro gehen den gesetzlichen Krankenkassen durch versicherungsfremde Leistungen im Jahr verloren, das entspricht etwa dem geschätzten Betrag der innerhalb der _gesamten EU_ für die Behandlung und Versorgung von Inkontinenz Betroffenen ausgegeben wird. Anders ausgedrückt: Wenn alle Beteiligten das zahlen würden was sie theoretisch müssten könnte man mit dem aktuellen Fehlbetrag die Behandlung und Versorgung aller von Inkontinenzbetroffenen innerhalb der EU bezahlen.

Über die Kosten die durch Alkohol, Zigaretten und Fehlernährung unserem Gesundheitssystem entstehen will ich jetzt garnicht erst anfangen nachzudenken. Wenn man das alles mal in das Verhältnis setzt ist die Behandlung und Versorgung inkontinenter Spott billig. 

Siehe: 

Gesundheitsreform
Kosten Harninkontinenz

Man kann sicher die Frage stellen, warum die Kosten für die Behandlung und Versorgung der Inkontinenz in Deutschland so hoch sind wie in kaum einen anderen EU Land. Diese Frage müsste man aus meiner Sicht aber nicht den Betroffenen gestellt werden sondern denjenigen die unser Gesundheitssystem zu verantworten haben. Das es da gewisse Probleme gibt hat vermutlich jeder von uns schon mal auf die eine oder andere Art festgestellt.

Das liegt u.a. daran, das unterschiedliche Behandlungen und Untersuchungen unterschiedlich vergütet werden. Unsere Krankenhäuser und Ärzte sind gewinnorientierte Unternehmen. Die logische Konsequenz ist, das vorrangig das gemacht wird was gut vergütet wird - die Behandlung und Diagnostik im Bereich der Inkontinenz gehört da nicht unbedingt dazu - und wenn dann nur die Operative. 

Zum Thema Hilfsmittel kaufen: 

Helmut hat recht, wenn er sagt das Markenprodukte im Onlinehandel oft preiswerter sind als in der Drogerie. Amazon ist da übrigends nicht unbedingt das Maß der Dinge. Es gibt verschiedene Portale zur Preisermittlung wie z.B. Medizinfuchs die sich hierfür gut nutzen lassen. Wer selbst kaufen will, ist mit den Leistungserbringern der Krankenkassen oft schlecht beraten. Die Hilfsmittel sind da trotz Zuzahlung der Krankenkasse i.d.R. teuer als ohne Kassenleistung im Onlinehandel.

Viele Grüße
Michael

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