question-circle Frage Betreibe ISK seit sechs Wochen und schon zwei Mal HWI bekommen

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3 Monate 1 Woche her #52775 von Petra 69
Guten Abend Matti!

Super Erklärung zum Aufbauen von Toilettenpapierbergen auf der WC Brille. Als ich meine Behinderung noch nicht hatte, habe ich genau DAS immer gemacht. Schon als kleines Kind wurde mir beigebracht, dass man sich so am Optimalsten schützen kann und da funktioniere ich ein bisschen wie der Pawlowsche Hund. Gut antrainiertes Verhalten: Klobrille = Klopapier.
Das hatte ich bis gerade eben nicht mal im Ansatz hinterfragt, bis ich deinen Chat gelesen habe.

Ich habe mir Sagrotan Flächendesinfektion zum Desinfizieren der Klobrille in meiner Schule zugelegt. Also auch davon Abstand nehmen?

Von der Firma Coloplast habe ich für unterwegs SpeedyCath bestellt, Katheter mit integriertem Beutel, also genau das, was du geschrieben hast.
Die Lieferung kommt am Montag.

Und damit für mich die nächste Hürde, nein, ich sollte es besser Challange nennen...
ISK im Stehen... ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich so meine winzig kleine Harnröhre finden soll.
Aber ich werde das demnächst bestimmt üben. Nur jetzt noch nicht. Ich bin so froh, dass es im Sitzen auf der WC Brille so gut funktioniert.

Auch dir nochmal ein rieeeeesiges Dankeschön, dass du mich, ebenso wie Valerie, so gut und umfassend mit meiner neuen Einschränkung abgeholt hast. :)

Jetzt aber: Gute Nacht!
LG Petra

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3 Monate 1 Woche her #52781 von Vallie
Hallo Petra,

spannend, ich dachte immer, dass sich keine Frau ohne Mobilitätseinschränkung je auf die Brille eines öffentlichen WCs setzt. Wieder etwas gelernt.
Ich schildere mal, wie ich vorgehe.

Nach Türklinke betätigen mit Papiertuch, schliesse ich damit in der Hand die Tür ab, wenn der Deckel unten ist, hebe ich ihn damit an, wenn die Brille oben ist, lasse ich sie damit runter. Ich berühre nie Brille, Deckel, Schüssel. Papier erstmal auf Boden werfen, falls ein Mülleimer mit Fusspedal vorhanden,  direkt entsorgen.
Ich habe einen einfachen, rechteckigen Taschenspiegel auf der Rückseite mit einer Antirutschmatte beklebt, diesen nehme ich jetzt mit Daumen und Zeigefinger an den kurzen Seiten und positioniere ihn vorne mittig auf der Brille. Der Spiegel ist leicht länger als die Brille breit, also keine zu große Kontaktgefahr, dennoch aufpassen.
Vor die Toilette stellen, als ob man sich hinsetzt, Beine wenige Zentimeter vom WC entfernt. Ganz leicht in die Hocke gehen, so dass der Harnröhrenbereich über dem Spiegel ist.
Katheter ein kleines Stück einführen, so dass er nicht wieder rausrutscht, aber noch nichts hinausfliesst. Um das unfallfrei zu üben, kann man einen Katherstopfen in den Konnnektor stecken.
Jetzt ein klein wenig mehr in die Hocke gehen, aber letztlich muss man nur den Griff Richtung Schüssel drehen, komplett einführen.
Laufen lassen.
Zuhause mache ich es nicht viel anders, ausser dass ich mich dann hinsetzte.
Und wenn ich ab und an den Messbecher nehme, um Miktionsmengen zu checken, richte ich mich nach dem leichten Einführen wieder grade auf, schnappe mir mit der Spreizhand den Becher und kathetisiere im Stehen.
Sollte ein WC in einem Zustand sein, bei dem mir nicht danach ist, meinen Spiegel auf die Brille zu legen, habe ich alternativ immer einen kleinen Fingerspiegel dabei. Dauert einen Moment länger damit, aber hygienisch noch sicherer, und für Outdoor-ISK ist er eh immer dabei.
Beim Betätigen der Spülung kommt das erste Mal Haut von mir in Kontakt mit einer Oberfläche, was sich natürlich vermeiden liesse. Aber danach ist mir alles egal. Solange ich meine Hände danach waschen kann. Sollte ich nochmal überdenken, merke ich gerade.

Zum Händewaschen.
Bei meiner Einweisung ins ISK in einer Klinik war sogar die Nutzung von Desinfektionsmittel angesagt. Wie mir danach bei der Beantragung der verschiedenen ISK- Hilfsmittel gesagt wurde: braucht es nicht, da es eine kontaktfreie Anwendung ist.
Antibakterielle Produkte kaufe ich nie, gehen immer auch die guten Bakterien kaputt.
Ich benutze Isana Med seifenfreie Waschlotion, parfumfrei, hautneutral, für empfindliche Haut.

Bei Hygiene geht es doch vor allem um ecoli-Bakterien, die sich im Darm tummeln. Wichtig ist also vor allem, beim Säubern nach hinten wischen, allgemein diesen Aspekt immer im Kopf zu haben.

Noch ein Punkt zur Vermeidung von HWI.
Das wichtigste ist immer, ausreichend zu trinken, 1,5-2l, am bestem Wasser. Aber vor allem ungesüßt. So wird die Blase und die Harnröhre gut durchgepült, es kann keine zu hohe Konzentration an Bakterien entstehen.
Mit Zucker füttert man die Bakterien.

Grüße von Valerie

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  • Petra 69
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3 Monate 1 Woche her #52783 von Petra 69
Guten Morgen Valerie!

Wieder großartige Infos! Dankeeeee schön!

Ich habe auch nur diese kleinen Taschenspiegel, eine Seite aber mit 3-fache Vergrößerung. Das hilft mir enorm!
Ähnlich wie du, habe ich versucht, nachdem ich einen Spiegel auf der Rückseite mit einer Sauggummimatte beklebt hatte, diesen auf dem Toilettendeckel zu befestigen. 
Aber das hat ungefähr gar nicht funktioniert. Der Spiegel hat den direkten Weg in meine Toilette gefunden...
Also klemme ich den Spiegel mit unter das Klettband an meinem Bein. Da dort auch die Stirnlampe positioniert ist, ist das Sichtfeld auf dem Spiegel ein wenig eingeschränkt, aber es ist trotzdem gut für mich händelbar.

Deine Erklärung zum `im Stehen` ablassen ist sehr hilfreich. Wenn ich das korrekt verstanden habe, ist deine Position umgekehrt. Das heißt, Blickrichtung gegen Wand und Spülkasten?
Das kann ich mir im Stehen gut vorstellen, aber auch im Sitzen anders herum??? Ungewohnte Vorstellung.

Ebenso kann ich mir gar nicht vorstellen, wie ich das dann in der Natur bewerkstelligen soll. Aber auch an diese Aufgabe werde ich mir irgendwann herantrauen müssen, wenn ich mich auch wieder in ein Flugzeug traue und ich auch wieder Urlaub machen kann. 

Du kannst übrigens zum Spülen auch deinen Ellenbogen nehmen, das habe ich auch schon immer gemacht, noch bevor ich diese Einschränkung bekam.


Isana Med steht jetzt auf meiner Shoppingliste.
Ich habe auch Sterilium für die Hände gekauft, wenn irgendwo kein (sauberes) Wasser zur Verfügung stehen sollte. Aber das wird frühestens Mitte/Ende 2026 in den Einsatz kommen, wenn ich wieder ins Ausland fliege.
Das Wort Flugzeug ist für mich zur Zeit noch ein rotes Tuch.

Ich habe tatsächlich meine Trinkmengen seit sechs Wochen geändert. Vorher habe ich immer mindestens 2,5 Liter getrunken und bin jetzt auf 2 Liter runtergegangen. Das ist eine gute Menge, so dass ich mit 5 x Katheterisieren am Tag auskomme.
Und ich trinke ausschließlich Wasser, im Winter auch mal einen Tee. 
Und das auch schon mein Leben lang. Nur im Urlaub darf es auch mal eine Cola sein. Aber darüber denke ich nach deinem Chat gerade nach...ich will kein Futterplatz für Bakterien werden.

Abschließend muss ich nochmal auf die Toilettenbrillen zurückkommen.
Wenn du deinen Spiegel dort positionierst, desinfizierst du die Brille nicht vorher mit einem Flächendesinfektionstuch?
Damit habe ich mich nämlich auch schon eingedeckt, da ich ab Anfang Dezember wieder arbeiten werde.

Allerdings findet die Wiedereingliederung für mich, toilettentechnisch gesehen, optimal statt. Nur zwei Schulstunden (entsprechen an unserer Schule auch zwei Zeitstunden, da wir uns vor Jahren schon von der 45-Minuten- Taktung verabschiedet haben)  pro Tag. Und ich wohne nur sechs Kilometer vom Schulstandort entfernt. Großartig - also erstmal wieder meine gewohnte Toilette zu Hause!!!
Aber trotzdem werde ich dann ja irgendwann im nächsten Jahr wieder in Vollzeit arbeiten und muss die Toilettenbesuche dann auch in der Schule hinbekommen.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du dich auf Toiletten außerhalb deines Hauses `getraut`hast?
Ich habe mir einen winzigen Rucksack und eine kleine Bauchtasche zugelegt und diese sind bestückt mit allem, was ich brauche.
Selbst, wenn ich nur zum Einkaufen oder Arztbesuch fahre, habe ich immer eine der beiden Taschen für einen eventuellen Notfall (das ist für mich im Kopf ja noch der Besuch einer fremden Toilette) dabei.

LG Petra

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3 Monate 1 Woche her #52786 von Vallie
Hallo Petra,

wie oben geschrieben, stelle ich mich so vors WC, als ob ich mich hinsetze, was ich zu Hause dann ja auch mache. Also mit dem Rücken zum Spülkasten. 
Der Wahrnehmungsbruch ist also eher beim ISK in den Messbecher. Wenn man vor dem WC steht und nach vorne entleert. Früher habe ich das auf dem Klodeckel gemacht. Da ich zuhause aber mittlerweile nur noch das Deckenlicht brauche, stehe ich mir dann selbst im Licht. 
Also halt ulkiges Gefühl und dafür keinen zusätzlichen Aufwand.

Für den ISK auf öffentlichen Toiletten habe ich am Anfang die Machovariante gewählt, also im Stehen. Aber nicht nur, dass Steherpisser:innen (wenn das mal kein gefundenes Fressen für die AXD ist) nicht grundlos verpönt sind, gab es bei mir noch einen weiteren Aspekt, es zu ändern.
Gerade nach Kaffeegenuss möchte sich meine Blase manchmal so schnell entleeren, dass einiges am Katheter vorbeiläuft. Nicht wirklich gut, wenn man mit runtergelassener Hose vor dem WC steht.

Vorgestern hatte ich die Wahl zwischen Gebüsch mit Semi-Sichtschutz und schauen, wie es mit den Toiletten eines in die Jahre gekommenen Ausfluglokals aussieht. Beides nicht prickelnd, ich habe mich für ersteres entschieden. Aber ohne das Handling mit Kompressen und Sprühflasche ist es auch weniger nervenaufreibend.

Zu dem Aspekt ISK und Flugreise gibt es hier im Forum recht viel, meines Wissens alles gute Erfahrungen. Einfach mal rumstöbern.

Der Spiegel und die Toilettenbrille: Ich bin sehr viel in der Natur unterwegs, bei mir kommt Outdoor-ISK öfters vor als öffentliche Toiletten. Ich habe die ein oder andere Toilette an für mich wichtigen Spots ausfindig gemacht, die ich gerne nutze, da sie gepflegt sind und es dort für mich okay erscheint, den Spiegel hinzulegen. Mal wasche ich den Spiegel gemeinsam  mit den Händen, wenn ich  rausgehe, mal nutze ich den Fingerspiegel. Aber beim Spiegel auf der Brille sehe ich jetzt nicht so die Infektionsgefahr?!? Natürlich lege ich ihn nicht in eine sichtbar verschmutzte Stelle. Manche klemmen wohl auch einen Spiegel mit Halterung zwischen Brille und Schüssel. Das wäre mir dann definitiv auch zu heftig, da bei Frauen, die in der Hocke urinieren, klassischerweise vom Winkel her sehr viel in diesen Bereich spritzt.
Als Antirutschmatte habe ich ein Material, welches extrem stumpf ist. Ich lege den Spiegel immer einen Tuck mehr nach aussen, dass er notfalls nicht in der Schüssel landet.
Aber er ist abwaschbar, kostet nur ein paar Cent, also auch nicht so dramatisch, wenn etwas passiert.
Das Material: Kennst Du diese schweren Matten aus gehechseltem Gummi, die man unter die Waschmaschine legt? Aus diesem Material gibt es auch dünne Matten, als Transportschutz für Rohre z.B., Fensterbauer nutzen sie auch beim Transport. Mir fallen immer mal wieder Abschnitte davon im Rinnstein auf. Wenn irgendwo eine Baustelle ist, mal ums Materiallager rumschleichen...
Ich bin nicht auf Amazon unterwegs, sicher findet man es auch dort.
Ich versuche mit so wenig Equipment wie möglich zu recht zu kommen.
Da ich bisher damit gut gefahren bin, gibt es für mich auch keinen Grund, da penibler zu sein.
Doch sei Dir bewusst, dass das jetzt alles Erfahrungen von -einer- Person sind, also mir.
Zusammengesucht habe ich mir das alles alleine, bevor ich auf das hiesige Forum gestoßen bin.
Viele hier im Forum haben große Probleme mit wiederkehrenden HWIs und schütteln vielleicht beim Mitlesen nur den Kopf.
Deshalb werde ich mich jetzt auch erstmal zurückziehen und anderen die Bühne überlassen, die Dir das Ganze vielleicht nochmal anders einordnen.


Grüße von Valerie
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  • Petra 69
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3 Monate 1 Woche her #52787 von Petra 69
Liebe Valerie!

Vielen Dank, dass du alles so ausführlich und für mich extrem gut verständlich, beschrieben hast.
Das klingt bei dir alles so schön locker und entspannt, da muss ich erst hinwachsen. 
Und dass du es auch draußen managen kannst, macht mir Mut, dass ich das dann auch irgendwann hinbekomme. 
Deine Infos waren für mich Gold wert, da ich die ersten sechs Wochen null Support oder Hilfe hatte.
Das hat mich total runtergezogen, aber deine Power, wie du das alles managst, hat mich super gut wieder aufgebaut!

Liebe Grüße
Petra
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3 Monate 1 Woche her #52789 von Vallie
Liebe Petra,

schön, wenn ich Dir meine Erfahrung weiter hilft. Dafür ist das Forum da.
Ich hatte Deine Frage übergangen, wann  ich das erste Mal auf einer öffentlichen Toilette kathetisiert habe. Da ich glaube herauszulesen, daß Dich das grade echt umtreibt, hole ich das noch nach und führe es etwas aus.
Die Einweisung ins ISK fand bei mir im Rahmen eines stationären Aufenthalts in einer Querschnittsklink statt. 
Fokus auf Hygiene, Vermeidung von Restharn, passende Miktionsmengen. Standardeinweisung ob mit Rolli oder ohne, also im Bett mit angeschlossennem Urinbeutel. Auf Alltagskompatibilität für Fussgänger war das Personal nicht geschult, die Mitarbeiterin des Homecareunternehmens tauchte nach vielen Wochen das erste Mal bei mir auf. Ich musste mir also erstmal alles mögliche alleine zusammenreimen.
Öffentlichen Toiletten finde ich schon immer eklig und habe sie gemieden. Auch wenn ich es echt nicht brauche, daß jemand meinen Boppes durch die Schlehenhecke leuchten sieht, war das für mich noch das kleinere Übel. ISK draußen aber erstmal gar nicht vorstellbar. Ich habe mir dann einen Rucksack gepackt mit einem umlaufenden Reißverschluss, bei dem man also die Vorderseite komplett runterklappen konnte.
Wenn es also keine Ablagemöglichkeit geben sollte, konnte ich ihn auf den Boden stellen und alles auf der runtergeklappten Vorderseite  abstellen. Mir war es wichtig, mich allen Hürden schnell zu stellen, um mir erst gar kein Vermeidungsverhalten anzugewöhnen.
D.h. als ich zuhause war, habe ich mich, wenn ich mich richtig erinnere, nach ein oder zwei Wochen der Challenge gestellt. Und da ging dann auch gleich das Licht aus, aber da gilt halt learning bei doing.
Du scheinst doch eine echt gute WC-Situation in der Schule zu haben. Ich kenne jetzt nicht so genau Deine aktuelle Situation. Aber vielleicht wäre es eine Möglichkeit, Deinen Kollegen einen Besuch abzustatten, bevor Du wieder einsteigst, und dort dann mal zu kathetisieren?

Bei mir ist das jetzt zwei Jahre her, und ich muss mich richtig bemühen, in meinem Gedächtnis noch zu finden, wie das war.
Du siehst, das geht alles, mach Dir keinen zu großen Kopf. Leicht gesagt, ich weiß.

Ein schönes Wochenende wünscht Dir Valerie

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3 Monate 1 Woche her #52790 von kleines-engelchen
Liebe Petra,

auch ich kann mich total in deine aktuelle Situation hineinversetzen. Bzw. ging es mir genauso. Auch ich hatte gar keine Empfindungen bezüglich Entzündungen. Und genau wie bei Dir, hat mich die Urologie darauf aufmerksam gemacht. Ich war echt erstaunt, und schockiert, da ich nichts bemerkte. Als ich auf all die Risiken aufmerksam gemacht worden bin(aufsteigende Entzündung, Nierenschädigung)...usw. kam auch die Angst. Ich nahm bzw. bekam auch Antibiotika. Und wie auch du, fragte ich mich, ob es notwendig sei. Zuerst nahm ich diese natürlich, aber als nach einiger Zeit wieder und wieder eine Entzündung bekam, dachte ich, also ich kann ja nicht andauernt Antibiotika nehmen. Ich war dann bei einem Heilpraktiker, dieser meinte, es kann durch die Restharnbildung kommen und somit waren auch keine Bakterien ersichtlich. Ich habe darauf Cystinol akut bekommen, sowie Cantharis Blasen Globuli. Dies hilft mir total. Vallie und Matti hatten dir auch schon jede Menge tolle Tipps gegeben. Und vo rallem, bist du nicht alleine. Und bezüglich des Spiegels habe ich einen Taschenspiegel mit Licht gefunden(siehe Anhang). Ich klemme diesen zwischen meine Beine und wenn ich unterwegs bin und wirklich mal das Licht ausgeht, drücke ich auf den kleinen Knopf und das Licht geht an. Es reicht mir total aus. Und auch ich habe mir das Desinfizieren abgewöhnt und es geht mir besser.(hier allerdings gehen die Meinungen natürlich auch auseinander) und dies sollte einfach jeder selbst für Sie entscheiden bzw. auch mit dem Arzt absprechen. Bei mir ist weniger mehr:) 
Aktuell verwende ich ISK nur noch nach Bedarf.

Ich wünsche Dir auf diesem Wege alles Liebe und Gute und auch du darfst auf dich stolz sein, genau wie jeder andere hier. Oftmals vergisst man einfach, wenn man einen kurzen Blick nach hinten wirft, was man schon alles geschafft und gemeistert hat.

Ganz liebe Grüße Simone 

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3 Monate 1 Woche her #52791 von Petra 69
Hallo liebe Simone!

Ach, dieses Forum tut so richtig gut! Auch deine Tipps sind weltklasse! Und: I love Matti und Valerie und du mit deinen Erfahrungen on top - sooooooo hilfreich für mich!!!
Ich habe ja sechs Wochen alleine vor mich hin gepuschelt und kannte niemanden in meiner Situation.
Ich habe ein extrem tolles und offenes Kollegium und wir haben gemeinsam an Ideen getüftelt, was alles bei Amazon bestellt werden muss, um mir den ISK so easy wie möglich zu gestalten. Das war auch manchmal urwitzig, weil unsere Kreativität oft in einem Chaos endete
Aber keiner kann sich in meinen Kopf beamen und niemand kann nachvollziehen, wie belastet man nach so einer Diagnose ist.
Anfänglich habe ich gar nicht schlafen können, das ist inzwischen schon mit fünf Stunden am Stück deutlich besser geworden, aber noch nicht gut genug. Wenn ich immer so gegen 3 Uhr nachts wach werde, dreht sich in meinem Kopf alles um dieses neue Leben, das mir so viel von meiner vorherigen Freiheit und Leichtigkeit genommen hat.

Den Spiegel, den du hochgeladen hast, habe ich auch ( ich habe , glaube ich, bei Amazon ALLE Spiegel bestellt :-) ), aber mir reicht das Licht nicht aus.
Du schreibst, du klemmst ihn zwischen die Beine. Das kann ich mir so gar nicht vorstellen, denn ich sitze ja komplett breitbeinig auf dem Klo. Wie managst du das?
Ich habe nur geübt, den Spiegel Mitte Oberschenkel links (bin Rechtshänderin) und Stirnlampe an einem Klettband zu befestigen. Und schräg seitlich habe ich dann den halb geöffneten Katheter gesteckt, um diesen dann kontaktlos in Richtung Harnröhre zu befördern. Das muss ich ja hinkriegen, wenn ich meine Komfortzone zu Hause verlassen muss.

Nur in meinem eigenen Reich fühle ich mich total sicher. Tischchen vor dem Klo mit Spiegel und Lampe, Hände waschen, hinsetzen und in unter einer Minute fertig. Aber das eben auch nur, weil ich meine absolute Ruhe habe.

So erhoffe ich es mir auch, wenn ich Anfang Dezember wieder arbeiten darf. Ich habe dort ein eigenes barrierefreies Klo bekommen, für das angeblich nur ich und die Reinigungskraft der Schule einen Schlüssel haben werden.
Dort würde ich mich dann genauso einrichten, wie zu Hause.

Aber dann ist da ja leider immer noch die maximale Kopfsperre für Toiletten in Restaurants, dem Flugzeug, Veranstaltungsgebäuden...Valerie schreibt ja so locker flockig, wie sie es sogar in der Natur schafft...natürlich möchte ich jetzt schon genau so weit wie sie sein, aber noch Lichtjahre entfernt...

Ich desinfiziere zur Zeit erstmal auch nicht (mit schlechtem Gewissen), weil ja wirklich ALLES im Intimbereich feuerrot ist und brennt. Ich habe eine Salbe bekommen, aber die muss minimal konzentriert sein, denn es bessert sich alles nur ultra langsam.

An den Bereich Heilpraktiker habe ich noch gar nicht gedacht - prima Tipp!
Genau wie du, finde ich erschreckend, nichts zu bemerken von einer Entzündung, was ja gruselig wäre, wenn man sich damit die Nieren auch noch zerstört. Dann ist ja wirklich alles zu spät!

Ich bin zur Zeit bei einem Osteopathen, weil meine Bauchmuskeln ständig angespannt sind. Wahrscheinlich vermissen sie meinen Blasenmuskel. Lediglich im Liegen, und ab und zu im Sitzen, kann ich richtig locker sein, aber beim Gehen erwische ich die Bauchmuskeln immer dabei, wie sie sich maximal anspannen. Dann gebe ich den Befehl zum Entspannen, aber meine Muskeln lassen sich davon null beeindrucken.
Also muss der Osteopath ran. Aber das ist mit Abstand mein aller kleinstes Problem, aber da ich ja noch nicht wieder arbeiten darf, nehme ich erst einmal alles mit, was mir gut tun kann.

Auch an dich noch einmal 1000 Dank für die aufbauenden Worte und die Infos und Erfahrungen aus deinem Leben!

Einen schönen Samstagabend noch!
Petra
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3 Monate 1 Woche her - 3 Monate 1 Woche her #52792 von Matti
Hallo,

jetzt werde ich fast rot  :blush:  , denn dass mich oder zumindest meine Antworten jemand „liebt“, wurde mir in meinen zwanzig Jahren Einsatz noch nie gesagt. Vielen Dank dafür.

Ich verlinke eigentlich ungern auf kommerzielle Angebote, da wir keine Werbeplattform sein möchten. Dennoch gibt es ein System aus Spiegeln, Licht und Berührungsfreiheit, das ich ausgesprochen gut finde. Vielleicht könnte dies eine hilfreiche Lösung sein:

www.mobeli.de/mobeli-teleskopspiegel

Der Vorteil besteht ja darin, dass dieser eigentlich überall angewendet werden kann und viele Vorteile in sich vereint.

Auf der Rehacare hatten wir dieses Thema ebenfalls mit einem Hersteller erörtert. Er brachte dabei einen interessanten Punkt zur Sprache: Besonders bei Personen, die möglicherweise an Spastiken leiden (und dies ist sicher nicht der einzige Risikofaktor), sind herkömmliche Spiegel, die man sich zwischen die Beine klemmt oder am Oberschenkel befestigt, mitunter nicht ganz ungefährlich, da sie zerbrechen können. Für solche Anwendungsbereiche wäre daher eine hochglanzpolierte Edelstahlplatte oder ein ähnliches Material deutlich sinnvoller. Genau dieses Risiko lässt sich mit dem von mir verlinkten Spiegel jedoch nahezu vollständig vermeiden.

Ich habe keine Ahnung was das Teil kostet und ob es dies auch bei anderen Anbietern gibt. Soll ja auch nur ein Tipp sein, ich will es ja nicht verkaufen.

Gruß
Matti

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  • Petra 69
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3 Monate 1 Woche her #52793 von Petra 69
Hi Valerie!

Deine erste Einweisung damals klingt nach anfänglicher Intensität (in der Klinik bestimmt mehrere Stunden?), aber ja trotzdem nicht befriedigend genug für dich, wenn es vorrangig für die Rolli-Fahrer ausgelegt war.

Ich hatte null Unterstützung. Mein Urologe weigerte sich anfänglich auch, mir nach dem Harnverhalt den Dauerkatheter zu entfernen. Also steckte dieses schreckliche Teil bis Ende September in mir.

Im Internet habe ich dann zum ersten Mal etwas über Einmalkatheter gelesen und über Firmen, die diese vertreiben und auch Fachpersonal zum Anlernen beschäftigen.
So kam ich zur Firma Coloplast und hatte dann eine super nette Mitarbeiterin in meinem Haus, die nach einer Delegationserklärung durch meinen damaligen, ersten Urologen nach dem Verhalt, meinen Dauerkatheter gezogen hat und mir sehr geduldig zeigte, wie ich mich selber katheterisieren kann.
Nach einer Einweisungsstunde fuhr die Dame dann wieder. 
Und ich saß alleine und halbdepressiv auf dem Sofa.

Ich habe mir dann eine Urologin gesucht, die richtig gut in ihrem Gebiet ist, was sich aber hier schnell rumgesprochen hat, und somit hat sie immer Full House und einen Termin zu bekommen gelingt mir nur, weil ich Privatpatientin bin. 

Deine Beschreibung vom Outdoor ISK klingt für mich nach einem maximalen Abenteuer. Aber die Idee mit dem Rucksack ist fantastisch. Doch auch wenn ich lese, dass du dich umgehend jeder Challenge gestellt hast, muss ich sagen, dass ich leider nicht so experimentierfreudig bin, um mich für draußen zu präparieren. 
Ist ja momentan auch vieeeel zu kalt draußen (hey, tolle Ausrede, was?).

Allerdings kenne ich auch mein Gehirn und das erinnert mich bestimmt regelmäßig an deinen Chat und dann werde ich mich wahrscheinlich doch früher herantasten, als ich es mir gerade jetzt in dieser Minute vorstellen kann.
Das Gute ist, dass ich genau heute eine Monsterlieferung der Luja Katheter erhalten habe und dann muss ich mir keine Sorgen machen, meine letzten Katheter in einer Testphase zu versauen.

Ich bin krass neidisch auf dich und wünschte, ich wäre zumindest halb so weit wie du. Aber wenn du schreibst, du kannst dich nach etwa zwei Jahren kaum mehr an die Anfangszeit erinnern, macht mir das Mut für die Zukunft.

Tatsächlich habe ich meiner Schulleiterin "angedroht" an diesem Mittwoch in die Schule zu kommen, um MEIN neues Privatklo zu inspizieren und "wohnlich" einzurichten. :-).
Eine Menge meiner Kollegen haben mich in den letzten Wochen auch zu Hause besucht, da ich nur wenige Kilometer von der Schule entfernt wohne, und zeigten ganz viel Interesse an meinen neuen, ungewöhnlichen Toilettenbesuchen.
Also, das läuft alles easy.

Meine Schüler (ich bin Klassenlehrerin einer 7. und 8. Klasse - ja, zwei Klassen - ich habe so viel Energie für die Schule, da reicht eine eigene Klasse nicht aus) werden damit zu 100 % null konfrontiert. Die schreiben mich täglich an und fragen, wann ich endlich wieder an Land komme.
Ich schreibe ihnen dann, dass die Ursache für meine Erkrankung noch nicht von den Ärzten herausgefunden werden konnte und wohl auch nicht herausgefunden wird.
Und das ist ja tatsächlich die Wahrheit. Alle bekannten Ursachen konnten bei mir ausgeschlossen werden.
Und damit verhindere ich, Worte wie Blase, Organ, Lähmung des Muskels...
Und das hat bisher auch immer gereicht. Inhaltlich wollte niemand Konkretes wissen. 

Wenn mir in den nächsten Wochen wieder etwas um die Ohren fliegt und ich nicht weiter weiß, hoffe ich mega stark darauf, dass du auf jeden Fall mit im Boot bist. Nicht nur, weil du inhaltlich ultra tolle Tipps gibst, auch weil dein Schreibstil genial ist.

Und das gilt natürlich auch für Simone, Matti und Maulwurf, die sich mit einbringen und mir Angst nehmen und immer wieder zeigen, dass ich nicht alleine bin.

Jetzt Abendessen für meinen Mann und mich, dann TV glotzen und... 
:sleep: 

Ganz liebe Grüße
Petra




 

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