file Frage Einsamkeit und Inkontinenz: Wie geht ihr im Alltag damit um?

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2 Tage 22 Stunden her #53408 von Fliegenfänger
Hallo Mareike

Du hast eine wunderbare Zusammenfassung der Beiträge geschrieben, die bestimmt vielen helfen wird, die mit unserem Problem leben. 

Wie Martin schreibt, hoffe ich sehr, dass die Inkontinenz auch für dich nicht zum Lebensmittelpunkt wird. Das soll sie nicht werden und mir gibt die Routine viel Sicherheit, welche mir dabei hilft, auch wenn ich mich täglich damit auseinandersetzen muss. Bestimmt wäre es schön für dich, wenn sich auch noch eine Frau zu diesem Thema äussern würde. So viele haben diese Beiträge gelesen …

Ich denke es ist ein Prozess, damit leben zu lernen (und nicht daran zu leiden) und der braucht Zeit, zumindest war das bei mir so.

Alles Gute und viel Kraft!

Liebe Grüsse
Markus

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1 Tag 10 Stunden her - 1 Tag 10 Stunden her #53411 von Fliegenfänger
Hallo Helmut,
Hallo zusammen, 


Machen wir doch mit dem persönlichen und ehrlichen Austausch etwas weiter, wie von Mareike gewünscht.

Ich denke, jede und jeder erlebt Inkontinenz etwas anders und kann damit eigentlich nur für sich selbst sprechen. So auch ich. Die Inkontinenz, der Umgang damit, die Hilfsmittel: alles hat sich bei mir im Laufe der Jahre verändert und verändert sich noch. 

Begonnen hatte das Ganze bei mir vor 11 Jahren mit einer beidseitigen Leistenoperation, kombiniert mit der OP eines Nabelbruchs. Offenbar ist dabei das ganze Gefüge in meinem Bauch durcheinander geraten oder ein Nerv wurde verletzt. Nach dem Abschwellen von faustgrossen Hämatomen im Bauchraum begann ich Urin zu verlieren. Erst nur wenig und nur tagsüber und Einlagen reichten aus, dann verlor ich immer mehr und nach einiger Zeit, entleerte sich plötzlich jeweils auch nachts im Schlaf meine Blase vollständig. Später kam eine Stuhlinkontinenz (mit der gleichen Symptomatik) dazu, die ich zum Glück unterdessen recht gut im Griff habe. Die Abklärungen der Ärzte verschiedener Disziplinen ergaben lediglich die Diagnose der Dranginkontinenz. Therapien, verschiedene Medikamente brachten wenig, ausser Nebenwirkungen. Eingriffe wie Botoxinjektionen oder Blasenschrittmacher lehnte ich ab und so lebe ich heute mit Hilfsmitteln. 

Auch der Umgang mit meiner Inkontinenz hat sich in all den Jahren verändert. Kriegte ich zu Beginn fast Panik, wenn sich die Blase meldete und lief den Toiletten nach, tue ich das heute nicht mehr, und wenn gerade kein Klo in der Nähe ist oder es schwierig ist, aus einer Situation einfach weg zu gehen, benutze ich das Hilfsmittel. Dafür ist es da. Meine Einstellung diesbezüglich hat sich im Laufe der Zeit geändert. Früher suchte ich das Hilfsmittel nur im absoluten Notfall zu benutzen, heute ist das anders. Der Stress ist dadurch weniger geworden und dementsprechend auch mein Leidensdruck. Das Leben hat sich für mich so verbessert.

Damit haben sich aber auch die von mir benutzten Hilfsmittel verändert. Waren es zu Beginn noch Einlagen und Pants mit mittlerer Saugstärke, sind es heute Hilfsmittel mit einem eher grösseren Saugvermögen, damit ich, wenn möglich, mit einem Wechsel durch den Tag komme. Der Unterschied in der Dicke zur mittleren Saugstärke ist meist nicht sehr gross, die Hilfsmittel werden immer besser. Lieber Helmut, zur Ehrenrettung der Pants, die du verfluchst: ich mag sie und benutze sie oft. Ja, du hast recht, sie sind teuer, eignen sich nicht für alles und die Saugfähigkeit ist weniger als bei Vorlagen oder Klebewindeln. Aber sie sind bequem und praktisch und es verrutscht nichts. Deshalb benutze ich sie meist für den Sport: leicht Pants mit einer mittleren Saugfähigkeit, die aber notfalls eine Blasenfüllung aufnehmen können. Wenn ich unterwegs bin und ich verwende Pants, nehme ich solche mit einer grossen Saugstärke und ziehe eine Fixierhose darüber an. Damit kann ich das Hilfsmittel wechseln, ohne mich untenrum komplett auszuziehen zu müssen. Ich reisse die Pants auf den Seiten auf, ziehe sie weg und wechsle mit einer Vorlage, mit oder ohne Gürtel. Letztere  sind zwar ähnlich praktisch und bequem wie Pants, aber bei denen zwicken mich oft die Klettverschlüsse in der Bauchfalte. Der «Trick» mit der Fixierhose hat allerdings den Nachteil, dass sie noch zusätzlich warm gibt – im Sommer dann zu warm, wo Hilfsmittel sowieso  schon nicht sonderlich angenehm zu tragen sind. Daher verwende ich im Sommer lieber saugfähige Vorlagen mit einer dünnen Fixierhose.

Nachts nehme ich derzeit entweder eine saugfähige Klebewindel oder eine entsprechend grosse Vorlage. Damit komme ich in der Regel gut durch die Nacht, ohne das Hilfsmittel wechseln zu müssen. Ausnahmen gibt es, wenn sich die Blase im Schlaf oder Halbschlaf entleert. Da ich Seitenschläfer bin, kann es dann seitlich oder nach oben hin feucht werden. Wenn ich aufwache und das spüre, wechsle ich lieber sicherheitshalber. Eine Zeit lang versuchte ich es mit der Urinflasche, aber da ich mich sehr wenig spüre und der Drang dann ganz plötzlich und sehr heftig wird, kam es immer wieder einmal zu kleineren «Unfällen», wo es in der Eile zu «Anschlussfehlern» meinerseits kam und beim Urinieren Urin aus der Flasche zurücklief. Resultat: Windel trocken, ich und die Unterlage nass. Daher lasse ich das und benutze die Windel. Aufstehen bzw. Toilette ist auch keine Option, denn meistens fängt sich die Blase spätestens nach dem Aufstehen an zu entleeren. Blitzschnelles Aufstehen und Sprint zur Toilette ist auch nicht drin, meine Glieder und Gelenke sind, trotz viel Sport, mit den Jahren etwas steifer geworden …

Das Kondomurinal ist bei schlechteren Inkontinenzphasen ein Segen, um nicht ständig eine Toilette aufsuchen müssen. Früher benutzte ich es häufig, heute weniger, meist nur noch zur Arbeit oder zu Ausflügen, um nicht das Hilfsmittel wechseln zu müssen. Die Stuhlinkontinenz war mit ein Grund, weshalb ich wieder vermehrt aufsaugende Hilfsmittel benutze. Vor einigen Jahren benutzte ich das Kondomurinal auch häufig nachts, weil ich sehr viel Urin verlor, manchmal fast bis zu 2’000 ml. Auch das hat sich bei mir verändert. Mit der Gewichtsabnahme verliere ich heute in der Regel nachts noch zwischen 300 und 800 ml. Da reicht eine gute Windel und ich kann mir das Ausspühlen und Desinfizieren des Urinbeutels am Morgen ersparen.

Wie auch immer, ich denke, jeder muss für sich den Umgang mit seiner Inkontinenz, seiner Problematik finden und dazu die geeigneten Hilfsmittel; und das braucht Zeit, Erfahrungen und Routine.

Jeder Mensch ist anders, ob Körper oder Geist, und das macht es manchmal schwierig und interessant zugleich.

Liebe Grüsse
Markus

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